#47 Katie: Im Visier eines Frauenhassers
Shownotes
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00:00:03: Das Beste an Katie war, dass sie nie über jemanden geurteilt hat.
00:00:07: Sie hat einfach akzeptiert, wer sie waren.
00:00:09: Sie war immer die Erste, die Hilfe oder Unterstützung angeboten hat.
00:00:12: Und das war es auch, was sie zur falschen Zeit an den falschen Ort gebracht hat.
00:00:18: Diese Folge behandelt ein Attentat, Suizid und explizite Schilderungen von Hassverbrechen.
00:00:24: Wenn ihr selbst Erfahrungen mit Gewalt gemacht habt oder jemanden kennt, der Unterstützung braucht, bennet euch an das Hilfetelefon.
00:00:31: Gewalt gegen Frauen, unter der Nummer Null Achttausend, Eins Eins Sechs, Null Eins Sechs.
00:00:36: Weitere Informationen, wie immer in den Show notes.
00:00:50: In
00:01:09: dem Video sitzt ihr zwanzigjähriger Sohn hinter dem Lenkrad seines Autos.
00:01:14: Es ist ein schwarzer BMW.
00:01:16: Sieben Minuten lang spricht er in die Handykamera.
00:01:20: Sieben Minuten lang berichtet er von der Isolation und sexuellen Frustration seines Lebens.
00:01:25: Gelegentlich lacht er selbst ironisch.
00:01:28: Er spricht über die Frauen, die ihn zurückwiesen, das Glück, dass er um sich herum sieht und sein Leben als jung Frau im Alter von zwanzig Jahren.
00:01:37: Er sagt, es sei das letzte Video, das er veröffentlichen würde.
00:01:41: Seine Stimme ist ruhig und kalt, als er sagt.
00:01:44: Es musste so weit kommen.
00:01:46: Morgen ist der Tag der Vergeltung.
00:01:48: Der Tag, an dem ich meine Vergeltung an der Menschheit üben werde.
00:01:52: An ihnen allen.
00:01:53: In den letzten acht Jahren meines Lebens, seit ich in die Pubertät kam, war ich gezwungen, eine existenzvolle Einsamkeit, Ablehnung und unerfüllter Wünsche zu ertragen.
00:02:04: Mädchen schenken ihre Zuneigung, ihren Sex und ihre Liebe anderen Männern, aber nie mir.
00:02:09: Ich bin zwanzig Jahre alt und immer noch Jungfrau.
00:02:12: Ich habe noch nie ein Mädchen geküsst.
00:02:15: Ich bin seit zweieinhalb Jahren auf dem College und ich bin immer noch Jungfrau.
00:02:19: Es war sehr quälend.
00:02:20: Das College ist die Zeit, in der jeder diese Dinge wie Sex, Spaß und Vergnügen erlebt.
00:02:25: Und das alles nur, weil sich Mädchen nie zu mir hingezogen gefühlt haben.
00:02:30: In diesen Jahren musste ich in Einsamkeit verrotten.
00:02:33: Ich weiß nicht, warum ihr Mädchen euch nicht zu mir hingezogen fühlt, aber ich werde euch alle dafür bestrafen.
00:02:42: Chin ist erschüttert und panisch.
00:02:44: Sofort informiert sie die Polizei und fährt mit ihrem Mann nach Eila Vista, wo ihr Sohn studiert und lebt.
00:02:54: Aber schon auf dem Freeway hören die verzweifelten Eltern im Autoradio.
00:02:58: erste schreckliche Nachrichtenmeldung.
00:03:04: Diese Folge dreht sich um Katie.
00:03:07: Ihr Leben ist eines von zwölf, um die es in diesem Podcast geht.
00:03:37: Hi, ich bin Massimo.
00:03:39: Und ich bin Helen.
00:03:40: Heute sprechen wir das erste Mal über ein Fall aus den USA.
00:03:44: Über ein Attentat in Isla Vista, einer kalifornischen Studentenstadt.
00:03:48: Nach Taten wie diesem bleibt oft die Frage nach dem Motiv.
00:03:52: Die quälende Suche nach Gründen, die vor allem Angehörige der Opfer umtreibt.
00:03:56: Im Fall des Attentäters von Ayla Vista ist es anders.
00:04:00: Nach seinem blutigen Streifzug durch den Küstenort weiß man schmerzhaft genau Bescheid über das Seelendeben des Mehrfachmörders.
00:04:07: Uns ist der Name des Attentäters bekannt und wir haben uns trotzdem dafür entschieden, ihn nicht zu nennen.
00:04:12: Unter anderem, da es bereits Nachahmungstäter gab.
00:04:16: In dieser Folge zwölf Leben erzählen wir euch von Catherine Cooper, die von ihrer Familie und ihren Freundinnen nur Katie genannt wird.
00:04:24: Katie ist Opfer einer Tat geworden, die aus Hass, Frustration und Radikalisierung entstanden ist.
00:04:30: Ihr Fall lässt sich auf eine kurze Formel bringen.
00:04:33: Falsche Zeit, falscher Ort.
00:04:35: Zumindest sagen es so ihre Eltern, Dan und Kelly Cooper.
00:04:38: Leider konnten wir kein Gespräch mit ihnen führen, aber wir haben Aussagen aus bestehenden Interviews mit Dan nachvertont.
00:04:45: Die Links dazu findet ihr in den Shownotes.
00:04:48: Unsere Botschaft ist die der Liebe und Unterstützung.
00:04:51: Wenn die unseren Kindern beibringen würden, wie sie mit Wut, Trauer und Frustration umgehen können, dann hätte dies vermieden werden können.
00:04:58: Um das, was Katie passiert ist, wirklich verstehen zu können, widmen wir uns in dieser Folge erstmals dem Phänomen der Inzels.
00:05:06: Für einen tieferen Einblick in diese Subkultur und ihre Dynamiken haben wir mit Susanne Kaiser gesprochen.
00:05:13: Gemeinsam beleuchten wir die Abgründe der Online-Welt, die Radikalisierung junger Männer, Und die zentrale Rolle, die Frauenhass in vielen extremistischen Ideologien spielt.
00:05:23: Ich bin Journalistin und Autorin.
00:05:27: Ich habe bisher Sachbücher geschrieben.
00:05:30: Und da eben vor allem zu politischer Männlichkeit, zur Backlash-Bewegung, zu organisiertem Frauenhass.
00:05:43: Die in Chino Hills in Kalifornien aufgewachsene Katie steht kurz vor ihrem Abschluss in Kunstgeschichte und klassischer Philologie.
00:05:51: Die aufgeschlossene Studentin ist Mitglied der Delta-Delta-Delta-Verbindung, einer Schwesternschaft der University of California, Santa Barbara, kurz UCSB.
00:06:02: Katie ist eine leidenschaftliche Tänzerin und ist Mitglied verschiedener Tanzclubs auf dem Campus, darunter Cotillion, Salza und Gesellschaftstanz.
00:06:10: Teilweise unterrichtet sie die Tänzer auch selbst.
00:06:13: Bei ihren Verbindungsschwestern ist Katie liebevoll als Mama-Bär oder Mama-Coups bekannt.
00:06:20: Spitznamen, die ihre selbstlose und großzügige Art beschreiben.
00:06:24: Eine ihrer Schwestern beschreibt sie als eine starke Persönlichkeit mit der optimistischsten Einstellung zum Leben.
00:06:31: Katie liebt es, sich auszudrücken, oft mit patriotischer Kleidung wie T-Shirts mit der amerikanischen Flagge und einer Vorliebe für Glitzer.
00:06:39: Sie hat eine besondere Fähigkeit, andere zu inspirieren.
00:06:42: und bemüht sich immer, über sich selbst hinauszugehen, um anderen zu helfen.
00:06:47: Mit ihrem lockigen blonden Haar und ihren großen blauen Augen ist die Zweiundzwanzigjährige Katie eine mit fühlende und großzügige Person.
00:06:55: In der Grundschule ist sie das Mädchen, das sich den schüchternsten Jungen der Klasse als Walzerpartner aussucht.
00:07:01: In der Junior High ist sie das Mädchen, das Teile ihres mühsam gebordene Physikprojekts herausnimmt und diese ihrer Klassenkameraden gibt, deren eigene Maschine nicht funktioniert.
00:07:10: In der High School ist sie das Mädchen, das ihre Konkurrentin in der Leichtathletik beibringt, vor einem großen Wettkampf auf der Bahn Kurven zu laufen.
00:07:18: Und auf dem College, wo sie davon träumt, eines Tages Museumskuratorin zu werden, ist sie das Mädchen, das während der Prüfungswoche mit frisch gebackenen Keksen im Haus ihrer Studentinnenverbindung auftaucht.
00:07:39: Am Nachmittag des XXIII.
00:07:41: Mai, es ist ein Freitag, ruft Katie ihre Eltern an.
00:07:46: So wie jeden Tag.
00:07:48: Sie erzählt ihnen von der Weinenprobe, von der sie gerade kommt.
00:07:51: Die Weinenprobe war Teil der Abschlusswoche ihrer Schwesternschaft, Delta, Delta, Delta.
00:07:56: Katie ist gerade auf dem Weg nach Hause zu ihrer Einzimmerwohnung.
00:08:00: Sie will den Wein, den sie mitgenommen hat, dort abstellen.
00:08:04: Kurz vor ihrer Wohnung trifft sie zwei ihrer Verbindungsschwestern, die neunzehnjährige Veronica und die zwanzigjährige Bianca.
00:08:12: Sie hat ihnen angeboten, sie zum Haus der Schwesternschaft zu begleiten.
00:08:15: Das haben sie normalerweise so gemacht.
00:08:17: Sie haben sich gegenseitig durch die Stadt begleitet und haben dann Jungs von der Delta-Tau-Delta-Bruderschaft angerufen, um das einsame Mädchen zurückzubegleiten.
00:08:26: Sie sind also nie alleine gewesen.
00:08:28: Das ist etwas, das sie innerhalb ihrer Gemeinschaft eingerichtet haben.
00:08:32: Sie hat sich um alle gekümmert.
00:08:34: Sie haben ihr sogar einen Sicherheitspreis verliehen.
00:08:37: Sie war so stolz darauf.
00:08:38: Es war ihre größte Errungenschaft.
00:08:41: Katie hat den Preis von ihrer Schwesternschaft erhalten, weil sie immer dafür gesorgt hat, dass die anderen sicher nach Hause kommen.
00:08:47: Es ist ein ca.
00:08:48: fünf Zentimeter großer Sicherheitskegel, bemalt mit glitzender, mit grüner Farbe und der Aufschrift SafetySys.
00:09:02: Später in der Nacht des XXIII.
00:09:04: Mai setzt sich Cateys Vater Dan noch vor den Fernseher.
00:09:07: Als er die News sieht, erfährt er, dass es zu Schießereien in Eila Wister in der Nähe des Campus gekommen ist.
00:09:14: Also in der Stadt, in der seine Tochter Catey studiert.
00:09:17: Seine Frau schläft bereits.
00:09:19: Sofort ruft Dan Catey auf ihrem Handy an.
00:09:22: Nichts.
00:09:23: Er schreibt ihr SMS.
00:09:24: Wieder nichts.
00:09:25: Dan erreicht Katie nicht.
00:09:28: Er versucht Ruhe zu bewahren, aber als am nächsten Morgen aufwacht, hat seine Tochter immer noch nicht geantwortet.
00:09:34: Wir haben angefangen, alle möglichen Nummern anzurufen und zu kontaktieren.
00:09:38: Schließlich habe ich ihr iPhone über die Find My iPhone App online geortet und ist im Büro des Gerichtsmediziners gefunden.
00:09:45: Also habe ich die Gerichtsmedizin angerufen.
00:09:48: Und da habe ich es erfahren.
00:09:57: Wenige Stunden zuvor.
00:09:58: Es ist der Abend des XXIII.
00:10:00: Mai, Jahrzehnte.
00:10:02: Die Safety-Sys ihres Freundeskreises begleitet ihre Verbindungsschwestern Veronica und Bianca zum Verbindungshaus.
00:10:09: Die Abschlusswoche an der UCSB hat begonnen und die Stadt Eila Vista ist voller Studentin.
00:10:16: Die drei jungen Frauen sind nur wenige Schritte vom Verbindungshaus entfernt, als ein schwarzer BMW aus dem Licht auftaucht.
00:10:23: Am Steuer sitzt ein junger Mann, ebenfalls zwanzig Jahre alt.
00:10:28: So wie Katie.
00:10:30: Er rast auf die drei Frauen zu.
00:10:32: Er lächelt.
00:10:33: Ein verzerrtes, unheimliches Lächeln.
00:10:36: Dann zieht er eine Waffe und eröffnet das Feuer durch das geöffnete Fenster.
00:10:41: Immer wieder schießt er auf die drei Frauen.
00:10:47: Bianca überlebt den Angriff mit fünf Schusswunden.
00:10:50: Die Kugeln durchdringen ihren Arm und ihre Brust.
00:10:52: Einige streifen ihren Körper.
00:10:55: Katie und Veronica hatten keine Chance.
00:10:58: Bianca wird im Nachhinein sagen, er wollte das tun.
00:11:01: Er sah glücklich darüber aus.
00:11:04: Zunächst denkt sie, es wären Gummigeschosse gewesen.
00:11:07: Dann bemerkt sie, dass sie Schmerzen hat und stark blutet.
00:11:10: Die junge Frau greift nach ihrem Handy und mit der wenigen Kraft, die sie hat, ruft sie ihre Mutter an und sagt, ich bin angeschossen worden.
00:11:18: Ich weiß nicht, was passiert ist.
00:11:20: Es ist verrückt.
00:11:21: Aber ich liebe dich.
00:11:22: Ich liebe dich so sehr.
00:11:24: Ich habe Angst, dass ich sterben werde.
00:11:25: Katie und Veronica sind zwei von sechs Menschen, die an diesem Tag durch den Eilavista Attentäter getötet werden.
00:11:40: Zwölf weitere Personen werden verletzt.
00:11:43: Er hat es versucht, mit einer enormen Menge an Munitionen eines der Verbindungshäuser zu gelangen.
00:11:47: Stattdessen ist er aus Frust in sein Auto gestiegen, um die Ecke gefahren und hat meine Tochter gesehen.
00:11:53: Und er hat das Feuer eröffnet.
00:11:55: Wenn dieser Kerl in das Haus der Studentinnenverbindung eingedrungen wäre, Den Schaden, den er angerichtet hätte, ich meine, er hätte sie ausgelöscht.
00:12:03: Er hatte genug Waffen und genug Gewehre, um alle aus dem Weg zu räumen.
00:12:06: Und sie wären wehrlos gewesen.
00:12:07: Theatentäter von Ayla Vista hat seine Tat minutiös geplant und seine Opfer bewusst gewählt.
00:12:20: Sein Amoklauf beginnt am Abend des XXIII.
00:12:23: Mai in seiner eigenen Wohnung in Ayla Vista.
00:12:26: Dort tötet er seine beiden Mitbewohner sowie einen weiteren jungen Mann.
00:12:30: Diese Männer, so schreibt er in seinem Manifest, von dem wir am Anfang der Folge gehört haben, waren für ihn wertlos.
00:12:37: Ein Ausdruck seines allgemeinen Hasses gegenüber Männern, die er für sozial erfolgreicher oder attraktiver hält als sich selbst.
00:12:44: Sein nächstes Ziel ist ein Verbindungshaus der Schwesternschaft Alpha Phi, das er als Symbol für die Frauen ansieht, die in sein Leben lang zurückgewiesen hätten.
00:12:55: Er schafft es nicht ins Gebäude, beginnt aber direkt davor, auf drei Frauen zu schießen, die sich gerade in der Nähe aufhalten.
00:13:02: Es sind Katie, Veronica und Bianca.
00:13:05: Es ist der Beginn einer mörderischen Fahrt durch Eila Vista.
00:13:09: Der Täter schießt wahrlos auf Menschen, rammt mit seinem Auto Radfahrerinnen und Fußgängerinnen.
00:13:15: Als die Polizei ihn verfolgt und sein Wagen gegen ein geparktes Auto prallt, setzt er seinem Leben selbst ein Ende mit einer seiner Waffen.
00:13:23: Laut dem zuständigen Sheriff werden im Auto des Täters drei halbautomatische Waffen gefunden, die sich der Schütze in drei verschiedenen Städten legal gekauft hatte.
00:13:33: Der Täter hatte noch vierhundert Schuss Munition übrig.
00:13:37: Hätte ihn die Polizei nicht gestoppt, wäre das Ausmaß der Tat wahrscheinlich noch größer ausgefallen.
00:13:50: Wir sind uns bewusst, dass wir uns in dieser Folge auch mit den Gedanken und Hintergründen des Täters auseinandersetzen.
00:13:56: Nur durch diese Annäherung können wir versuchen, die Thematik besser zu begreifen.
00:14:01: Verstehen bedeutet jedoch nicht Verständnis.
00:14:04: Die Radikalisierung des Täters beginnt früh und ist geprägt von Jahren der Isolation und der Suche nach einem Platz in der Welt.
00:14:13: In seinem Manifest beschreibt der Täter detailliert, wie seine Einsamkeit und dass Frauen ihn immer abgelehnt hätten zu einem immer stärkeren Hass führten.
00:14:22: Der Täter wächst in Kalifornien auf, als Sohn des britischen Filmemachers Peter und der maleisisch- chinesischen Krankenschwester Chin.
00:14:30: Trotz seines privilegierten Umfelds fühlt er sich früh von seinen Mitschülerinnen ausgegrenzt.
00:14:35: Schon in der Grundschule beginnt er, sich von anderen zurückzuziehen.
00:14:39: Sein schüchternes Verhalten und seine Unsicherheit werden oft zum Ziel von Spott.
00:14:43: Besonders die Ablehnung durch Mädchen hinterlässt tiefe Spuren in seinem Selbstbild.
00:14:48: Mit neun Jahren versucht er, dadurch, dass er sein Aussehen verändert, beziehungsweise durch das Färben seiner Haare und das Start neuer Hobbys wie Skateboarding, besser in die soziale Gruppe zu passen.
00:15:00: Doch diese Bemühungen bleiben weitgehend erfolglos.
00:15:03: Im Jugendalter wird bei ihm eine Entwicklungsstörung diagnostiziert, die ihn zusätzlich in seinen sozialen Fähigkeiten
00:15:09: einschränkt.
00:15:11: Seine Eltern unterstützen ihn, indem sie spezialisierte Schulen wählen und dem therapeutische Hilfe anbieten.
00:15:17: Dennoch verstärken sich mit der Pubertät seine Gefühle von Einsamkeit und Ablehnung.
00:15:23: Besonders in seiner Jugend beginnt der Täter sich zunehmend von anderen zurückzuziehen.
00:15:28: Er ist immer sehr neidisch auf andere Jungen, die Freundinnen gefunden hatten.
00:15:31: Was zunächst wie schüchterne Unsicherheit wirkt, entwickelt sich zu einer obsessiven Fixierung auf die vermeintliche Ungerechtigkeit, die ihm widerfährt.
00:15:39: Im Internet findet der Täter schließlich gleichgesinnte.
00:15:43: Auf Plattformen wie purehate.com Einer Website, auf der Männer ihren Hass auf Frauen und ihre Frustration über sexuelle Zurückweisung teilen, fühlt er sich zum ersten Mal verstanden.
00:15:54: Hier entwickelt sich ein regelrechtes Feindbild.
00:15:57: Frauen, die ihn angeblich das verweigern, vorauf sie einen Anspruch hätten.
00:16:01: Diese toxische Ideologie, die später als Inselkultur bekannt wird, versteckt die Wut des Täters und rechtfertigt in seinen Augen seine Gewaltfantasien.
00:16:12: Der Täter postet regelmäßig auf diesem Plattform, wo junge Männer ihre Frustration teilen und ihren Status als Jungfrau beklagen.
00:16:19: In seinem Manifest, seinen Videos und Online-Posts wird deutlich, wie tief er in eine Ideologie eintaucht, die von Hass auf Frauen und einer verzerrten Selbstwahrnehmung geprägt ist.
00:16:30: Er bezeichnet sich selbst als Incel, kurz für involuntary celibate, unfreiwillig im Zödi-Bat.
00:16:37: Was hinter diesem Begriff steckt und welche Bewegung sich daraus entwickelt hat, hat uns die Journalistin Susanne Kaiser erklärt.
00:16:44: Das sind also unfreiwillig enthaltsam lebende Männer, die noch nie eine Freundin noch nie Sex in ihrem Leben hat, die das Gefühl haben, dass sie nicht sehr attraktiv gefunden werden von Frauen.
00:16:56: Man würde jetzt aber darunter nicht alle Männer verstehen, die noch nie eine Beziehung hatten.
00:17:03: sondern vor allem solche, die da nicht bei sich selbst nach den Ursachen forschen, weil sie zum Beispiel keine sozialen Kompetenzen oder so haben, sondern die kollektiv Frauen dafür die Schuld geben, die auch finden Frauen hätten quasi die Pflicht, Sex und Beziehung zu liefern.
00:17:23: Also sie meinen, dass sie einen Anspruch darauf haben und die seit vielen Jahren inzwischen im Netz in der sogenannten Manusphäre, also in der Manusphäre ein Weltbild erschaffen haben oder eine Ideologie erschaffen haben, in der sie ihr Hass auf Frauen, den sehr hassen Frauen dafür, dass sie sexlos sind, Ausdruck verleihen und Gewalt verherrlichen das Material, Frauen verachtende Theorien usw.
00:17:52: miteinander teilen und sich da richtig rein radikalisiert haben.
00:17:57: Im Laufe der Jahre sammelt der Täter von Eila Vista Waffen und schreibt an seinem Manifest.
00:18:03: Online inszeniert er sich als Opfer einer Gesellschaft, die ihn aus seiner Sicht nicht wahrnimmt.
00:18:09: Die digitale Radikalisierung ermöglicht es ihm, in einer Blase aus Hass und Verzweiflung zu leben, die durch ihn schließlich in der Tragödie von Eila Vista gepfällt.
00:18:27: Das Manifest des Täters trägt den Titel Mein verdrehtes Leben.
00:18:31: Auf rund hunderthundvierzig Seiten schildert er seine Weltsicht.
00:18:34: geprägt von Hass auf Frauen und einem tiefen Gefühl der Zurückweisung.
00:18:38: Immer wieder beschreibt er seine Wut auf Frauen, die ihn ignorierten und Männer, die, wie er es ausdrückt, den Zugang zu Frauen genießen durften.
00:18:46: In seinen Augen hatten Frauen die Pflicht, ihm Liebe, Zuneigung und Sex zu schenken.
00:18:51: Die Tatsache, dass sie es nicht hatten, machte sie zu seinen Feinden.
00:18:55: Doch sein Hass richtet sich nicht nur gegen Frauen.
00:18:58: Auch Männer, die in Beziehungen oder in seiner Wahrnehmung attraktiver als er sind, wurden in seinem Manifest zu Gegnern.
00:19:05: Er schreibt, dass er sie bestrafen müsse, um seine Überlegenheit zu beweisen.
00:19:10: Das Dokument zeigt eine zutiefst nazistische und von Misogyny durch drungene Sichtweise, die über Jahre hinweg in der Isolation und durch den Austausch in toxischen Online-Forn genährt wurde.
00:19:22: In seinen Videos Blog-Einträgen seiner Facebook-Seite und in seinem Manifest inszeniert sich der Täter als Einzelgänger, der sich von einer Welt ausgeschlossen fühlt, die ihn umgibt.
00:19:33: Er spricht davon, wie er mit Wut beobachtet, wie Paare Händchen halten oder sich küssen und wie er Zuflucht in der Ruhe eines Golfplatzes sucht, weil er dort sicher sein konnte, keine Paare zu sehen.
00:19:44: Diese Isolation, kombiniert mit einer verzerrten Weltsicht, führt nicht nur zu seinem Hass, sondern auch zu einer völligen Abkopplung von der sozialen Realität.
00:19:53: Susanne Kaiser beschreibt, wie sich solche Persönlichkeiten entwickeln und warum sie in der analogen Welt oft scheitern.
00:20:01: Das ist auch ein ganz bestimmter Typ, der sich da herausbildet.
00:20:05: Wenn man schon als Kind vielleicht nicht so gut ausgebildete soziale Kompetenzen hat, dann früh im Netz unterwegs ist, mit einer misogyn sexistischen Einstellung, da auf Gleichgesinnte trifft und nur mit denen über sowas kommuniziert und dadurch eben nur um sich selbst kreist, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind dann in der Pubertät soziale Kompetenzen ausbildet, die für andere Menschen interessant sind, doch relativ gering.
00:20:34: Das Verkenneninselts aber total.
00:20:36: Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass sie einfach nicht nett sind und keine besonders interessanten, coolen Typen, sondern die reduzieren es komplett auf diese biologistischen Ideen, die sie da haben.
00:20:46: Und auch da kreisen sie natürlich völlig um sich selbst und um ihre Weltanschauung.
00:20:52: und sind so disconnected vom Rest der sozialen Welt und vor allem auch der analogen Welt, wo ihr Leben nämlich nicht stattfindet in der materiellen Welt, dass sie das gar nicht sehen und auch gar nicht auf die Idee kommen, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass sie so erfolglos sind bei anderen.
00:21:09: Und das sind sie im Übrigen nicht nur bei Frauen und beim Dating, sondern Inselts sind typischerweise auch Menschen, die in der materiellen Welt fast keine Freunde haben.
00:21:21: Der Täter veröffentlicht sein Manifest nur wenige Stunden vor der Tat online.
00:21:26: Zusammen mit einem YouTube-Video, in dem er seine sogenannte Vergeltung ankündigt, wurden diese Dokumente schnell zu einer Art heiliger Schrift in der Inzelszene.
00:21:37: Es enthält nicht nur die detaillierte Planung seines Amoklaufs, sondern auch ein verzerrtes Selbstbild, in dem er sich als Opfer einer ihm feindlich gegenüberstehenden Welt stillisiert.
00:21:47: Dieses Video und das Manifest tragen dazu bei, dass der Täter von Ayla Vista in Inselkreisen zu einer Ikone wurde.
00:21:55: Seine Taten werden glorifiziert, seine Worte in Memes und Foren weiterverbreitet.
00:22:00: Er wird als Märtyrer dargestellt, als Symbol für jene, die sich durch Frauen und die Gesellschaft ungerecht behandelt fühlen.
00:22:07: Das hatte eine riesige Auswirkung, weil es zum einen dieses Manifest gibt.
00:22:14: und sehr viele das gelesen haben und sich wiedergefunden haben darin, sehr viele auch in der Autobiografie gefunden haben.
00:22:23: Ich würde nicht sagen, dass es eine ist, sondern es ist ja eine totale Selbstglorifizierung, die er da betreibt und eine Stilisierung natürlich auch von diesem Denken und von seinem Leben und dem Ganzen.
00:22:39: Und tatsächlich sehen wir aber auch, wie er danach einfach zum Helden, zum Heiligen, zum Märtyrer erhoben wurde in der Insel Szene.
00:22:48: Die Veröffentlichung seines Manifests und seiner Videos zeigt, wie sehr der Täter auch nach Aufmerksamkeit und Bedeutung strebt.
00:22:57: In seinem Denken ist Gewalt ein Mittel, um die Welt auf seine vermeintlichen Leiden aufmerksam zu machen.
00:23:03: Doch was bleibt, ist die Zerstörung, die er hinterlassen hat.
00:23:07: und die unzähligen Leben, die durch sein Hass beendet, oder für immer verändert wurden.
00:23:21: Die sogenannte Incel-Community ist ein Phänomen, das eng mit dem Aufkommen des Internets verbunden ist.
00:23:27: Der Begriff Incel wurde ursprünglich in den Neunzehnt neunziger Jahren von einer Frau geprägt, die eine Selbsthilfegruppe für einsame Menschen ins Leben rufen wollte.
00:23:36: Es sollte ein Raum sein, um über Beziehungslosigkeit und Isolation zu sprechen.
00:23:40: Doch dieser Ansatz hat sich im Laufe der Jahre stark verändert, wie Susanne Kaiser weiß.
00:23:45: Und so vielleicht seit den ... ... zwei Tausend Zehnerjahren.
00:23:49: ein bisschen vorher ... ... kann man sagen, dass es diese ... ... ja, eigene Dynamik entwickelt hat.
00:23:56: Die, die es dann lange Zeit auch hatte.
00:23:58: Inzwischen hat sich es noch ein bisschen anders entwickelt, weil ... ... diese ganze ... ... was früher so Darknet war und sehr, sehr ... ... ja, hermetisch und subversiv unterwegs ist seit ein paar Jahren.
00:24:13: deutlich in den Mainstream gekippt, muss man sagen.
00:24:15: Das heißt auch bei TikTok oder anderen bei X oder so zu finden.
00:24:22: Und gar nicht mehr nur in einschlägigen Inselforen.
00:24:25: Aber lange Zeit, was einfach nur dort verortet.
00:24:28: Die einst isolierte Subkultur ist inzwischen deutlich in den Mainstream gerückt.
00:24:33: Algorithmen verstärken diese Inhalte und tragen dazu bei, dass sie immer mehr Menschen erreichen.
00:24:38: Auch solche, die ursprünglich gar nicht gezielt danach gesucht haben.
00:24:42: Damit sind diese Ideen längst nicht mehr nur in kleinen Nischen verankert, sondern haben potenziell größere Auswirkungen.
00:24:49: Schon vor der Tat gab es Hinweise darauf.
00:24:52: Die Eltern des Täters hatten die Behörden alarmiert, nachdem sie YouTube-Videos ihres Sohnes entdeckt hatten, in denen er über das Töten von Menschen gesprochen hat.
00:25:01: Am dreißigsten April, ein knappen Monat vor der Tat, starteten Polizistinnen ihm daraufhin einen Besuch ab.
00:25:08: Doch die Beamtinnen hatten die Videos nicht gesehen.
00:25:11: Sie kam zu dem Schluss, dass von ihm keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.
00:25:54: Und schließlich gingen sie wieder.
00:25:56: Ich verspürte eine Welle der Erleichterung, schreibt er später.
00:26:17: Das ist ein Mensch, der mir fremd ist.
00:26:33: Man sieht, wie die Szene danach so einen richtigen Boom erfahren hat.
00:26:38: Es gibt diese ganzen Memes und Iconen von dem ... Alavisa Attentäter mit heiligen Schein, mit irgendwie als wunderschöner Alfermann, der durch dieses Attentat sich eben empowert hat, selbst ermächtigt hat, aus dieser Unmacht, aus dieser Sexlosigkeit, also nicht, dass er dadurch Sex gehabt hätte, aber eine Inselattentäter stellen sich vor, dass durch so ein alphamäßiges Attentat Frauen total begeistert sind und eigentlich genau das wollen.
00:27:11: Diese Glorifizierung zeigt, wie verzerrt und widersprüchlich das Weltbild der Insel-Szene ist.
00:27:17: Der Eiler-Vista-Täter wird als Alfermann inszeniert, ein Status, den Insels mit sozialem Erfolg und sexueller Attraktivität verbinden, das, was in der Community gleichzeitig so verhast ist.
00:27:29: Der Gedanke, dass Gewalt eine Methode zur Selbstermächtigung ist, offenbart die tiefen Abgründe dieser Ideologie.
00:27:36: Es ist Paradox.
00:27:38: Der Täter, der sich als Opfer von Zurückweisung inszeniert, wird zum Helden erhoben, obwohl seine Tat keine der Ersehnten und gleichzeitig Verhassten Anerkennungen bringt.
00:27:48: Diese Denkweise suggeriert, dass Frauen, die der Täter hast und für sein Leid verantwortlich macht, durch Gewalt beeindruckt oder gar angezogen werden könnten.
00:27:58: Dabei wird völlig ignoriert, dass diese Taten nur Isolation und Zerstörung hinterlassen und keine der erhofften Belohnungen wie Liebe oder Respekt.
00:28:08: Diese Selbstinszenierung als Opfer und vermeintlicher Alphamann zeigt, wie tief die Insel-Ideologie in einer Fantasiewelt verwurzelt ist, die von realen sozialen Dynamiken komplett entkoppelt ist.
00:28:21: Diese Glorifizierung von Gewalt und Selbstermächtigung in der Insel-Szene hat nicht nur bestehende Mitglieder radikalisiert, sondern auch neue Anhänger angezogen.
00:28:30: Vor allem junge Männer, die sich erfolglos oder ausgegrenzt fühlen, finden in dieser toxischen Ideologie einen vermeintlichen Halt.
00:28:38: Die Insel-Ideologie basiert unter anderem auf der Annahme, dass die Gesellschaft nach strikten Hierarchien funktioniert.
00:28:46: Insels glauben, dass nur sogenannte Alpha-Männer, etwa zwanzig Prozent aller Männer, Zugang zu achtzig Prozent der Frauen hätten.
00:28:54: Diese Alpha-Männer würden als attraktiv, erfolgreich und dominant wahrgenommen werden, während der Rest, die sogenannten Betas und Omegas, angeblich von Frauen systematisch übersehen und abgelehnt werden würden.
00:29:08: Dieses verzerrte Weltbild verstärkt das Gefühl der Ungerechtigkeit und liefert den Incels eine vermeintliche Erklärung für ihre Einsamkeit.
00:29:16: Die Vorstellung, dass Gewalt gegen Frauen und die Gesellschaft eine Art Rebellion sei, die die bestehenden Machtverhältnisse umkehren könnte.
00:29:29: Diese Rhetorik wurde zum Nährboden für weitere Anschläge.
00:29:32: Das zeigt, wie gefährlich die Verherrlichung von Gewalt in diesen Kreisen ist.
00:29:37: Und das, was Insels auch Better Uprising oder Insel Rebellion nennen, wurde dann hinterher quasi zur Theorie erklärt.
00:29:47: dass man es quasi schaffen müsste durch solche am besten orchestrierten Anschläge.
00:29:52: Also einer begeht einen Anschlag mit möglichst vielen weiblichen Toten.
00:29:59: Und das ruft dann viele Trittbrettfahrer auf den Plan, die ähnliche Anschläge begehen.
00:30:04: Und durch dieses Uprising quasi wird die Gesellschaft umgestürzt und das ganze System umgekrempelt.
00:30:11: und die früheren, better oder noch schlechter gestellten... Männer in dieser Insel-Hierarchie sind dann die Alphas, können dann, dann haben wir keine Demokratie mehr, keine Feministische, in der Frauen selbst bestimmen können, sondern die Insel regieren dann die Gesellschaft und kriegen die besten Frauen.
00:30:32: Seit dem Attentat in Eila Vista, ist die Insel-Szene nicht nur gewachsen, sondern auch radikaler geworden.
00:30:40: Gewaltfantasien, die einst in anonymen Foren ausgetauscht wurden, werden heute offen in sozialen Medien geteilt und durch Algorithmen verstärkt.
00:30:49: Was einst eine isolierte Subkultur war, ist inzwischen ein global sichtbares Phänomen.
00:30:54: Die Ideologie der Incells hat sich nicht nur verbreitet, sondern ihre gefährlichen Fantasien sind zunehmend in der realen Welt spürbar
00:31:01: geworden.
00:31:08: Als Kateys Eltern Dan und Kelly von dem Anschlag und dem Tod ihrer Tochter erfahren, machen sie sich am darauf folgenden Tag, Wir
00:31:20: wussten nicht genau, was wir vorhatten, aber wir haben uns ins Auto gesetzt und sind hingefahren.
00:31:25: Wir waren wie betäubt.
00:31:26: Es war fast unwirklich.
00:31:28: Und viele haben immer noch gehofft, dass es nur ein dummer College-Streich war.
00:31:32: Dan und Kelly fahren zuerst zum Büro des Gerichtsmediziners, um Kati's Habseligkeiten abzuholen, bevor sie zu ihrer Wohnung gehen.
00:31:40: Dort finden sie zehn bis zwölf Personen in der Einzimmerwohnung vor, die sich alle in einem unterschiedlichen Zustand der Trunkenheit befinden.
00:31:48: Kelly erzählt in einem Interview, dass sie eine irische Totenwache abgehalten
00:31:52: hätten.
00:31:53: Kateys Eltern treffen ihre Freundinnen, besuchen die Orte, an denen sie lebte und versuchen, das Unfassbare zu verarbeiten.
00:32:02: Beide beschreiben diesen Tag als unwirklich.
00:32:04: Ein Gefühl, das sie bis heute begleitet.
00:32:07: Während sie die Burschenschaften und Schwestern schaffen Besuchen, führt ein Mitglied der Verbindung Delta-Tau-Delta das männliche Pondant zu Catys Verbindung, die Kupers durch das Haus.
00:32:18: Im Flur zeigt er ihnen die bemalten Türen der Zimmer, jede mit einzigartigen Motiven gestaltet.
00:32:24: Schließlich öffnet er die Tür zu seinem eigenen Zimmer, wo die Eltern ein riesiges Wandgemehl desen, ein gewaltiger Tsunami, der eine ganze Wand bedeckt.
00:32:33: Am unteren Rand des Bildes steht eine Inschrift.
00:32:37: Da stand K. Kup und das Datum.
00:32:40: Sie hat nie gemalt.
00:32:42: Ich hatte keine Ahnung, woher das alles gekommen ist.
00:32:44: Ist es einfach in der Uni gekommen?
00:32:46: Sie hat einfach die verschiedenen Teile ihrer Persönlichkeit weiterentwickelt.
00:32:50: Sie hat nie einen Malkurs besucht und trotzdem für alle gemalt.
00:32:53: Während ihres Aufenthalts in Eila Vista legen Cates Eltern auch Wert darauf, die Polizeibeamtinnen aufzusuchen.
00:33:00: Die versucht hatten, den Täter während seines Amoklaufs zu stoppen, um ihnen persönlich zu danken.
00:33:06: Ich glaube, sie waren erstaunt, dass wir uns tatsächlich bemüht haben, ihnen zu danken.
00:33:10: Ich glaube, was viele Leute nicht wissen, ist, dass die Polizei in Islawista nur zu Fuß unterwegs ist.
00:33:15: Dieser Kerl sitzt also in einem Auto und schießt auf Leute, die ihn zu Fuß aufhalten wollen.
00:33:20: Das ist Heldentum in seiner schönsten Form.
00:33:22: Die Tat in Islawista war der erste Anschlag, der explizit mit der Insel Ideologie verknüpft wurde.
00:33:38: Doch er sollte nicht der Einzige bleiben.
00:33:40: Seitdem gab es weltweit mehrere ähnliche Taten, Bei den Täter sich direkt auf den Täter von Ayla Vista berufen haben, erzählt Journalistin Susanne Kaiser.
00:33:50: Auch in Deutschland beispielsweise würden wir das Halleattentat mit dazu rechnen, weil der Täter aus Halle natürlich ein rechtsextremes Weltbild vertreten hat und erstmal antisemitisch und rassistisch gehandelt hat.
00:34:04: Aber der hat eben auch ganz viel in Inselforen abgehangen, hat auch diese Logik einfach mit ... Ja, mit eingeatmet quasi.
00:34:15: Und man kann das gar nicht mehr trennen.
00:34:17: Diese Selbstermächtigung durch Gewalt führt zu Nachahmern.
00:34:21: Eine der Taten, bei denen sich der Täter auf den Eiler-Wisterarten-Täter bezieht, findet am fierundzwanzigsten Februar-Zw-Z-Z-Z-Z statt.
00:34:29: Ein Siebzehnjähriger ersticht vor einem Massagesalon in Toronto, die Fierundzwanzigjährige angestellte Ashley Azaga und verletzt außerdem einen Mann und eine Frau mit Messerstichen.
00:34:40: Nach dem Grund für die Tat müssen die Behörden nicht lange suchen.
00:34:44: Auf dem Messer steht ein sexistischer Spruch.
00:34:46: In der Tasche des Teenagers finden sie einen Zettel, der Gewalt gegen Frauen propagiert.
00:34:51: Vor einem Jahr, im Dezember, im Dezember, wurde der Täter deswegen nicht nur wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
00:34:59: Und das ist als terroristische Tat eingestuft worden.
00:35:02: Und auch zu Recht.
00:35:04: Weil ... Und das, finde ich, müsste noch viel stärker anerkannt und auch ausgeweitet werden.
00:35:10: Nicht nur Inselts begehen politische Gewalttaten, wenn sie gewalttätig gegenüber Frauen sind, weil diese Frauen sind, sondern alle Menschen, die Gewalt gegen Frauen begehen, aufgrund des Geschlechts der anderen Person.
00:35:29: Mir geht es nicht nur darum, mich dafür einzusetzen, dass das Insel-Taten als Terrorismus anerkannt werden, sondern das ganz grundsätzlich Gewalt gegen Frauen, wenn diese stattfindet, nicht weil der Mensch zufälligerweise eine Frau ist, sondern gezielt aus misogyn sexistischen Motiven heraus.
00:35:47: Das müsste alles als politische Gewalt und als politische Extremismus eingestuft werden.
00:35:51: Diese Anerkennung als Terrorismus ist ein wichtiger Schritt.
00:35:55: Doch die Diskussion darüber, wie wir gesellschaftlich mit misogynem Taten umgehen, ist noch lange nicht zu Ende.
00:36:02: Diese Einstufung könnte nicht nur den gesellschaftlichen Diskurs über geschlechtsspezifische Gewalt verändern, sondern auch die Arbeit von Strafverfolgungsbehörden.
00:36:11: Denn solange diese Taten als Einzelfälle betrachtet werden, bleiben ihre systematischen Ursachen unsichtbar.
00:36:18: Die Vermischung von Ideologien, Rechtsextremismus, religiöser Fundamentalismus und die sogenannten Male Supremacy-Bewegung zeigt, wie gefährlich und durchlässig solche Denkmuster sind.
00:36:29: Gerade in den USA sehen wir Parallelen zwischen evangelikalen Gruppen und Incellideologien, die ähnliche Vorstellung über Männlichkeit und Kontrolle teilen.
00:36:39: Dazu kommt, dass Algorithmen in sozialen Medien solche Inhalte verstärken.
00:36:44: Und deshalb sehen wir, dass da Gewalt, vor allem gegen Frauen, auch gegen andere politische Minderheiten, einfach ... komplett entfesselt stattfinden kann.
00:36:55: Und wenn wir das jeden Tag sehen, wenn schon junge Menschen damit jeden Tag konfrontiert sind, normalisieren sich diese Formen der Gewalt natürlich, diese Frauenbilder, die wir alle da haben und sehen können, das ist etwas, was für uns normal wird.
00:37:08: Und damit findet eine Diskursverschiebung von ganz unglaublichen Ausmaßen statt.
00:37:13: Und das kriegen wir ja auch mit.
00:37:16: Das ist auch der Grund, warum Gewalt gegen Frauen steigt.
00:37:18: und eben nicht abnimmt, wie wir es erwarten würden in einer Gesellschaft, in der Gewalt grundsätzlich eher abnimmt.
00:37:24: Und das müssen wir angehen.
00:37:38: Nur wenige Stunden nach Cateys tragischem Tod versammeln sich Freundinnen und Bekannte bei einer Nachtwache im Kerzenschein, um ihr zu gedenken.
00:37:47: Einer der Redner sagt, deine Tanzschritte sind wunderschön.
00:37:50: Ich werde dich nicht vergessen, Catey.
00:37:52: Bitte tanze weiter.
00:37:54: Katie hinterlässt nicht nur eine Lücke im Leben derer, die sie kannten, sondern auch eine Erinnerung daran, wie viel eine einzelne Person durch ihre Liebe und Fürsorge bewirken kann.
00:38:05: Katie's Mutter Kelly findet später Worte, die ihre Tochter perfekt beschreiben.
00:38:10: Hätte Katie den Jungen, der sie erschossen hat, getroffen, wäre sie die erste gewesen, die ihn gefragt hätte, was kann ich für dich tun?
00:38:18: Es ist diese Haltung, immer zuerst an andere zu denken, die sie zu der Person gemacht hat, die von so vielen geliebt wurde.
00:38:26: Die Eltern der ebenfalls getöteten Freundin von Katie, Veronica, sagen ähnliches über ihre Tochter.
00:38:33: Katie und Veronica verband ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, Eigenschaften, die sie schnell zu eng Freundinnen machten.
00:38:40: Die Trauerfeier für Katie wollen ihre Eltern zunächst privat halten.
00:38:44: Doch als sie sehen, wie viele Menschen von Katie's Tod betroffen sind, ändern sie ihre Meinung.
00:38:50: Kateys Vater Dan beschreibt die Unterstützung von Freundinnen und den Menschen aus ihrem Ort als überwältigend.
00:38:56: Sie haben uns so sehr unterstützt.
00:38:58: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir das alles alleine schaffen würden.
00:39:02: Wir haben also miteinander gesprochen und erkannt, dass es für die Gemeinschaft notwendig ist, zu heilen.
00:39:07: Dass alle heilen müssen.
00:39:08: Für Kateys Familie wird es zu einer Mission, etwas aus der Tragödie heraus zu bewirken.
00:39:14: Dan sagt, dass sie und die Eltern der anderen Opfer sich einig sind.
00:39:18: Es muss mehr getan werden, um junge Menschen zu erreichen, um ihnen einen adäquaten Umgang mit negativen Gefühlen beizubringen.
00:39:25: Der Täter war jemand, der diese Unterstützung gebraucht hätte.
00:39:29: Sie wissen, dass er seit Jahren in Therapie war, doch offenbar reichte das nicht aus.
00:39:33: Ihr Engagement richtet sich deshalb auf Prävention, mit der Hoffnung, dass andere Eltern und Kinder vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt werden können.
00:39:42: Wenn man verhindern will, dass dies anderen Eltern und anderen unschuldigen Kindern widerfährt, muss man einen Weg finden, sie zu erreichen und ihnen zu helfen und zu erkennen, dass Selbstmord nicht der Ausweg ist.
00:39:53: Sich in einem Knall zu verabschieden, damit man in den Nachrichten kommt, ist kein Ausweg.
00:39:58: Als die Eltern des Täters am Abend des XXIII.
00:40:01: Mai in Eila Vista eintreffen, erfahren sie von den Behörden, dass ihr Sohn sechs Menschen getötet und anschließend Suizid begangen hat.
00:40:10: Dieser Moment markiert für sie einen Wendepunkt, den sie als surreal und zutiefst erschütternd beschreiben.
00:40:16: Chinn spricht später über ihre Schuldgefühle und die quälende Frage, ob sie die Tragödie hätte verhindern können.
00:40:22: Peter äußert tiefes Bedauern, über die vergeblichen Bemühungen, ihrem Sohn durch Therapie und soziale Unterstützung zu helfen.
00:40:30: Chinn entscheidet sich, öffentlich über die Herausforderungen, um Umgang mit ihrem Sohn zu sprechen.
00:40:36: Ihr Ziel ist es, andere Eltern und Fachkräfte für Warnsignale zu sensibilisieren und die Bedeutung von Prävention und frühzeitiger Intervention zu unterstreichen.
00:40:46: Trotz des Schmerzes engagieren sich beide Eltern heute aktiv für Gewaltprävention und die Förderung mentaler Gesundheit, um andere vor einem ähnlichen Schicksal zu
00:40:57: bewahren.
00:41:15: Die Tat von Eila Vista war ein Wendepunkt.
00:41:18: Sie hat nicht nur eine Diskussion über Incells und ihre Ideologie angestoßen, sondern auch die Notwendigkeit verdeutlicht, geschlechtsspezifische Gewalt als strukturelles Problem zu erkennen.
00:41:29: Das Manifest und die darauf folgenden Taten zeigen, wie tief Hass auf Frauen in unserer Gesellschaft verankert ist.
00:41:36: Und das zeigt sehr deutlich, wie wichtig es ist, für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung einzutreten.
00:41:42: Dass wir diesen krassen Backlash sehen, Und dass Inzels so stark werden konnten und auch andere Male Supremacy-Bewegungen so stark werden konnten, liegt nur daran, dass der Feminismus und die progressive Bewegung insgesamt so, so krass erfolgreich war und Frauen, queere Menschen, andere politische Minderheiten so sichtbar gemacht hat.
00:42:04: statt zu verzweifeln oder die Hoffnung aufzugeben, sollte es uns eher darin bestärken, jetzt noch viel, viel mehr Druck zu machen und noch viel mehr für diese Rechte und für diese Sichtbarkeit zu kämpfen.
00:42:18: Und das auch gemeinsam mit allen, also uns nicht spalten zu lassen, wie es ja gerade leider auch der Fall ist, sondern uns solidarisch zusammenzufinden in diesem Kampf mit allen anderen auch gegen das Patriarchat und weiter für diese Rechte und auch eben für die Demokratie.
00:42:34: Einzustehen.
00:42:36: Auch wenn Kateys Tod eine unvorstellbare Tragödie ist, versuchen ihre Eltern inmitten des Schmerzes etwas Positives
00:42:44: zu sehen.
00:42:45: Sie sind überzeugt, dass Kateys selbstlose Art und das Bedürfnis, füreinander einzustehen und aufeinander Acht zu geben, dazu beigetragen haben, andere vor ähnlichem Leid zu bewahren.
00:42:58: Wir wollen nicht weitermachen.
00:43:00: Weitermachen heißt vergessen und ich will nicht vergessen.
00:43:03: Aber wir müssen vorwärts gehen.
00:43:05: Es ist schon ironisch, dass Katie's Botschaft immer geleutet hat.
00:43:09: Lebe das Leben in vollen Zügen, bereue nichts.
00:43:11: Sie hat dieses Motto tatsächlich gelebt.
00:43:14: In ihrem Fall hat es gut funktioniert.
00:43:16: Denn sie war diejenige, die am Ende erschossen wurde.
00:43:19: Und sie hatte nichts zu bereuen.
00:43:21: Ich bin mir nicht sicher, ob jeder andere das von sich behaupten
00:43:24: kann.
00:43:40: Brielle ist achtzehn Jahre alt, als sie ein Mann heiraten soll, der zweiunddreißig Jahre älter ist als sie.
00:43:46: Nicht nur das, er ist auch der Anführer einer Sekte.
00:43:49: Brielle weiß, dass sie das Leben in der Sekte nicht führen möchte.
00:43:53: Ob sie es schafft zu fliehen, hört ihr in der nächsten Folge, zwölf Leben.
00:43:57: Wir möchten uns an dieser Stelle auch für die vielen Zuschriften und Kommentare von euch bedanken.
00:44:02: Schreibt uns gerne jederzeit, wenn ihr Anmerkungen, Lob oder Kritik habt und auch wenn ihr einen Fall habt, von dem ihr denkt, dass wir ihn hier in zwölf Leben unbedingt erzählen sollten.
00:44:12: Schreibt uns eine E-Mail an zwölfleben.podimo.gmail.com.
00:44:17: Die Mailadresse findet ihr wie immer auch in unserer Folgenbeschreibung.
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