#52 Nina: Ohnmacht und Unrecht
Shownotes
Diese Folge ist schon vor Monaten in der Podimo App veröffentlicht worden. In der Podimo App findet ihr schon jetzt 60 kostenlose Folgen, die ihr ganz ohne Anmeldung oder Abo hören könnt – Einfach nur die App öffnen und ‘12 Leben’ finden: https://podimo.de/12leben
Zusätzlich zu den 60 kostenlosen Folgen findet ihr dort auch die neueste Staffel im Premium-Bereich. _ München, 18. April 2013: Nina ist mit Freund:innen unterwegs, sie lacht, tanzt, fühlt sich sicher – bis ihre Erinnerung plötzlich abreißt. Stunden später wacht sie auf, verstört, verletzt, mit einer unerklärlichen Leere in ihrem Kopf. Erst langsam setzt sich das Puzzle zusammen: Sie wurde vergewaltigt und muss vorher mit K.-o.-Tropfen betäubt worden sein. Doch das Gefühl der Ohnmacht lässt nicht nach als Nina merkt, wie schwer es ist, Gerechtigkeit zu bekommen.
Diese Folge erzählt Ninas Geschichte: den Kampf, ihre Erinnerung zu rekonstruieren, die Konfrontation mit der Justiz und ihren Weg vom Opfer zur Aktivistin. Sie hat den Verein „Kein Opfer e.V.“ gegründet, um aufzuklären, zu schützen und das System zu verändern. Für diese Folge haben wir mit Nina, der Betroffenen selbst, gesprochen.
Mit Rechtsanwältin Anja Riemann-Uwer haben wir außerdem darüber gesprochen: die rechtlichen Hürden bei sexualisierter Gewalt, die Beweisproblematik in K.-o.-Tropfen-Fällen und warum so wenige mutmaßliche Täter verurteilt werden.
Triggerwarnung: Diese Folge behandelt sexualisierte Gewalt. Bei Gewalterfahrungen findet ihr anonym und kostenfrei Unterstützung unter folgenden Nummern:
Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”: 08000 116 016 (rund um die Uhr) Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (rund um die Uhr) Opfer-Telefon vom Weißen Ring: 116 006 (7-22h Uhr)
Mehr Infos bekommt Ihr auf der Homepage der Online Datenbank für Betroffene von Straftaten: www.odabs.org
Habt ihr Feedback? Dann könnt ihr uns eine E-Mail schreiben: 12leben.podimo@gmail.com
"12 Leben – Verbrechen an Frauen" ist ein Podcast von Podimo. Hosts: Helen Schulte und Massimo Maio Autorin dieser Folge: Kiana Lensch Schnitt und Sound: Frieder Maurer & Luca Sartori (hipitch) Ausführende Produzentin: Madeleine Petry
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Transkript anzeigen
00:00:03: Dieser Idealfall, wie man sich den vorstellt.
00:00:08: Ein Mensch wird Opfer von einer schweren Straftat, geht zur Polizei, wird dort ernst genommen.
00:00:15: Der Person wird geglaubt, sie bekommt irgendwie auch ein Stück weit Empathie.
00:00:19: Es wird sich gekümmert, es wird gut ermittelt.
00:00:24: Wenn der Täter gefunden wird oder die Täterin, dann gibt's ein Prozess.
00:00:30: Und dann gibt's ne Verurteilung und dann gibt's ne gerechte Strafe.
00:00:34: So stellt man sich das ja vor mit in nem Rechtsstaat und so stellt man sich
00:00:38: Gerechtigkeit vor.
00:00:40: Also das sind die Ausnahmefälle.
00:00:42: Und die Fälle, was schief geht, ist die Norm.
00:00:47: Und als ich das halt verstanden hab, das war eigentlich der Grund, warum ich dann auch weitergekämpft hab.
00:00:57: Diese Folge behandelt Schilderungen von sexualisierter Gewalt.
00:01:01: Beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen erhaltet ihr als Betroffene Hilfe unter der Nummer, Einsein Sechs, Null Einsechs.
00:01:08: Weitere Informationen wie immer in den Show notes.
00:01:15: Mai, zwei Tausend Achtzehn.
00:01:17: Bali.
00:01:18: Die feuchte Hitze liegt schwer in der Luft.
00:01:20: Das Brummen von Mopads und das Zirpen der Zikaden vermischen sich zu einem Klangteppich, der, nachdem man sich daran gewöhnt hat, beruhigend wirkt.
00:01:29: Nina genießt es, als Digital Nomad von der Inonesischen Insel auszuarbeiten.
00:01:35: Seit zwei Monaten ist Nina hier.
00:01:37: Zwei Monate, die sich angefühlt haben wie eine Art Heilung.
00:01:40: Es geht ihr so gut wie lange nicht mehr.
00:01:42: Sie hat die Vorkommnisse von vor fünf Jahren hinter sich gelassen.
00:01:46: Sich selbst davon überzeugt, dass sie ihren Beitrag geleistet hat.
00:01:49: Sie hat Interviews gegeben, hat in TV-Dokumentationen gesprochen, hat erzählt, was ihr passiert ist.
00:01:55: Jetzt will sie loslassen, weitermachen.
00:01:58: Gerade erst ist die siebenunddreißig Grad-Reportage im ZDF über sie ausgestrahlt worden.
00:02:03: Danach kam wieder viele Nachrichten, auch von alten Bekannten, die völlig erschüttert waren, weil sie erst jetzt von Nina's Geschichte erfahren haben.
00:02:11: Für Nina fühlt sich das seltsam an, als würde sie in einer Zeitkapsel stecken.
00:02:16: Für andere ist es eine neue schockierende Information.
00:02:19: Für sie ist es eine Geschichte, mit der sie seit Jahren lebt.
00:02:23: Dann vibriert ihr Handy.
00:02:34: Nina
00:02:48: ruft bei der Staatsanwaltschaft an.
00:02:50: Irgendwie schafft sie es, die zuständige Staatsanwältin ans Telefon zu bekommen.
00:02:55: Eine halbe Stunde sprechen sie.
00:02:56: Die Staatsanwältin wirkt loyal, engagiert.
00:03:00: Sie versichert ihr, dass diesmal wirklich gut ermittelt wird.
00:03:03: Nina legt auf und fühlt zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie Hoffnung.
00:03:08: Nach fünf Jahren gibt es plötzlich einen Treffer in der DNA-Datenbank.
00:03:12: Einer der Männer, dessen Sperma damals in ihrem Körper gefunden wurde, wurde wegen einer anderen Straftat festgenommen.
00:03:19: Jetzt könnte es endlich zu einem Prozess kommen.
00:03:22: Jetzt könnt es endlich Gerechtigkeit
00:03:24: geben.
00:03:28: Diese Folge dreht sich um Nina.
00:03:30: Ihr Leben ist eines von zwölf, um die es in dieser Staffel geht.
00:04:02: Und in der heutigen Folge zwölf Leben geht es mal wieder um ein neues Thema, das wir so in der Tiefe noch nicht behandelt haben, obwohl es eines der großen und weitverbreiteten Themen ist, wenn wir über Gewalt spezifisch gegen Frauen sprechen.
00:04:16: Unsere Zuhörerin Miriam hat uns auf diesen Fall aufmerksam gemacht.
00:04:19: Danke Miriam.
00:04:21: Und falls ihr auch ein Thema oder eine Geschichte kennt, über die wir berichten sollten, dann meldet euch gerne.
00:04:26: Ihr könnt uns erreichen unter zwölfleben.podimo.gmail.com.
00:04:32: In der heutigen Folge sprechen wir mit Nina, der Betroffenen selbst.
00:04:36: Ihre Geschichte, die sie seit Jahrzehntzehntzehn öffentlich erzählt, ist eine gewaltsame, aber auch eine optimistische, eine kämpferische.
00:04:44: Sie beginnt im Jahr zehntzehntzehntzehn bei einem Disco-Besuch in München und dauert immer noch an.
00:04:50: Mit ihr haben wir zweimal gesprochen und die Interviews auch aufgezeichnet.
00:04:54: Die Erinnerungen, die ich habe, sind echt wie so einzelne Bilder.
00:04:57: Also es fühlt sich auch eher so an.
00:05:00: Es wäre das irgendwie aus einem Film, den ich irgendwann mal vor langer Zeit gesehen habe und mich da nur noch so dunkel dran erinnern.
00:05:08: Deswegen kann ich da auch relativ gut darüber sprechen, weil das so distanziert ist irgendwie von mir emotional.
00:05:16: Es wäre ich da
00:05:17: gar nicht so wirklich anwesend gewesen.
00:05:19: Und wir sprechen mit der Rechtsanwältin Anja Riemann-Uwa über die rechtlichen Hürden, mit denen betroffene Vinina konfrontiert sind.
00:05:27: Ich bin in Düsseldorf als Anwältin tätig.
00:05:30: Ich bin auch zugelassen am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.
00:05:34: Ich vertrete Opfer im Ermittlungs- und im Strafverfahren vor Gericht, meistens in der Nebenklage und setze mich für Opfer ein, um die Interessen der Geschädigten besser wahrzunehmen und auch den Geschädigten Gehör zu verschaffen.
00:06:01: München, April, April, zwischen zwei und vier Uhr morgens.
00:06:06: Das Erste, woran sich Nina aus dieser Zeit erinnert, ist ihre Vergewaltigung.
00:06:11: Ein Mann liegt auf ihr, draußen im Park, gegenüber des Clubs.
00:06:15: Ein anderer Mann steht daneben.
00:06:17: Nina hat nur Erinnerungsfetzen, keine klaren Bilder.
00:06:20: Passanten fragen, ob alles okay ist, noch während der Vergewaltigung.
00:06:24: Nina weiß, dass gar nicht okay ist.
00:06:26: Die Männer schicken die Passanten weg.
00:06:28: Nina ist nicht in der Lage, etwas zu sagen oder um Hilfe zu bitten.
00:06:31: Sie befindet sich in einer Schockstarre.
00:06:34: Ich mein, in unserer Kultur ist es nicht üblich, dass wenn Leute irgendwie sexuell aktiv sind, dass man da hingeht und die anspricht.
00:06:42: Also, man guckt dann eher weg.
00:06:45: Und wenn man da hinguckt, dann vielleicht eher heimlich, dass man nicht dabei erwischt wird.
00:06:50: Aber dass man da einfach hingeht und redet mit den Leuten, macht man nicht.
00:06:55: Das heißt ... Für die muss es genau nachdem ausgesehen haben, was es war.
00:07:06: Irgendwann lassen die Männer von ihr ab.
00:07:09: Wie genau Nina aus der Situation fliehen kann, kann sie heute nicht mehr sagen.
00:07:13: Sie weiß nur, dass sie irgendwann in der Tram sitzt und weint.
00:07:18: Hier geht es schlecht.
00:07:19: Nina fährt zu einer Freundin.
00:07:21: Sie klingelt, aber ihre Freundin öffnet nicht die Tür.
00:07:24: Es ist ungefähr vier Uhr morgens.
00:07:26: Nina fährt nach Hause und legt sich ins Bett.
00:07:35: Als sie aufwacht, möchte sie die Nacht rekonstruieren und herausfinden, was passiert ist.
00:07:39: Sie ruft den Freund an, mit dem sie am Tag zuvor erst Pizza essen und anschließend zusammen mit anderen Freundinnen noch feiern war.
00:07:46: Er hebt ab.
00:07:47: Ihre erste Frage, wann seid ihr nach Hause gegangen?
00:07:50: Und er war halt so total verwirrt und hat halt so gemeint so, hä,
00:07:55: wir,
00:07:56: also auch du, sind doch zusammen um halb eins nach Hause.
00:08:02: Und ... Ich hatte aber mich da gar nicht mehr dran erinnert.
00:08:07: Nina hat ihre eigene Version der Ereignisse.
00:08:10: Sie geht davon aus, dass sie noch weiterfeiern wollte, dass sie dann für Alkohol getrunken hat.
00:08:16: Ich dachte dann, dass ich irgendwie im Gebüsch irgendwie pinkeln wollte, dabei eingeschlafen bin.
00:08:24: Also das Gehirn liefert einem dann schon Antworten, wenn da viele Fragezeichen sind.
00:08:30: Nina versucht sich zu erinnern, Puzzleteile zusammenzusetzen.
00:08:33: Ihr Gehirn sucht nach logischen Erklärungen für die Lücken in ihrer Erinnerung, aber es bleibt verschwommen.
00:08:40: Vielleicht ist es genau das, was sie später antreiben wird.
00:08:43: Das Bedürfnis, Dinge zu verstehen, zu rekonstruieren, einen klaren Blick auf die Realität zu bekommen.
00:08:49: Denn in Ninas Leben gibt es schon Frühbrüche, Veränderungen, ein Gefühl von Rastlosigkeit, das sie seit ihrer Kindheit begleitet.
00:09:09: Nina zieht in ihrer Kindheit oft um.
00:09:12: Einen festen Ort, den sie zu Hause nennen kann, gibt es für sie nicht.
00:09:16: Sie wächst zuerst auf der Schwäbischen Alb auf, dann zieht ihre Familie nach Bayern.
00:09:20: Die längste Zeit, die sie an einem Ort verbringt, sind sieben Jahre.
00:09:24: Nina passt sich schnell an.
00:09:25: Sie hat früh gelernt, an einem neuen Ort anzukommen, neue Menschen kennenzulernen und sich zurechtzufinden.
00:09:31: Nina lässt sich nicht vorschreiben, was sie tun darf und was nicht.
00:09:35: Weder als Kind, als sie unbeirrt auf Bäume klettert, noch als Jugendliche, als sie sehr willensstark ist.
00:09:40: Mit dreizehn wird sie die erste Oberministerin in ihrer katholischen Gemeinde in Bayern, ein Amt, das bis dahin nur jungen vorbehalten war.
00:09:49: Später geht sie ihren eigenen Weg, macht nach dem Abitur eine Ausbildung zu Fremdsprachen-Korrespondenten in München und schließt ihren Masternübersetzung an der University of Surrey in London ab.
00:10:00: Reisen wird zu einem wichtigen Teil ihres Lebens.
00:10:03: Nina lebt in Amsterdam, Frankreich, Portugal, Marokko.
00:10:07: Sie studiert verschiedene Sprachen mit der Idee, als Übersetzerin ortsunabhängig arbeiten zu können.
00:10:13: Sie studiert Englisch, versucht sich an Russisch und Spanisch, lernt sogar Altgriechisch.
00:10:17: Nina zieht nach Amsterdam und schafft es, sie nur fünf Wochen fließend Niederländisch zu sprechen.
00:10:22: Doch irgendwann kehrt sie zurück nach München.
00:10:25: In die Stadt, die heute nicht nur mit schönen Erinnerungen verbunden
00:10:28: ist.
00:10:41: Um zu verstehen, was in der Nacht vor dem Münchner Club geschehen ist, denkt Nina über jedes Detail des Abends der Nacht genau nach.
00:10:53: Am Abend des April, April, geht Nina mit dem Bruder ihre Schwagers Pizza essen.
00:10:59: Sie beiden sind befreundet und unternehmen immer mal wieder gemeinsam etwas.
00:11:03: Der Freund schlägt vor, dass sie anschließend noch zu Freundinnen von ihm in einen Irish Pop gehen könnten.
00:11:10: Im Irish Pub ist die Stimmung gelöst.
00:11:12: Später entscheidet die Gruppe, mit der Nina unterwegs ist, noch weiterzuziehen.
00:11:16: Und
00:11:18: dann sind die eben in ein Club.
00:11:21: Und ich war von vornherein schon nicht so begeistert, weil ich diesen Club eigentlich bewusst immer gemieden hab.
00:11:30: Der hatte nämlich immer einen sehr schlechten Ruf, weil es immer einen sehr krassen Männerüberschuss dort gab.
00:11:38: Und das macht die Stimmung nicht besser, vor allem nicht, wenn dort halt Alkoholprimer konsumiert wird.
00:11:47: Es war einfach in diesem Club immer so eine latent, sexualisierte, aggressive Stimmung.
00:11:56: Nina geht trotzdem mit.
00:11:57: Damals ist die Dreißigjährige gerne und oft in Clubs und Bars unterwegs.
00:12:02: Es ist Donnerstagabend und am nächsten Tag hat sie frei.
00:12:05: Nina erinnert sich, dass die Stimmung entgegen ihrer Befürchtung gut war.
00:12:09: Sie und die anderen haben getrunken und getanzt.
00:12:12: Um halb eins verlässt die Gruppe dann gemeinsam den Club.
00:12:14: Nina verabschiedet sich und geht zur Tram, während die anderen mit der U-Bahn nach Hause fahren.
00:12:19: An der Tram-Haltestelle kommt Nina mit einem Mann ins Gespräch.
00:12:23: Es ist eine dieser spontanen Begegnungen, wie sie in langen Partie-Nächten oft passieren.
00:12:28: Nina fragt ihn nach einer Zigarette.
00:12:30: Seit Stunden hat sie Lust, eine zu rauchen.
00:12:33: Und ... Das war irgendwie ein netter junger Mann, der dann gesagt hat, er geht in den Club, wo ich gerade hergekommen bin und halt gefragt hab, ob ich nicht mitkomme.
00:12:45: Und ich wollte ja eh eigentlich noch nicht nach Hause und hätte da gern noch weiter gefeiert.
00:12:51: Und ja, dann hat's, glaub ich, nicht so viel gebraucht, um mich zu überreden.
00:12:56: Also ich bin wieder mit dem zurück.
00:13:00: Und ...
00:13:02: Der hat mich dann auch noch ein paar Leuten
00:13:04: vorgestellt.
00:13:06: Und ich hab bis heute kein schlechtes Gefühl in Bezug auf diese Leute.
00:13:11: Und dann ist dunkel.
00:13:13: Und dann weiß ich gar nichts mehr.
00:13:16: Es gibt eine Lücke.
00:13:17: Eineinhalb bis zwei Stunden, die in Nieners Gedächtnis einfach nicht existieren.
00:13:22: Keine verschwommenen Bilder, keine Orientierung.
00:13:25: Nichts.
00:13:27: Die erste Rinnerung, die ich dann wieder hab, ist dann schon ... quasi in der Mitte von der Vergewaltigung.
00:13:34: Das war dann im Park gegenüber von dem Club.
00:13:40: Also zwei wildfremde Männer, die da dann da waren, wo ich auch bis heute nicht weiß, wie ist der Kontakt zu denen überhaupt zustande gekommen.
00:13:51: Man kann sich das vielleicht ein bisschen so
00:13:53: vorstellen, es würde
00:13:55: man schlafen und dann wacht man auf und ist in dieser Situation.
00:14:00: Und es ist ... Eine wahnsinnige Überforderung für das ganze System und vor allem auch für das Gehirn, weil man einfach überhaupt nicht mehr checkt, was los ist.
00:14:15: Nina ruft den Freund an, mit dem sie in der Nacht unterwegs war und spricht mit ihm über ihre Erinnerungslücken.
00:14:20: Als er ihr sagt, dass sie gar nicht betrunken gewirkt habe, als sie sich verabschiedet haben, ergibt alles einen Sinn.
00:14:26: Das Gefühl der Lehre, die Erinnerungslücken, die plötzliche Hilflosigkeit.
00:14:31: Zusammen mit ihrem Kumpel kommt Nina zu einer Erkenntnis.
00:14:34: KO-Tropfen.
00:14:35: Weil es sonst keine andere Erklärung gibt.
00:14:39: Und dass es dementsprechend auch einfach eine Vergewaltigung war.
00:14:43: Und der Kumpel hat dann schon gesagt, hey, du musst zur Polizei.
00:14:46: Und ich war so, nein, auf gar keinen Fall.
00:14:50: Zum einen, weil ich gar nicht mich in der Lage gesehen hab.
00:14:56: So was durchzustehen, weil mir ging es wirklich hundeelend.
00:15:01: Und zum anderen, weil ich wahnsinnige Schuldgefühle hatte, weil ich mir dachte, wenn ich einfach heimgegangen wäre mit den anderen, dann wäre das alles nicht passiert.
00:15:11: Die Schuldgefühle, die Zweifel, die Angst.
00:15:15: All das überrollt Nina.
00:15:16: Nach dem Telefonat fährt sie zu ihrer Schwester.
00:15:19: Sie liegt bei ihr auf der Couch, schläft ein, fängt dann wieder an zu weinen.
00:15:23: Stundenlang.
00:15:25: Nina vertraut sich auch ihrer Schwester an, die sofort in der Rechtsmedizin anruft.
00:15:29: Sie müsse schnell vorbeikommen, denn KO-Tropfen seien nur circa sechs Stunden lang konkret nachweisbar.
00:15:35: Zwölf Stunden nach der Tat können die Drogen schon überhaupt nicht mehr festgestellt werden.
00:15:40: Mein Schwester wollte dann ja vermeiden, dass ich vielleicht in ein paar Tagen dann das doch gerne anzeigen würde, aber es heißt jetzt, es ist zu spät.
00:15:52: So,
00:15:52: Zug abgefahren.
00:15:54: Und hat das dann so ein bisschen in Eigenregie auch dann entschieden.
00:15:58: Ich war sowieso nicht fähig, irgendeine Entscheidung zu treffen.
00:16:01: Also ich stand so neben mir.
00:16:04: Und so bin ich dann letztendlich doch bei der Polizei gelandet.
00:16:07: Das war eine ganz schlimme Erfahrung.
00:16:13: Tatsächlich in dem Moment eigentlich sogar schlimmer als die Vergewaltigung selbst.
00:16:19: Weil mir dort nicht geglaubt wurde.
00:16:21: Und das ... Ja, das hat mich irgendwie so tief getroffen.
00:16:28: Als Nina dann dort ihre Vermutung ausspricht, Opfer vom Einsatz von KO-Tropfen geworden zu sein, sollen ihr die Beamtinnen gesagt haben, dass es diese gar nicht gebe und dass das Thema von den Medien aufgebaut werde.
00:16:40: Aber nicht nur bei der Vernehmung fühlt Nina sich unempartisch behandelt, auch bei der körperlichen Untersuchung in der Rechtsmedizin.
00:16:47: Nina kann sich noch erinnern, dass ihr auf einem Stuhl sitzt, nackt.
00:16:51: Vor ihr steht die Gerichtsmedizinerin, weißer Kittel, kalte Finger.
00:16:56: Wie der Raum genau ausgesehen hat, weiß sie nicht mehr,
00:16:58: nur
00:16:59: kalt und steril.
00:17:01: Peinlich genau untersucht die Medizinerin ihren Körper, fotografiert blaue Flecken, Schürfwunden, nimmt Vaginalabstriche, um über eventuell vorhandene Sperme, die DNA des Mannes festzustellen, der Nina in der Nacht zuvor vergewaltigt haben soll.
00:17:15: Ich weiß noch, die Rechtsmedizinerin hat dann so ... Witzeln mit den Polizeibeamtinnen gemacht während der Untersuchung.
00:17:26: Ich glaub, was auch so viele nicht verstehen, die immer behaupten, dass es ja so unendlich viele Frauen gibt, die aus Rache irgendwelche Falschbeschuldigungen machen.
00:17:37: Man sucht sich nicht in der Rache aus, wo man selber so in Mitleidenschaft gezogen wird.
00:17:43: Weil im Endeffekt ist es ja genau die Reproduktion wieder von dem Trauma.
00:17:49: Man ist wieder ausgeliefert in einer Unmachts-Situation, hat Kontroll verlost, weil man wieder nicht bestimmen darf, was irgendwie mit einem passiert, was mit einem gemacht wird.
00:18:04: Und also dieser Tag war wirklich einer der schlimmsten in meinem Leben.
00:18:10: Und trotz der Zweifel der Beamtinnen ist Nina sich sicher.
00:18:13: Jemand hat ihr KO-Tropfen verabreicht.
00:18:16: Sie sollte sich nicht schämen müssen.
00:18:18: Sie will eine Anzeige, sie will ein Prozess, damit der oder die Täter zur Verantwortung gezogen werden.
00:18:37: Als Nieners Schwester, sie am Tag nach der Nacht ohne Erinnerung zur Polizei bringt, können keine Chaotropfen in ihrem Blut nachgewiesen werden.
00:18:44: Für den Nachweis an einer narkotisierenden Substanz ist es schon zu spät.
00:18:48: Aber in Nieners Körper wird Sperma gefunden.
00:18:52: Die Polizei gleicht dieses in einer DNA-Datenbank ab.
00:18:55: Kein Treffer.
00:18:57: Da Nina aufgrund der Erinnerungslücken auch keine Täterbeschreibung abgeben kann, scheint es unwahrscheinlich, den oder die Täter finden zu können.
00:19:12: Nina wird später von anderen Betroffenen sexualisierter Gewalt erfahren, dass solche Gedanken häufig vorkommen.
00:19:22: Nach zehn Monaten wird Ninas Akte ergebnislos geschlossen.
00:19:26: Auch wenn sie die Schließung der Akte nachvollziehen kann, fühlt sich Nina nach allem, was passiert ist, vom System im Stich gelassen.
00:19:33: Und das wird nicht das letzte Mal sein.
00:19:35: Nina beginnt eine Therapie und versucht, das Geschehene zu verarbeiten.
00:19:39: Aber was bedeutet das eigentlich?
00:19:41: Jeder Mensch geht anders mit einem Trauma um.
00:19:44: Für manche bedeutet es Rückzug.
00:19:45: Andere haben ein Bedürfnis zu sprechen.
00:19:47: Und dann gibt es diejenigen, die versuchen, ihr Leben so weiter zu führen, als wäre nichts passiert.
00:19:54: mit sehr vielen Leuten darüber gesprochen.
00:19:56: Also eigentlich mit allen, mit denen ich damals irgendwie näheren Kontakt hatte, die da in meinem Umfeld waren.
00:20:04: Ich hab meiner Familie gesprochen.
00:20:06: Ich hatte damals auch noch einen Nebenjob, hab da auch mit meiner Kollegin, meiner Chefin gesprochen, hab dann auch immer ganz viele andere Geschichten erfahren.
00:20:17: Viele andere CO-Tropfengeschichten.
00:20:19: Aber an sich, ich hab ... weiter meine Arbeit gemacht.
00:20:23: Ich bin weiter feiern gegangen.
00:20:26: Ich habe ganz normal mein Leben gelebt, weil das einfach auch meine Strategie war, mir eben nicht mein Leben versauen zu lassen und da keine Einbußen oder Beeinträchtigungen oder sowas spüren wollte, weil sich das eben wie ein
00:20:47: Sieg
00:20:48: für die Täter angefühlt hat.
00:20:57: Im Mai, ist die Tat gegen Nina fünf Jahre her.
00:21:02: Fünf Jahre ohne Ermittlungserfolge, fünf Jahre ohne Antworten oder Gerechtigkeit.
00:21:08: Nina will mit der Sache abschließen, um weiterleben zu können.
00:21:11: Dafür geht sie an die Öffentlichkeit, spricht den Interviews darüber, unter anderem in der ZDF-Reportage, und erzählt Freundinnen und Bekannten ganz offen von dem, was sie erlebt hat.
00:21:23: Dann kommt ein Brief, mit dem Nina nicht gerechnet hat.
00:21:26: Nina selbst ist gerade auf Bali, als ihr Untermieter aus München ihr ein Foto von einem Schreiben der Münchner Staatsanwaltschaft schickt.
00:21:33: Vielen Dank, Ihre Anzeige ist eingegangen, steht dort.
00:21:37: Ihr Untermieter ist völlig verwirrt.
00:21:38: Er glaubt zunächst, Nina habe eine neue Anzeige erstattet.
00:21:42: Auch Nina versteht nicht, was das bedeuten soll.
00:21:45: Welche Anzeige ist gemeint?
00:21:47: Die von vor fünf Jahren?
00:21:49: Ihr Anwalt ist nicht erreichbar, also ruft Nina selbst bei der Staatsanwaltschaft an und bekommt die Antwort.
00:21:55: Es gibt einen Treffer in der DNA-Datenbank.
00:21:58: Ein Mann, dessen Sperma in Ninas Vagina gefunden wurde, wurde wegen einer anderen Straftat festgenommen.
00:22:04: Im Rahmen dieser Festnahme wird seine DNA routinemäßig mit bestehenden Datenbanken abgeglichen und es gibt einen Treffer.
00:22:11: Seine DNA wurde bereits im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Vergewaltigung gesichert, Ninas Fall.
00:22:17: Die Ermittlerinnen konfrontieren den Mann mit diesem Fund.
00:22:20: Doch zum Vorwurf der Vergewaltigung an Nina schweigt er.
00:22:24: Der Fall wird trotzdem wieder aufgenommen.
00:22:26: Nach all den Jahren gibt es auf einmal einen konkreten Verdächtigen.
00:22:29: Nina schöpft neue Hoffnungen, dass es endlich zu einem Prozess
00:22:32: kommt.
00:22:39: Doch nur wenige Monate später, Anfang des Jahrhunderts, schließt die zuständige Staatsanwältin den Fall trotz übereinstimmender DNA erneut.
00:22:47: Begründung?
00:22:48: Nina könne sich an längere zeitliche Abschnitte der Tat nach nicht erinnern.
00:22:53: Und es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch mit anderen Männern sexuellen Kontakt gehabt hat.
00:22:59: Ohne weitere Beweismittel könne laut Staatsanwaltschaft nicht nachgewiesen werden, dass die Täter davon ausgehen, die sexuellen Handlungen gegen den Willen der Geschädigten verübt zu haben.
00:23:09: Die Staatsanwaltschaft zieht die Beweislast also als unzureichend an.
00:23:13: Da Nina Erinnerungslücken hat und keine weiteren objektiven Beweise vorliegen, könne nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass die Täter bewusst gegen ihren Willen gehandelt haben.
00:23:23: Ein Freispruch des mutmaßlichen Täters sei wahrscheinlicher als eine Verurteilung, weshalb es nicht zu einem Verfahren kommt.
00:23:30: Das war sehr schlimm.
00:23:32: Ich hab mich einfach komplett im Stich gelassen gefühlt.
00:23:37: Und ja, fand es einfach richtig krass, wie da mit Opfern umgegangen wird.
00:23:45: Also, ich war ja schon die, der diese schlimme Straftat angetan wurde.
00:23:55: Und als ob das nicht ausreicht, wurde da noch so gefühlt mit Füßen auf mich eingetreten.
00:24:01: Und diese Ohnmacht und diese Ungerechtigkeit, dass mir da irgendwie das Rechte auf den Fernprozess halt verweigert wurde, das war dann so schlimm, dass ich einen Weg gesucht hab, aus dieser Ohnmacht rauszukommen.
00:24:16: Und das war dann im Endeffekt mein Weg, der mich ... zum Aktivismus dann gebracht hat, der hat da begonnen.
00:24:25: Ihr Anwalt legt Beschwerde ein.
00:24:27: Er argumentiert, es gebe eine geschlossene Indizienkette, die zeige, dass der Geschlechtsverkehr nicht einvernehmlich war.
00:24:34: Er kennt andere Verfahren in München, in denen mit weit schlechtere Beweislage Verurteilung ausgesprochen wurden.
00:24:40: Für Nina ist das der Moment, in dem sie begreift, dass sie nicht nur für ihren eigenen Fall kämpft.
00:24:46: Je mehr sie über ihre Erfahrung spricht, desto mehr hört sie von anderen Betroffenen.
00:24:51: Nina merkt, dass das, was sie erlebt hat, kein Einzelfall ist und dass sich etwas ändern
00:24:55: muss.
00:24:56: Nina kämpft ab jetzt nicht nur für sich, sondern auch für andere Betroffene, für mehr Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit.
00:25:11: Es gab eine große Übergabe bei der Generalstaatenwaltschaft.
00:25:15: Die haben angekündigt.
00:25:17: In zwei bis drei Wochen gibt es das Ergebnis.
00:25:19: Ich habe dann aus der Presse erfahren, dass sie noch mal ergänzenden Hinweisen nachgehen, sprich, sie haben wieder ermittelt und haben es dann letztendlich im November, zwei Tausend neunzehn, wieder eingestellt.
00:25:37: Also zum dritten Mal insgesamt.
00:25:40: Nina versteht.
00:25:41: Die Aussicht auf eine Anklage schwindet mit jedem weiteren Einspruch.
00:25:45: Trotzdem gibt sie nicht auf.
00:25:47: Sie geht den nächsten juristischen Schritt und reichte im März, ein Klage-Erzwingungsverfahren ein.
00:25:53: Zum ersten Mal muss sie dafür selbst Geld zahlen, fünftausend Euro.
00:25:57: Wenige Monate später erhält sie den Bescheid.
00:26:00: Der Antrag wurde aus formalen Gründen abgelehnt.
00:26:03: Der Sachverhalt sei darin nicht vollständig wiedergegeben worden.
00:26:07: Doch auch inhaltlich äußert sich das Gericht zu dem Antrag.
00:26:10: Einem Antrag auf Klagerzwingungen könne generell nur dann stattgegeben werden, wenn die Anklage, die erzwungen werden soll, vor Gericht auch erfolgsversprechend sei.
00:26:20: Das sei hier aber nicht der Fall, beurteilt das Gericht.
00:26:23: Nach sieben Jahren sei eine Aufklärung bei der vorliegenden Sachlage im Grunde ausgeschlossen.
00:26:28: Nina hat noch eine Möglichkeit, das Bundesverfassungsgericht.
00:26:32: Dann hatte ich einen Monat Frist für eine Verfassungsbeschwerde.
00:26:38: Was eigentlich nahezu unmöglich ist, wenn man noch mal, wie ich, ein Anwaltswechsel hat, weil mein damaliger Anwalt die Ebene Bundesverfassungsgericht und Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte nicht gemacht hat, musste also eine neue Kanzlei suchen.
00:26:56: Das hat knapp zehn tausend Euro gekostet.
00:27:00: Nina muss im Internet Spenden sammeln für die Verfahrenskosten.
00:27:04: Aber sie will nichts unversucht lassen.
00:27:06: Nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Betroffene.
00:27:09: Und
00:27:10: das wurde dann abgelehnt, auch die Verfassungsbeschwerde.
00:27:15: Und da habe ich dann im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, im Sommer, ganze Geschichte insgesamt zwanzigtausend Euro gekostet hat.
00:27:46: Fälle wie der von Nina stehen exemplarisch für ein grundlegendes Problem in der Strafverfolgung von Sexualdelegten.
00:27:52: Die schwierige Beweislage, besonders wenn KO-Troffen im Spiel sind.
00:27:56: Anders als bei vielen anderen Straftaten gibt es oft keine direkten Zeuginnen.
00:28:00: Die Erinnerung der Betroffenen ist lückenhaft oder komplett ausgelöscht.
00:28:05: Und das ist eines der Probleme, die die Strafverfolgung erschweren.
00:28:09: Dazu die Rechtsanwältern.
00:28:10: Anja Riemann-Ova.
00:28:12: Die Strafprozessarten kennt von sich aus.
00:28:16: So ist es eben festgelegt.
00:28:18: Die kennt nur vier Beweismittel.
00:28:20: Das ist einmal der Zeugenbeweis, das ist der Urkundenbeweis, das ist der Sachverständigenbeweis.
00:28:25: Und die in Augenschein haben.
00:28:26: Und wenn der Zeugenbeweis schon wegfällt, weil sie keine Erinnerung mehr haben, sind wir zwingt.
00:28:35: auf den Sachverständigen Gutachten angewiesen.
00:28:38: Dieses Sachverständige Beweismittel sind bei Ko-Tropfen toxologische Gutachten, die vom Blut genommen werden.
00:28:47: Das heißt, wir sind hier im Sachverständigen Beweis unterwegs, weil ja häufig gerade bei Ko-Tropfen und Sexualdelikte es keine weiteren Zeugen gibt.
00:28:56: Das bedeutet, ohne toxikologischen Nachweis oder eindeutige medizinische Befunde gibt es kaum eine Chance, dass ein Fall vor Gericht Bestand hat.
00:29:05: Und genau hier liegt das Problem.
00:29:06: KO-Tropfen sind nur sechs bis zwölf Stunden im Blut nachweisbar.
00:29:10: Wer erst am nächsten Morgen merkt, dass etwas nicht stimmt, hat oft schon jede Möglichkeit auf Beweissicherung verloren.
00:29:17: Aber selbst wenn den Arschspuren gefunden werden, wie in Ninas Fall, bedeutet das noch lange nicht, dass es zu einer Verurteilung kommt.
00:29:25: Denn DNA allein beweist keinen sexuellen Übergriff.
00:29:28: Es muss klar nachgewiesen werden können, dass der Geschlechtsverkehr nicht einvernehmlich war.
00:29:33: Das bedeutet, selbst wenn man die Täterin identifiziert, können sie immer noch behaupten, dass alles einvernehmlich war.
00:29:40: Und wenn sich die Betroffene nicht erinnern kann, dann ist sexualisierte Gewalt für die Justiz oft nicht beweisbar.
00:29:46: Wenn wir diese Beweismittel nicht haben und das Strafverfahren wird eingestellt, Dann denken die Betroffenen häufig, der Staat glaubt mir nicht, oder die Polizei glaubt mir nicht.
00:29:58: Das ist nicht so.
00:30:01: Das wird dann schon geglaubt.
00:30:03: Nur, das muss mit einer Urteilssicherheit nachgewiesen werden.
00:30:08: Wir brauchen diese Beweismittel nach der Strafprozessordnung.
00:30:12: Oder auch später dann, wenn wir diese toxologisches Gutachten nicht haben, DNA-Spuren haben, das gibt es ja auch.
00:30:28: Das heißt ja auch nichts.
00:30:30: Man muss schon ungefähr den Tathergang rekonstruieren können.
00:30:35: Man sagt, ja, da sind DNA-Spuren vielleicht auch vom Geschlechtssack
00:30:40: her.
00:30:41: Schlammerspuren.
00:30:42: Man sagt im Täter, ja, das kann ja schon sein, aber das ist alles freiwillig passiert.
00:30:49: Und dann haben sie eine Geschädigte, die sich an nichts mehr erinnert, die kann dazu nichts sagen.
00:30:53: Und sie haben kein toxologisches Gutachten.
00:30:55: Das heißt, sie haben nicht die Widerstandsunfähigkeit.
00:30:58: Und dann können sie jetzt nicht in Kräften die Aussage des Tethers.
00:31:01: Viele Betroffene ahnen erst Stunden später, da sie in etwas zugestoßen sein könnte.
00:31:06: Manche heben sogar ihren Urin auf, in der Hoffnung später einen Beweis liefern zu können.
00:31:11: Es reicht als Beweismittel nicht aus.
00:31:14: Es muss ein Sachverständigen gut achten.
00:31:16: Da haben wir das Problem mit dieser Nachweisbarkeit, dass das relativ schnell wieder verschwunden ist.
00:31:23: Die Schwierigkeiten in der Strafverfolgung bedeuten aber nicht, dass Justiz und Ermittlungsbehörden die Problematik nicht ernst nehmen.
00:31:30: Vielmehr bewegen sich diese Fälle in einem rechtlichen Spannungsfeld.
00:31:34: Die Justiz muss jeden Vorwurf mit der notwendigen Sorgfalt prüfen, gleichzeitig aber auch sicherstellen, dass Unschuldige nicht vor schnell verurteilt werden.
00:31:42: Und das führt in vielen Fällen dazu, dass Betroffene trotz bestehender Indizien keine Gerechtigkeit erfahren.
00:31:49: Genau hier liegt das Dilemma.
00:31:51: Das Rechtssystem ist auf eindeutige Beweise angewiesen.
00:31:54: Doch gerade bei Sexualstraftaten fehlen die so oft.
00:31:58: Wenn eine Verurteilung nur dann möglich ist, wenn keinerlei Zweifel bestehen, bedeutet das in der Praxis oft, ein Täter bleibt straffrei.
00:32:06: Das sorgt nicht nur für Frustration bei Betroffenen, sondern kann auch dazu führen, dass das Vertrauen in das System verloren geht.
00:32:13: Eine Lösung muss also zweigleisig sein.
00:32:16: Auf der einen Seite eine Reform der Beweisanforderung, auf der anderen Seite eine bessere Unterstützung für Betroffene, damit sie sich überhaupt trauen, den juristischen Weg zu gehen.
00:32:26: Mehrere Tausend Frauen werden pro Jahr in Deutschland vergewaltigt.
00:32:30: Die Täter jedoch selten verurteilt.
00:32:32: Als Vergewaltigung wird jedes Eindringen in den Körper einer Person definiert, das gegen den erkennbaren Willen der Person durchgesetzt wird.
00:32:40: Im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr Jahr.
00:32:57: Damit steckt die Zahl dieser Sexualstraftaten das fünfte Jahr in Folge und
00:32:59: auf einen erneuten Höchststand.
00:33:00: Einer repräsentativen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zufolge erleben dreizehn Prozent aller Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens strafrechtlich relevante Formen sexualisierter Gewalt.
00:33:14: Zehn Prozent haben eine Vergewaltigung oder versuchte Vergewaltigung erlebt.
00:33:18: Zugleich belegt die Forschung, dass nur ca.
00:33:21: fünf bis fünfzehn Prozent der Frauen, die vergewaltigt wurden, das auch anzeigen.
00:33:26: In der Studie Sicherheit und Kriminalität in Deutschland, zwei Tausend zwanzig, waren es knapp zehn Prozent.
00:33:33: Die Strafverfolgungsstatistik gibt Auskunft darüber, wie viele tatverdächtige verurteilt werden.
00:33:39: Es sind bei angezeigten Vergewaltigungen und schweren Forms sexueller Nötigungen im Durchschnitt der letzten Jahre weniger als zehn Prozent.
00:33:46: Insgesamt lässt das die Schlussfolgerung zu, dass es in weniger als ein Prozent der Fälle tatsächlich zu einer Verurteilung kommt.
00:33:54: Nach einem sexuellen Übergriff stehen Betroffene vor einer schwierigen Entscheidung.
00:33:58: Sollten sie sofort zur Polizei gehen oder sich zunächst medizinisch untersuchen lassen, um Beweise zu sichern, ohne direkt eine Anzeige zu erstatten.
00:34:07: Eins muss man auch wissen.
00:34:08: Wenn man zur Polizei geht, das sind sogenannte Offizialdelikte.
00:34:13: Das heißt ... Die Strafverfolgung kommt in Gang.
00:34:17: Und ich kann das Verfahren als Geschädigte nicht mehr aufhalten.
00:34:22: Auch wenn ich sage, ich habe später kein Interesse mehr
00:34:25: in der
00:34:25: Strafverfolgung.
00:34:26: Dann kann ich nicht sagen, ich nehme die Anzeige zurück.
00:34:28: Es ist nicht so wie im Kinn.
00:34:31: Oder gute Freundschaften oder Ähnliches.
00:34:34: Das müssen die Betroffenen wissen, dass das Verfahren dann auch ohne deren Einfluss weiterläuft.
00:34:42: Wer also eine Anzeige erstattet, gibt das Verfahren aus der
00:34:45: Hand.
00:34:46: Auch wenn die betroffene Person später ihre Meinung ändert, läuft die Strafverfolgung weiter und kann nicht einfach gestoppt werden.
00:34:52: Das ist vor allem dann entscheidend, wenn Betroffene sich dem psychischen Druck eines Verfahrens nicht aussetzen können oder wollen.
00:34:59: Zwischen einer Anzeige und einer möglichen Hauptverhandlung können gut ein bis zwei Jahre vergehen.
00:35:04: Eine lange Zeit, in der ein solches Verfahren wie ein Schatten über dem eigenen Leben hängen kann.
00:35:10: Deshalb ist es wichtig, vorab gut informiert zu sein und sich bewusst zu machen, was eine Anzeige bedeutet.
00:35:16: Es ist aber möglich, sich medizinisch untersuchen zu lassen und Beweise zu sichern, ohne direkt eine Anzeige zu erstatten.
00:35:23: So bleibt die Option offen, später eine Anzeige aufzugeben, wenn die betroffene Person dazu bereit ist.
00:35:30: Um die Problematik der Beweissicherung, gerade bei KOTropfen zu entschärfen, fordert Rechtsanwältern Anja Riemann-Uwa neben einer Videovernehmung der Betroffenen auch die Möglichkeit der sofortigen Blutprobe bei der Polizei, die aber bisher nicht möglich ist.
00:35:46: Wir bräuchten da einfach ein standardisiertes, formales Verfahren, das, wenn verdacht ist, auf KOTropfen.
00:35:53: Sofort!
00:35:54: eine Brutprobe genommen werden muss von dem Betroffenen.
00:35:56: Weil bei jeder Alkoholfahrt kommt ein Arzt zur Polizeidienststelle und eine Brutprobe.
00:36:01: Warum soll das nicht auch bei Verdacht auf KOTropfen gehen?
00:36:04: Dann hätten wir das schon mal.
00:36:06: Dann haben wir auf jeden Fall eine Widerstandseunfähigkeit dran.
00:36:09: Und ich denke, das sind so Sachen, das wäre einfach umzusetzen.
00:36:13: In Deutschland wird das Verabreichen von KOTropfen nur als Körperverletzung gewertet.
00:36:18: Es sei denn, es folgt nachweisbar eine weitere Straftat.
00:36:22: Das bedeutet, dass TäterInnen oft nicht belangt werden, wenn sich Betroffene nicht erinnern können oder keine weiteren Beweise vorliegen.
00:36:29: Dabei ist genau das der Kern des Problems.
00:36:32: KO-Tropfen werden eingesetzt, um eine Person außer Gefecht zu setzen, um ihr jede Möglichkeit zu nehmen, sich zu wehren oder ein Nein auszusprechen.
00:36:40: Dass das in Deutschland nicht strafbar ist, solange keine weiteren Taten nachgewiesen werden, zeigt, wie groß die Lücken im Rechtssystem sind.
00:36:47: Eins bleibt auf jeden Fall festzuhalten.
00:36:49: Wenn den Verdacht hat, Opfer eines KO-Tropfenangriffs geworden zu sein, sollte so schnell wie möglich handeln.
00:36:56: Am besten sofort an der medizinischen Untersuchung durchführen lassen, bevor die Substanzen nicht mehr nachweisbar sind.
00:37:02: Ich werde einen Opferanwalt anrufen.
00:37:04: Der Opferanwalt muss gucken, in welcher Gegend hat sich das abgespielt?
00:37:07: Wo sind wir denn überhaupt?
00:37:09: In welchem Kreis sind wir unterwegs?
00:37:11: In welcher Stadt?
00:37:12: Und dort dann tatsächlich ... Krankenhäuser sagen, sie gehen jetzt da unterhin, so mache ich das manchmal.
00:37:20: Ich habe ja die Anlaufstellen, dass man im Krankenhaus anruft als Anwaltsat.
00:37:24: Ich habe hier eine Klientin, können sie die bitte auf mögliche sexualdelikte, sexualdelikte
00:37:30: untersuchen
00:37:31: und dass die Beweise erst mal gesichert werden.
00:37:32: Wie man dann später damit umgeht, ist was anderes.
00:37:35: Dann würde ich vorschlagen, hinsetzen und ein Gedächtnisprotokoll schreiben.
00:37:40: was ihm noch einfällt.
00:37:43: Mit Gedächtnisprotokoll ist ganz wichtig, die Zeiten aufzuschreiben.
00:37:49: Von
00:37:49: dann und dann
00:37:49: bin ich losgegangen, da war ich in der Straßenbahn, hab die dann genommen und da saß Freund XY mir gegenüber.
00:37:56: Denn eines ist klar, ohne Beweise ist die Chance auf Gerechtigkeit in solchen Fällen erschreckend gering.
00:38:02: Eine Anzeige ohne toksikologischen Nachweis, ohne gesicherte Spuren oder Erinnerungen kann kaum Bestand haben.
00:38:09: Deshalb ist es so wichtig, schnell zu handeln.
00:38:11: Auch wenn es im ersten Moment für viele Betroffene das Letzte ist, was sie tun möchten.
00:38:16: Wer den Verdacht hat, mit K.O.-Troffen betäubt worden zu sein, sollte am besten eine vertraute Person informieren und so schnell wie möglich eine medizinische Untersuchung durchführen lassen.
00:38:27: Idealerweise in einer Rechtsmedizin oder im Krankenhaus mit Möglichkeit der Beweissicherung.
00:38:33: Wichtig ist, keine weiteren Getränke oder Lebensmittel zu sich zu nehmen, um mögliche Spulen nicht zu verdünnen.
00:38:39: Auch Kleidung oder andere potenzielle Beweismittel sollten nicht gewaschen oder entsorgt werden.
00:39:00: Nina kämpft nicht nur für sich selbst.
00:39:02: Sie will verhindern, dass anderen Betroffenen das Gleiche passiert.
00:39:05: Sie will verhindern, dass ihre Fälle im Sande verlaufen, dass ihnen nicht geglaubt wird.
00:39:10: Oder, dass sie sich jahrelang durch ein System kämpfen müssen, das ihnen das Gefühl gibt, sie im Stich zu lassen.
00:39:16: Tatsächlich ist
00:39:17: durch
00:39:18: die Petition, die ich im Jahr two thousand nineteen gestartet habe, eine relativ hohe Reichweite entstanden, die dann natürlich noch auch durch das ganze Medieninteresse und die vielen Fernsehsendungen und Beiträge, bei denen ich mitgemacht habe, ja noch vergrößert wurde.
00:39:36: Und so ist dann auch durch meine Schwester tatsächlich die Idee aufgekommen, da irgendwas draus zu machen, damit dass quasi nicht einfach so verpufft, wenn man jetzt schon mal irgendwie so viel Aufmerksamkeit auch für ein bestimmtes Thema halt generiert hat.
00:39:55: Am Anfang ist Nina skeptisch.
00:39:57: Ein Verein zu gründen bedeutet Arbeit, Verantwortung, neue Herausforderungen.
00:40:02: Aber sie merkt schnell, dass genau das ihr Weg ist.
00:40:11: Ihre Mission ist es, die Gesellschaft für die Themen sexualisierte Gewalt und KO-Troffen zu sensibilisieren und zu einer Kultur des Hinsehens und Hinhörns beizutragen.
00:40:21: Der Verein gibt Opfern eine Stimme und setzt sich dafür ein, dass auf gesellschaftlicher und politischer Ebene nachhaltige Veränderungen stattfinden und die Rechte von Opfern gestärkt werden.
00:40:32: Unter dem Leitsatz Du bist nicht allein bietet der Verein einmaljährlich ein KO-Community-Wochenende in Brandenburg an.
00:40:39: ein geschützter Raum für Austausch, Empowerment und gemeinsames Verarbeiten.
00:40:44: Hier können Betroffene, die Ähnliches erlebt haben, sich begegnen, ihre Geschichten teilen und spüren, dass sie nicht alleine sind.
00:40:52: Neben Workshops und Gesprächsrunden geht es vor allem darum, einen Ort zu schaffen, an dem Verständnis, Solidarität und Heilung im Mittelpunkt stehen.
00:41:01: Der Verein setzt sich für Aufklärungsarbeit an Schulen ein, kämpft für eine Reform des Sexualstrafrechts und fordert politische Veränderungen.
00:41:09: Besonders wichtig ist Nina dabei, der sogenannte Konsensgrundsatz.
00:41:13: Sie fordert, statt dem derzeit im Sexualstrafrecht geltenden Nein heißt Nein, ein Ja heißt Ja.
00:41:20: Dabei geht es darum, die Zustimmung der anderen Person aktiv zu bekommen.
00:41:24: Das kann ein verbales oder ein non-verbales Jahr sein.
00:41:28: Das Problem, solange das nicht besteht, kann Passivität als Zustimmung gewertet werden.
00:41:33: Wenn ein Opfer also, egal aus welchen Gründen und da gibt es viele, passiv ist, dann ist das vor unserem Gesetz ein Jahr.
00:41:41: Mehr über das Thema Consent hört ihr in unserem Podcast in Folge forty-fünf.
00:41:46: Tabea, nein heißt nein, auch in Beziehungen.
00:41:50: Mir gibt tatsächlich diese Arbeit Kraft, also dieses
00:41:53: Gefühl
00:41:54: zu haben, dass
00:41:57: ich
00:41:58: es irgendwie geschafft habe, aus was sehr Schrecklichem, was mir passiert ist und ich mir nicht freiwillig ausgesucht habe, irgendwas Positives draus zu ziehen, was Gutes daraus zu
00:42:11: kreieren
00:42:12: und heute was zu machen, was anderen Menschen hilft.
00:42:36: Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Täter zur Rechenschaft gezogen werden konnten.
00:42:40: Ein Beispiel ist der Urteilsspruch in Erfurt im Dezember, im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr
00:43:01: im Jahr im Jahr im.
00:43:01: Das Urteil ging nur einen Tag nach dem Pelikoprozess in Frankreich, von dem wir in der vergangenen Folge erzählt haben.
00:43:08: Dort wurde der Hauptangeklagte zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, weil er seine damalige Frau jahrelang betäubt und anderen Männern zur Vergewaltigung überlassen hatte.
00:43:18: Diese Urteile zeigen, dass die Justiz in einigen Fällen, sofern gesicherte Beweise vorliegen, konsequent handelt und Täterin für ihre Verbrechen zur Verantwortung zieht.
00:43:38: Ninas Geschichte hat uns gezeigt.
00:43:40: Wie schwer es für Betroffene von sexualisierter Gewalt sein kann, gehört zu finden.
00:43:45: Vor Gericht, in der Gesellschaft, manchmal sogar im eigenen Umfeld.
00:43:49: Sie macht deutlich, dass es nicht reicht, nur auf Strafverfahren zu setzen.
00:43:53: Der Umgang mit sexualisierter Gewalt ist ein strukturelles Problem, das tief in unseren gesellschaftlichen Normen verankert ist.
00:44:00: Denn Strafrecht allein kann keine Gerechtigkeit schaffen.
00:44:03: Es kann eine Tat nicht ungeschehen machen.
00:44:05: Aber es kann klare Grenzen setzen.
00:44:07: Ein Signal, dass sexualisierte Gewalt nicht relativiert oder ignoriert werden darf, sondern als das behandelt wird, was sie ist.
00:44:15: Eine Straftat, die uns als Gesellschaft etwas angeht.
00:44:19: Und ich denke, wir brauchen da wirklich einen ganz breiten, gesellschaftlichen Diskussion und Kontext.
00:44:26: Und das werden die Frauen auch nicht alleine schaffen.
00:44:30: Wir brauchen die Männer dafür.
00:44:31: Es muss einfach gesellschaftlich verankert sein, dass es Dinge gibt,
00:44:35: sowas macht
00:44:36: man nicht.
00:44:37: Nina kämpft weiter.
00:44:39: Sie kämpft dafür, dass ihre Geschichte nicht nur eine von vielen bleibt, in denen keine Strafverfolgung möglich ist.
00:44:45: Das Betroffene nicht mehr das Gefühl haben, sich alleine gegen ein System stellen zu müssen, dass sie immer wieder im Stich lässt.
00:44:52: Und genau das ist es, was sie antreibt.
00:44:55: Und das ist auch der Grund, weshalb sie mit uns noch einmal über ihr lebtes gesprochen hat.
00:45:00: Vielen Dank für dein Vertrauen.
00:45:05: Mir persönlich wäre es ein sehr großes Anliegen, dass dieses Tabu durchbrochen wird, dass das Thema einfach ... den Raum bekommt, der ihm auch zusteht aufgrund der Größe des Problems, weil einfach so viele Menschen in unserer Gesellschaft
00:45:29: betroffen sind.
00:45:33: Und
00:45:33: dass wir dann halt verstehen, dass wir dieses Problem halt nur alle gemeinsam lösen können.
00:45:57: Den ganzen Tag vibriert das Handy der dreizehnjährigen Milena und zeigt neue Nachrichten an.
00:46:03: Ohne auf ihr Handy zu schauen, hat Milena eine Vermutung von wem diese Nachrichten sind.
00:46:08: Von einem Mann, den sie nur aus dem Internet kennt.
00:46:11: Also Nachrichten, in denen er sie manipuliert, bedroht und ausnutzt.
00:46:27: Zwölf Leben, Verbrechen an Frauen, ist ein Podcast von Podimo.
00:46:48: Wir sind Helen Schulte.
00:46:49: Und Massimo Majo.
00:46:51: Autorin dieser Folge, Kiana Lensch.
00:46:54: Schnitt und Sound, Frieda Maurer und Luca Satori.
00:46:58: Ausführende Produzentin, Madeleine Petri.
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