#57 Theresa: Karriere, Macht, Gewalt
Shownotes
Diese Folge ist schon vor Monaten in der Podimo App veröffentlicht worden. In der Podimo App findet ihr schon jetzt 60 kostenlose Folgen, die ihr ganz ohne Anmeldung oder Abo hören könnt – Einfach nur die App öffnen und ‘12 Leben’ finden: https://podimo.de/12leben
Zusätzlich zu den 60 kostenlosen Folgen findet ihr dort auch die neueste Staffel im Premium-Bereich. _ Juli 2019: Theresa sitzt am Schreibtisch des engen Büros, neben ihr sitzt ihr Kollege. Konzentriert schauen sie gemeinsam auf den einzigen Bildschirm, an dem sie gemeinsam arbeiten. Plötzlich spürt Theresa, wie sich eine Hand um ihre legt. Ihr Kollege zieht ihre Hand in seinen Schoß, direkt in seinen Schritt. Theresas Hand liegt auf seinem erigierten Penis und er flüstert ihr ins Ohr: “Das passiert, wenn du neben mir arbeitest”. In dieser Folge geht es um sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz.
Theresa erzählt selbst, wie sich die Übergriffe auf sie und ihren Arbeitsalltag ausgewirkt haben.
Mit der Psychologin Franziska Saxler sprechen wir darüber, warum sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz auch heute noch ein großes Problem darstellt und warum sie oft nicht als solche erkannt, sondern verharmlost wird.
Link zum Buchtitel “Bis hier und nicht weiter. Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz” von Verena Arps-Roelle & Sebastian Arps: https://actandprotect.de/wp-content/uploads/2025/09/22bis-hier-und-nicht-weiter22.pdf
Triggerwarnung: Diese Folge behandelt explizite Schilderungen von sexualisierter Gewalt. Bei Gewalterfahrungen findet ihr anonym und kostenfrei Unterstützung unter folgenden Nummern:
Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”: 08000 116 016 (rund um die Uhr) Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (rund um die Uhr) Opfer-Telefon vom Weißen Ring: 116 006 (7-22h Uhr)
Mehr Infos bekommt Ihr auf der Homepage der Online Datenbank für Betroffene von Straftaten: www.odabs.org
Habt ihr Feedback? Dann könnt ihr uns eine E-Mail schreiben: 12leben.podimo@gmail.com
"12 Leben – Verbrechen an Frauen" ist ein Podcast von Podimo. Hosts: Helen Schulte und Massimo Maio Autorin dieser Folge: Katharina Fräbel Schnitt und Sound: Frieder Maurer & Luca Sartori (hipitch) Ausführende Produzentin: Madeleine Petry
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Transkript anzeigen
00:00:03: Wie kann das sein, dass dieser Mann überall im gesamten Unternehmen dafür bekannt ist, bis hoch in die Personalabteilung?
00:00:11: Jeder weiß, wie dieser Mann ist und man dem trotzdem in dieser Situation ausgesetzt wird.
00:00:18: Das finde ich schon heftig.
00:00:21: Und das ist was, wo ich heute sage, das finde ich mindestens genauso schlimm wie die Tat an sich.
00:00:28: Weil mit diesem Verhalten gibt es zum Täter überhaupt, dass die Möglichkeit so zu handeln, über Jahre hinweg und eben nichts zu ändern und keine Konsequenzen zu spüren für sein Handeln.
00:00:42: In dieser Folge sprechen wir über sexualisierte Belästigung.
00:00:45: Falls ihr selbst Erfahrungen damit gemacht habt, könnt ihr euch an das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter der Nummer ... Diese Nummer und mehr Informationen findet ihr auch zum Nachlesen in den Shownotz.
00:01:01: April, Zwei Tausend Neunzehn.
00:01:04: Erste Woche und Christian sagt zu mir, jede Frau redet über Sex mit mir, falls du mal Fragen hast.
00:01:10: April, Zwei Tausend Neunzehn.
00:01:12: Christian zu mir.
00:01:14: Wenn du eine Tochter möchtest, musst du nur zu mir kommen.
00:01:16: Ich mach dir gerne eine.
00:01:18: April, Zwei Tausend Neunzehn.
00:01:20: Christian hat mir ein Testtraum des Knie getetchelt.
00:01:24: Mai, Zwei Tausend Neunzehn.
00:01:26: Zu zweit im Auto unterwegs und er sagt, du brauchst nun mal einen richtigen Mann.
00:01:31: Mai, Zwei Tausend Neunzehn.
00:01:33: Wir sprechen über Unterschiede zwischen Männern und Frauen und Christian sagt zu mir, zieh dich mal aus, ich muss erst mal schauen, ob du männlich oder weiblich bist.
00:01:42: Mai, Zwei-Tausendneunzehn.
00:01:44: In seinem Büro.
00:01:45: Ich hab ihm vorgeworfen, dass er mir nicht richtig zuhört, wenn ich ihn was frage.
00:01:50: Er daraufhin.
00:01:51: Wenn du mit mir redest, hör ich eh nur fünfzig Prozent.
00:01:53: Das ist bei einer Frau auch ausreichend.
00:01:57: Juni, Zwei-Tausendneunzehn.
00:01:59: Ich habe etwas vom Boden aufgehoben und Christian hat dann gesagt, Kannst dich ruhig öfters bücken, das gefällt mir.
00:02:06: Juli, zwei tausend neunzehn.
00:02:08: Christian nimmt meine Hand und legt sie in seinen Schritt und sagt, das passiert, wenn du neben mir sitzt.
00:02:13: August, zwei tausend neunzehn.
00:02:16: Gemeinsame Abnahme.
00:02:17: Ein paar Leute von der Stadt kenne ich noch nicht.
00:02:19: Kommentar von Christian über mich.
00:02:21: Die muss ich nicht vorstellen, die ist nicht wichtig.
00:02:24: September, zwei tausend neunzehn.
00:02:26: Ich muss durch eine Tür, in der Christian steht.
00:02:29: Er geht nicht zur Seite und ich quetsche mich vorbei und komme ihm dabei nahe.
00:02:32: Er sagt, Ich weiß, du willst mich.
00:02:38: Diese Folge dreht sich um Theresa.
00:02:40: Ihr Leben ist eines von zwölf, um die es in dieser Staffel geht.
00:02:49: Zwölf Leben, Verbrechen an Frauen.
00:03:11: Hi, ich bin Massimo.
00:03:12: Und ich bin Helen.
00:03:13: Das Thema, um das es in dieser Folge geht, hat uns eine Hörerin vorgeschlagen, Verena.
00:03:18: Sie hat selbst sexualisierte Gewalt erlebt und inzwischen eine Organisation gegründet, die Betroffene von sexualisierter Belästigung und Betroffene von sexualisierter Gewalt unterstützt.
00:03:29: Indem von ihr und ihrem Mann geschriebenen Buch, bis hier und nicht weiter, gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz, teilt sie Infos und Ratschläge zum Umgang mit Übergriffen.
00:03:40: Ihr könnt kostenlos auf dieses Buch zugreifen, wenn ihr dem Link in der Folgenbeschreibung folgt.
00:03:44: Danke Verena für deinen Themenvorschlag und für das Hilfsangebot.
00:03:48: Das Thema heute ist etwas, von dem in Deutschland laut dem Bundesamt für Familie und gesellschaftliche Aufgaben ca.
00:03:55: zwei Drittel aller Frauen betroffen sind.
00:03:57: Sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz.
00:04:00: Ich muss ehrlich sagen, mich hat diese Zahl schockiert.
00:04:03: Zwei Drittel aller Frauen erleben sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz.
00:04:07: Das ist enorm hoch.
00:04:09: Und es zeigt, wie verbreitet das Problem ist, auch wenn wir viel zu selten darüber sprechen.
00:04:14: Wieso oft?
00:04:15: in unseren Folgen geht es auch hier vor allem um eines.
00:04:18: Macht Missbrauch.
00:04:19: Darum, dass Menschen ihre Position ausnutzen, manchmal ganz bewusst, manchmal subtil und darum, dass viele Betroffene sich nicht trauen, etwas zu sagen, aus Angst vor Konsequenzen.
00:04:30: Genau diese Dynamik macht das Thema so schwierig und so wichtig.
00:04:34: Über die Zahl der Betroffenen und darüber, warum die Definition von sexualisierter Belästigung für die Erhebung dieser Zahlen ausschlaggebend sind, haben wir mit der Psychologin Franziska Saksler gesprochen.
00:04:46: Sie promoviert zum Thema sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz und sie hat im Jahr ist ein Buch geschrieben mit dem Titel Er hatte ich noch nicht mal angefasst.
00:04:55: Sie hat uns erklärt warum sie in ihrer Forschung die psychologische Definition nutzt und von sexualisierter Belästigung spricht.
00:05:02: Anders als im Strafrecht.
00:05:04: Dort heißt es sexuelle Belästigung.
00:05:07: Laut Franziska Sachsler seien sexualisierte Belästigungen nämlich auch solche Taten und Vorfälle, die nicht explizit als sexuell angesehen werden, sondern durch den Kontext und die Intention sexualisiert werden.
00:05:19: Also zum Beispiel, wenn jetzt ein Chef eine Angestellte wiederholt zum Essen einlädt, obwohl die Nein sagt außerhalb des Arbeitskontexts, dann würde das nach meiner Definition damit reinfließen, obwohl das keine sexuellen Inhalter hat.
00:05:34: Aus diesem Grund nutzen wir in dieser Folge ebenfalls die psychologische Definition und damit dem Begriff sexualisierte Belästigung, wenn wir über die von Theresa geschilderten Übergriffe und Belästigungen sprechen.
00:05:46: Denn die psychologische Definition stellt auch die Betroffenen in den Fokus und fragt danach, welche Auswirkungen die Belästigung für die Betroffenen haben.
00:05:54: Was Theresa genau passiert ist und welche Auswirkungen es auf ihr Arbeits- und Privatleben hatte, erzählt uns in dieser Folge die Betroffene selbst.
00:06:03: Ich fürchte, das passiert nach wie vor sehr, sehr viel in sehr, sehr vielen Firmen.
00:06:09: Aber was ich viel schlimmer fand, ist, dass das sehr versucht wurde, unter den Tisch zu kehren.
00:06:17: Und ich mich absolut machtlos gefühlt habe und auch da ... im ersten Moment überhaupt nicht gegen angekommen bin und ich leider erleben musste, wie sämtliche Leute drumherum lieber weggeguckt haben, auch teilweise aus Angst, wie mir auch gesagt wurde.
00:06:33: Wir nennen sie Theresa, ihren Namen und denen des vermeintlichen Täters haben wir aber geändert.
00:06:39: Neben dem Gespräch mit Theresa selbst liegen uns auch Unterlagen wie Gesprächsprotokolle oder Schreiben der Staatsanwaltschaft vor, die die Vorkommnisse dokumentieren.
00:06:48: Wie in so vielen anderen Fällen von sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz gibt es auch bei Teresa kein Urteil, obwohl sie den vermeintlichen Täter angezeigt hat.
00:06:56: Warum das so ist und was sich ändern muss, um mehr Täterinnen zur Verantwortung zu ziehen, erklären wir später in der Folge.
00:07:16: Teresa wächst in einem kleinen Dorf, in einer Wohnung, in einem Mehrfamilienhaus auf.
00:07:21: Vor dem Haus ist ein großer Spielplatz, auf dem sie oft mit ihren Freundinnen spielt.
00:07:26: Ihre Mutter hat sie von Balkon der Wohnung aus immer im Blick.
00:07:29: Als sie circa sechs Jahre alt ist, spielt Theresa wie so oft auf dem Spielplatz, als ihre Mutter sie vom Balkon aus ruft.
00:07:36: Sie soll nach Hause kommen.
00:07:38: Sofort macht sich Theresa mit ihrer Freundin auf den Weg.
00:07:41: Und dann wollte ich zur Haustür rein und da stand dieser Mann direkt an die Hausbahn gequetscht und hat sich einen runtergeholt.
00:07:49: Und ich konnte das aber gar nicht.
00:07:51: Ich wusste nicht, was da passiert.
00:07:53: Ich wusste aber irgendwas.
00:07:54: Also ich hatte schon noch Angst.
00:07:55: Ich hatte so viel Angst, dass ich nicht reingekommen bin.
00:07:59: Theresa kann sich nicht mehr genau erinnern, wie es weiterging.
00:08:02: Nur, dass ihre Mutter dann die Polizei gerufen hat, die schnell vor Ort war.
00:08:05: Theresa muss als Kind aussagen, was sie gesehen hat und später muss sie gemeinsam mit ihrer Freundin zum Polizeipräsidium und dort den Mann anhand von Bildern identifizieren.
00:08:20: dass, was ihr in diesem Moment, als sie gerade mal sechs Jahre alt ist, passiert ist, benennt das Deutsche Strafrecht als sexualisierten Kindesmissbrauch ohne Körperkontakt.
00:08:31: Die Definition der staatlichen Stelle unabhängige Beauftragte zu Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs besagt.
00:08:38: Alle sexuellen Handlungen vor Kindern sind sexueller Kindesmissbrauch und damit strafbar, egal ob mit oder ohne Körperkontakt, egal ob die Betroffenen sich gewährt haben oder es vermeintlich gewollt hätten.
00:08:50: Auch wenn Theresa sich heute nicht mehr erinnern kann, ob und welche Strafe es für den Mann gab, sie bekommt als Kind mit, dass die Tat ernst genommen wird.
00:08:58: Ihre Mutter, die sofort die Polizei ruft, die Polizei, die ihre Aussage aufnimmt und die Bildidentifizierung auf dem Polizeipräsidium.
00:09:06: Sie lernt, dass sie und ihre Probleme ernst genommen werden.
00:09:10: Theresa erzählt, dass sie als Kind schon immer wusste, was sie will und nicht viel auf die Kommentare von anderen gab.
00:09:16: Sie sagt generell über sich, Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, zieht sie es auch durch.
00:09:21: Auch bei ihrer Studienwahl lässt sich Theresa nicht von Vorurteilen oder gesellschaftlichen Normen beeinflussen und wählt einen Studiengang, der eher Männer dominiert ist.
00:09:30: Ingenieurwissenschaften mit dem Schwerpunkt auf Verkehr.
00:09:33: Die Zahl der eingeschriebenen Frauen in mathematischen Ingenieurwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Studiengängen, sogenannten Mintfächern, steigt zwar laut dem Statistischen Bundesamt, aber auch in dem Jahr auch in dem Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Jahr auch in den Denn dort lebt nicht nur ihre Familie, sondern in der Nähe ihres Heimatortes hat auch ein großer deutscher Automobilhersteller sein Sitz.
00:10:08: Die ganze Region lebt vom Verkehrswesen.
00:10:10: Teresa beschließt, auch noch den Masterabschluss zu machen und sich somit weiter zu spezialisieren.
00:10:15: Während des Masterstudiums wird Teresa schwanger und bekommt gemeinsam mit ihrem Ehemann ihr erstes Kind.
00:10:22: Wenn sie zur Uni geht, wird ihr Kind in eine Art Kindergarten der Uni betreut.
00:10:26: Teresa ist im letzten Semester ihres Masterstudiums, als sie beginnt, sich nach einem Vollzeitjob umzuschauen.
00:10:32: Eine Firma, die eine Stelle ausgeschrieben hat, kennt sie schon aus der Uni.
00:10:36: Für Projekte hatten sie bereits Kontakt und Teresa abschließt sich dort zu bewerben.
00:10:41: Und sie wird zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.
00:10:44: Ich muss sagen, würde ich mich heute noch mal in dieser Firma bewerben, würde ich heute noch mal dieses Bewerbungsgespräch führen, würde ich den Job nicht annehmen tatsächlich.
00:10:52: Damals weiß sie noch nicht, was auf sie zukommt.
00:10:55: Es ist Theresa's erster Job nach der Uni.
00:10:57: Welche Fragen wird man ihr stellen?
00:10:59: Ist sie gut vorbereitet?
00:11:00: Reicht ihr Wissen aus dem Studium aus, um den Job zu bekommen?
00:11:03: Theresa ist aufgeregt, aber sie glaubt an sich, wie sie es schon als Kind getan hat.
00:11:08: Als es soweit ist und sie in das Büro zum Bewerbungsgespräch gerufen wird, schaut sie sich um.
00:11:13: Vor ihr sitzen drei Personen, der Geschäftsführer, der Abteilungsleiter des Bereiches, für den sie sich beworben hat und jemand aus der Personalabteilung.
00:11:21: Sie stellen ihr Fragen zu ihrem Studium, zu ihren Stärken und Schwächen, zu ihren Gehaltsvorstellungen.
00:11:27: Und Theresa erzählt uns, dass man ihr auch Fragen zu ihrer Familienplanung gestellt habe.
00:11:32: Laut dem sogenannten Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, ist es nicht zulässig, Bewerberinnen nach einer geplanten oder aktuellen Schwangerschaft zu fragen.
00:11:41: Es handelt sich laut Gesetz um eine unmittelbare Benachteiligung aufgrund des Geschlechts.
00:11:46: Werden Bewerberinnen nach der Familienplanung gefragt, dürfen sie demnach wissentlich lügen.
00:11:51: da das Gesetz vorgibt, dass es kein rechtlich legitimiertes Interesse des Arbeitgebers an dieser Information geben kann.
00:11:58: Zum Zeitpunkt der Bewerbung hat Theresa schon ein Kind und ihre Familienplanung ist noch nicht abgeschlossen.
00:12:04: Sie sagt aber, dass sie erst mal keine weiteren Kinder wolle und sich stattdessen auf ihre Karriere konzentrieren wolle.
00:12:10: Schnell kommt das Gespräch auf eine Kollegin in der Firma, die vor kurzem ein Kind bekommen hat und in Elternzeit ist.
00:12:16: Theresa erinnert sich, dass sich die Männer, die vor ihr sitzen und ihr eigentlich Fragen bezüglich des Jobs stellen sollten, über die Kolleginnen ausgelassen hätten.
00:12:25: Also wenn Chef schon anfängt in einem Bewährungsgespräch über eine andere Frau herzuziehen, die es gewagt hat, jetzt ihr Kind zu bekommen.
00:12:32: Und dann auch so, so, ja, ach, aber na ja, sie kommt auch ganz schnell wieder.
00:12:37: Also ich glaube, die ist auch tatsächlich nach vier, fünf Monaten schon wiedergekommen.
00:12:40: Und ja, so muss das ja sein.
00:12:44: Sehr, sehr schwierig, sehr, sehr schwierig.
00:12:46: Also das wäre für mich heute absolut, wo ich sagen würde, nein, in so einer Firma möchte ich gar nicht arbeiten.
00:12:57: Theresa bekommt den Job.
00:12:58: Und zusammen mit einer Freundin, die sie aus dem Studium kennt, fängt sie im April, zwei Tausend neunzehn an.
00:13:04: Mit ihrem Chef hat sie ausgemacht, dass sie vor Jobbeginn ihren Master beendet.
00:13:07: Sie schreibt also ihre Masterarbeit, gibt sie ab und besteht auch.
00:13:12: Weil ihre Uni eine Kinderbetreuung anbietet, auf die sie in den ersten Monaten ihres Jobs noch angewiesen ist, exmatrikuliert sie sich nach Absprache mit ihrem Chef nicht sofort und bleibt vorerst in der Uni eingeschrieben.
00:13:24: Deswegen hat sie zu diesem Zeitpunkt auch noch kein Masterzeugnis, das sie in der Personalabteilung einreichen kann.
00:13:31: Weil der Job ursprünglich eh für Bachelor-AbsolventInnen ausgeschrieben war und sie diese Bedingung erfüllt, glaubt Teresa, dass es kein Problem ist, wenn sie Erzeugnis später abgibt.
00:13:42: Dann ihr erster Arbeitstag.
00:13:44: Ein Kollege, der etwa zehn Jahre älter ist als sie, wird ihr zugeteilt, um sie einzuarbeiten.
00:13:49: Christian M. Schnell merkt Teresa, dass das Arbeitsklima in ihrem neuen Job nicht das ist, was sie erwartet hat.
00:13:56: Und leider fingen diese Belästigung wirklich schon direkt in der allerersten Woche an.
00:14:02: Also, ich glaub, das allererste, was der zu mir meinte, war dann so, früher war ich ein Fahrlehrer und alle Frauen haben immer so gerne mit mir über das Text geredet.
00:14:10: Also, wenn du auch mit mir darüber reden möchtest, ich hab da ja kein Problem mit.
00:14:15: Das sind halt so Sachen.
00:14:16: Also, wie gesagt, am Anfang, ich hab's abgetan und dachte ja gut, nerviger, blöder Spruch.
00:14:28: Was Theresa in ihrer ersten Woche als blöden Spruch abtut, ist bereits sexualisierte Belästigung.
00:14:34: Und zwar sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz.
00:14:38: Der wichtigste Faktor bei jeder sexualisierten Belästigung, egal ob am Arbeitsplatz oder nicht, ist laut der Psychologin Franziska Sacksler das zur Schaustellen von Macht.
00:14:48: In ihrem Buch erklärt sie, dass sexualisierte Belästigung, die eine Form der sexualisierten Gewalt ist, immer voraussetzt, dass die belästigende Person Macht in der Situation hat oder diese Macht anstrebt.
00:15:00: Am Arbeitsplatz kann sich so ein Machtverhältnis zum Beispiel durch Hierarchien und damit Abhängigkeiten zeigen.
00:15:06: Mit einer Führungsposition kommt die Macht, über Gehalt, Aufstieg und Ansehen in einer Firma oder gar eine ganze Karriere zu entscheiden.
00:15:14: Und diese Macht liegt zum Großteil bei Männern.
00:15:17: In Deutschland liegt die Zahl der Frauen in Führungsposition und somit Frauen, die faktisch in einer hierarchischen Machtposition sind, im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im.
00:15:43: Das belegt eine Statistik der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von zwei Tausendneunzehn.
00:15:48: Zweiundachtzig Prozent aller Betroffenen, egal welchem Geschlecht sie angehörten, wurden am Arbeitsplatz von Männern sexualisiert belästigt.
00:15:56: Schaut man auf die Gruppe der weiblichen Betroffenen, sind die Täterinnen fast ausschließlich Männer.
00:16:01: Diese Art Belästigung, also von Chef zu Angestellte, ist vielleicht die, die wir uns am ehesten vorstellen, wenn wir über das Thema sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz sprechen.
00:16:12: Allerdings zeigt die Studie der Antidiskriminierungsstelle auch, dass nur neunzehn Prozent der Betroffenen davon berichten, von einem Vorgesetzten belästigt worden zu sein.
00:16:21: Stattdessen haben dreunfünfzig Prozent der Betroffenen sexualisierte Belästigung durch Kundinnen oder Patientinnen und siebenvierzig Prozent durch gleichgestellte KollegInnen erfahren.
00:16:32: Laut Franziska Sachsler liege das daran, dass Männer, die sexualisiert belästigen, sich generell oder unabhängig von ihrer Position in einem Unternehmen hierarchisch über Frauen gestellt sehen.
00:16:44: Vom nun beispielsweise Kolleginnen in die Firma, die einen höheren Abschluss haben oder ihre Stellung bedrohen, bedrohen sie auch ihre Stellung als Mann in der Gesellschaft und damit das von ihnen angenommene Machtgefälle zwischen Mann und Frau.
00:16:57: Männer, die sich in ihrer Machtposition bedroht fühlen, seien laut Franziska Sachsler Er zur sexualisierten Belästigung motiviert.
00:17:05: Bei Macht und sexualisierte Belästigung geht es also nicht nur um greifbare Macht durch Hierarchie und Position, sondern auch um ein gefühltes Machtgefälle in unserer Gesellschaft zwischen Mann und Frau.
00:17:16: Wie oft sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz generell vorkommt, untersuchen viele verschiedene Studien, die nicht immer zu ähnlichen Ergebnissen kommen.
00:17:25: Der bereits erwähnten Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zufolge gaben dreizehn Prozent der befragten Frauen an, bereits am Arbeitsplatz sexualisiert belästigt worden zu sein.
00:17:36: Eine Studie der Charité Berlin, die sexualisierte Belästigung im Klinik-Kontext untersuchte, kam hingegen zum Ergebnis, dass siebzig Prozent der befragten Frauen bereits am Arbeitsplatz sexualisiert belästigt wurden.
00:17:48: Und laut Franziska Sachsler zeigen aktuelle Zahlen, dass ca.
00:17:52: sechzig Prozent der Frauen und nonbinären Personen sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz erfahren haben.
00:17:59: Diese unterschiedlichen Zahlen würden laut Franziska Sachsler zustande kommen.
00:18:03: weil die Studien zum einen verschiedene Definitionen von sexualisierter Belästigung haben.
00:18:08: Studien, laut denen weniger Frauen betroffen sind, können zum Beispiel konservativere Definitionen zugrunde liegen, die vor allem körperliche Übergriffe oder stark sexualisierte, verbale Übergriffe einschließen und andere Belästigungen ausschließen.
00:18:23: Zum anderen ist auch die Art und Weise der Fragestellung in den Umfragen wichtig.
00:18:27: Also es macht einen riesen Unterschied, ob man fragt.
00:18:30: boden sie sexuell belästigt, versus haben sie in den letzten Monaten einen sieobjektifizierenden Witz gehört.
00:18:38: Weil dieses Label zu benutzen, zum Beispiel für viele schon mal eine große Hürde ist.
00:18:43: Und in meiner Studie zum Beispiel frage ich nach Beidem, wenn ich frage, boden sie sexuell belästigt, sagen das nur zehn Prozent, versus.
00:18:50: wenn ich frage, haben sie eben zum Beispiel einen objektifizierenden Witz gehört, dann sagen zumindest auf einer dieser Verhaltensweisen sechzig Prozent.
00:18:59: Franziska Sachsler stellt zum Beispiel auch Fragen wie, hat er jemand wiederholt sexuelle Geschichten oder Witze erzählt, die für dich anstößig waren?
00:19:15: Hat dich jemand aufgrund deines Geschlechts abgewertet oder herablassend behandelt?
00:19:20: Hat dich jemand auf eine unangenehme Art und Weise angeschaut, angeglotzt oder angestarrt?
00:19:25: Hat jemand beleidigende Bemerkungen über dein Aussehen, deinen Körper oder deine sexuellen Aktivitäten gemacht?
00:19:32: Das Betroffene selbst, nicht immer von sexualisierter Belästigung sprechen und sie erkennen, liegt laut der Psychologin Franziska Sachsler auch daran, dass unsere Gesellschaft eine sehr stereotype Vorstellung von einer sexualisierten Belästigung hat.
00:19:46: Eine Frau und ein Mann, alleine in einem Raum.
00:19:49: Vielleicht ist der Mann der Chef, die Frau, seine Angestellte.
00:19:53: Er fasst die Frau an.
00:19:54: oder zwingt sie zu anderen sexuellen Handlungen.
00:19:57: Aber Franziska Sachsler erklärt, dass auch Situationen, die nicht stereotyp oder offensichtlich sexuell sind, wie zum Beispiel eine unnachgebige Essenseinladung oder unangebrachte Witze und Blicke sexualisierte Belästigung sind.
00:20:11: Vielen Betroffenen ist schlichtweg nicht bewusst, dass auch solche Vorfälle zur sexualisierten Belästigung gehören.
00:20:18: Im Fall von Theresa und vielen anderen Betroffenen kommt noch dazu, dass die sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz stattfindet.
00:20:25: Das bringt mit sich, dass man die Situation nicht so einfach verlassen könne.
00:20:29: Viele Menschen haben ja lange auf eine Karriere zum Beispiel hingearbeitet, haben sich darin ausbilden lassen und so weiter und dann ist es natürlich auch einfach unfair, wenn jetzt jemand einen belästigt, dass man dann einfach gehen soll.
00:20:43: Und genau diese Abhängigkeitsverhältnisse und diese so gefühlt, könnte man sagen, gefangene Situationen, macht den Arbeitsbereich anfällig für Belästigung und hat auch zur Folge, dass es eben schwieriger ist, damit umzugehen, zu sagen, hier möchte ich nicht mehr bleiben.
00:21:04: Oft sind es auch finanzielle Gründe, die Betroffene im Job festhalten.
00:21:08: Den Job zu kündigen ist zum Beispiel für Alleinerziehende nicht einfach.
00:21:12: Schaut man sich Alleinerziehende in Deutschland genauer an, waren es in den Jahren.
00:21:19: Egal ob am Arbeitsplatz, auf der Straße oder im näheren Umfeld, all diese Situationen, nach denen Franziska Sachsler in ihrem Fragebogen ihre Doktorarbeit fragt, also sexualisierte Witze, Diskussionen, Blicke oder herablassende Kommentare aufgrund des Geschlechtes und noch mehr, sind laut der psychologischen Definition sexualisierte Belästigung.
00:21:40: Und da ist alles sexualisierte Belästigung, was erst mal geschlechtabzogen ist.
00:21:46: Und das Ziel hat eine Person aufgrund des Geschlechts herabzuwürdigen, zu degradieren, klein zu halten und sich unwohl fühlen zu lassen.
00:21:57: Und dabei ist es auch per Definition immer ungerollt.
00:22:00: Wenn Täter Übergriffe als Kompliment oder unschuldigen Flirt abtun wollen, kann man diese ganz klar von sexualisierter Belästigung abgrenzen.
00:22:08: Denn Komplimente und vor allem Flirts basieren auf Gegenseitigkeit und Zustimmung.
00:22:14: Im Gegensatz zum Strafrecht, dass nur körperliche Übergriffe umfasst und das laut Franziska Sacksler eine Täterperspektive einnimmt, wird in der psychologischen Definition die Perspektive der Betroffenen eingenommen.
00:22:26: So geht es mehr darum, wie sich die Betroffenen fühlen.
00:22:29: und ob es ihnen mit der Situation gut oder schlecht geht und welche Auswirkungen es zum Beispiel auf ihre Arbeitsweise und Psyche hat.
00:22:37: Die Wissenschaft unterscheidet zudem drei Arten der sexualisierten Belästigung.
00:22:41: Sexuelle Nötigung, ungewollte, sexuelle Aufmerksamkeit und die sogenannte geschlechterbezogene Belästigung, auch Gender-Arrestment genannt.
00:22:50: In den insgesamt eineinhalb Jahren, die Theresa in der Firma arbeitet, wird sie von mindestens zwei der genannten drei Arten der sexualisierten Belästigung betroffen sein.
00:23:12: Es ist Juli, zwei Tausendneunzehn.
00:23:15: Theresa arbeitet seit April in der Firma.
00:23:17: Die ersten Wochen und Monate sind im Großen und Ganzen gut verlaufen.
00:23:21: Sie findet langsam aber sicher in ihrer Aufgaben und versteht sich gut mit den meisten Kolleginnen.
00:23:26: Nur mit einem gibt es immer wieder Probleme.
00:23:28: Christian M. Christian M. ist um die zehn Jahre älter als Theresa und hat somit schon mehr Erfahrung als sie selbst oder auch ihre Unifreunden, mit der sie ja gemeinsam in dem Unternehmen angefangen hatte.
00:23:41: Christian M. ist dafür verantwortlich, Theresa einzuarbeiten.
00:23:46: Zu Beginn fällt sein Verhalten Theresa nicht unbedingt negativ auf.
00:23:50: Und das, obwohl er laut Theresa seit Woche eins immer wieder blöde Sprüche gemacht habe.
00:23:56: Aber sie sagt auch, als Frau sei sie sowas von Männern schon gewohnt.
00:24:00: Deswegen haben sie es fast gar nicht gemerkt.
00:24:02: Stattdessen habe sie am Anfang noch mit Sprüchen gekonnt hat oder Christian M. klar Grenzen aufgezeigt, wenn er zu weit gegangen sei.
00:24:10: Aber weder das noch der Umstand, dass KollegInnen mit dabei waren, habe ihn davon abgehalten, Theresa's aussehen zu kommentieren oder anzügliche und herablassende Sprüche zu machen.
00:24:20: Theresa fällt auch auf, dass sie und Christian M. eine ganz andere Herangehensweise an die bestehenden Strukturen der Firma haben.
00:24:27: Während sie von sich selbst sagt, dass sie Aufgaben und etablierte Vorgehensweisen im Job auch hinterfragt und konstruktive Kritik äußere, sei Christian M. ganz anders.
00:24:37: Der war so ein bisschen nach oben ducken, also bei Chefs immer.
00:24:42: Also so, ja, was der Chef sagt, das ist absolutes Gesetz.
00:24:46: Und nach unten hin dann aber auch immer so, ich bin ja Ingenieur, ich hab ja studiert und ich bin ja so schlau und ich bin so toll.
00:24:55: Laut Theresa habe dieses Verhalten dazu geführt, dass Monteure, mit denen sie eng zusammenarbeiten, Christian M. Meiden und stattdessen mit ihr oder anderen Kolleginnen zusammenarbeiten wollen.
00:25:06: Die Handwerker, mit denen sie an einem Tag im
00:25:08: Juli-Zw.,
00:25:10: gemeinsam mit KollegInnen und Christian M. Mittagspause macht, scheinen sich laut Theresa in Christian M.s Anwesenheit allerdings mehr als wohl zu fühlen.
00:25:19: So sehr, dass das Gesprächsthema der Männer auf Brüste gefallen sei.
00:25:23: Man habe sich in der Runde gefragt, ob große Brüste überhaupt echt sein können.
00:25:28: Dann sei der Fokus auf Theresa gewandert.
00:25:30: und Christian M. habe sie gefragt, ob ihre Brüste denn echt seien, immerhin seien die ja riesig.
00:25:36: Die Männer hätten dann gefragt, ob sie ihre Brüste nicht mehr anfassen durften und hätten weiter Witze gemacht.
00:25:42: Theresa habe in der großen Runde nichts gesagt.
00:25:45: Seit vier Monaten arbeitet sie nun schon gemeinsam mit Christian M. und solche angeblich lustig gemeinten Sprüche oder vermeintlichen Witze seien bisher keine Seltenheit gewesen.
00:25:55: Oft sage sie direkt, wenn sie mal wieder eine Bemerkung von Christian M. umpassend findet.
00:26:00: Manchmal würden ihn sogar Kollegen darauf ansprechen.
00:26:03: Aber hier und jetzt, in der Runde voller Männer, die sich scheinbar gegenseitig hochschaukeln, will Teresa nichts dazu sagen.
00:26:10: Stattdessen habe sie das Gesicht verzogen und so versucht zu signalisieren, dass sie es nicht okay finde, wie über sie und ihren Körper gesprochen werden würde.
00:26:19: Als es ihr zu viel wird, sei sie schließlich aufgestanden und habe die Kantine zusammen mit ihrer Freundin, die auch im Unternehmen arbeitet, verlassen und sei zurück ins Büro gegangen.
00:26:29: Kurze Zeit später sei auch Christian M. aus der Kantine zurückgekommen und habe sich in einen Büro gesetzt.
00:26:36: Ich habe da irgendwas rausgeholt.
00:26:37: Er sagt, er hat irgendwas getestet.
00:26:39: Und ich bin an ihm vorbeigegangen und er knacht mir nie brust.
00:26:43: So wollte ich denken, was ist jetzt passiert?
00:26:47: Ich hab ihn nur fassungslos angeschaut.
00:26:49: Was soll das denn jetzt?
00:26:50: Das hab ich auch gefragt.
00:26:53: Was war das?
00:26:54: Geht's dir noch ganz gut?
00:26:56: Und er hat sich gesagt, sorry, ich wollte nur mal gucken, ob die wirklich echt sind, aber sind sie ja.
00:27:01: Das war auch so ... Ich hab ihn dann wirklich nur so angewidert angeschaut und hab auch da den Raum verlassen.
00:27:11: Der Übergriff, den Theresa hier beschreibt, soll nicht der Einzige bleiben, bei dem Christian M. körperlich übergriffig wird.
00:27:34: Nur ein Monat später.
00:27:35: Es ist August, zwei Tausend neunzehn.
00:27:38: Theresa und Christian M. sitzen gemeinsam im sogenannten Testraum.
00:27:42: Dort, wo die Ingenieurinnen ihre Verkehrsplanung testen können.
00:27:46: Der Raum ist klein und eng.
00:27:48: Es gibt nur einen PC, an dem man arbeiten kann.
00:27:51: Wenn man zu zweit dort arbeitet, sitzt man eng aneinander.
00:27:55: Plötzlich habe Christian M. Therese's Hand genommen.
00:27:58: Langsam habe sich seine Hand um ihre gelegt und sie in seinen Schoß gezogen.
00:28:03: Therese versteht nicht, was hier passiert, als er dann ihre Hand in seinem Schritt abgelegt habe.
00:28:09: Therese habe Christian M.s erigierten Penis gespürt und gehört, wie er leise gesagt habe, das passiert, wenn du neben ihr arbeitest.
00:28:17: Erschrocken habe sie ihre Hand von Christian M.s Schritt weggezogen.
00:28:21: Ich war ein Schockstarre.
00:28:22: Ich saß da erst mal.
00:28:24: Und dann ... ich bin ja nicht klargekommen.
00:28:28: Ich kann das gar nicht anders sagen.
00:28:30: Ich hab's unkommentiert gelassen.
00:28:32: Ich hab nichts gesagt, gar nichts, kein Wort.
00:28:35: Bin dann relativ schnell auch unter einem Vorwand, bin ich dann gegangen.
00:28:40: Ich hab gesagt, ich war auch erst mal auf Toilette, musste mich erst mal sammeln.
00:28:45: Und ich hab dann auch Feierabend gemacht.
00:28:53: Theresa traut sich in diesem Moment nicht, irgendjemandem von dem zu erzählen, was hier gerade passiert ist.
00:28:59: Stattdessen sagt sie, dass ihr Kind krank sei und macht Feierabend.
00:29:03: Sie fährt allerdings nicht auf kurz zum Weg nach Hause, sondern zunächst noch ziellos durch die Gegend.
00:29:09: Sie braucht die Zeit, um sich zu sammeln und zu verstehen, was Christian M. da gerade gemacht hat.
00:29:14: Theresa erzählt, dass sie sich geschämt hat für das, was Christian M. ihr angetan habe.
00:29:19: So sehr, dass sie weder ihren Kollegen und ihrer Freundin noch ihrem Ehemann von dem Vorfall erzählt.
00:29:26: Und das spielt da ganz viel auch eine Rolle, weil es ist zu hundert Prozent klar, das ist Aussage gegen Aussage.
00:29:32: Was soll denn passieren?
00:29:33: Also wer glaubt mir, wer glaubt ihm?
00:29:37: Das ist schon auch irgendwie... Ich meine, es hat ja auch seinen Grund gehabt, warum mich das meinem Mann damals nicht erzählt hat, weil ich auch dann für mich dachte, okay, ich will das eigentlich schnell vergessen.
00:29:50: Ich will gar nicht, dass da ein Theater drum gemacht wird.
00:29:52: Ich will gar nicht, dass es da Stress gibt.
00:29:55: Und so passiert es auch.
00:29:56: Als Theresa am nächsten Tag zur Arbeit geht, tun sie und Christian M. so, als wäre nichts passiert.
00:30:09: Beide beschriebenen Situationen, das Ungewollte auflegen ihrer Hand auf seinen Penis und das Anfassen ihrer Brust, sind laut der Psychologin Franziska Sacksler, die zum Thema sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz promoviert, sexualisierte Belästigung.
00:30:24: Genauer gesagt, handelt es sich um sogenannte ungewollte, sexualisierte Aufmerksamkeit.
00:30:30: Diese Form der sexualisierten Belästigung haben nach einer Studie, die Franziska Sachsler durchgeführt hat, fast die Hälfte aller Frauen, genauer gesagt, Zu ungewollter, sexualisierter Aufmerksamkeit gehören.
00:30:44: neben unerwünschten Berührungen wie das Zwicken in die Brüste oder das beschriebene, ungewollte Auflegen von Therésas Hand auf Christian Ems erigierten Penis, auch Annäherungsversuche und sexuelle Kommentare, wie zum Beispiel die Spekulationen über die Echtheit von Therésas Brüsten.
00:31:01: Diese sexuellen Kommentare mache Christian Ems gegenüber Therésa immer wieder, egal in welcher Situation, egal ob andere Personen mit im Raum seien.
00:31:10: und es mitbekommen könnten.
00:31:13: Zum Beispiel, als Theresa durch eine Tür an ihm vorbei will und er ihr ins Ohr geflüstert haben soll.
00:31:18: Ich weiß, du willst mich.
00:31:20: Oder als das Gespräch auf Familie und Kinder kommt und er gesagt habe, ich mache dir ein Kind.
00:31:26: Als es um eine Kollegin geht, die vor Kurzem eine Tochter bekommen hat, habe er bemerkt, wenn du eine Tochter möchtest, musst du nur zu mir kommen.
00:31:34: Ich mache dir gerne eine.
00:31:35: Im Auto, als sie über Ehe sprechen, habe er gesagt, du brauchst nur mal einen richtigen Mann.
00:31:41: Als Theresa sich bückt und etwas vom Boden aufhebt, habe er gesagt, kannst dich ruhig öfters bücken.
00:31:46: Das gefällt mir.
00:31:48: Als Theresa über den Flur läuft, habe Christian M. sie nachgemacht, übertrieben mit dem Po gewackelt und gesagt, zumindest kannst du laufen wie ein Topmodel.
00:31:56: Das ist ja schon was.
00:31:58: Das sind nur ein paar Ausschnitte an Momenten und Äußerungen, die laut Theresa von Christian M. gemacht worden seien.
00:32:04: Die Situation auf der Arbeit beginnt sie schon bald so sehr zu belasten, dass sie sich mit ihrer Freundin, die auch bei der Firma arbeitet, austauscht.
00:32:13: Auch sie hat schon oft ungewollte sexualisierte Kommentare von Christian M. bekommen und schlägt vor, dass sie und Theresa eine Art Tagebuch führen sollen, indem sie alle für sich relevanten Vorfälle aufschreiben.
00:32:25: Kommt zu diesen ungewollten sexuellen Aufmerksamkeiten noch hinzu, dass Betroffenen mit negativen Konsequenzen oder ähnlichem gedroht wird oder ihnen wird eine Art Belohnung für Handlungen versprochen, dann spricht man von sexueller Nötigung.
00:32:39: Die Drohungen müssen dabei nicht explizit sein.
00:32:41: Auch unterschwellige Signale, die den Betroffenen zeigen, dass sich zu Wehrsätzen unerwünscht ist, sind laut der Psychologin Franziska Sachsler eine Drohung, die zur Folge hat, dass Betroffene Handlungen und Übergriffe über sich ergehen lassen, aus Angst vor Konsequenzen.
00:32:56: Laut der Studie von Franziska Sachsler, in der sie mehr als zweitausend Frauen und nicht binäre Personen nach ihren Erfahrungen mit sexualisierter Belästigung in den letzten acht Monaten gefragt hat, haben rund zwanzig Prozent der Betroffenen schon sexuelle Nötigungen erlebt.
00:33:11: Sowohl die sexuelle Nötigung als auch die ungewollte sexualisierte Aufmerksamkeit seien die zwei Formen der sexualisierten Belästigung, die in der Gesellschaft auch als solche erkannt werden, da sie meist dem Stereotypenbild einer sexuellen Belästigung entsprechen.
00:33:26: Aber es gibt noch eine dritte Form, die von vielen Menschen nicht als sexualisierte Belästigung erkannt wird.
00:33:37: Theresa beschreibt in ihrem Tagebuch nicht nur Vorfälle und Situationen von ungewollter sexualisierter Aufmerksamkeit, sondern hält auch solche Kommentare fest, die auf den ersten Blick nicht unbedingt als sexualisierte Belästigung erkennbar sind und stattdessen eher zu der geschlechterbezogenen Belästigung oder dem sogenannten Gender-Harassment zählen.
00:33:58: Zu Gender-Harassment zählt jede Form von Obstzöhnen oder wohl gern Gesten und oder objektifizierender Sprache.
00:34:06: also wenn Menschen auf Eigenschaften und Funktionen reduziert werden.
00:34:09: Zum Beispiel, wenn der Kollege einen nicht beim Namen nennt, sondern einfach nur sagt, die junge Blonde aus dem Marketing.
00:34:15: Dazu zählen auch sexistische Witze oder Sprüche, die die Betroffene aufgrund ihres Geschlechtes abwerten.
00:34:21: Dabei geht es, anders als bei der sexuellen Nötigung und der ungewollten sexualisierten Aufmerksamkeit, nicht darum, sexuelle Kooperation oder sexuellen Kontakt herzustellen, sondern vielmehr darum, die frauenfeindliche, herabwürdigende und abwertende Haltung der Täterinnen auszudrücken.
00:34:40: Diese Art der sexualisierten Belästigung soll, so Franziska Sachsler, den Betroffenen der Gruppe, die angegriffen werde, das Gefühl geben, schlechter zu sein und keinen rechtmäßig verdienten Platz dort zu haben, wo sie angegriffen werden.
00:34:53: Auf den Fall von Theresa bezogen bedeutet das zum Beispiel, dass der vermeintliche Täter den Frauen im Büro zeigen will, dass er als Mann in Sachen Wissen, Intelligenz und Kompetenz über ihn steht und man ihm seinen Platz nicht streitig machen kann.
00:35:07: Auch Theresa nimmt wahr, dass Christian M. mit den Männern im Büro anders umgeht als mit Frauen.
00:35:13: Ich glaub, ne Mann wär man viel eher auf Augenhöhe begegnet, hätte viel eher seinen Wissen gerne geteilt, hätte vielleicht viel eher irgendwie gesagt, wir teilen uns das ja irgendwie auf.
00:35:25: Ich mach Bereich X, Du, Y. Und dann wär das okay gewesen.
00:35:29: Ich glaub schon, dass es für ihn schwierig war.
00:35:34: dass da eine Frau ist oder zwei Frauen sind, die ihm da unter Umständen irgendwie das Wasser reichen könnten irgendwann.
00:35:42: Wenn Gender Harassment als sexualisierte Belästigung erkannt wird, wird sie laut Psychologin Franziska Sachsler von einigen als eine leichte Reform der Belästigung wahrgenommen.
00:35:53: Zum einen, weil sie nicht unbedingt dem Stereotypenbild einer sexualisierten Belästigung entspricht.
00:35:59: Zum anderen, weil sie in der Gesellschaft so normalisiert, bis sie stark verbreitet ist und deshalb oft nicht als sexualisierte Belästigung erkannt oder als eine leichte Form bezeichnet wird.
00:36:10: Trotzdem gaben sie forty-fünf Prozent der Frauen laut Franziska Sachs-Lass-Studie an, bereits geschlechterbezogene Belästigungen erfahren zu haben.
00:36:19: Regelmäßig habe Christian M. ihre Kompetenz in Frage gestellt und Sachen gesagt, wie, wenn du als Frau redest, höre ich nur fünfzig Prozent, das reicht bei einer Frau.
00:36:28: Ein anderes Mal, als es um den Hausbau von Theresa und ihrem Mann gegangen sei, sei alles, was Christian M. dazu gesagt habe, ohne deinen Mann könntest du dir das eh nie leisten, bis dir nur das Hausmütterchen.
00:36:40: Franziska Sachsler erklärt, dass es nicht untypisch ist, dass so wie bei Theresa mehr als eine Form der sexualisierten Belästigung gleichzeitig stattfindet.
00:36:49: Also das ist ganz häufig so, dass Täter sukzessive anfangen, ihre Grenzen auszutesten und dann kommt erstmal der sexistische Witz.
00:36:57: Wenn darauf kein Gegenwind kommt und auch vor allen Dingen ein Umfeld das zulässt.
00:37:01: Es ermöglicht, dass das immer weiter passiert, werden die Grenzen weiter ausgetestet und es kommt zu immer härteren Fällen der Belästigung und irgendwann eben auch zu dem, dass es zu einer sexuellen Nötigung ankommt.
00:37:14: Aber egal ob sexuelle Nötigungen, ungewollte sexualisierte Aufmerksamkeit in Form von ungewollten Berührungen und sexualisierten Kommentaren oder das Gender-Arrestment durch erabwürdigende Sprüche, jeder dieser Verhaltensweisen stellt aus psychologischer Sicht eine sexualisierte Belästigung dar.
00:37:31: Und jede dieser Vorgehensweisen hinterlässt Spuren bei den Betroffenen.
00:37:36: Während Theresa in den ersten Wochen vielleicht noch über Witze und Sprüche lachen kann, merkt sie mit der Zeit, dass sie die vermeintlichen Übergriffe immer mehr belasten.
00:37:45: Sie fühlt sich zunehmend unwohl, wenn Christian M. in der Nähe ist, sodass sie nach einiger Zeit versucht, ihm so gut es geht, aus dem Weg zu gehen.
00:37:52: Sie will nicht mit ihm in einen Büro sein, neben ihm im engen Testraum vor dem Computerbildschirm sitzen müssen oder gemeinsam im Auto zu Baustellen fahren.
00:38:01: Aber weil Christian M. sie einarbeitet und weil sie auch nach ihrer Einarbeitung noch an gemeinsamen Projekten arbeiten, ist es Teresa nicht ohne Weiteres möglich, Christian M. zu meiden.
00:38:11: Also das ist auch was Total Schleichendes, was da passiert, weil man ja so gerne, wie ich am Anfang zur Arbeit gekommen bin.
00:38:19: Mit Bauchschmerzen ist man dann plötzlich losgefahren ins Büro und dann liegt man doch mal nachts wach und überlegt und denkt nach.
00:38:27: Das sind ja teilweise so subtile Dinge, die da passieren, die auch mit einem selber passieren.
00:38:35: Ja, man zieht vielleicht im Sommer dann doch nicht das Kleid an und man schwingt sich dann vielleicht doch nicht so sehr, man zieht dann vielleicht doch nicht die Ohrringe an.
00:38:44: Also das sind schon alles Dinge.
00:38:46: Ich glaube, da passiert ganz, ganz viel unbewusst.
00:38:49: Aber es ist auf jeden Fall so gewesen, dass ich mich nicht mehr wie ich mich selber gefühlt habe und mich auch nicht wie ich selber eigentlich bin, mich verhalten habe.
00:39:03: Man passt sich irgendwo ein Stück weit an dieser Situation und man merkt am Anfang nicht, wie ein das psychisch doch belastet.
00:39:14: Das Betroffene durch sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz psychische Auswirkungen spüren, egal ob sie die Belästigung selbst erkennen oder nicht, ist laut der Psychologin Franziska Saksler nicht ungewöhnlich.
00:39:26: Studien zeigen, dass es vermehrt dazu kommt, dass sie sich selbst die Schuld an der Situation oder negativen Konsequenzen geben.
00:39:34: Betroffene sind oft weniger motiviert zu arbeiten und wollen eher den Job wechseln.
00:39:39: Dazu kommt, dass Betroffene vermehrt unter Essstörungen, Angststörungen, postraumatischen Belastungsstörungen oder Depressionen halten.
00:40:01: Es ist Juni, und Theresa ist zum zweiten Mal Schwanger.
00:40:06: Es ist noch früh in der Schwangerschaft.
00:40:08: Und Theresa hat in der Firma noch nicht offiziell bekannt gegeben, dass sie ein Kind erwartet, aber sie macht auch kein Geheimnis daraus.
00:40:15: Einige Kolleginnen, darunter auch Therésas Freundinnen, wissen bestimmt.
00:40:19: Die Übergriffe und sexualisierten Belästigung dauern zu diesem Zeitpunkt laut Theresa ein Jahr und vier Monate an und die Vorfälle nehmen zu.
00:40:28: Theresa erzählt, dass es zu dieser Zeit jede Woche einen Vorfall gegeben habe.
00:40:32: Sie steht so unter Stress, dass sie neben ihren Schlafproblemen und ihrer Verhaltensänderung auch Unterleibschmerzen und Blutungen bekommt.
00:40:40: Theresa macht sich Sorgen.
00:40:41: Immerhin steht sie noch am Anfang der Schwangerschaft.
00:40:44: Zum Glück hat sie an diesem Tag sowieso einen Termin bei ihrer Gynäkologin, um das erste Mal das Herz ihres Kindeschlagen zu hören.
00:40:51: Da kann sie auch über alle ihre Sorgen bezüglich der Schmerzen sprechen.
00:40:55: Als es gegen Mittag ist, nimmt Theresa ihre Tasche und macht sich auf den Weg.
00:40:59: Den Termin hat sie in ihrer Mittagspause gelegt.
00:41:01: Sie will nur schnell in die Praxis huschen und danach wieder zur Arbeit kommen.
00:41:06: Teresa geht in Flur entlang, vorbei an dem Büro, in dem ihre Freundin zusammen mit Christian M. sitzt.
00:41:11: Sie bleibt an der Tür stehen und sagt Bescheid, dass sie jetzt zum Arzt gehe.
00:41:15: Ihre Freundin weiß, dass der Termin ansteht.
00:41:17: Sie ist fast genauso aufgeregt wie Teresa und fragt sie Spaßes halber, ob sie mitkommen soll und während der Untersuchung Teresas Hand halten soll.
00:41:24: Theresa lehnt dankend ab und verabschiedet sich von ihr und Christian M. für die Mittagspause.
00:41:31: Ich bin dann gegangen und ja, ich hörte das eigentlich so halb im Gehen.
00:41:38: Da hab ich es aber gar nicht registriert.
00:41:41: Dann sagte er, na ja, aber also eine Abtreibung, also wenn sie nichts kann, eine Abtreibung wird sehr wohl nochmal alleine hinbekommen.
00:41:49: Theresa ist perplex.
00:41:50: Aber im ersten Moment denkt sie, dass sie sich einfach verhört hat und macht sich auf den Weg in die Praxis.
00:41:55: Die Untersuchung verläuft gut.
00:41:57: Trotz Schmerzen und Blutungen ist alles okay.
00:42:00: Und kurze Zeit später kehrt Theresa zurück ins Büro, wo sie auf ihre Freundin und auf eine weitere Kollegin trifft, die sie auf den Vorfall vor dem Arzt der Min ansprechen.
00:42:10: Erst jetzt wird Theresa klar, dass sie sich vorhin nicht verhört hat.
00:42:17: Für mich war das, also in dem Moment ist da wirklich irgendwas in mir auch zusammengebrochen, weil ich das so eine miese Art fand und so eine miese Nummer.
00:42:25: Und ja, das war so, da ist dann plötzlich alles zusammengekommen, was je irgendwie passiert ist.
00:42:33: Ich war dann auch wirklich erst mal wie in der Schockstarre.
00:42:36: Also ich konnte, ich habe erst mal wirklich ganz viel geweint.
00:42:45: Diese Schockstarre, die Theresa auch schon bei dem Übergriff im Testraum hatte, ist laut Franziska Sakslar keine ungewöhnliche Reaktion auf sexualisierte Übergriffe.
00:42:54: Und dass es sich bei Christian Ems Äußerung zu Theresa Schwangerschaft bzw.
00:42:59: einem möglichen Schwangerschaftsabbruch aus psychologischer Sicht um eine sexualisierte Belästigung, genauer gesagt um Gender-Arrestment, handelt, ist laut Franziska Sakslar der Freilich.
00:43:09: In dem Moment, in dem er sie als Frau degradiert und auch sie nicht mehr als Arbeitskraft sieht, sondern als Mensch, der schwanger ist und da auch massiv in ihre Privatsphäre eingreift.
00:43:21: Es ist ja so oder so schon mal grenzüberschreibend, aber das erfüllt auch die Definition, weil es eben einer männlichen Angestellte nicht passieren würde und es sie degradiert und herabwürdigt als Frau.
00:43:34: Teresa kann sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren.
00:43:37: Eine weitere Kollegin, die mitbekommen habe, dass Teresa aufgewühlt ist, sei dazu gestoßen.
00:43:42: Während Teresa ihr erzählt habe, was passiert sei, wird ihr klar, dass sie Christian Ems letzten vermeintlichen Übergriff so nicht stehen lassen kann und sie beschließt, einen Schritt zu machen, der für sie vorher nicht in Frage kam.
00:43:54: Sie will Christian Ems bei der Personalabteilung melden.
00:44:06: Als Teresa, der Mitarbeiterin der Personalabteilung, sagt, worum und vor allem um wen es geht, sei dieser wenig überrascht gewesen.
00:44:14: Man kenne den Kollegen schon, weil er bereits wegen unangenehmer Bemerkungen aufgefallen sei.
00:44:19: Die Gleichstellungsbeauftragte der Firma wird hinzugezogen und Theresa ganz schildern, was genau vorgefallen ist und meldet Christian M. offiziell wegen Belästigung und unangebrachten Äußerungen zur Arbeitsqualität.
00:44:32: Als ihre Kolleginnen und ihre Freundinnen davon hören, hätten sie Theresa zunächst ermutigt.
00:44:37: Schließlich sei Christian M. in der Firma ja schon bekannt für sein Verhalten und sogar der Chef habe mitbekommen, dass die Stimmung im Team angespannt sei.
00:44:46: Einige Kolleginnen bieten ihr sogar an, ihre Aussagen zu unterstützen.
00:44:50: Am nächsten Tag habe sich der Geschäftsführer bei Theresa gemeldet.
00:44:53: Er wolle wissen, ob sie plane rechtliche Schritte einzuleiten.
00:44:56: Theresa verneint, alles, was sie will, ist in Ruhe ihre Arbeit zu machen, ohne Angst vor Übergriffen und Belästigungen haben zu müssen.
00:45:05: Das war mein einziges Ziel, was ich hatte, das gesagt wird, okay, hier, wir wissen Bescheid, das geht gar nicht, das wird nicht toleriert für uns.
00:45:14: Einmal hier Ermahnung, sowas kommt nicht mehr vor und wenn sowas vollkommt, dann kommen Konsequenzen.
00:45:21: Das hätte mir vollkommen ausgereicht, also mehr wollte ich nicht.
00:45:47: In diesem Gespräch kann Theresa noch einmal ihre Sicht der Dinge schildern und offiziell zu Protokoll geben.
00:46:00: Der Geschäftsführer kam rein, das Gespräch, und hat sofort gesagt, na ja, diese ganze Situation hat jetzt so viel Unruhe hier reingebracht ins Unternehmen.
00:46:11: Für mich steht fest, dass einer gehen muss.
00:46:17: Und er könnte ja auch nur, also er würde sich jetzt auch gar nicht auf Hörnensagen berufen, ihm würde es hier um Beweise gehen.
00:46:24: Es wäre ja wie vor Gericht, also bei Aussage gegen Aussage wäre es ja für den Angeklagten.
00:46:30: Und alle, also deswegen würde ihn das auch gar nicht interessieren.
00:46:34: Das geht hier nur um Beweise und fertig.
00:46:38: Am selben Tag hat auch Christian M. die Gelegenheit, vor der Runde Stellung zu beziehen.
00:46:43: Theresa weiß nicht, was genau Christian M. in diesem Gespräch sagt, aber sie kann es sich vorstellen.
00:46:48: Denn die Stimmung im Team hat sich in den Wochen seit der offiziellen Beschwerde geändert.
00:46:53: Während ihre Kollegin zu Beginn noch unterstützend und hilfsbereit gewesen sein, scheinen sie sich nun abgewendet zu haben.
00:47:00: Ihre Freundin wollte sich inzwischen nicht mehr zu den Vorfällen äußern.
00:47:04: Sie wolle mit der Sache nichts zu tun haben.
00:47:05: weil sie Angst habe, ihren Job zu verlieren.
00:47:08: Und sie habe Theresa gefragt, ob sie denn wolle, dass Christian M. jetzt ihre Dwegen seinen Job verliere.
00:47:13: Das ist eine für sexualisierte Belästigung typische Täter-Opferumkehr.
00:47:18: Theresa hat zunehmend ein schlechtes Gefühl, wenn sie zur Arbeit kommt.
00:47:22: Als sie an einem Tag in den Büro kommt, findet sie ein Zettel auf ihrem Tisch.
00:47:26: Darauf habe gestanden, man will dich loswerden.
00:47:29: Theresa führt sich alleine und im Stich gelassen.
00:47:31: Es war eine psychisch krasse Belastung.
00:47:34: Ich hab mich dann krankschreiben lassen.
00:47:36: Ich war dann direkt beim Anwalt und alles.
00:47:39: Weil für mich klar war, okay, ich hab's mir, ich hab's ja schon geahnt, in welche Richtung das ging.
00:47:45: Sie glaubt, dass man sie kündigen will, aber der Anwalt beschwichtigt.
00:47:49: Immerhin sei sie ja schwanger und kein Arbeitgeber der Welt würde sich trauen, eine schwangere Frau, die so mit Kündigungsschutz hat, zu entlassen.
00:47:56: Aber der Anwalt irrt sich.
00:47:58: Am einundreißigsten August, zwei Tausendzwanzig, erhält Teresa einen Aufhebungsvertrag ihres Arbeitsverhältnisses, den sie unterschreiben soll.
00:48:06: Der angebliche Grund für die Entlassung, Teresa, habe nie ihr Masterzeugnis eingereicht.
00:48:12: Als ihr die Aufhebung vorgelegt wird, solle man noch versucht haben, sie mit Einschüchterungen dazu zu bringen, ihn zu unterschreiben.
00:48:19: Es sei ja für sie besser und eine nette Lösung, schließlich stehe sie noch am Anfang ihrer Karriere und die wolle sie bestimmt nicht aufs Spiel setzen.
00:48:26: Immerhin habe ihr Chef schon geschafft, alle loszuwerden, wenn er gewollt habe.
00:48:31: Theresa weiß, nicht das fehlende Zeugnis ist der Grund für ihre Kündigung, sondern, dass sie Christian M. gemeldet und damit sein Verhalten für alle sichtbar gemacht hat.
00:48:40: Seine Sprüche und Witze lassen sich jetzt in der Firma nicht mehr ignorieren.
00:48:45: Sie wehrt sich gegen die Kündigung und macht offiziell, dass sie schwanger ist.
00:48:49: Und weil sie schwanger ist, geht der Antrag auf Kündigungszulassung an das Gewerbeaufsichtsamt.
00:48:54: Vom Gewerbeaufsichtsamt erhält sie dann auch jeweils die Gesprächsprotokolle von ihrer bzw.
00:48:59: Christian M.s Anhörung vor dem Betriebsrat, die sie eigentlich schon lange hätte erhalten sollen.
00:49:05: Laut Protokoll streitet Christian M. bis auf zwei Ausnahmen alle Anschuldigungen ab.
00:49:11: Er könne sich an diese Situation nicht erinnern.
00:49:13: Sie seien nie geschehen.
00:49:15: Bezüglich seines Kommentars zum Schwangerschaftsabbruch, sagt er, es tu ihm Leid.
00:49:19: Theresa habe ihn falsch verstanden.
00:49:21: Er aber niemals gesagt, dass sie eine Abtreibung ja wohl alleine schaffe.
00:49:25: Vielmehr habe er gesagt, selbst eine Abtreibung schaffe sie alleine.
00:49:30: Er aber nicht gewusst, dass Theresa einen Arzttermin hatte und hätte ausdrücken wollen, dass er Theresa als eine taffe Person einschätze, die sogar eine Abtreibung alleine durchstehen könne, wenn sie wolle und müsse.
00:49:41: Für mich persönlich ist diese Art von sprachlicher Verdrehung von Christian M. extrem manipulativ.
00:49:48: Ich glaube, Theresa, so wie wir bei Zwölf Leben grundsätzlich erst mal allen Betroffenen glauben, die sich an uns wenden.
00:49:55: Und die Art und Weise, mit der Theresa in diesem Kontext umgegangen wird, ist umso problematischer, weil sie sich gegen eine Person richtet, die in mehrfacher Hinsicht vulnerabel ist.
00:50:05: Theresa ist Berufsanfängerin, zehn Jahre jünger als Christian M. und schwanger.
00:50:11: Als die erste Kündigung wegen Therésas Schwangerschaft vom Gewerbeaufsichtsamt als unzulässig erklärt wird, beantragt Therésas Arbeitgeber erneut eine Kündigung zuzulassen.
00:50:21: Er argumentiert, dass Therésa wegen Verdacht auf Verleumdung und Übler Nachrede gekündigt werden sollte.
00:50:27: Immerhin, so der Arbeitgeber, habe Christian M. ausgesagt, dass sich die Situation nicht oder anders zugetragen haben sollen.
00:50:35: Stattdessen sei Christian M. erschüttert über die unwahren Angaben und sagt, dass die Vorwürfe ihm und seinem Ansehen und seiner Familie schaden könnten.
00:50:45: Die Kündigung geht vor das Arbeitsgericht.
00:50:47: Im Verlauf des Prozesses wegen der Kündigung vor dem Arbeitsgericht habe Theresa auch erfahren, dass der Geschäftsführer am Tag ihrer Kündigung eine Versammlung einberufen hätte, in der die Belegschaft inklusive Allermonteure über Theresa's Ausscheiden aus dem Unternehmen informiert habe.
00:51:04: Und dann hat der Kollege, der mich belästigt hat, hat dann noch die Bühne bekommen zu sagen, dass ich ihn belästigt hätte und seine Familie jetzt kaputt machen möchte und dass ja alles gar nicht so gewesen ist und ja, also das wirklich umgedreht hat.
00:51:21: und dann wurde von der Geschäftsleitung dann noch so gesagt, so ja, wenn da noch jemand was zu sagen hat, der kommt jetzt zu mir persönlich und ich kümmere mich dann persönlich darum.
00:51:31: Trotz der Drohkulisse lässt Teresa sich nicht klein machen.
00:51:34: Sie geht nicht nur gegen die ihrer Meinung nach rechtswidrige Kündigung vor, sondern zeigt Christian M. auch offiziell wegen sexueller Belästigung an.
00:51:43: Aber die Ermittlungen werden ein halbes Jahr nachdem Teresa Ende- Twenty-Zwanzig Anzeige erstattet hatte, im Juni- Twenty-Zwanzig eingestellt.
00:51:52: Die Staatsanwaltschaft begründet das eingestellte Ermittlungsverfahren damit, dass, Zitat, sexualisierte oder sonst unangemessene verbale Äußerungen des Beschuldigten nach dem geschilderten Inhalt zwar taktlos, aber nicht strafrechtlich relevant gewesen sein.
00:52:08: Denn laut Strafrecht ist sexuelle Belästigung eine körperliche Berührung mit sexueller Absicht.
00:52:13: Verbale Äußerungen umfasst der Strafrecht in diesem Kontext nicht.
00:52:17: Die Situation, die strafrechtlich relevant hätten sein können, unter anderem das Zwicken in die Brust und das Auflegen von Therésas Hand auf Christian M.s.
00:52:26: irrigierten Penis, habe Christian M. gegenüber den Ermittlenden jedoch bestritten.
00:52:31: Da es bei keinem der Vorfälle Zeug innen gab, lege hier eine Aussage gegen Aussagekonstellation vor, aus der, laut Staatsanwaltschaft, nicht ersichtlich würde, warum den Angaben des Beschuldigten weniger Glauben zu Schenken sein sollte als den Angaben von Therésa.
00:52:47: Dass eine Anzeige und Ermittlungen zum Erfolg für die Betroffene führen, sei laut Franziska Sachsler oft nicht sonderlich aussichtsreich.
00:52:55: Dennoch möchte sie Betroffene dazu ermutigen zu sprechen und falsches oder belästigendes Verhalten klar aufzuzeigen.
00:53:02: Auch Theresa geht es in dem Prozess nicht an erster Stelle darum, vor dem Gesetz recht zu bekommen.
00:53:08: Sie möchte auch für zukünftig Betroffene, das bekannt ist, dass gegen Christian M. bereits Beschwerde eingedeckt wurde.
00:53:15: Denn Schweigen hilft letztlich nur den Täter enten, um es deutlich zu sagen, in der überwiegenden Zahl den Tätern.
00:53:22: Neben dem strafrechtlichen Vorgehen gegen die Belästigenden steht Betroffenen aber auch der Weg offen, ein Fehlverhalten des Arbeitgebers anzuzeigen.
00:53:30: Denn in Deutschland gibt es seit Jahrzehntes das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, das unter anderem vorschreibt, dass Arbeitnehmerinnen nicht aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert werden dürfen.
00:53:44: Dass sich Betroffene auf diesem Weg gegen sexualisierte Belästigung und Diskriminierung wehren, passiert aber laut Franziska Sachsler eher selten.
00:53:52: Das liegt laut ihr aber auch an Folgendem.
00:53:55: Sobald sich jemand beschwert, kommt direkt diese Schuldfrage auf und es muss geklärt werden, wer ist der Schuld, der Täter oder die Betroffene?
00:54:02: Und das führt eben dazu, dass Betroffenen eine Beweispflicht auferlegt wird, also sie beweisen müssen, was ihm passiert.
00:54:09: wird und das führt ganz häufig dazu, dass es wieder zu victim blaming kommt, weil deren Glaubwürdigkeit eingeschätzt werden muss und das passiert häufig anhand von sexistischen Kriterien.
00:54:22: Dennoch sei der Grundgedanke, dass AGG und die Möglichkeit auch die Arbeitgeber in die Verantwortung zu ziehen, ein großer Fortschritt, auch wenn es in der Realität nur selten umgesetzt würde.
00:54:32: Laut Franziska Sakslar muss sich nicht nur in Bezug auf die Rechtsprechung vor allem eines ändern.
00:54:38: Beweisen von Frauen muss geglaubt werden und wir müssen verstehen, dass weder die Kürze des Rockes noch ein ansonsten sexuell freizügiges Verhalten rechtfertigen kann, dass sich jemand übergriffig verhält.
00:54:52: Und das ist ja ein gesamtgesellschaftliches Problem, was aber immer noch nicht hinreichend anerkannt wird.
00:54:58: Es gibt immer noch Menschen, die sagen, wir haben doch gar kein Problem mit Gleitstellungen und Frauen, die sich über Sexismus beschweren, übertreiben einfach.
00:55:07: Und da muss man auch ansetzen.
00:55:09: Also, es ist ein ganzer Berg an Arbeit, der vor uns steht.
00:55:13: Auch Theresa geht nicht auf Grundlage des AGGs gegen ihren Arbeitgeber vor.
00:55:18: Allerdings gewinnt sie den Rechtsstreit um ihre Kündigung.
00:55:21: Nachdem das Arbeitsgericht zunächst Theresa's Arbeitgeber recht gibt, legt sie Berufen ein und schließlich urteilt das zuständige Arbeitslandesgericht, dass die Kündigung nicht rechtens war und schließt eine Revision aus.
00:55:34: Als Seresas Arbeitgeber gegen die Nichtzulassung der Revision Beschwerde einlegt, lehnt das Bundesarbeitsgericht diese Beschwerde ab.
00:55:41: Das Urteil des Arbeitslandesgerichts und damit Seresas Erfolg sind rechtskräftig.
00:55:47: Aber am Ende wurde auch immer gesagt, es ist aber klar, warum wir wirklich hier sitzen.
00:55:52: Da geht es nicht um das Masterzeugnis.
00:55:53: Da geht es nicht darum, wann das da war, ob das da ist oder sonst irgendwas.
00:55:57: Es geht hier um was komplett anderes.
00:56:09: Im Frühjahr, twenty-oneundzwanzig, bekommt Teresa ihr zweites Kind.
00:56:14: Teresa belasten die vergangenen Monate immer noch sehr.
00:56:17: Sie fühlt sich alleine, kraftlos.
00:56:19: Es fällt ihr schwer, morgens aus dem Bett zu kommen.
00:56:22: Teresa hat eine depressive Phase.
00:56:24: Ihr Mann, der sie als starke, unabhängige Frau kennt, kann nur schwer damit umgehen, Teresa so kraftlos zu sehen.
00:56:31: Sie und ihr Mann trennen sich schließlich.
00:56:33: Die Strapazen, die aus der sexualisierten Belästigung entstanden sind, hatten ihre sowieso schon angespannte Ehe zu sehr belastet.
00:56:42: Bald lernt Teresa einen neuen Mann kennen, dem sie so sehr vertraut, dass sie ihn heiratet.
00:56:47: Zum Zeitpunkt, als wir unser Gespräch mit Teresa aufnehmen, ist sie hochschwanger und erwartet ihr drittes Kind.
00:56:53: Obwohl sie ihren Job nach dem Urteil des Landesarbeitsgerichts offiziell behalten hat und auch in die Firma hätte zurückkehren dürfen, bewirbt Teresa sich noch aus der Elternzeit auf einen anderen Arbeitsplatz.
00:57:05: Und tatsächlich bekommt sie die Stelle.
00:57:07: In ihrem neuen Job fühlt sich Teresa aufgehoben und angekommen.
00:57:11: Sie sich sicher, dass sie ihrem jetzigen Chef vertrauen kann und dass er sie als Mitarbeiterin und Frau ernst nimmt.
00:57:17: Auch wenn Teresa, wie die meisten der Betroffenen im Fall der sexualisierten Belästigung, keine Gerechtigkeit vor Gericht bekommen hat, ist sie heute zufrieden damit, wie ihr Weg verlaufen ist.
00:57:28: Um einen Abschluss zu finden, will Teresa über das sprechen, was hier passiert ist.
00:57:33: Sie möchte ihre Geschichte in ihren Worten erzählen.
00:57:36: Also geht Theresa an die Öffentlichkeit.
00:57:41: Das ist was, was ich für mich mitgenommen habe, dass ich darüber reden will, weil ich der Meinung bin, man muss darüber reden.
00:57:48: Und man muss es aufzeigen.
00:57:50: Und man muss zeigen, was da schiefläuft.
00:57:53: Und dass das wirklich, das kann in jeder Firma passieren.
00:57:56: Aber am Ende ist es eine absolute Gesellschaftsfrage, wie viel dürfen sich Jungs, Männer erlauben?
00:58:06: Auch immer diese Täter-Opferumkehr, die hört man ja auch immer wieder.
00:58:10: Und damit wird ja jeder Frau, jedem Mädchen suggeriert.
00:58:14: Naja, es ist halt so, nimm's mal so hin und vielleicht sogar selber schuld.
00:58:21: Und ja, das ist einfach auch mit der Grund, warum ich es so wichtig finde, darüber zu reden.
00:58:26: Und ganz deutlich zu sagen, nein, das ist nicht okay.
00:58:41: Mirel ist in der Schule, als sie über eine Freundin einen älteren Mann kennenlernt.
00:58:46: Er schenkt ihr Aufmerksamkeit, verbringt viel Zeit mit ihr und kümmert sich um sie.
00:58:50: Aber als Merel sich verliebt und sie eine Beziehung beginnen, zeigt er scheinbar liebevoller und rücksichtsvoller Partner ein anderes Gesicht.
00:58:58: Er möchte, dass sich Merel prostituiert.
00:59:01: Diese Geschichte hört ihr in zwei Wochen, hier bei Zwölf Leben.
00:59:04: Habt ihr so wie unsere höhere Verena ein Thema, von dem ihr findet, dass wir darüber sprechen müssen oder selbst eine Geschichte zu erzählen, dann schreibt uns eine E-Mail an zwölfleben.podimo.gmail.com.
00:59:17: Die Mail findet ihr auch in der Folgenbeschreibung.
00:59:20: Falls ihr das Buch bis hier und nicht weiter gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz lesen wollt, ein Buch, in dem Verena und ihr Mann Infos und Ratschläge zum Umgang mit Übergriffen teilen, ihr findet den Link zum kostenfreien PDF in der Folgenbeschreibung.
00:59:42: Zwölf Leben, Verbrechen an Frauen, ist ein Podcast von Podimo.
00:59:47: Wir sind Helen Schulte.
00:59:49: Und Massimo Majo.
00:59:50: Autorin dieser Folge, Katharina Fräbel.
00:59:54: Schnitt und Sound, Frieda Maurer und Luca Satori.
00:59:58: Ausführende Produzentin, Madeleine Petri.
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