Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

#54 Nadja: Kein Entkommen

Shownotes

Diese Folge ist schon vor Monaten in der Podimo App veröffentlicht worden. In der Podimo App findet ihr schon jetzt 60 kostenlose Folgen, die ihr ganz ohne Anmeldung oder Abo hören könnt – Einfach nur die App öffnen und ‘12 Leben’ finden: https://podimo.de/12leben

Zusätzlich zu den 60 kostenlosen Folgen findet ihr dort auch die neueste Staffel im Premium-Bereich. _ Deutschland, 28. Juli 2017: Nadja hat Angst. Seit Monaten bereitet sie sich darauf vor, ihren Ex-Partner Samir A. endgültig zu verlassen. Sie hat ihn angezeigt, ist in eine neue Wohnung gezogen und hat ein Annäherungsverbot erwirkt. Doch der Schutz, den sie braucht, bleibt aus. Niemand kontrolliert, ob Samir A. sich an die Auflage hält. An diesem Morgen steigt Nadja mit ihrem Sohn ins Auto – und Samir A. wartet bereits auf sie. Diese Folge erzählt Nadjas Geschichte: ihren verzweifelten Kampf um Sicherheit, die verpassten Warnsignale der Behörden und die systematischen Lücken im Gewaltschutz. Wir sprechen mit ihrer Mutter darüber, warum der Schutz für Nadja nicht gereicht hat – und mit Johanna Wiest von Terre des Femmes darüber, warum so viele Frauen in Deutschland trotz Schutzmaßnahmen nicht sicher sind.

Alle Namen wurden geändert.

Triggerwarnung: Diese Folge behandelt explizite Schilderungen von physischer Gewalt und Femizid. Bei Gewalterfahrungen findet ihr anonym und kostenfrei Unterstützung unter folgenden Nummern:

Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”: 08000 116 016 (rund um die Uhr) Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (rund um die Uhr) Opfer-Telefon vom Weißen Ring: 116 006 (7-22h Uhr)

Mehr Infos bekommt Ihr auf der Homepage der Online Datenbank für Betroffene von Straftaten: www.odabs.org

Habt ihr Feedback? Dann könnt ihr uns eine E-Mail schreiben: 12leben.podimo@gmail.com

"12 Leben – Verbrechen an Frauen" ist ein Podcast von Podimo. Hosts: Helen Schulte und Massimo Maio Autorin dieser Folge: Kiana Lensch Schnitt und Sound: Frieder Maurer & Luca Sartori (hipitch) Ausführende Produzentin: Madeleine Petry

Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Transkript anzeigen

00:00:07: Die Gefahr hat sich mir immer wieder schon gezeigt und vor Augen geführt, was kommen könnte.

00:00:12: Aber ich glaube, ich wollte es immer noch nicht wahrhaben.

00:00:15: Ich wollte es nicht wahrhaben, weil dann, als ausgezogen war und es war kein Blut geflossen, ich glaubte, wir hätten es geschafft.

00:00:24: Es ist alles gelaufen, ohne dass jetzt irgendwie zum Mega-Eklat gekommen ist.

00:00:30: Es ist kein Blut geflossen, es ist niemand verletzt worden und ich habe gedacht, wir haben es geschafft.

00:00:39: In dieser Folge geht es um psychische Gewalt und gewaltsame Tötungen.

00:00:43: Wenn ihr Selbsthilfe braucht oder wenn ihr jemanden kennt, findet ihr Unterstützung beim Hilfetelefon.

00:00:48: Gewalt gegen Frauen unter der Nummer... ...weitere Informationen wie immer in den Shownotes.

00:01:10: Sie hat die jetzige Wohnung, in der sie noch mit ihrem Ex-Partner Samir A. und dem gemeinsamen Sohn Jonas lebt, gekündigt.

00:01:18: Nadja weiß, dass sie nicht mehr bleiben kann, dass sie gehen muss.

00:01:22: Sie weiß es für sich und für ihren vierjährigen Sohn.

00:01:25: Samir A. kontrolliert sie, bedroht sie, entscheidet, wen sie treffen darf und wie ihr Sohn erzogen wird.

00:01:32: Er überwacht sie.

00:01:33: Sie ist nicht frei.

00:01:34: Aber sie hat einen Plan.

00:01:36: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ihn umsetzen wird.

00:01:39: An diesem Morgen beginnt sie heimlich zu packen.

00:01:42: Ein Rucksack für ihren Sohn, Spielsachen, Kleidung.

00:01:46: Doch dann steht Samir A. plötzlich in der Tür.

00:01:49: Er sieht die Tasche, sein Gesicht spannt sich an.

00:01:52: Er reißt den Rucksack aus ihren Händen, durchwühlt ihn.

00:01:55: Jede Stück Kleidung, jedes Spielzeug ist für ihn ein Beweis für ihren Verrat.

00:02:01: Du hast Böses vor, zischt er.

00:02:03: Sie verneint.

00:02:04: Aber er glaubt ihr nicht.

00:02:06: Es wird Blut fließen.

00:02:07: Ich werde deiner Familie Schaden zufügen, sagt er.

00:02:10: Natjas Gedanken rasen.

00:02:12: Sie weiß, sie darf nicht reagieren.

00:02:14: Sie muss ruhig bleiben.

00:02:16: Doch sie spürt, dass etwas kippt.

00:02:18: Die Drohungen werden so konkret, so erschreckend, dass sie die Polizei

00:02:22: ruft.

00:02:24: Als die Beamten eintreffen, setzt Samir A. mit dem gemeinsame Sohn auf der Couch.

00:02:29: Er wirkt entspannt, gelassen, als wäre nichts gewesen.

00:02:33: Natja schildert die Bedrohung, erzählt, was passiert ist.

00:02:37: Die Polizei nimmt eine Anzeige auf und verlässt

00:02:39: vorerst

00:02:40: mit Natja und Jonas die Wohnung.

00:02:42: Am nächsten Tag wird Natja die gemeinsame Wohnung für immer verlassen.

00:02:46: Mit Polizeischutz.

00:02:48: Samiya A. weiß davon nichts.

00:02:50: Es soll sicher

00:02:51: ablaufen.

00:02:56: Diese Folge dreht sich um Natja.

00:02:57: Ihr Leben ist eines von zwölf, um die es in dieser Staffel geht.

00:03:07: Zwölf Leben.

00:03:08: Verbrechen

00:03:09: an

00:03:09: Frauen.

00:03:28: Willkommen zu Zwölf Leben.

00:03:29: Ich bin Helen.

00:03:30: Und ich bin Massimo.

00:03:31: Und in dieser Folge sprechen wir über den Fall einer Frau, die alles richtig gemacht hat, die gegangen ist, sich Hilfe gesucht hat, die sich an die Behörden gewandt hat und trotzdem wurde ihr Ex-Partner zur Gefahr.

00:03:44: Wir sprechen deshalb in dieser Folge auch über das Gewaltschutzsystem in Deutschland.

00:03:48: Wir konnten mit der Mutter von Natja Karin Wagner sprechen.

00:03:52: Zum Schutz ihrer Familie haben wir den Fall anonymisiert und alle Namen der Beteiligten geändert.

00:03:58: In dem Interview werdet ihr deshalb hier und da Anonymisierungstöne hören.

00:04:02: Denn natürlich hat die Mutter den echten Namen ihrer Tochter genannt, als sie mit uns über sie gesprochen

00:04:07: hat.

00:04:22: Mit Johanna Wiest blicken wir in dieser Folge auf den Gewaltschutz in Deutschland und auf das kürzlich beschlossene Gewalthilfegesetz.

00:04:29: Johanna Wiest ist Referentin für häusliche und sexualisierte Gewalt bei der Frauenrechtsorganisation TRDFAM.

00:04:36: Das System ist derzeit nicht ausreichend finanziert.

00:04:39: Es ist sehr bruchstückhaft.

00:04:40: Es ist sehr schwierig, Beratung zu bekommen.

00:04:43: Es ist einfach nicht flächendeckend ausgebaut.

00:04:44: Es ist nicht niedrigschwellig und es ist nicht kostenlos.

00:04:47: Und das sind eben genau die Dinge, die sich jetzt mit dem Gewalthilfegesetz ändern sollen.

00:05:02: Nadja wächst in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein auf.

00:05:05: Ein ruhiges Kind, das lieber zuhört, wenn andere sprechen.

00:05:09: Harmoniebedürftig, vermittelnd, liebenswert.

00:05:12: Ihre Mutter nennt sie Stillklug.

00:05:14: Normal und gleichzeitig besonders.

00:05:17: Als Kind war immer ein total liebenswertes Mädchen.

00:05:22: Die war die älteste von drei Kindern.

00:05:25: Nach ihr kamen zwei Brüder.

00:05:27: Und das war, dass sie ... als die Älteste immer die vernünftige Ratze sein hatte, sich immer eher damit auch immer eher bedeckt gegeben hatte, sich nie so in den Vordergrund gespielt hat.

00:05:40: Im Großen und Ganzen empfand ich sie als pflegeleichtes Kind.

00:05:44: Sie war also nie mit großen Ausfällen, Exfessen oder großen Schwierigkeiten dabei.

00:05:51: Auch in der Pubertät konnten die Brüder eigentlich immer in erster Linie sozusagen die Position einnehmen und dann hat sich da angepasst und eingeordnet, wo ich im Nachhinein denke, ich hätte mich vielmehr kümmern müssen, vielmehr noch sie auch aus einer, sagen wir mal, Reserve herausglocken müssen.

00:06:13: Das Dorf, in dem die Familie lebt, hat gerade einmal dreihundert EinwohnerInnen.

00:06:17: Ein Ort, der Nadia viel Freiheit gibt.

00:06:20: Sie verbringt ihre Kindheit oft draußen, mit anderen Kindern, später viel im Pferdestall.

00:06:24: Sie hat ein eigenes Pferd, verbringt Stunden mit ihm, kümmert sich liebevoll darum.

00:06:29: Sie hatte eine wunderbare Sozialkompetenz.

00:06:31: Sie war mitführend, sie war hinsch, sie war sensibel.

00:06:35: Manches Mal denke ich jetzt, wo sind... diese Aggressionen, die normal sind, geblieben, wo hätte man sie einfach mehr noch mal dazu führen müssen, sich vielleicht mehr laut zu artikulieren.

00:06:49: Nach der Schule zieht es Nadja hinaus in die Welt.

00:06:52: Sie geht für ein Jahr nach Irland und besucht dort eine Schule.

00:06:55: Später reist sie nach Kanada, denkt darüber nach, dort vielleicht zu bleiben, dort ihr Examen als Krankenschwester zu machen.

00:07:02: Doch am Ende entscheidet sie sich für die Ausbildung in Deutschland.

00:07:05: Ihre Familie ist ihr wichtig.

00:07:06: Sie will nicht so weit weg sein.

00:07:08: Den Traum noch mehr von der Welt zu sehen, legt sie aber nie ganz ab.

00:07:12: Gerne würde sie zum Beispiel einmal in die Mongolei reisen.

00:07:16: Ihr Beruf erfüllt Natja.

00:07:17: Sie ist eine engagierte Krankenschwester.

00:07:19: Sie liebt es, anderen zu helfen.

00:07:21: Sie übernimmt Verantwortung.

00:07:23: Es zieht sie nach Freiburg.

00:07:24: Dort macht sie eine Fortbildung zur Pflegeleitung.

00:07:45: Erstgebürtige Algerier, hat die deutsche Staatsbürgerschaft, ist vierundvierzig Jahre alt und arbeitet ebenfalls in der Krankenpflege.

00:07:52: Die beiden kommen sich näher.

00:07:54: Am Anfang ist die Beziehung unproblematisch.

00:07:57: Samir A. ist aufmerksam, charmant, zeigt Interesse an Nadja, macht ihr Komplimente.

00:08:02: Nadja ist verliebt und fühlt sich geliebt.

00:08:05: Samir A. zieht für sie ans andere Ende von Deutschland.

00:08:08: Er gibt seine Wohnung in Norddeutschland auf und zieht direkt in Nadjas Wohnung ein.

00:08:13: Also die erste Begegnung mit ihm war so, dass zunächst sagt er, sie hätten neuen Partner und ich so sagte, wie heißt er denn?

00:08:23: Ach, ist es ein Italiener?

00:08:25: Nein, Algeria.

00:08:26: Und dann sagte sie das so ein bisschen zögerlich und dann habe ich auch geschluckten Algeria, dass ich dachte, okay, ganz ein Rekulturraum.

00:08:35: Ich meine, Algerien und Maghreb-Staaten war schon damals so, dass man irgendwie immer nicht die als Frau nicht immer die besten Nachrichten bekam oder die erfreulichsten Nachrichten.

00:08:46: Aber er war gerade frisch verliebt und ich dachte, jetzt muss ich ihn nicht schon gleich mit diesem ganzen Drama, das, welches mir durch den Kopf ging, gleich damit anfangen, nicht schon mit verurteilen.

00:08:58: Und nur dachte, was wäre dieser Mann von meiner Tochter?

00:09:01: Also eher zwölf Jahre älter.

00:09:03: Und es war für mich nicht spontan.

00:09:05: dieses Liebesgefühl und dieses Zuneigungsgefühl, Ich habe es nicht gespürt.

00:09:11: Nach kurzer Zeit gibt es kleine Momente, in denen Natja sich unwohl fühlt.

00:09:16: Samir A. redet oft abschätzt sich über andere Menschen, besonders über Frauen.

00:09:21: Er äußert sich abfällig über ihre Freundinnen und stellt ihre Familienfrage.

00:09:26: Und es wurde also auch ganz schnell auch schon leicht aggressiv, politisch, so auf der Konversationsebene.

00:09:40: Aber die Beziehung von Natja und Samir A. hält.

00:09:45: Von diesem Moment an verändert sich die Beziehung entgültig.

00:10:16: Wenn man da zusammenlebt und ein Kind zusammen hat.

00:10:19: und da kam schon so eine Aggression zum Vorschein.

00:10:23: Im Anschluss an das Telefonat auf Anraten ihrer Mutter fragte Nadja Samir A nach seiner deutschen Staatsbürgerschaft.

00:10:31: Seine Reaktion darauf erhält Karin kurze Zeit später in Form einer Nachricht bei WhatsApp von Samir A. In der steht, sie sei neurotisch, sie sei krank im Kopf und ihr könnt nur eine Kugel in den Kopf helfen.

00:10:44: Karin ist schockiert.

00:10:45: Für sie ist diese extreme Reaktion nicht nachvollziehbar.

00:10:49: Diese Aggressivität in diesem Ton, das ist schon weit, weit über die Namen hinaus.

00:11:01: Samir A. wird immer besitzergreifender.

00:11:03: Insbesondere nachdem Nadja den gemeinsamen Sohn Jonas zur Welt gebracht hat.

00:11:07: Samir A. duldet keine Einmischung in die Erziehung seines Sohnes, verliert zunehmend die Kontrolle über sein eigenes Leben.

00:11:14: Und Nadja wird zur Projektionsfläche seiner Wut.

00:11:17: Er kontrolliert Nadia in jeder Hinsicht.

00:11:19: Wen sie trifft, was sie sagt, was sie ist.

00:11:22: Samir A. verliert immer wieder seine Arbeitstellen.

00:11:25: Als Jonas vier Monate alt ist, nimmt er für kurze Zeit einen Job an, wird aber direkt wieder entlassen.

00:11:31: Innerhalb eines Dreivierteljahres hat er drei verschiedene Arbeitgeber, hält keine Stelle lange.

00:11:36: Stattdessen redet er davon, sich selbstständig zu machen.

00:11:39: Für jemand anderen zu arbeiten, sei unter seiner Würde.

00:11:42: Seine erste Arbeitgeberin erwirkt später ein Ernährungsverbot gegen ihn, weil er ihr wiederholt gedroht hatte.

00:11:49: Nadja spricht kaum über diese Vorfälle.

00:11:51: Sie deutet es gegenüber ihrer Familie an, behält vieles aber für sich.

00:11:55: Auch gegenüber Nadjas Familie fällt sich Samir A. weiter feinselig.

00:12:00: Vor allem Nadjas Mutter sieht er als Bedrohung.

00:12:03: Er verbietet ihr, ihn und Nadja in ihrer gemeinsamen Wohnung zu besuchen.

00:12:07: Nach der ersten Drohung von Samir A. über WhatsApp, kurz vor Jonas' Geburt, folgt die zweite im Frühjahr, im Jahr,

00:12:14: im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr,

00:12:51: im Jahr, im Jahr.

00:12:52: Nadja beginnt sich zu isolieren.

00:12:54: Auf Samir Arst Renghin bricht sie den Kontakt zu männlichen Kollegen und Freunden ab.

00:12:59: Wenn sie zu Geburtstagsfeiern mit Jonas eingeladen wird, dann kommt er mit.

00:13:03: Vor allem immer dann, wenn Väter anwesend sind.

00:13:06: Samir A. will verhindern, dass Nadja mit anderen Männern spricht.

00:13:09: Und er wird gegenüber Nadja immer aggressiver.

00:13:12: Sie notiert seine Drohungen.

00:13:14: Das nächste Mal werde er mir mit dem Hammer auf den Kopf hauen.

00:13:18: Am liebsten würde eine Atombomber auf meine gesamte Familie werfen.

00:13:23: Die Kontrolle und Bedrohung erstreckt sich auf jede Facette von Nadjas Leben.

00:13:28: Kindergarten.

00:13:28: Da hatte er noch mal versucht.

00:13:31: Als Elternvertreter hatte er sich eine Position geholt und versuchte jetzt gegen diesen Kindergarten zu agieren und hat also die Kinder, die erziehren schlecht gemacht, die erziehren, die hatten sich schon versteckt, wenn er kam.

00:13:45: So dass der Kindergarten leider sich schützen vor seinem Personal stellen musste und hat dann veranlasst, dass er den Kindergarten nicht mehr betreten durfte.

00:13:58: Im Sommer, schreibt Natja ihrer Mutter nachts eine Nachricht.

00:14:02: Zitat, so langsam kommen einem Mordgedanken.

00:14:06: Karin ist geschockt, ihrer Tochter muss es wirklich schlecht gehen.

00:14:10: Kurz darauf sprechen sie.

00:14:12: Dann sagte sie, du bist hier unten, wir sind da oben, wenn es ganz schnell gehen muss und wir nicht da sind.

00:14:17: Ich wende dich an ein Frauenhaus.

00:14:19: Dann sagte sie, da hätte sich schon erkundigt sein, alles voll.

00:14:24: Da wäre kein Platz.

00:14:26: Und so bleibt Natja vorerst.

00:14:28: Aber sie beginnt, ihre Flucht aus der Beziehung zu planen.

00:14:52: Ich musste es sagen, und sie hat es dann sozusagen mitgemacht.

00:14:56: Es kam nicht von ... Ich dachte, es ist eine erwachsene Frau.

00:14:59: Es muss von ihr kommen, nicht von mir, nicht dass ich jetzt, ne?

00:15:02: Die böse Mutter und die böse Schwiegermutter.

00:15:05: Sondern es muss von ihr kommen.

00:15:07: Und es kam aber nicht von dir, mit diesem Liebsein und Angepasstsein.

00:15:12: Denke ich jetzt im Nachhinein immer wieder, was ihr nicht möglich.

00:15:15: So, sich selber genug wahrzunehmen, sich selber genug, sich besser zu sorgen.

00:15:22: Samir A. und Natja haben bereits im Dezember, zwei Tausend Sechzehn, beschlossen, sich zu trennen.

00:15:27: Aber sie leben weiterhin zusammen.

00:15:29: Wer zuerst eine Wohnung findet, würde ausziehen.

00:15:32: Jonas sollte abwechselnd bei Mutter und Vater leben.

00:15:35: Geteilt ist sorggerecht.

00:15:37: In dieser Zeit steigt Nadias Angst davor, dass Samia A ihr etwas antun könnte weiter.

00:15:42: Nadias Vater kauft ihr eine Wohnung, in die sie mit Jonas ziehen wird.

00:15:46: Heimlich kündigt sie die gemeinsame Wohnung, doch die Vermieter weigern sich, die Kündigung anzunehmen.

00:15:52: Samia A steht mit im Mietvertrag und ohne seine Zustimmung kann sie nicht aus dem Vertrag entlassen werden.

00:15:58: Sie steckt fest.

00:15:59: Also hört sie auf die Miete zu zahlen.

00:16:01: In der Hoffnung, dass ihr so gekündigt wird.

00:16:03: Die Miete zahlt sie längst allein.

00:16:05: Nadja beginnt heimlich mit den Vorbereitungen für ihren Auszug, denn sie weiß, der Moment, in dem sie Samia A. endgültig verlässt, kann gefährlich werden.

00:16:15: Ab April, sie sucht Nadja immer häufiger Unterstützung bei Behörden und sucht sich einen Anwalt.

00:16:21: Beim Jugendamt schildert sie ihre Angst.

00:16:24: Die Sachbearbeiterin im Jugendamt notiert, der Kindervater habe der Mutter angedroht, dass wenn sie einen Krieg mit ihm führen will, dass dieser dann blutig enden wird.

00:16:34: Und Nadja wirkt, Zitat, sichtlich belastet und verängstigt.

00:16:39: Sie weinen stark während des gesamten Gespräches und ihre Angst ist ihr deutlich anzumerken.

00:16:50: Nadja weiß, dass ihr Ex-Partner sie immer noch kontrolliert.

00:16:54: Dass er spürt, dass sie sich entziehen will.

00:16:56: Er stellt Fragen, durchwühlt ihre Sachen.

00:16:59: Er beobachtet sie.

00:17:00: Am fünften Mai, zwei Tausend siebzehn, eskaliert die Situation.

00:17:04: Sami'ah entdeckt eine Tasche mit Jonas Sachen.

00:17:07: Sami'ah rastet aus.

00:17:11: Na ja, dann sagte er, es wird Blut fließen.

00:17:13: Ich werde deiner Familie Schaden zufügen.

00:17:17: Das muss also schon so bedrohlich gewesen sein, dass sie dann auch sagte, ich ruf die Polizei und er macht doch.

00:17:23: Und dann war also die Polizei da.

00:17:27: Und es kam zur Anzeige.

00:17:29: Und auch wieder so eine typische Situation.

00:17:32: Dann setzt er da mit dem Kind auf der Couch nach dem Morde die Frau spät verrückt.

00:17:37: Ist doch alles in Ordnung hier.

00:17:39: Die Polizei nimmt eine Anzeige auf.

00:17:41: Die Beamten versprechen Natja, ihren Umzug am Völkgetag zu begleiten.

00:17:46: Am sechsten Mai, zwei Tausend siebzehn, verlässt Natja die Wohnung.

00:17:49: Mit Polizeischutz.

00:17:51: Ihr Sohn ist währenddessen bei Bekannten untergebracht.

00:17:54: Durch den Schutz der Polizei und vieler Helferin läuft der Umzug weitestgehend ohne Komplikation.

00:18:00: Samir A versperrt zwar den Eingang zur Wohnung, sodass kein Mensch hinein oder herausgehen kann, aber Kartons passen durch und so reicht Nadia die Kisten nach draußen.

00:18:09: Der Umzug kann stattfinden.

00:18:12: Nachdem Nadia endlich in der neuen Wohnung angekommen ist, kann sie aufatmen.

00:18:16: Sie und Jonas haben es endlich geschafft und auch ihre Familie verspürt Erleichterung.

00:18:31: Einen Tag später schreibt Samir A, Nadias Vater, Am Ende muss ich dir und jedem anderen mitteilen, dass Jonas mein Sohn ist und kein Mensch auf dieser Erde ihn mir wegnehmen kann.

00:18:44: Als Natja über ihren Vater davon erfährt, hat sie Angst.

00:18:47: Samia bedroht sie immer noch, aber nicht nur sie, auch ihre Familie ist in Gefahr.

00:19:00: Ich glaube, das wäre ihm zu aufwendig gewesen, diese neunhundert Kilometer zurückzulegen.

00:19:10: Ich war sein erstes Ziel.

00:19:13: Weil ich war ihm zu selbstständig und ich habe ihn in Frage gestellt.

00:19:16: Mit meinen Fragen.

00:19:19: Ich war sein erstes Ziel.

00:19:22: Am elften Mai, zwei Tausend siebzehn, beantragt Nadjas Anwalt ein Kontaktverbot.

00:19:27: Das zuständige Amtsgericht erlässt wegen der Dringlichkeit noch am selben Tag, ohne mündliche Verhandlung, einen Beschluss.

00:19:33: Samir A. darf sich Nadja unter fünfzig Metern nicht mehr nähern.

00:19:37: Er darf keinen Kontakt mehr zu ihr aufnehmen.

00:19:40: Ein Gericht stellt also fest, der Mann ist gefährlich.

00:19:43: Doch das wird nicht ausreichen.

00:19:45: Über die Gewaltdynamiken nach Trennung haben wir mit Johanna Wiest Referenten für sexualisierte Gewalt bei Terte Farm gesprochen.

00:19:53: In dem Moment, in dem der Partner oder Ex-Partner diesen völligen Kontrollverlust erlebt, in dem die Trennung vollzogen wird und sie sich eben räumlich seiner Kontrolle entzieht, kann es auch zur ultimativen Gewaltausübung kommen und somit zum Femizid, also zur Tötung dieser Frau.

00:20:11: Wenn man das weiß, ist es nicht mehr so verwunderlich, dass Frauen in diesen Beziehungen relativ lange bleiben.

00:20:16: Für eine Person, die noch nie in so einer Situation war, sieht das so aus, als würde man würde man sich da freiwillig diese Gewalt antun.

00:20:25: Und tatsächlich ist es aber so, dass da Dynamiken im Spiel sind, die das sehr, sehr schwer machen, in dem Moment diesen Schritt zu gehen.

00:20:32: Auch unter anderem, weil in neunzig Prozent der Fälle von Partnerschaftsgewalt geht die Gewalt nach der Trennung weiter.

00:20:39: Partnerschaftsgewalt endet nicht mit einer Trennung.

00:20:42: In vielen Fällen wird sie nach der Trennung sogar schlimmer.

00:20:45: Täter nutzen gemeinsame Gerichtsverfahren, Sorgerechtstreitigkeiten oder die Kontrolle über gemeinsame Kinder, um weiterhin Macht gegenüber ihren Ex-Partnerinnen zu demonstrieren.

00:20:55: Während Natja versucht, sich selbst zu schützen, geht es im Jugendamt darum, den Umgang ihres Ex-Partners mit dem gemeinsamen Sohn zu regeln.

00:21:04: Es gibt ein gemeinsames Sorgerecht.

00:21:06: Nadja betont immer wieder, dass Samir A. Jonas sehen können soll.

00:21:10: Vielleicht ahnt sie, dass ein Umgangsverbot die höchste Eskalationsstufe bedeuten würde.

00:21:16: Gegen Samir A. wird eine Gewaltschutzanordnung erteilt.

00:21:19: Er gilt als so gefährlich, dass er Nadja auf keinen Fall treffen darf, wenn er seinen Sohn sieht.

00:21:24: Auch Jonas soll seinen Vater Samir A. nicht alleine treffen, nur unter Aufsicht.

00:21:29: Das Jugendamt wird hinzugezogen, eine Familienhelferin begleitet die Treffen.

00:21:35: Nadja hat das Gefühl, allmählich alle nötigen Maßnahmen getroffen zu haben, sodass endlich Ruhe einkehren

00:21:41: kann.

00:21:53: Freitag, der XXVIII.

00:21:54: Juli.

00:21:56: Ein typischer Morgen, an dem Nadja mit ihrem vierjährigen Sohn Jonas die Wohnung verlässt.

00:22:01: Es ist kurz vor acht.

00:22:02: Sie will ihn zur Tagesmutter bringen, dann weiter zur Arbeit.

00:22:07: Als Nadja Jonas anschneidet und sich auf den Fahrersitz setzt, passiert es.

00:22:11: Ein Wagen rammt ihr Auto mit voller Wucht.

00:22:14: Der Wagen kommt zum Stehen, blockiert.

00:22:16: Natja kann nicht entkommen.

00:22:18: Dann sieht sie, wie Samir A aus dem anderen Auto aussteigt.

00:22:22: Er muss sie aufgespürt haben.

00:22:23: Aber wie?

00:22:25: In der Hand hält Samir A ein langes Küchenmesser.

00:22:28: Er schlägt die Fensterscheibe ein, klettert durch das zerbrochene Glas hinein.

00:22:32: Natja tritt, schreit, wehrt sich.

00:22:34: Doch Samir A sticht zu.

00:22:36: Immer wieder.

00:22:37: Hals, Arme, Bauch, Beine.

00:22:42: Dann dreht sich der Täter um.

00:22:44: Sein Blick fällt auf sein eigenes Kind auf der Rückbank.

00:22:47: Ein Nachbar, der alles beobachtet hat, rennt los.

00:22:50: Schlägt mit einem Stein die hintere Scheibe ein, versucht Jonas aus dem Auto zu ziehen.

00:22:54: Doch es ist zu spät.

00:22:56: Samir A. sticht zu.

00:22:58: Zwei gezielte, wuchtige Stiche in den kleinen Körper.

00:23:02: Dann lässt er das Messer im Hals seines Sohnes stecken.

00:23:06: Als Samir A. aus dem Auto steigt, verzieht er keine Miene.

00:23:10: Er sieht unbeteiligt aus.

00:23:12: Emotionslos.

00:23:13: Das Sagenzeug in später übereinstimmt.

00:23:16: Die Polizei nimmt ihn kurz Zeit nach der Tat auf der Autobahn fest.

00:23:26: Später wird Samia A. aussagen, dass er Nadia nicht habe töten wollen, sondern nur seinen Sohn nach Algerien bringen.

00:23:32: Doch die Ermittlungen decken die Wahrheit auf.

00:23:35: Er hatte sich ein Auto gemietet.

00:23:37: Er hatte Geld besorgt.

00:23:38: Er wusste genau, wo Nadia sich aufhielt.

00:23:40: Er hatte diese Bluttart geplant.

00:23:43: Und trotz Annäherungsverbot wurde nicht kontrolliert, wo Samir A. sich aufgehalten hat, was er getan hat.

00:23:50: Eine Woche vor der Tat sieht Samir A. Jonas das erste Mal seit über zwei Monaten im begleiteten Umgang wieder.

00:23:58: Eine Mitarbeiterin des Jugendamts ist dabei.

00:24:00: Sie notiert, der Vater walte sich überbehütend, aber empathisch.

00:24:05: Dort erfährt Samir A. das Nadja einen Urlaub mit Jonas bei Nadjas Familie plant.

00:24:10: Am Abend des siebenundzwanzigsten Juli schreibt Samiya A. seiner Anwältin daraufhin, dass die Weitefahrt im Auto zu viel für das Kind sei und dass er, Zitat, aktiv werde.

00:24:21: Wenige Stunden später, am Morgen des achtundzwanzigsten Juli, lauert er Nadja auf.

00:24:27: Nadja und Jonas sterben noch im Auto.

00:24:39: Es war ein Freitagmorgen, ich bin um vier, die Nacht acht ist.

00:24:45: Ich war bei Freunden, wir unterhalten uns und ich wollte nach Hause fahren und sagte, es kommt am Wochenende.

00:24:53: Komisch.

00:24:54: Und es war bei mir immer schon so dieses Latent auf, ich passiert nicht noch was.

00:24:58: Und dann komme ich nach Hause, ich stehe hier, ich glaube, es war gegen viertel vor eins, stehe ich hier von meiner Tür und dann stehen zwei Männer da mit ernstem Gesicht.

00:25:12: Wir gaben dann an, sie seien von der Polizei.

00:25:15: Es gibt Dinge, die kommen nicht in den Kopf rein.

00:25:20: Also ich weiß noch, ich habe nur da gestanden oder da gesessen.

00:25:24: Es war heute nicht in meinen Kopf rein.

00:25:26: Ich habe nur gesagt, sie würde doch morgen oder übermorgen

00:25:29: kommen.

00:25:41: Nadja hat alles versucht, um sich so gutes Geh zu schützen vor der Bedrohung durch ihren kontrollsüchtigen Ex-Partner.

00:25:48: Sie hat sich getrennt, ist umgezogen.

00:25:50: hat darauf geachtet, dass ihr Ex-Partner nicht erfährt, wo sie und ihr Sohn wohnen.

00:25:54: Sie liest die Broschüre durch, die sie von der Polizei bekommen, hat mit dem Titel Opferschutz, Tipps und Hinweise ihrer Polizei.

00:26:01: Sie kauft sich ein neues Handy, besorgt sich eine neue SIM-Karte.

00:26:05: Sie fährt täglich andere Wege, damit Samir A. sie nicht verfolgen kann.

00:26:10: Sie zeigt ihren NachbarInnen und der Tagesmutter Fotos von Samir A. Falls er auftaucht, sollen sie sofort Bescheid geben.

00:26:16: Alle wussten, um sein Gefahrenpotenzial.

00:26:20: Wieso konnte sie nicht geschützt werden?

00:26:23: Es gab eine Verbindung zu Samia A. die Nadia nicht trennen konnte.

00:26:27: Jonas, ihr gemeinsames Kind.

00:26:29: Obwohl Nadia ihre Adresse geheim hält, findet Samia A. diese über das Jugendamt heraus.

00:26:35: Als er dort für einen Termin zur Regelung des Umgangs mit seinem Sohn ist, muss er eine Liste gesehen haben.

00:26:41: Auf dieser waren alle Fälle in der Umgebung notiert.

00:26:44: Auch der von Nadia.

00:26:46: Zwar nicht die explizite Adresse, aber der Umkreis.

00:26:49: Und so begann Samuel A. ihr nachzustellen und sie ausfindig zu machen.

00:26:53: Und diese ganze Zeit, diese ganzen Wochen zwischen Auszug und ihrem Tod, hat er sie nur umlauert.

00:27:02: Das ist ein Kindergeburtstag nicht weit, von der Wohnung auf dem Spielplatz gelaufen.

00:27:05: Da muss er schon mit dem Auto gestanden haben und hat alles beobachtet.

00:27:12: Er hat sie umlauert und noch einige Tage, bevor sie ermordet wurde, Da muss er schon den Häuserblock umrundet haben, schon versucht haben, irgendwie an sie ran zu kommen und an seinen Plan schon ausgehickt haben.

00:27:28: Eines der größten Gefahrenpotenziale bei häuslicher Gewalt ist die Existenz eines gemeinsamen Kindes.

00:27:34: Es gibt eine Brücke zwischen Täter und Opfer, die sich nicht so einfach kappen lässt.

00:27:39: Behörden stehen in einem Dilemma.

00:27:41: Einerseits soll das Kind Kontakt zu beiden Eltern haben.

00:27:44: andererseits kann genau dieser Kontakt das Leben der Mutter gefährden.

00:27:48: Johanna Wiest erklärt dazu?

00:27:50: Bei Beziehungen, in denen Partnerschaftsgewalt ausgeübt wird, in der Regel nach der Trennung, die Gewalt weitergeht, also die sogenannte Nachttrennungsgewalt ausgeübt wird und das machen die Täter auch oft über Umgangs- und Sorge-Rechtsangelegenheiten.

00:28:04: In diesen familienrechtliche Verfahren, da kann es auch passieren, dass die Täter an die neue Adresse ihrer Ex-Partnerin kommen.

00:28:13: Das denke ich ist auch ein riesiger Mangel, der unbedingt behoben werden muss, dass die Frauen da nicht ausreichend geschützt werden.

00:28:18: Weil vor allem, wenn man Kinder hat, dann hat der Vater natürlich auch recht, das Kind zu sehen, so schreibt das Gesetzes vor.

00:28:25: Häusliche Gewalt, Nachstellung und Bedrohung des Vaters gegenüber der Mutter stellen eine besondere Form der Kindesmisshandlung dar.

00:28:33: Das macht die Entscheidung, ob ein Vater mit Gefährdungspotenzial sein Kind noch sehen darf, hochkomplex.

00:28:39: Umgangsrecht gegen Gewaltschutz.

00:28:41: Und zu oft fällt die Entscheidung zu spät.

00:28:44: Wir haben es schon häufig gesagt, aber man muss es immer wieder betonen.

00:28:48: Statistisch gesehen tötet fast jeden zweiten Tag in Deutschland ein Mann seine Frau.

00:28:53: Freunden oder Ex-Partnerinnen.

00:28:55: Täglich gibt es ein Tötungsversuch.

00:28:58: Die Gewalt von Männern an Frauen nimmt zu.

00:29:01: Häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Totschlag, Mord.

00:29:05: Im Jahr zehnt siebzehn, als Nadia und Jonas getötet wurden, waren es in Deutschland insgesamt hundertundvierzig Frauen, deren Leben durch ihren Partner oder Ex-Partner beendet wurden.

00:29:17: Teilweise wurden auch ihre Kinder getötet.

00:29:19: Teilweise haben die Täter sich anschließend selbst umgebracht.

00:29:22: Aber jedes Mal ist eine Frau gestorben.

00:29:26: Noch immer werden viele dieser Taten in den Medien als Familientragödien oder Beziehungstaten oder Verbrechen aus Leidenschaft trivialisiert.

00:29:34: Dabei sind sie nur eines – Femizidung.

00:29:37: Und die Frage, ob der Staat diese Frauen hätte retten können und wie er es zukünftig versucht zu tun, schwebt über ihren Geschichten.

00:29:56: Nadja wollte weg.

00:29:57: Sie hat versucht, jeglichen Schutz in Anspruch zu nehmen.

00:30:00: Aber sie war ihrem Täter weiter ausgeliefert.

00:30:03: Ich glaube, man kann sich nicht vorstellen, dass ein Mensch, vielleicht will man sich das auch nicht vorstellen, dass ein Mensch, mit dem man zuvor eine Beziehung hatte, mit dem man ein Kind zusammen hat, man kann es sich nicht vorstellen, dass dieser Mensch bereit ist, dieses Leben zu töten.

00:30:20: Man kann es sich nicht vorstellen, dass es so viel Hass geben kann, oder?

00:30:28: Trotz mehrfacher Hilferufe und eines bestehenden Annäherungsverbots, konnte Samir A. seine bekannten Drohungen in die Tat umsetzen.

00:30:36: Seit Jahren fordern Expertinnen eine Reform des Gewaltschutzes.

00:30:40: Im Januar, im Jahr zweitausendfünfundzwanzig wurde das sogenannte Gewalthilfe-Gesetz verabschiedet.

00:30:46: Wir haben mit Johanna Wiest, Referentin für häusliche und sexualisierte Gewalt bei Therde Pham darüber gesprochen.

00:30:52: Das ist ein Meilenstein für die Frauenrechte in Deutschland.

00:30:55: wird schon relativ lange diskutiert, sowas zu machen.

00:30:57: Also die Länder sind ja zuständig für die Umsetzung.

00:31:00: Und sie sind auch jetzt schon zuständig für den Ausbau von Schutz- und Hilfesystem in ihren Kommunen.

00:31:06: Und was sich jetzt eben ändert, ist, dass der Bund was dazu gibt und dass es jetzt diesen Rechtsanspruch gibt.

00:31:12: Das heißt, dass Frauen, die keine Hilfe, keinen Schutz bei Gewalt bekommen, das jetzt theoretisch auch einklagen könnten.

00:31:19: Und das ist natürlich ein riesiger Fortschritt.

00:31:21: Was einerseits nach eben diesem riesigen Fortschritt klingt, kann andererseits nicht sofort umgesetzt werden.

00:31:27: Neun Jahre.

00:31:28: So lange wird es dauern, bis Frauen diesen Schutz tatsächlich einklagen können.

00:31:32: Für viele wird diese Hilfe zu spät kommen.

00:31:35: Man hat viel zu lange gewartet mit solchen Maßnahmen.

00:31:38: Häusliche Gewalt steigt seit fünf Jahren in Deutschland an.

00:31:42: Und diese Maßnahmen wären schon längst überfällig gewesen.

00:31:45: Die Istanbul-Konvention schreibt sie vor.

00:31:48: Und genau, also tatsächlich kommen diese Masse eigentlich zu Schwedt und der Rechtsanspruch wird auch erst ab im Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr-

00:32:09: und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr-.

00:32:11: Besonders vulnerable Gruppen wie trans-, intergeschlechtliche oder auch nichtbinäre Personen sind im Gewalthilfegesetz nicht ausreichend berücksichtigt.

00:32:21: Eigentlich war das anders gedacht.

00:32:22: Der ursprüngliche Antrag war, da war die Gerede von gewaltbetroffenen Personen.

00:32:29: Und im verabschiedeten Gesetz beschränkt man sich jetzt auf gewaltbetroffene Frauen.

00:32:33: Das ist auf jeden Fall ein Rückschritt in der Gewaltschutzpolitik.

00:32:36: Und das steht auch im Gegensatz zu dem, was die Istanbul-Konvention sagt.

00:32:40: Weil die definiert Geschlecht nämlich nicht rein biologisch, sondern bezieht verschiedene geschlechtliche Identitäten mit ein.

00:32:46: Und das ist den Verhandlungen mit der CDU zu schulden, dass eben diese Formulierung gewaltbetroffene Personen rausgenommen wurden.

00:32:55: Und eben jetzt diese Personen können zwar aufgenommen werden, die Frauenhäuser können das nach wie vor selbst entscheiden, ob sie die Voraussetzungen In ihrer Einrichtung haben solche Personen aufzunehmen, aber es besteht eben nicht dieser gesetzliche Anspruch auf Aufnahme und Beratung und die Kosten müssen eventuell selbst getragen werden.

00:33:14: Also in der Hinsicht werden bestehende strukturelle Diskriminierungen verstärkt.

00:33:19: Neben den genannten Gruppen fallen auch Frauen mit geflüchteten Status in Deutschland durch das Raster des Gewalthilfegesetzes.

00:33:26: Dabei sind zwei Punkte besonders zu nennen.

00:33:28: Zum einen gibt es die sogenannte Ehebestandszeit.

00:33:31: Das bedeutet, eine geflüchtete Frau, die mit einer ausländisch geschlossenen Ehe nach Deutschland kommt, erhält ihren vom Partner unabhängigen Aufenthaltstitel erst nach drei Jahren Ehe in Deutschland.

00:33:43: Drennt sie sich vorher, zum Beispiel, weil sie Gewalt erlebt, verliert sie in vielen Fällen ihr Aufenthaltsrecht.

00:33:49: Das setzt sie unter enormen Druck, in einer gewalttätigen Beziehung zu bleiben.

00:33:54: Zum anderen gibt es die Wohnsitzauflage.

00:33:56: Sie schreibt vor, dass geflüchtete Frauen in der Kommune bleiben müssen, in der sie registriert sind.

00:34:02: Doch gerade in ländlichen Gebieten gibt es oft keine Frauenhäuser.

00:34:05: Oder sie sind überfüllt.

00:34:07: Eine Schutzunterkunft in einer anderen Stadt zu finden, ist aufgrund der Wohnsitzauflage für viele nahezu unmöglich.

00:34:14: Und auch Frauen mit Behinderung wurden im neuen Gesetz nicht ausreichend berücksichtigt.

00:34:19: Zwar werden sie erwähnt, aber es gibt keine konkreten Vorgaben für ihre Unterbringung oder Unterstützung.

00:34:25: Und weil die zuständigen Stellen ohnehin überlastet sind und nicht genug finanzielle Mittel für die Umsetzung bekommen, besteht die große Sorge, dass genau diese Gruppen am Ende auch durch das Raster fallen.

00:34:32: Außerdem stellt sich die Frage, ob die Finanzierung ausreichend ist, um effektiven Gewaltschutz zu betreiben.

00:34:34: Der Bund stellt für den Zeitraum zwischen

00:34:35: dem Jahr und dem Jahr und die Jahr und die Jahr und die Jahr zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum

00:34:54: zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den Zeitraum zwischen den.

00:35:01: Wenn man es runterbricht, sind das etwa achtzehn Millionen Euro pro Bundesland, und zwar pro Jahr.

00:35:03: Eine Summe, die bei Weitem nicht ausreicht, um das Problem nachhaltig zu lösen.

00:35:04: Denn eigentlich sind die Länder selbst dafür verantwortlich, Frauenhäuser und Hilfesysteme in ihren Kommunen zu finanzieren.

00:35:11: Der Bund gibt jetzt kurzzeitig einen Zuschuss, und das ist ein wichtiger Schritt, aber es bleibt eben ein Zuschuss.

00:35:18: Denn es fehlt nicht nur an sicheren Unterkünften, sondern auch an Fachkräften, die diese Einrichtung betreiben.

00:35:24: An langfristigen Instandhaltungen, an Planungssicherheit.

00:35:28: Die Finanzierung deckt nur einen bestimmten Zeitraum ab.

00:35:31: Aber was passiert danach?

00:35:32: Wer trägt dann die Verantwortung?

00:35:34: Und vor allem reicht es überhaupt aus?

00:35:36: Im Vergleich zu dem Bedarf an Finanzierungen für die Gewaltvorbeugung hat Johanna Wiest uns auch aufgezeigt, wie hoch die Kosten sind, die jährlich durch geschlechtsspezifische Gewalt entstehen, also durch häusliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Deutschland.

00:35:52: Das sind pro Jahr fifty-fünfzig Milliarden Euro, also hundertvierzig Millionen Euro pro Tag.

00:35:59: Die Kosten entstehen im Gesundheitssystem bei Polizei und Justiz und durch Arbeitsausfälle der Betroffenen.

00:36:04: Und bisher wird nur ein verschwindend geringer Teil der fifty-fünfzig Milliarden Euro für die staatliche Finanzierung von Unterstützungsangeboten wie Fachberatungsstellen und Frauenhäusern aufgewendet.

00:36:15: Der Bund stellte nun also über ein Zeitraum von neun Jahren zwei Komma sechs Milliarden Euro zusätzlich für den Schutz von Frauen bereit.

00:36:23: Das sind etwa zweihundertneunzig Millionen Euro pro Jahr.

00:36:26: Zum Vergleich.

00:36:27: Die Folgekosten von Partnerschaftsgewalt betragen jährlich das hundertsechsundachzigfache dieser Summe.

00:36:34: Das bedeutet, die Änderungen sind wichtig und notwendig.

00:36:37: Genaugenommen ist Deutschland dazu verpflichtet.

00:36:40: Einerseits durch die Istanbul-Konvention und andererseits durch die EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

00:36:47: Die verpflichtet nämlich alle EU-Mitgliedstaaten dazu, spätestens ab im Jahr ist es ab dem Jahr im Jahr auch ein flächendeckendes Hilfesystem bereitzustellen.

00:36:55: Es sind in letzter Zeit viele Schritte gemacht worden.

00:36:59: was den Schutz von Frauen angeht, aber es könnte noch so viel mehr gemacht werden.

00:37:04: Also ich denke, dass das auf keinen Fall ausreicht, gerade auch im Hinblick auf die Verpflichtungen aus der Istanbul-Konvention.

00:37:11: Und genau das könnte fatale Folgen haben.

00:37:14: Deshalb fordert unter anderem Therde Pham weitere Maßnahmen für potenzielle Gefährder, da Annäherungsverbote nicht weit genug greifen.

00:37:22: Leider werden diese Verbote nicht eingehalten und deren Einhaltung wird auch nicht überprüft.

00:37:27: Besonders bei Femiziden ist es aus meiner Sicht so, dass ein Mann, der bereit ist, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten, natürlich sich nicht zurückhalten lassen wird von einem Kontakt- oder Annäherungsverbot, das gar niemand überprüft.

00:37:41: Deswegen fordern wir bei Teide Farm zum Beispiel die elektronische Fußfessel.

00:37:45: In Schwanien hat man das schon umgesetzt und da... sind keine Tötungen mehr erfolgt, seit dieser Maßnahme eingesetzt wird.

00:37:53: Und ein großer Vorteil von der elektronischen Fußfessel ist eben auch hier, dass die Verantwortung verschoben wird hin zum Täter.

00:38:00: Er hat dann diese Fußfessel und auch die Frau trägt ein GBS-Armband und es wird dann ein Signal ausgelöst, wenn er sich ihr zu sehr annähert.

00:38:10: Auch die Polizei wird informiert.

00:38:12: Und dadurch muss er darauf achten, wo er sich auffällt und in welchen Räumen er sich bewegt.

00:38:16: Das heißt, sie muss nicht die ganze Zeit darüber nachdenken und Angst haben, wo sich ihr Partner oder Ex-Partner gerade auffällt.

00:38:23: Auch Nadia's Mutter hätte sich eine solche Umsetzung gewünscht, um ihre Tochter zu schützen.

00:38:28: Wenn es immer heißt, es ist nicht nur Personal da oder es ist kein Gator, das Billigste ist für mich dann zum Beispiel eine elektronische Fußfessel.

00:38:36: Einfach ein billiges Ding.

00:38:37: Warum ist dann das Bürgerrecht höher stehend als Das Leben eines Menschen, wenn wir so viele Tote

00:38:45: haben.

00:38:54: Für Nathjas Mutter gingen und gehen die Schutzmöglichkeiten des Staates nicht weit genug.

00:38:59: Ihre Tochter konnte durch die bestehenden Maßnahmen nicht geschützt

00:39:03: werden.

00:39:03: Der kriegt einen Tag, bevor er an der Mord des Gerichtlichen Annäherungsverbot, das Gericht hat es anerkannt, dass es ein potentieller Gefahr da ist, sonst hätten sie ja nicht das Annäherungsverbot ausgesprochen oder mitgeteilt.

00:39:19: Wo bleibt dieser Staat, der dann mehr macht, in Form von Schutz einer Person?

00:39:26: Wieso lässt man ihn einfach so nebenherlaufen?

00:39:29: Wieso ist ein Staat, der nur Gesetze macht und sich dann damit brüsten kann, dass man doch diese Gesetze und die Möglichkeiten hat?

00:39:36: Wieso ist da nicht aktiv jemand dabei, das auch wirklich umzusetzen?

00:39:42: Im Juni, im Jahr zwei Tausend achtzehn fällt das zuständige Landgericht das Urteil.

00:39:47: Lebenslangehaft.

00:39:48: Das Gericht erkennt außerdem die besondere Schwere der Schuld an.

00:39:52: Samir A. wird für den Mord an Nadia und den Totschlag an Jonas verurteilt.

00:39:56: Doch die Urteilsbegründung ist für Nadias Familie schwer zu ertragen.

00:40:01: Das Urteil ist vierzig Seiten lang.

00:40:03: Vierzig Seiten, die sich fast ausschließlich mit dem Täter beschäftigen.

00:40:06: Mit seinen Motiven, mit seiner Kränkung.

00:40:09: Vierzig Seiten, die nicht nur die Tat erklären wollen, sondern die auch mögliche Begründungen abwägen.

00:40:15: Die Verteidigung argumentiert, Samir A. hatte nicht vorzumorden.

00:40:20: Er wollte sein Kind entführen.

00:40:22: Doch die Ermittlungsbehörden und der psychiatrische Gutachter sehen das anders.

00:40:26: Sie gehen von einer gezielten Tötungsabsicht aus.

00:40:30: Seine Hemmschwelle Nadja zu töten sei laut Gericht herabgesetzt gewesen, weil ihn das Ende der Beziehung nazistisch gekränkt habe.

00:40:37: Samir A. hatte sich entschlossen, Nadja zu töten.

00:40:40: Und als sein Plan, seinen Sohn zu entführen, durch den Nachbarn durchkreuzt wurde, ersticht er auch sein Kind.

00:40:47: Ein Mann, der nicht akzeptieren konnte, dass er die Kontrolle verliert.

00:40:50: Laut Karin habe sich der Täter im Gericht nur selbst bedauert.

00:40:53: Immer wieder habe er gesagt, dass Allah ihm nicht verzeihen wird, seinen Sohn umgebracht zu haben.

00:40:58: Über Nadja verliert Samirah kein einziges Wort.

00:41:02: Im Prozess wird ein psychiatrisches Gutachten erstellt.

00:41:05: Die Diagnose, eine nazistische Persönlichkeitsstörung.

00:41:09: In seinem Verfolgungswahn sieht er Natjas Familie, insbesondere ihre Mutter Karin, als Feindbild.

00:41:15: In seiner Vorstellung arbeiten sie gegen ihn.

00:41:18: Besonders Natjas Mutter, so beschreibt der Psychiater, sei für ihn eine Art, Zitat, Spinne in einem intriganten Netzwerk gewesen.

00:41:26: Das Gutachten beschreibt Samir A. als extrem kontrollierend.

00:41:30: Er sieht sich als alleinigen Beschützer von Jonas.

00:41:33: Er hält Nadja für unfähig, sich um ihr eigenes Kind zu kümmern.

00:41:36: Ihr Auszug war für ihn eine unerträgliche Niederlage, ein Zustand, den er nicht ertragen konnte.

00:41:42: In der Nacht vor der Tat muss der Entschluss in Samir A. gereift sein.

00:41:47: Im Prozess gibt es zwei Versionen.

00:41:49: Wollte er Nadja ermorden oder wollte er Jonas entführen und scheiterte.

00:41:53: Der psychiatrische Gutachter hält beide Szenarien für denkbar.

00:41:57: Doch unabhängig davon, welche Version stimmt, er hatte über Wochen, Rache und Mordfantasien gegen Nadja.

00:42:03: Die Tat von Samir A. ist nicht nur infimizid.

00:42:06: Sie trägt auch die Merkmale eines sogenannten Ehrenmords.

00:42:10: Das ist Nadjas Mutter wichtig zu betonen.

00:42:12: Sie sagt, für Samir A. war Nadja sein Besitz.

00:42:16: Ihr Entzug aus seiner Kontrolle war für ihn nicht nur eine persönliche Kränkung, sondern ein Angriff auf seine Ehre.

00:42:23: Sein Selbstbild als Mann, als Vater, all das sah er durch die Trennung verletzt.

00:42:28: Ehrenmorde folgen oft einem bestimmten Muster.

00:42:31: Eine Frau trifft eine eigenständige Entscheidung über ihr Leben und wird dafür von ihrem Partner oder ihrer Familie bestraft.

00:42:38: Die Tat soll die Ehre wiederherstellen, indem die Frau getötet wird.

00:42:43: Diese Art von Gewalt wurde zeltief in patriarchalen Strukturen, in denen Frauen nicht als eigenständige Individuen gesehen werden, sondern als Teil des Ansehens einer Familie oder eines Mannes.

00:42:54: In manchen Kulturen ist das Konzept von Ehre eng mit der Kontrolle über Frauen verknüpft, insbesondere über ihre Sexualität und ihre Rolle als Ehefrau und Mutter.

00:43:04: Doch Samia A. hat nicht nur Nadja getötet.

00:43:07: Auch sein Sohn Jonas musste sterben.

00:43:09: Und die Art, wie er ihn tötete, erschüttert seine Großmutter bis heute.

00:43:13: Für Nathias Mutter erinnert die brutale Vorgehensweise an eine rituelle Schlachtung.

00:43:19: Dass auch diese Tat geplant war, zeigt sich in einem weiteren Detail.

00:43:23: Samir A. hatte zwei Messer dabei.

00:43:26: Eines fiel ihm auf dem Weg zum Auto jedoch aus der Hand.

00:43:29: Doch das Zweite reichte ihm, um seine tödliche Absicht zu vollenden.

00:43:34: Nathias Mutter glaubt, dass er mit jedem dieser Messer eine Person töten wollte.

00:43:38: eines für ihre Tochter, eines für ihren Enkel.

00:43:42: Jonas Tod war kein Zufall, kein Kollateralschaden.

00:43:46: Er war eine bewusste Entscheidung.

00:43:48: Gezielte Stiche, präzise ausgeführt.

00:43:51: Diese Tat war keine Kurzschlussreaktion.

00:43:54: Sie war eine Machtdemonstration, mithötlich im Ausgang.

00:43:58: Die Tat erklärt der Psychiater mit seinem pathologischen Nazismus.

00:44:03: Ein Mann, der nicht akzeptieren konnte, dass nahe ging, dass sie ihm entglitt, dass sie sich ihm entzog.

00:44:09: Für die Justiz scheint es vor allem darum zu gehen, zu erklären, was den Täter dazu gebracht hat.

00:44:14: Doch für Nadjas Familie bleibt eine andere Frage.

00:44:17: Warum konnte niemand sie schützen?

00:44:19: Nach dem Auszug?

00:44:20: er hat jeden Tag so gelebt, als wenn es der letzte Tag ihres Lebensgefäßens wäre.

00:44:25: Also ich nehme an, sie hat einfach so wahnsinnig viel noch mal nachzuholen gehabt, weil sie das in der Beziehung lange schon nicht mehr konnte.

00:44:33: Und ich weiß nicht, ob es wirklich vielleicht diese Angst war.

00:44:37: Das könnte auch irgendwann alles hier zu Ende sein.

00:44:41: Sie hat so intensiv.

00:44:42: Sie hatte jeden Tag was vor.

00:44:44: Sie wollte jeden Tag irgendwas machen.

00:44:46: Und kann natürlich auch sein, sie war da allein in der Wohnung, dass sie nicht allein sein wollte, wir sind zusammengekommen.

00:44:51: Anfang August, sie hat sich so mega gefreut.

00:44:53: Endlich, endlich, normale Familie, endlich.

00:44:56: Und ich hab mich so gefreut, dass sie kommen wollte.

00:45:01: Ich glaube, ich freute immer noch, dass sie kommt.

00:45:03: Und was ist gekommen?

00:45:04: Ihre Asche.

00:45:07: Ihre Asche ist gekommen.

00:45:20: Der Fall Natja zeigt auf erschreckende Weise, dass bestehende Schutzmechanismen für Frauen häufig nicht ausreichen.

00:45:27: Eine Trennung bedeutet für einige Frauen nicht das Ende der Gewalt, sondern eine neue Eskalationsstufe.

00:45:33: Jede Frau, die so eine Trennung schafft und vollzieht, beweist unglaublichen Mut und unglaubliche Kraft.

00:45:38: Aber leider ist das gesellschaftliche Verständnis dafür lange nicht da, wo es sein sollte.

00:45:44: Auch die Frauen selbst wissen oft zu wenig über häusliche Gewalt oder Partnerschaftsgewalt, können ihre Situation nicht einordnen, haben natürlich auch sehr große Angst, das zu tun.

00:45:55: Schutz ist nicht nur eine Frage von Gesetzen, es ist auch eine Frage des Bewusstseins.

00:46:00: Es geht darum, Frauen ernst zu nehmen, ihnen zu glauben, die Gefahr zu erkennen, bevor es zu spät ist.

00:46:06: Und es geht darum, dass Frauen sich nicht schämen müssen, ihre Ängste zu äußern.

00:46:11: dass sie nicht das Gefühl haben, überzureagieren, wenn sie Wahnsignale sehen, dass sie sich nicht alleine gelassen fühlen.

00:46:22: Ich glaube, das Wichtigste ist diese Ängste, die man zuvor hat, dass man sie mehr wahrnimmt und berücksichtigt und dass man sich nicht schämen sollte, diese Angst zu haben, dass diese Ängste formuliert werden dürfen, dass sie vorgebracht werden dürfen und dass man sich auch mit diesen Ängsten so ausrichten darf.

00:46:42: mehr zu handeln und mehr in die Handlung reinzugehen.

00:46:45: Ich glaube, das wäre mein Grundbedürfnis, das sehe ich als mein zartales Versagen an.

00:46:51: Mit diesen ganzen Ängsten und Befürchtungen, die ich hatte, letztendlich zu wenig gemacht zu haben.

00:47:16: Die fünfzehnjährige Turnerin Rachel liegt auf der Liege im Behandlungszimmer, während die Hände des Sportarztes über ihren unteren Rücken gleiten.

00:47:25: Ohne Vorwarnung schiebte eine Hand in ihre Hose und dann

00:47:29: in sie.

00:47:31: Rachel ist das Unangenehmen, aber sie ist es gewohnt.

00:47:34: Ihr Arzt behandelt auf diese Weise nicht zum ersten Mal ihren verspannten Beckenboden.

00:47:39: Dass sie Opfer von sexualisierter Gewalt geworden ist, ist ihr in diesem Moment noch nicht bewusst.

00:47:44: Rachel's Geschichte erzählen wir in der nächsten Folge in zwei Wochen bei Zwölf Leben.

00:47:49: Falls ihr Feedback, Anmerkungen oder selbst eine Geschichte habt, die ihr mit uns teilen möchtet, könnt ihr uns jederzeit eine Mail schreiben an zwölfleben.podimo.gmail.com.

00:48:00: Die Mail findet ihr auch noch mal in der Folgenbeschreibung.

00:48:24: Ausführende Produzentin Madeleine Petri.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.