#58 Merel: Falsche Liebe
Shownotes
Diese Folge ist schon vor Monaten in der Podimo App veröffentlicht worden. In der Podimo App findet ihr schon jetzt 60 kostenlose Folgen, die ihr ganz ohne Anmeldung oder Abo hören könnt – Einfach nur die App öffnen und ‘12 Leben’ finden: https://podimo.de/12leben
Zusätzlich zu den 60 kostenlosen Folgen findet ihr dort auch die neueste Staffel im Premium-Bereich. _ Die 14-jährige Merel lernt den 26-jährigen Mike P. kennen. Sie glaubt, dass sie eine echte Beziehung mit ihm anfängt – ihre erste romantische Partnerschaft. Mike P. ist aufmerksam und liebevoll und sie verbringen so oft Zeit miteinander, wie es geht. Aber dann ändert sich Mike P.s Verhalten. Er fängt an, Merel mit Abweisung und Ignoranz zu bestrafen, lässt sie hungern und wird gewalttätig. Dann zwingt er Merel sich zu prostituieren.
Warum Merel sich nicht aus der Beziehung lösen konnte, erzählt sie uns in der Folge selbst. Dass Mike P.s Vorgehen kein Einzelfall war, sondern methodisch ist, erklärt uns Anika Schönhoff. Sie arbeitet bei dem Verein ‘Blickfeld Menschenhandel e. V.’ und klärt gemeinsam mit dem Team seit 15 Jahren z. B. an Schulen oder bei der Polizei über das Thema Menschenhandel, und speziell Loverboys, auf.
Triggerwarnung: Diese Folge behandelt explizite Schilderungen von psychischer und körperlicher Gewalt. Bei Gewalterfahrungen findet ihr anonym und kostenfrei Unterstützung unter folgenden Nummern:
Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”: 08000 116 016 (rund um die Uhr) Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (rund um die Uhr) Opfer-Telefon vom Weißen Ring: 116 006 (7-22h Uhr)
Mehr Infos bekommt Ihr auf der Homepage der Online Datenbank für Betroffene von Straftaten: www.odabs.org
Habt ihr Feedback? Dann könnt ihr uns eine E-Mail schreiben: 12leben.podimo@gmail.com
"12 Leben – Verbrechen an Frauen" ist ein Podcast von Podimo. Hosts: Helen Schulte und Massimo Maio Autorin dieser Folge: Katharina Fräbel Schnitt und Sound: Frieder Maurer & Luca Sartori (hipitch) Ausführende Produzentin: Madeleine Petry
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Transkript anzeigen
00:00:03: Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob ich Mike P. liebe.
00:00:11: Wir hatten zwar eine Beziehung, aber war er der Freund, den man sich als ersten Partner vorgestellt hat?
00:00:17: Das war er nicht.
00:00:18: Es war nicht romantisch.
00:00:29: Diese Folge behandelt explizite Schilderungen von körperlicher und psychischer Gewalt.
00:00:33: Wenn ihr selbst von einem dieser Themen betroffen seid oder Betroffene kennt, findet ihr kostenlos Hilfe unter der one-one-sex-null-one-sex.
00:00:42: Diese Informationen und mehr Infos findet ihr auch in der Folgenbeschreibung.
00:00:50: Ungeduldig schaut die vierzehnjährige Merell auf die Zeiger der Uhr.
00:00:55: Gleich ist es sechs.
00:00:56: Endlich.
00:00:57: Die Zeit scheint heute nur so zu schleichen.
00:01:00: Die Tage, seit Merell aus den Ferien zurück im Internat ist, waren schwer für sie.
00:01:06: Sie vermisst ihren Freund Mike P, mit dem sie zu Hause so viele tolle Stunden verbracht hat.
00:01:11: All die Kuschel einheiten, die Komplimente und Liebesbekundung.
00:01:16: Mike P ist einfach der tollste Mann, den sie sich vorstellen kann.
00:01:20: Als Mirel in Erinnerung an den Sommer schwägt, klingelt das Telefon schrill.
00:01:25: Sofort springt sie auf und hebt den Hörer ab.
00:01:28: Am anderen Ende ist Mike P. Jeden Abend um sechs ruft er bei ihr an, um zu hören, wie es ihr geht.
00:01:35: Als Mirel ihm sagt, wie sehr sie ihn vermisst, fragt er sofort, ob er sie abholen soll.
00:01:40: Sie können noch eine Woche bei ihm bleiben.
00:01:42: Die Schule würde doch eh erst so richtig in einer Woche losgehen.
00:01:47: Mirel überlegt und stimmt zu.
00:01:49: Sie müsse nur vorher den Leiter ihrer Wohngruppe fragen.
00:01:52: Dann würde sie zurückrufen.
00:01:55: Schnell rennt Mirel zu ihrem Gruppenleiter und erzählt aufgeregt von ihrem Plan.
00:01:59: Aber der scheint gar nicht begeistert.
00:02:01: Er fragt, was die eine Woche schon ändern würde.
00:02:04: Wenn sie jetzt Heimweh hat, dann würde sie erst auch nächste Woche haben.
00:02:08: Aber wenn sie weg will, dann würde er sie nicht daran hindern.
00:02:11: Nur ins Internat zurückkehren, könne sie dann nicht mehr.
00:02:15: Meryl überlegt.
00:02:16: Sie vermisst Mike P. Aber ihr Gruppenleiter hat recht.
00:02:19: Nächste Woche würde sie ihn genauso vermissen.
00:02:22: Es würde nichts ändern.
00:02:23: Und sie will nicht aus dem Internat fliegen.
00:02:26: Also ruft sie Mike P. an.
00:02:28: Als er rangeht, fragt er sofort, ob er sie abholen kommen soll.
00:02:31: Mirel verneint und sagt ihm, dass sie nicht zurückkommen könne, wenn sie jetzt gehe.
00:02:36: Sie will ihm gerade noch erklären, warum sie sich so entschieden hat, da unterbricht Mike P. sie und fragt sauer, ob ihr Gruppenleiter das gesagt hätte.
00:02:44: Mirel kann nur Ja sagen.
00:02:46: Und bevor sie weiter erklären kann, hört sie nur noch das Tuten in der Leitung.
00:02:50: Mike P. hat einfach aufgelegt.
00:02:53: Kurz ist Mirel verwirrt, aber dann denkt sie sich, Sicher ruft er wieder an, wenn er sich beruhigt hat.
00:02:59: Und dann sprechen sie noch einmal in
00:03:00: Ruhe.
00:03:01: Aber Mike P. ruft nicht noch einmal an.
00:03:04: Stattdessen steht er eine Stunde später auf dem Gang vor Merells Zimmer, neben ihm ihr Gruppenleiter.
00:03:11: In der Hand hält Mike P. eine Pistole, die er gegen die Schlefe von Merells Gruppenleiter
00:03:16: drückt.
00:03:19: Diese Folge dreht sich um Merell.
00:03:21: Ihr Leben ist eines von zwölf, um die es in dieser Staffel geht.
00:03:31: Verbrechen
00:03:32: an Frauen.
00:03:51: Hey, ich bin Helen.
00:03:52: Und ich bin Massimo.
00:03:53: Hi.
00:03:53: Wir erzählen heute von einem Fall, der besonders viele Abgründe offenbart.
00:03:58: Es geht um Menschen mit wenig Skrupe, mit viel krimineller Energie.
00:04:02: Und es geht um eine Form von Gewalt gegen Frauen, die viele vielleicht an ferneren Orten vermuten und nicht so sehr in Deutschland und Mitteleuropa.
00:04:11: In dieser Folge geht es um Loverboys oder auch um die sogenannte Loverboy-Masche.
00:04:16: Das ist laut dem Landeskriminalamt Niedersachsen eine Methode, bei der – Zitat – Männer, insbesondere junge Frauen, über eine vorgetäuschte Liebesbeziehung emotional an sich binden, um sie nach einiger Zeit der Prostitution zuzuführen.
00:04:31: Wie genau die Täter das tun, hat uns Annika Schönhoff
00:04:34: erklärt.
00:04:35: Sie arbeitet bei dem Verein Blickfeld-Menschenhandel e.V.
00:04:38: und klärt gemeinsam mit dem Team seit fünfzehn Jahren zum Beispiel an Schulen oder auch bei der Polizei über das Thema Menschenhandel und speziell Loverboys auf.
00:04:47: Viele Menschen wissen gar nicht, dass es Menschenhandel in Deutschland gibt und dass eine der größten Opfergruppen deutsche Mädchen vor allen Dingen sind.
00:04:54: Und deswegen ist uns das ganz wichtig, darüber aufzuklären, besonders über die sogenannte Loverboy-Methode, weil das die Methode ist, die am meisten sehr junge Mädchen in die Zwangsprostitution bringt.
00:05:05: Als Merel, deren Geschichte wir heute erzählen, Opfer eines Loverboys wird, ist sie gerade mal vierzehn Jahre alt.
00:05:12: Sie hat uns erzählt, wie sie den Mann kennengelernt hat, der sie zur Prostitution gezwungen hat.
00:05:17: Merell ist Niederländerin.
00:05:18: Sie spricht kein Deutsch oder Englisch, nur niederländisch.
00:05:21: Deshalb haben wir für euch ihre Aussagen übersetzt.
00:05:27: Bis zum Schluss dachte ich noch, dass ich Mike P. nicht verlassen könnte, weil er mir alles genommen hatte.
00:05:32: Mein Vertrauen in meine Eltern.
00:05:34: Dann wurde er gewalttätig und machte mich von sich abhängig.
00:05:41: Die Namen der Beteiligten wurden geändert.
00:05:43: Auch Merel heißt eigentlich nicht Merel.
00:05:46: Aber unter diesem Namen hat sie das Buch und plötzlich gehörst du ihm veröffentlicht.
00:05:50: Darin erzählt sie ihre Geschichte.
00:06:04: Merel wächst bis zu ihrem zwölften Lebensjahr in einer scheinbar glücklichen Familie auf.
00:06:09: Ihre Eltern lieben sich und ihren kleinen Bruder.
00:06:12: Merel geht reiten und gemeinsam als Familie fahren sie oft in den Urlaub.
00:06:16: Doch mit zwölf Jahren zerbricht ihre Welt.
00:06:19: Eines Tages ist ihr Vater nicht mehr zu Hause.
00:06:21: Er hat die Familie verlassen und Mirels Eltern trennen sich.
00:06:25: Plötzlich steckt Mirel mitten in deren großen Krieg.
00:06:28: Der Vater will, dass sie bei ihm lebt, weil die Mutter schnell einen neuen Partner hat.
00:06:32: Zu schnell seiner Meinung nach.
00:06:40: Ich hatte Mitleid mit meinem Vater und er hat sehr gegen meine Mutter geschossen.
00:06:45: Und wenn ich bei meiner Mutter war, hat sie über meinen Vater geschimpft.
00:06:48: Die Trennung wurde zu einer Scheidungsschlacht.
00:06:52: Ich werd zwischen den beiden in den Wege stuert, mit allmau leligen Verhalingen.
00:07:00: Mirel zieht zu ihrem Vater.
00:07:02: Die Beziehung zu ihrer Mutter verschlechtert sich immer mehr.
00:07:05: Auch weil Mirel den neuen Partner ihrer Mutter nicht akzeptiert, vor allem weil der Vater weiterhin alleine bleibt.
00:07:11: Doch auch das Verhältnis zum Vater wird schwieriger, denn Mirel wird für ihn zunehmend in Anführungszeichen anstrengend.
00:07:19: Als Teenagerin rebelliert Mirelle, gegen ihre Eltern und die Schule, probiert sich aus und testet ihre Grenzen.
00:07:26: Als ihr Vater damit nicht mehr umgehen kann, schmeißt er sie raus.
00:07:29: Anstatt dass Mirelle von ihrer Mutter mit offenen Armen empfangen wird, sagt diese, dass sie es erst mit ihrem neuen Freund absprechen müsse.
00:07:37: Immerhin seien sie Mirelle Stiefvater und ihr kleiner Bruder jetzt eine Familie.
00:07:41: Mirelle ist geschockt.
00:07:43: Scheinbar ist sie für ihre Mutter kein Teil der Familie mehr.
00:07:53: Wenn du keinen richtigen Platz in der neuen Familie hast und es auch in der Schule schlecht läuft, dann fühlst du dich nicht gesehen, weil du dann wirklich denkst, dass du schwierig bist.
00:08:02: Und dann bist du anfällig gegenüber jemandem, der vorgibt, dich zu sehen, so wie Mike P.
00:08:21: Es ist April.
00:08:22: Die vierzehnjährige Meryl hat vor Kurzem über eine Freundin einen Mann kennengelernt.
00:08:28: Der zwölf Jahre älter ist als sie.
00:08:30: Mit dem sechsundzwanzigjährigen Mike P. trifft sie sich seit einiger Zeit.
00:08:34: Am Anfang war ihr noch etwas suspekt.
00:08:37: Mike P. hat Tattoos, viele große Hunde, eine Ex-Frau, mit der auch bereits Kinder hat und eine Partnerin.
00:08:43: Sie ist verwundert darüber, dass sich ein erwachsener Mann mit ihr und anfänglich auch noch mit ihrer Freundin trifft.
00:08:50: Gleichzeitig sind die Treffen für Merel aufregend und eine willkommene Abwechslung zu ihrem Alltag und Umgang zu Hause.
00:08:57: Der Kontakt zu ihrem Vater ist abgebrochen.
00:08:59: Ihre Mutter überlässt vieles dem neuen Partner.
00:09:02: Zu Hause herrschen strenge Regeln.
00:09:03: Ihr Stiefvater kontrolliert sie.
00:09:05: Nach der Schule muss sie ihre Hausaufgaben zeigen und sie muss immer pünktlich um achtzehn Uhr zu Hause sein, sonst bekommt sie Hausarrest.
00:09:13: Merel fühlt sich zu Hause nicht gesehen, geschweige denn wohl.
00:09:17: Aber wenn Mike P. sie ansieht, dann ist sein Blick voller Anziehung.
00:09:21: Vom ersten Moment gibt er Meryl das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.
00:09:25: Sie fühlt sich geschmeichelt und trifft sich immer öfter mit Mike P. Wenn seine Partnerin nicht da ist, reden sie offen miteinander oder machen Ausflüge.
00:09:34: Zum Beispiel gehen sie baden.
00:09:36: Wenn seine Partnerin doch zu Hause ist, geht Meryl mit den Hunden spazieren.
00:09:41: Aber so sehr sie die Zeit mit Mike P. und seine Aufmerksamkeit genießt, einige Dinge an ihm findet sie komisch.
00:09:47: Er kümmert sich selten um seine Kinder und hilft seiner Partnerin nicht im Haushalt.
00:09:52: Oft fährt er bewusst ohne Fahrkarte mit der Tram oder fährt betrunken Auto.
00:09:56: In der Stadt ist er als Kleinkrimineller bekannt und ab und zu kommen Menschen auf Merell zu und warnen sie auch vor Mike P. In der Stadt ist er als Kleinkrimineller bekannt und ab und zu kommen Menschen auf Merell zu und warnen sie vor Mike P.
00:10:11: Als ihre Mutter mitbekommt, dass Merel sich mit einem sechsunzwanzigjährigen Mann trifft, der nicht der beste Umgang zu sein scheint, verbietet sie ihr den Umgang.
00:10:19: Aber Merel widersetzt sich und trifft sich hinter ihrem Rücken weiter mit Mike P. Warum genau Merel in diesem Moment so handelt, obwohl sie selbst Mike P.s Verhalten nicht okay findet, ist schwer zu sagen.
00:10:31: Mike P. nutzt solche Momente, um Merel davon zu überzeugen, dass sie schlechte Eltern hat.
00:10:37: So distanziert sich Merel immer weiter von ihrer Familie.
00:10:45: Und bei Mike P. war es gemütlich.
00:10:47: Deshalb bin ich immer dorthin gegangen.
00:10:49: Zu Hause gab es viele Streitereien, deshalb bin ich von zu Hause weggelaufen.
00:10:54: Mike P. hat gesagt, komm zu mir.
00:10:56: Ich hab dich gern bei mir.
00:11:03: Mirels Mutter bekommt irgendwann mit, dass ihre Tochter sich weiterhin mit Mike P. trifft.
00:11:08: Sie sucht sich Hilfe bei einer Organisation, die sich mit schwierigen Jugendlichen beschäftigt.
00:11:13: Die raten ihr, dass Meryl in ein Internat ziehen soll, das etwa zwei Stunden entfernt ist.
00:11:19: Gemeinsam mit den Betreuerinnen des Internats und ihrer Mutter macht Meryl aus, dass sie dort ein Wochenende zur Probe wohnen soll.
00:11:27: Meryl findet das anfangs gar nicht gut, gewöhnt sich aber an diesem Wochenende an das Umfeld.
00:11:32: Das Internat ist klein, nur drei Wohngruppen mit je zwölf Schülerinnen gibt es Und es gibt einen tollen Betreuer, mit dem sich Mirel sofort super versteht.
00:11:41: Der erklärt Mirel, dass sie in dem Internat so Gutes geht auf sie und ihre Bedürfnisse eingehen und ihr helfen wollen.
00:11:48: Der Betreuer, die anderen Schülerinnen und die Vorstellung, nicht mehr zu Hause mit ihrer Mutter streiten zu müssen, überzeugen Mirel nach anfänglicher Skepsis.
00:11:57: Also willigt sie ein und beschließt, dauerhaft in das Internat zu ziehen.
00:12:01: Weg von zu Hause.
00:12:02: Und damit auch weg von Mike P.
00:12:14: Meryl lebt sich im Internat ein, findet Anschluss, fühlt sich, fährt ab von den Vorwürfen ihrer Mutter und aber auch ohne Mike P. ständige Aufmerksamkeit wohl.
00:12:24: Doch obwohl Meryl jetzt knappe zwei Stunden entfernt wohnt, bleibt Mike P. präsent.
00:12:29: Jeden Abend um achtzehn Uhr ruft er an und sagt ihr, wie sehr er sie vermisst.
00:12:34: Dabei war er zunächst wütend über ihre Entscheidung ins Internat zu ziehen.
00:12:38: Er ist sogar zu ihr gefahren und hat gegen ihre Tür geschlagen, angeblich aus Angst sie zu verlieren.
00:12:44: Er sagt Mirel, nur schlechte Eltern schicken ihr Kind ins Internat.
00:12:48: Auch Mirel vermisst Mike P. An den Wochenenden fährt sie nach Hause.
00:12:52: Aber als sie bei ihrem ersten Besuch zu Mike P. will, ist dieser nicht da.
00:12:57: Von seiner Nachbarin erfährt sie, dass er nach einer Brügellei im Krankenhaus sei.
00:13:01: Als Mirel ihn aus dem Krankenhaus abholt, umarmte sie fest und sagt ihr, wie froh er sei, sie zu sehen.
00:13:08: Seine Freundin hätte sich von ihm getrennt, weil er Mirel aus dem Internat hätte befreien wollen.
00:13:13: Dann küst Mike P. sie.
00:13:16: Einfach so, ohne Vorwarnung und ohne ihre Zustimmung.
00:13:20: Mirel weiß nicht, was sie davon halten soll.
00:13:23: Bis jetzt ist Mike P. nur ein Freund für sie gewesen.
00:13:26: Aber vielleicht ist er doch mehr?
00:13:29: Mirels Verunsicherung wegen ihrer Gefühle zu Mike P. wächst.
00:13:33: Als Mike P. ihr bei einem Telefonat nur eine Woche später sagt, dass er sie liebt, weiß sie nicht mehr, wie sie wirklich zu ihm steht.
00:13:40: Eigentlich hatte sie bis dahin gedacht, dass er für sie nur ein Freund ist.
00:13:44: Sie hat keine Schmetterlinge im Bauch, wenn sie an ihn denkt.
00:13:47: Manchmal ist ihr Mike Pehs aufbrausender Art und seine kriminelle Vergangenheit etwas suspekt.
00:13:52: Aber er schenkt ihr immer Aufmerksamkeit und interessiert sich für sie.
00:13:56: Das gefällt ihr.
00:13:58: Meryl wird klar, Mike Peh ist für sie mehr als nur ein Kumpel.
00:14:02: An den darauffolgenden Wochenenden verbringen sie viel Zeit zusammen.
00:14:05: Sie umarmen und küssen sich auch.
00:14:08: Sex will Mirelle nicht.
00:14:10: Doch Mike P. testet immer wieder ihre Grenzen aus.
00:14:12: Wenn er eifersüchtig ist, zum Beispiel weil Mirelle mit anderen Männern spricht, wird er laut, droht mit Kontaktabbruch, nur um sich kurz darauf zu entschuldigen.
00:14:22: Eines Tages rastet Mike P. völlig aus, als ein Taxifahrer ihn nicht mitnehmen will.
00:14:28: Mirelle will schlichten und wird dabei selbst verletzt.
00:14:31: Mike P. schlägt sie.
00:14:39: Das hat mich schockiert.
00:14:41: Danach hat er sich als Opfer dargestellt, hat gesagt, dass er es nicht so gemeint habe.
00:14:46: Ich war enttäuscht und traurig, aber ich habe ihm geglaubt, wenn man das, was man hat, nicht aufgeben will.
00:14:52: Ja, ja, ist, weil du auch nicht aufgeben willst, die feine Pläckzimmer zu sagen.
00:14:58: Aber Mirrell verzeiht ihm.
00:15:00: In den Ferien lernt sie einen Kumpel von Mike P kennen und dessen Freunden die gleichaltrige Kelly.
00:15:06: Die vier verbringen viel Zeit zusammen und vor allem die beiden Mädchen freunden sich an.
00:15:11: Mike P sagt Meryl täglich, wie sehr er sie liebt und dass sie bei ihm bleiben soll, auch nach den Ferien.
00:15:17: Doch Meryl entscheidet sich fürs Internat.
00:15:19: Zurück dort angekommen fällt ihr die Wiedereingewöhnung schwer.
00:15:23: Sie vermisst Mike P und ihre Freundin Kelly.
00:15:26: Als sie Mike P. von ihren Gefühlen erzählt, schlägt davor, dass sie doch wieder nach Hause kommen könnte.
00:15:31: Und noch etwas länger hier bleiben könnte, bevor die Schule in der nächsten Woche wieder richtig startet.
00:15:36: Doch ihr Gruppenleiter lehnt ab.
00:15:38: Mirrell akzeptiert das und erzählt Mike P. am Telefon davon.
00:15:41: Mike P. legt auf.
00:15:47: Ich dachte, er ruft morgen schon wieder an.
00:15:50: Und keine Stunde später kam er mit quitschenden Reifen an, um mich abzuholen.
00:15:55: Mit einer Pistole.
00:16:03: P. taucht vor dem Internat auf.
00:16:05: Mit quitschenden Reifen und einer Waffe.
00:16:08: Als Merell Krach vom Flur hört, streckt sie den Kopf aus ihrer Zimmertür.
00:16:12: Auf dem Gang steht Mike P. mit gezogener Pistole.
00:16:16: Er ist nicht allein.
00:16:17: Freundinnen von Mike P. begleiten ihn und stehen auch plötzlich im Gang.
00:16:21: Einer von ihnen fordert Merell auf, ihre Sachen zu packen.
00:16:25: Doch bevor sie antworten kann, eskaliert die Situation.
00:16:28: Ein weiterer Freund von Mike P. stürzt sich mit einem Metallrohr auf den Gruppenleiter und will zuschlagen.
00:16:34: Aber der Gruppenleiter wehrt sich.
00:16:36: Chaos bricht aus.
00:16:38: Andere Bewohnerinnen des Internats kommen dazu.
00:16:40: Jemand ruft die Polizei.
00:16:42: Im Gemänge sucht Mirelle Mike P. Als ihre Augen ihn finden, sieht sie, wie er ihrem Gruppenleiter die Waffe an die Schläfe drückt.
00:16:50: Ein Schauer läuft ihr über den Rücken.
00:16:52: Es ist das erste Mal, dass sie eine echte Waffe
00:16:55: sieht.
00:16:58: Mike Pehs Blick trifft ihren und dann schreit er sie an.
00:17:01: Sie solle sofort mitkommen.
00:17:03: Merrell gehorcht wie in Trance.
00:17:05: Sie rennt ins Zimmer, stopft Kleidung in ihre Tasche.
00:17:08: Tränen laufen ihr über das Gesicht.
00:17:10: Sie hat Angst, dass Mike Peh abfeuert.
00:17:13: Zurück im Flur packt Mike Peh sie grob am Arm und zerrt sie raus aus dem Gebäude.
00:17:18: Draußen starren sie Schülerinnen und Betreuerinnen, die sich auf dem Hof versammelt haben, an.
00:17:23: Mirel schämt sich.
00:17:25: Ein Betreuer ruft ihn zu, dass die Polizei gleich da sei.
00:17:28: Mike P. droht lautstark mit Rache und schreit Mirel an, ins Auto zu steigen, die seine Aufforderung nachkommt.
00:17:35: Dann rast er los, gerade als ein Polizeivagen das Gelände erreicht.
00:17:40: Eigentlich hatte ich kein Gefühl.
00:17:45: Ich wusste nicht, ob ich das wirklich wollte.
00:17:47: Alles ging so schnell.
00:17:49: Ich war wie gelähmt, glaube ich.
00:17:51: Mike P. sagte die ganze Zeit, keine Sorge, ich kümmere mich um dich.
00:18:03: Als sie nach einer stillen Autofahrt bei Mike P.s Wohnung ankommen, verabschiedet sich Mike P. schnell wieder von ihr mit einem Kuss, und lässt Mirel alleine in der spärlich eingerichteten Wohnung zurück.
00:18:14: Mirel ist enttäuscht.
00:18:16: Hat er sie dafür gewaltvoll aus dem Internat geholt, damit sie alleine in seinem Haus sitzt?
00:18:21: Sie denkt über das nach, was heute passiert ist.
00:18:24: Einerseits hat sie eine Seite von Mike P. gesehen, die sie vorher nicht kannte.
00:18:29: Sie hatte Angst gehabt.
00:18:31: Auf der anderen Seite war es ziemlich aufregend, dass Mike P. extra für sie zum Internat gefahren ist und, Zitat, für sein Mädchen durchs Feuer geht.
00:18:39: Für Erwachsene, die schon mehr Erfahrungen bzw.
00:18:42: sammeln konnten, kann das naiv erscheinen.
00:18:45: Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Mirel erst vierzehn Jahre alt ist und Mike P. für sie ihre erste romantische Erfahrung und auch Beziehung ist.
00:18:54: Erst spät an diesem Abend kommt Mike P. mit seinem Freund und einer Frau zurück, die offensichtlich eine Prostituierte ist und verschwindet gemeinsam mit den beiden und den Worten, ich schaue nur zu, in ein Zimmer.
00:19:07: Mirel ist so schockiert, dass sie den Dreien nur wortlos hinterherschauen kann.
00:19:11: Er würde sie doch nicht wirklich mit einer prostituierten Betrügen.
00:19:14: Mirel ist fassungslos und sauer.
00:19:17: Um sich abzulenken, geht sie mit Kelly und einem anderen Freund von Mike P. essen.
00:19:22: Am nächsten Tag spricht Mirel wenig mit Mike P. Und Mike P. wiederum scheint sauer zu sein, weil sie gestern mit seinem Freund essen war.
00:19:30: Um sich abzulenken, verbringt Mirel den Tag mit Kelly.
00:19:34: Erst fahren sie zum Rathaus, um Sozialhilfe für Meryl zu beantragen.
00:19:38: Schließlich hat Meryl keinen Job und auch kein Geld.
00:19:40: Aber weil sie erst vierzehn Jahre alt ist, kommt Sozialhilfe für sie nicht in Frage.
00:19:45: Als Meryl am Abend wieder in der Wohnung von Mike P. ankommt, verhält er sich räumütig.
00:19:50: Er hat Meryl einen Welpen als Entschuldigung besorgt.
00:19:54: Aber Meryl ist immer noch sauer auf ihn, wegen des letzten Abends.
00:19:58: Als sie sich auf das Sofa setzt, um Fernsehen zu schauen, schmiegt sich Mike P. an sie.
00:20:02: Sturr schaut Mirel weiter auf den Fernseher.
00:20:05: Sie will nicht mit ihm reden.
00:20:07: Dann legt Mike P. seinen Kopf in ihren Schoß, schaut sie mit großen Augen an und entschuldigt sich.
00:20:13: Mirel bleibt stumm.
00:20:15: Er versichert ihr, dass er gestern keinen Sex mit der Prostituierten hatte.
00:20:18: Mirel sagt nichts.
00:20:21: Wieder entschuldigt Mike P. sich, so etwas würde nie wieder passieren.
00:20:24: Ihm sei gestern Abend klar geworden, wie sehr er sie brauche, dass er ohne sie nicht leben könne.
00:20:31: Gerade ist Mirel noch sauer gewesen, aber nach diesen Worten kann sie nicht anders.
00:20:36: Sie fühlt sich geschmeichelt.
00:20:38: Mike P. braucht sie.
00:20:40: Für ihn ist sie etwas Besonderes.
00:20:43: Sie schaut Mike P. an.
00:20:45: Langsam lehnt er sich vor, lächelt.
00:20:48: Dann legen sich seine Lippen auf ihre und er küsst sie.
00:20:52: Seine Küsser werden immer vordernder.
00:20:54: Dann trägt er sie in sein Schlafzimmer.
00:20:56: Mike P. hat Sex mit Mirel.
00:20:58: Das ist ihr erstes Mal.
00:21:00: Obwohl Meryl bis zu diesem Moment alle von Mike Pehs Versuche mit ihr zu schlafen abgelehnt hat, fühlt es sich in diesem Moment richtig an.
00:21:08: Was sich für Meryl an diesem Abend schön anfühlt, ist laut deutschem Strafgesetz sexueller Missbrauch von Jugendlichen.
00:21:14: Denn Meryl ist jetzt zehn Jahre alt und Mike Peh ist sechsundzwanzig.
00:21:18: Auch wenn Meryl vermeintlich freiwillig mit Mike Peh sechs hat, wird laut dem deutschen Strafgesetz Meryls Zitat fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausgenutzt.
00:21:29: Nicht nur ihre Beziehung, auch das Zusammenleben mit Mike P. ist problematisch.
00:21:34: Wieder Meryl und Mike P. haben ein festes Einkommen.
00:21:37: Sie leben von den Sozialbezügen von Mike P. Wenn am Anfang des Monats die Zahlung vom Amt bekommt, kauft er damit aber selten Lebensmittel ein.
00:21:46: Stattdessen verdrängt er das Geld oft in der Kneipe.
00:21:49: Ab und zu bringt Mike P. Meryl etwas vom Imbiss mit.
00:21:52: Meistens reichen aber wieder die Lebensmittel noch das Essen vom Imbiss für beide aus.
00:21:57: Wenn Mirel Mike P. sagt, dass sie Hunger hat, antwortet er, dass sie ein Bier trinken soll.
00:22:03: Eine Flasche würde zwei Scheiben Brot ersetzen und sie satt machen.
00:22:07: Die vierzehnjährige Mirel folgt seinem Rat.
00:22:09: Sie weiß es nicht besser.
00:22:11: Anstelle eines gut gedeckten Tisches, wie sie es von ihrer Mutter oder aus dem Internat kennt, muss Mirel oft trockenes Brot essen, das Mike P. eigentlich für den Hund zur Seite legt.
00:22:21: Mike P., der Mirel versprochen hatte, sich um Mirel zu kümmern, lässt sie hungern.
00:22:26: Als Mike P. eines Tages wieder nach einer Sauftour aus der Kneipe heimkommt, konfrontiert Mirelle ihn.
00:22:32: Sie haben nichts zu Hause.
00:22:33: Kein Essen, kein Trinken, kein Waschmittel.
00:22:36: Nur das Bier, das er in einem Karton aus der Kneipe mitgebracht hat.
00:22:40: Sauer stellt Mirelle den Karton voller Bier so heftig auf dem Boden ab, dass die Flaschen darin kaputtgehen.
00:22:46: Ängstlich hilft Mirelle den Blick vom Boden, wo das Bier sich scheumt verteilt.
00:22:51: Ihre Augen treffen die von Mike P., der wütend auf sie zugestürmt kommt.
00:22:56: Dann parkt er sie an ihren Hahn.
00:22:58: Mirrells Kopfhaut brennt vor Schmerz.
00:23:00: Sie versucht, Mike Pehs Griff zu entziehen, aber verliert ihr Gleichgewicht.
00:23:05: Mit noch festerem Griff zerrt Mike Peh Mirrell an den Hahn aus dem Haus und schleudert sie Kopf voraus in das Kiesbett
00:23:12: im Garten.
00:23:16: Mirrell betastet ihr Gesicht.
00:23:18: Es tut weh.
00:23:19: Ihre Hand ist voller Blut.
00:23:21: Sie hebt den Blick und sieht Mike Peh, wie er in der Schiebetür zum Garten steht.
00:23:25: Eine Flasche Bier am Mund.
00:23:27: Kalt schaut Mike P. auf sie herab.
00:23:29: Diesen Blick in seinen Augen hat Meryl noch nie zuvor gesehen.
00:23:33: Nicht, als er sie im Taxi geschlagen oder sie aus dem Internat geholt hatte.
00:23:37: Nicht, wenn er sie aus blinder Eifersucht ignoriert.
00:23:40: Meryl beginnt zu weinen.
00:23:42: Der ganze Körper zittert vor Angst und Schmerzen, als sie Mike P. ansieht.
00:23:47: Sie hofft, dass er seinen Fehler erkennt, dass er ihr hilft und sich entschuldigt.
00:23:52: Dann zieht sie nur noch, wie Mike P. den Arm hebt.
00:23:55: die Bierflasche in der Hand und die Flasche in Richtung ihres Kopfes schleudert.
00:24:00: Dann wird alles schwarz.
00:24:09: Am Morgen, nach der Attacke mit der Bierflasche, wacht Merel mit einer großen Schürfhunde an der Schläfer auf.
00:24:15: Sie ist entsetzt über Mike Peas Verhalten und fragt sich, wie er ihr so was antun kann.
00:24:21: Er hatte sie doch extra aus dem Internat geholt, um sich um sie zu kümmern.
00:24:25: Merel schiebt den Vorfall auf den Alkohol.
00:24:28: Mit der Zeit zeigt sich deutlich ein Muster.
00:24:31: Wenn Merrell sich nicht so verhält, wie Mike Peh es möchte, schreit er sie an, macht sie vor Freundinnen schlecht, schlägt sie, wirft Flaschen.
00:24:39: Danach folgt Reue, er entschuldigt sich, er beteuert seine Liebe, verspricht Besserung.
00:24:44: Merrell hat zwar Angst vor Mike Peh und seinen Wut ausbrüchen, aber in den Momenten, in denen er sie auf Händen trägt und seine Liebe gesteht, genießt sie sein Verhalten.
00:24:54: Sie hofft, dass irgendwann dieses Verhalten überwiegen wird.
00:24:57: Immerhin erkennt er, dass er Fehler macht und verspricht er, sich zu bessern.
00:25:02: Aber die Angriffe hören nicht auf.
00:25:15: Er hat Bierflaschen auf meinem Kopf zerschlagen, mich gewirkt oder mich an den Haaren in den Keller gezogen und mich dort eingesperrt.
00:25:23: Anfangs habe ich ihn nach den Attacken gefragt, warum er das macht.
00:25:26: Er hat dann gesagt, er habe es nicht so gemeint und hat mir immer wieder geschmeichelt.
00:25:30: Aber dann kam eine Phase, in der ich mich dagegen aufgelehnt habe.
00:25:36: Dann bekam ich mehr Schläge.
00:25:38: Irgendwann fand ich einen Weg, den Angriffen aus dem Weg zu gehen.
00:25:42: Entweder sorgte ich dafür, dass Kelly kam oder ich hielt den Mund und machte, was er von mir wollte.
00:25:57: Wenn Kelly zu Besuch ist, hält sich Mike P. zurück.
00:26:01: Oft bringt Kelly Meryl Essen mit, um ihren Hunger zu stellen.
00:26:05: Manchmal hat Meryl Sex mit Mike P. um ihn zu besänftigen und körperliche Übergriffe zu vermeiden.
00:26:11: Wenn sie Mike P.s Gewalt nicht aus dem Weg gehen kann, gibt sie sich selbst die Schuld.
00:26:15: Sie ist schließlich mit ihm aus dem Internat geflohen, denkt sie.
00:26:19: Trotzdem denkt Meryl darüber nach, wegzulaufen.
00:26:22: Aber sie weiß nicht wohin.
00:26:23: Ins Internat kann sie nach dem Vorfall sicher nicht zurück.
00:26:27: Und zu ihrer Mutter auch nicht, glaubt sie.
00:26:29: Mirel weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ihre Mutter seit der Flucht aus dem Internat mit der Polizei in Kontakt steht, um Mirel aus Mike P.s Wohnung zu holen.
00:26:39: Stand jetzt, sagt die Polizei, Mirels Mutter allerdings, sie habe bislang keine Möglichkeit gehabt, Mirel zu helfen.
00:26:46: Es gäbe keinen sicheren Ort, an dem Mike P. Mirel nicht wiederfinden würde.
00:26:50: Anstatt die minderjährige Meryl aus der Wohnung des zwölf Jahre älteren Mike Pehs zu holen, beschließt die Polizei jeden Abend an Mike Pehs Wohnung vorbeizufahren, um beiläufig nach dem Rechten zu schauen.
00:27:03: Wenn Mike Peh Meryl nicht gerade misshandelt oder sich räumütig zeigt, ist er mit seinen Freunden in Kneipen oder auf Raubzügen unterwegs.
00:27:12: Die Gruppe ist statt bekannt für Einbrüche.
00:27:14: Eines Abends sollen Meryl und Kelly mithelfen.
00:27:17: Sie sollen Schmiere stehen bei einem Diebstahl.
00:27:20: Mike P. sagt, das Geld werde knapp, Mirel müsse helfen.
00:27:24: Doch Mirel weigert sich.
00:27:26: Als Mike P. sie grob am Arm packt, verstummt sie, aber innerlich trifft sie eine Entscheidung.
00:27:31: An diesem Abend wird Mirel versuchen zu fliehen.
00:27:35: Während sie und Kelly Schmiere stehen und Mike P. mit seinen Freunden das Fenster eines Einfamilienhauses mit einem Schraubenzieher aufbricht, geht sie Stück für Stück langsam rückwärts.
00:27:47: Dann rennt sie los.
00:27:48: Doch Mike P. bemerkt Merrells Fluchtversuch.
00:27:51: In einer Sackgasse holt er sie ein, den Schraubenzieher noch in der Hand.
00:27:55: Er wirft sie zu Boden, holt aus und trifft mit dem Schraubenzieher ihre Hand, die zu Bluten beginnt.
00:28:01: Merrell schreit, dann wird sie ohnmächtig.
00:28:05: Merrell wacht im Krankenhaus auf.
00:28:07: Mike P. sitzt an ihrem Bett und fordert sie eindringlich auf zu lügen, wenn die Pflegerin Fragen stellen würde.
00:28:14: Mirel behauptet deshalb ihr Gegenüber, sich beim Kartoffelschehen verletzt zu haben.
00:28:19: Doch die Pflegerin glaubt ihr nicht.
00:28:21: Als sie kurz den Raum verlässt, zieht Mike P. Mirel an sich und zieht sie aus dem Zimmer, raus aus dem Krankenhaus in sein Auto und bringt sie in seine Wohnung.
00:28:31: Mirels Flucht ist gescheitert.
00:28:42: Kurze Zeit später hat Meryl die Hoffnung auf einen erneuten Fluchtversuch.
00:28:46: Mike P. muss ins Gefängnis, weil er erneut ohne Fahrschein in der Bahn erwischt wurde und alle bisherigen Bußgelder nicht zahlen konnte.
00:28:54: Meryl plant, ihre Sachen zu packen und abzuhauen, wenn Mike P. weg ist.
00:28:59: Aber es kommt anders.
00:29:01: In der ersten Instanz, als
00:29:02: wir ihn wegbrachten,
00:29:04: nach den Gefangenen, Auf dem Weg ins Gefängnis sagte er mir, du musst nicht glauben, dass du mich verlassen kannst.
00:29:13: Im Haus wird jemand auf dich aufpassen und ich weiß, wo deine Mutter jetzt wohnt.
00:29:16: Wenn du nicht tust, was ich sage, wenn du mich verlässt, weiß ich, wo ich sie finden kann.
00:29:27: Alles in Mirrell spannt sich an und ihr wird klar, sie kann Mike P. nicht entkommen.
00:29:33: Auch wenn sie ihre Differenzen mit ihrer Mutter hat, will sie nicht ihr Leben aufs Spiel setzen.
00:29:38: In den drei Wochen, in denen Mike P. im Gefängnis ist, passt einer seiner Freunde auf Meryl auf.
00:29:44: Ab und zu geht sie raus oder Kelly kommt und bringt ihr Essen vorbei.
00:29:48: Manchmal besucht Meryl auch Barbara zum Essen.
00:29:51: Barbara ist Mike P.s Ex-Frau und die Mutter seiner Kinder.
00:29:55: Wenn Meryl bei ihr ist, bekommt sie mit, dass Barbara als Prostituierte arbeitet.
00:30:00: Einer von Mike P.s Freunden ist der Zuhälter und Barbara gibt manchmal ihre Einnahmen an ihn ab.
00:30:05: Meryl fühlt sich komisch, wenn sie das sieht.
00:30:08: Aber weil Barbara eine so warmherzige Person ist und ihr immer, wenn sie kann, mit Essen aushilft, fühlt sie sich bei ihr doch auch aufgehoben und wohl.
00:30:16: Die meiste Zeit verbringt sie aber alleine zu Hause.
00:30:19: Fast täglich klingelt das Telefon.
00:30:21: Wenn Merell den Hörer abnimmt, ist Mike P dran und macht er klar, dass er sie im Blick hat und seine Freunde ihn auch im Gefängnis über jeden ihrer Schritte informieren.
00:30:30: Und tatsächlich vermisst Merell Mike P, den alten Mike P, den, der ihr gesagt hatte, wie sehr er sie liebt und wie toller sie findet, den, der ihr gegenüber nicht gewalttätig ist.
00:30:43: Als er drei Wochen nach seinem Haftantritt aus dem Gefängnis kommt und Merell mit einer Umarmung und einem Kuss begrüßt, durchströmt sie wieder dieses wohlige Gefühl und die Hoffnung darauf, dass alles wieder so werden könnte wie früher.
00:30:57: Für ein paar Wochen hält Merells Hoffnung auch an.
00:31:00: In dieser Zeit verhält sich Mike Peh wieder wie ein richtiger Partner, auch wenn das Geld immer noch knapp ist und Merell immer noch hungert.
00:31:07: Mike Peh greift Merell nicht mehr an, er droht ihr nicht und sie fühlt sich umsorgt von ihm.
00:31:13: Eines Tages schlägt Mike P. vor, dass Meryl zusammen mit seiner Ex-Frau Barbara und seinem Freund ausgehen soll.
00:31:19: Er findet, dass Meryl die Auszeit braucht, um sich von den Strapazen zu erholen.
00:31:23: Meryl gefällt diese Idee.
00:31:33: Also steigt sie an diesem Abend in Barbaras Auto und fährt gemeinsam mit ihr durch die dunklen Straßen.
00:31:39: Meryl weiß nicht, wo es hingeht.
00:31:41: Dann biegt das Auto in eine Straße ein, die sie kennt.
00:31:45: Die Lichter, die großen Fenster in den Fassaden, Es ist die Straße, in der Barbara für gewöhnlich arbeitet.
00:31:52: Mirel ist verwirrt.
00:31:53: Barbara erklärt ihr, dass Mike P. möchte, dass sie Mirel heute Abend in ihren Job einarbeitet.
00:31:59: Das Geld ist knapp und Mirel soll so etwas dazu verdienen.
00:32:03: Alles in Mirel sträubt sich dagegen.
00:32:08: Ich dachte immer noch, dass Mike P. nicht wollte, dass ich mich prostituiere, dass ich ihn davon überzeugen könnte, dass es nicht das ist, was ich will.
00:32:19: Aber Barbara macht Mirel klar, dass sie keine Wahl hat.
00:32:22: Mike P. hat gedroht, Mirels Mutter etwas anzutun, wenn sie sich weigern würde.
00:32:26: Mirel hat Angst um ihre Mutter.
00:32:28: Sie beschließt, Barbara's Anweisung wiederwillig zu folgen.
00:32:32: Barbara führt sie in ein kleines Zimmer im hinteren Teil eines Hauses in der Straße.
00:32:38: Im Zimmer stehen ein Bett, ein Stuhl und ein Waschbecken.
00:32:42: Barbara reicht Merel ein Kleid, das sie anziehen soll.
00:32:45: Mit mechanischen Bewegungen zieht sich Merel um, dann atmet sie tief durch und geht zurück zu Barbara, die bereits im großen Schaufenster sitzt.
00:32:54: Einige Zeit sitzen Barbara und Merel gemeinsam in den großen Sesseln, die auf die Straße ausgerichtet sind, wo Merel Männer vorbeilaufen sieht und merkt, wie sie sie begaffen.
00:33:05: Ab und zu bleibt einer von ihnen stehen und gestikuliert.
00:33:09: Mirel ist erst verwirrt und fragt sich, was hier passiert.
00:33:12: Dann versteht sie, sie verhandeln mit Barbara über den Preis.
00:33:16: Es dauert eine Weile, bis Barbara sich mit einem der Männer einig wird.
00:33:20: Sie drückt einen Knopf unter ihrem Sessel und die Eingangstür zur Wohnung öffnet sich.
00:33:24: Erwartungsvoll
00:33:30: blickt Barbara Mirel an.
00:33:32: Scheinbar ist der Kunde nicht an der älteren Frau, sondern an der vierzehnjährigen Mirel interessiert.
00:33:38: Fünfzig Gulden soll sie für Sex mit dem Mann nehmen.
00:33:41: Das wären heute circa zwanzig Euro und fünfzig Cent.
00:33:46: Wie betäubt steht Mirelle aus dem Sessel im Fenster auf und führt den Mann in das kleine Zimmer und setzt sich auf das Bett?
00:33:53: Mirelle kämpft mit den Tränen.
00:33:55: Sie will das alles nicht.
00:33:56: Aber sie weiß auch, Mike P. lässt ihr keine Wahl.
00:34:01: Als der Mann sieht, wie Mirelle mit sich kämpft, fragte sie, wie alt sie sei.
00:34:05: Mirelle lügt.
00:34:06: und sagt ihm, dass sie acht sind.
00:34:08: Sie weiß, dass sie als Minderjährige nicht als Prostituierte arbeiten darf.
00:34:13: Aber der Mann glaubt ihr nicht und sagt, dass er gehen werde.
00:34:16: Merel blickt ihn verzweifelt an und sagt ihm, dass sie das Geld für ihren Freund brauche.
00:34:22: Sie sieht, wie der Mann zögert.
00:34:24: Dann seinen Portemonnaie zieht und ihr zwei Scheine gibt.
00:34:27: Dann verlässt er den Raum.
00:34:32: Schnell nimmt Merel das Geld und steckt es in ihre Schuhe.
00:34:36: Sie geht zurück zu Barbara, die immer noch im Fenster sitzt und erklärt ihr, was passiert
00:34:40: ist.
00:34:41: Barbara fragt Meryl, ob er sie denn wenigstens bezahlt habe.
00:34:45: Meryl verschweigt Barbara, dass der Mann ihr Geld gegeben und sie es eingesteckt hat und schüttelt den Kopf.
00:34:51: Skeptisch schaut Barbara sie an.
00:34:53: Dann säuft sie und nimmt Meryl mit zurück zum Fenster.
00:34:58: Wieder sitzen Meryl und Barbara auf den Sesseln.
00:35:01: Wieder laufen die Männer an ihnen vorbei und begutachten sie, wie Ware in der Auslage.
00:35:06: Aber Meryl ist so angespannt und sieht wahrscheinlich so gequält aus, dass sie für keinen der Männer attraktiv scheint.
00:35:12: Barbara bemerkt das und sagt, dass sie ihr noch alle Kunden verscheuche.
00:35:16: Sie schlägt Meryl vor, dass sie heute noch alleine arbeitet und sie sich das Geld teilen können.
00:35:21: Meryl ist erleichtert, geht alleine in das kleine Zimmer, das Barbara ihr zugewiesen hat und wartet auf das Ende der Nacht.
00:35:28: Später werden sie und Barbara von Mike P. abgeholt.
00:35:32: Als er hört, dass Merell nicht einen Cent verdient hat, ist er überraschend ruhig.
00:35:38: Morgen würden sie es einfach noch mal probieren, sagt er, während er Barbara bei ihrem Zuhause abliefert.
00:35:49: Zu Hause stieß er mich im Wohnzimmer von hinten um und warf mich in den Keller.
00:35:54: Er sagte, ich würde kein Alkohol mehr bekommen.
00:35:58: Er würde meine Mutter umbringen, wenn ich nicht tun würde, was er wollte.
00:36:03: Und wirklich erst an diesem Tag wurde mir klar, was er wirklich wollte, dass ich mich für ihn prostituiere.
00:36:18: Merel verbringt die ganze Nacht im Keller, ohne Essen und Trinken.
00:36:23: Zwischendurch hört sie, wie es an der Tür klingelt und Mike P. öffnet.
00:36:27: Es ist Kelly, die fragt, wo Mirel ist.
00:36:30: Mirel hört Mike P. mit gedämpfter Stimme sagen, dass sie weg sei, dass sie ihn verlassen habe.
00:36:35: Dann hört sie, wie die Tür geschlossen wird und es wieder still ist, bis Mike P. schließt sich den Keller aufschließt.
00:36:42: Mirel sieht ihn verzweifelt an.
00:36:43: Sie ist durstig und ihr Magen knurrt.
00:36:46: Sie fragt Mike P. nach Wasser.
00:36:48: Seine Antwort ist, du weißt, was du dafür tun musst.
00:36:52: Mirel sieht keinen Ausweg.
00:36:54: Wenn sie überleben will, muss sie sich wieder in das Fenster setzen.
00:36:58: Wir am Abend zuvor holen Barbara und ihr Freund Meryl ab und fahren sie zu der Wohnung in der Straße mit den Fenstern.
00:37:05: Wir am Abend zuvor zieht Meryl das Kleid an und setzt sich mit Barbara in der Schaufenster.
00:37:10: Wir am Abend zuvor wird sie von den Männern wie ein Objekt begafft.
00:37:15: Dann bleibt eine Gruppe von Männern stehen.
00:37:17: Barbara gibt Meryl zu verstehen, dass sie alle gleichzeitig mit auf ihr Zimmer nehmen soll.
00:37:23: Merel dreht sich der Magen um.
00:37:25: Auf keinen Fall wird sie die ganze Gruppe mit aufs Zimmer nehmen.
00:37:28: Sie wirkt.
00:37:29: Barbara fragt sie, ob alles okay sei.
00:37:32: Und Merel antwortet sofort, dass sie nur Hunger habe.
00:37:35: Sie hat den ganzen Tag noch nichts zu essen bekommen.
00:37:37: Mitleidig und schockiert, schaut Barbara sie an und zieht zehn Golden aus der Tasche.
00:37:43: Merel soll zur Imbissbude und sich etwas zu essen holen.
00:37:46: Dann würden sie weitermachen.
00:37:47: Im Imbiss riecht es nach Altem Fett und Pommes.
00:37:50: Aber Mirel ist froh, kurz aus dem Schaufenster entkommen zu sein.
00:37:54: Hinter ihr geht die Tür auf und ein Mann tritt ein.
00:37:57: Es ist Barbara's Freund, der sie heute und gestern gefahren hat.
00:38:01: Erst wütend, das sieht Mirel sofort.
00:38:04: Als sie ihm erklärt, dass sie den ganzen Tag noch nichts gegessen habe, sagt er, dass sie Barbara nicht allein im Fenster lassen könne, das sei zu gefährlich.
00:38:12: Er würde jetzt zu ihr gehen, aber Mirel solle ihn nicht weniger als fünf Minuten wieder da sein.
00:38:17: Dann verlässt er den Laden wieder.
00:38:20: Mirrell dreht sich zum Verkäufer, der alles mitbekommen hat.
00:38:24: Er schaut zurück und tritt dann hinter der Theke hervor, nimmt Mirrell am Arm und führt sie aus dem Laden.
00:38:31: Ängstlich blickt Mirrell zu ihm hoch.
00:38:33: Was hat er vor?
00:38:34: Der Mann sagt zu ihr, ich bring dich hier weg.
00:38:38: Der Mann aus dem Imbiss bringt Mirrell durch die Hintertür zu einer Telefonzelle.
00:38:42: Es ist dunkel und Mirrells Herz klopft wie verrückt.
00:38:46: Kurz vor dem Telefon bleiben sie stehen.
00:38:48: Der Mann drückt Mirelle drei Fünfzig Cent Stücke in die Hand und sagt ihr, dass sie ab jetzt auf sich alleine gestellt ist und verschwindet in der Dunkelheit.
00:38:57: Mirelle überlegt, wen kann sie anrufen?
00:38:59: Sie erinnert sich an einen Typen, den sie auf einem Ausflug mit Mike P. und seinen Freunden getroffen hatte.
00:39:06: Er hat ihr damals seine Nummer gegeben.
00:39:08: Sie bedeutungsvoll angeschaut und gesagt, sie können ihn immer anrufen, wenn sie Hilfe brauche.
00:39:13: Also wählt Mirelle seine Nummer.
00:39:16: Immer noch schlägt ihr Herz wie Wild.
00:39:18: Die fünf Minuten sind schon lange um.
00:39:20: Barbara und ihr Freund werden sicher nach ihr suchen.
00:39:23: Dann wird der Hörer am anderen Ende der Leitung abgehoben, und Meryl hört eine männliche Stimme.
00:39:30: Schnell erklärt sie ihre Situation, dann müsse kommen und sie abholen.
00:39:34: Kurz ist es still in der Leitung.
00:39:36: Dann spricht die Stimme und sagt, dass jemand sie holen kommen würde.
00:39:40: Aber an diesem Abend wird niemand kommen, um Meryl zu helfen.
00:39:52: Ich wurde gezwungen, drei Monate als Postituierte zu arbeiten.
00:39:55: Jeden Tag, jede Nacht.
00:39:58: Und ich habe keinen Cent von dem Geld gesehen.
00:40:00: Stattdessen hat Mike P. es mit Freunden auf den Kopf gehauen.
00:40:17: Also ein Loverboy ist letztendlich ein Zuhälter und Menschenhändler.
00:40:21: Annika Schönhoff arbeitet als Projektkoordinatorin und Sozialarbeiterin bei dem Menschenrechtsverein Blickfeld-Menschenhandel-EV und setzt sich seit fünfzehn Jahren für Prävention und Aufklärung zum Thema Menschenhandel ein.
00:40:34: Menschenhandel per Definition und vor allen Dingen auch bei Minderjährigen heißt einfach auch, dass man die andere Person ausbeutet auf eine Art und Weise.
00:40:43: Also hier in dem Fall ist es die sexuelle Ausbeutung.
00:40:46: Und genau da braucht es dann immer ein Mittel sozusagen, also ein Täuschungsmittel zum Beispiel oder Gewaltandrohungen oder sowas.
00:40:53: Und das passiert bei den Loverboys natürlich auch, dass sie Gewalt anwenden, dann auch eher im weiteren Verlauf der Beziehung.
00:41:01: Ein sogenannte Loverboy ist in der Regel ein Mann, der die sexuelle Ausbeutung seines Opfers durch Zwangsprostitution zum Ziel hat.
00:41:09: Auch Mirel wird als Jugendlicher, ohne es zu wissen, Opfer eines solchen Loverboys.
00:41:15: Um ihr Ziel, die Ausbeutung und finanzielle Bereicherung zu erreichen, gehen Loverboys meist mit einer ähnlichen Methode vor.
00:41:22: Die bauen eine Liebesbeziehung auf zu ihren Opfern, zu den Mädchen und Frauen und spielen eben erstmal den perfekten Freund.
00:41:32: Also erstmal ist da ganz viel Zuwendung, Lovebombing ist da auch so ein Thema.
00:41:39: Lovebombing bedeutet, dass Täter schnell große Gefühle vortäuschen.
00:41:43: Liebesbekundungen machen und gemeinsame Zukunftspläne entwerfen, oft begleitet von übertriebenen Komplimenten oder teuren Geschenken.
00:41:51: Auch bei Merrell war das so.
00:41:53: Komplimente, übertriebene Liebesbekundungen und vermeintlich große Gesten wie das, in Anführungszeichen, Befreien aus dem Internat.
00:42:02: Laut Annika Schönhoff geraten Betroffene dadurch schnell in eine emotionale Abhängigkeit.
00:42:07: Zu Beginn der vermeintlichen Beziehung ist den Opfer nicht klar, dass es sich um einen Loverboy handelt.
00:42:13: Betroffene gehen davon aus, dass die Männer an ihnen und einer echten Beziehung mit ihnen interessiert sind.
00:42:20: Neben den Komplimenten und den Liebesbekundungen gibt es auch andere Strategien, die die Täter nutzen, um die Betroffenen zu manipulieren und emotional an sich zu binden.
00:42:29: Die Mädchen werden von den Loverboys gezielt traumatisiert und ... dann durch so ein sogenanntes Traumabonding noch enger an ihn geknüpft.
00:42:38: Dass da.
00:42:40: durch die Gewalt und durch das Traumatische, was das Mädchen erlebt, wird sie noch enger psychisch an ihn gebunden, weil er die Konstante in dieser Zeit in ihrem Leben ist.
00:42:49: Selbst wenn er ihr das antut, präsentiert er sich selbst immer als der Retter und der Helfer und der tolle Typ in der Not.
00:42:59: Und macht das eben ganz gezielt, weil er, nachdem er vielleicht Gewalt angewendet hat, wieder nett ist, wieder lieb ist, sich wieder zuwendet, sie wieder mit Liebe überschüttet.
00:43:09: Das kennt man ja diesen Mechanismus so ein bisschen auch umgangssprachlich unter Zucker, Brot und Peitsche, dass er quasi immer wieder so ein Brotkrumm hinwirft und sie dann immer wieder die Hoffnung hat, okay, er liebt mich doch noch, es wird doch noch alles gut, irgendwann ist das vorbei, ich muss einfach nur länger durchhalten.
00:43:24: Im Fall von Meryl ist die in Anführungszeichen Befreiung aus dem Internat ein Beispiel für Traumabonding.
00:43:31: Zuerst gibt es die Gewalt und das Trauma, als Mike P. mit einer Pistole auf den Gruppenleiter zählt.
00:43:37: Dann später, als sie bei ihm zu Hause sind, überschüttet Mike P. Meryl mit Liebe und sagt ihr, dass er das alles nur getan hätte, weil sie für ihn so besonders ist.
00:43:47: Neben Lovebombing und Traumabonding kann eine andere Strategie auch das Drohen mit negativen Konsequenzen sein.
00:43:55: Die Täter verwickeln Betroffene zum Beispiel in Straftaten, um so etwas gegen sie in der Hand zu haben.
00:44:00: Täter drohen dann, dass sie die Frauen und Mädchen bei der Polizei anzeigen, wenn sie sich ihnen widersetzen oder sie verlassen.
00:44:07: Oder die Männer drohen den Opfern damit, ihren Familienmitgliedern oder Freundinnen etwas anzutun.
00:44:12: Aus Angst folgen dann viele Betroffene den Anweisungen der Täter.
00:44:16: So, wie es auch bei Mirel der Fall war, die nicht das Leben ihrer Mutter aufs Spiel setzen wollte.
00:44:22: Laut dem Landeskriminalamt Niedersachsen kann die Phase in der Beziehung aufgebaut und emotionaler Abhängigkeiten geschaffen werden, sich über mehrere Wochen oder Monate strecken, bis es dann zu dem nächsten Schritt kommt, wie auch Annika Schönhoff vom Verein Blickfeld-Menschenhandel-EV
00:44:38: erklärt.
00:44:40: Meistens ist es tatsächlich, dass er auf die Schuldensache geht und sagt, ich brauche jetzt ganz dringend, ganz schnell deine Unterstützung und nur du kannst mir helfen.
00:44:48: Und das Mädchen liebt ihn natürlich wirklich und möchte ihm auch helfen und möchte alles für ihn geben.
00:44:55: Ja, und dann schlägt er beiläufig oft vor, ja, lass uns doch mal Prostitution ausprobieren.
00:45:02: Die emotionale Bindung der Betroffenen an die Täter ist zu diesem Zeitpunkt meist schon so stark, dass sich die Opfer oft nicht den Forderungen und dem Zwang der Männer widersetzen können.
00:45:11: Fast immer spielt zu diesem Zeitpunkt auch eine finanzielle Abhängigkeit eine Rolle.
00:45:16: Die Frauen werden durch die Männer von ihrem sozialen Umfeld abgeschottet, verdienen kein eigenes Geld und sind so auf die Einnahmen durch die Prostitution angewiesen.
00:45:25: In vielen Fällen werden die Frauen auch in eine Drogenabhängigkeit geführt.
00:45:29: Die Täter fungieren dann als Zulieferer oder Dealer und bezahlen die Frauen mit Drogen.
00:45:35: Bei Merel spielt vor allem Alkoholmessbrauch eine Rolle.
00:45:38: Illegale Drogen nimmt sie nicht.
00:45:40: Zusätzlich isoliert Mike P. sie emotional.
00:45:44: Er stellt ihre Eltern schlecht dar und gibt sich als einziger Mensch aus, der sie wirklich versteht.
00:45:50: Auf Komplimente folgen Versprechungen und Liebesbekundungen.
00:45:53: Merel ist von seiner Aufmerksamkeit so abhängig, dass sie es nicht schafft, sich von ihm zu lösen.
00:45:59: selbst als sie sich für ihn prostituieren soll.
00:46:02: Etwas, was Meryl freiwillig nie getan hätte.
00:46:05: Frauen, die wie Meryl in die Zwangspostitution getrieben werden, müssen oft zu unmenschlichen Bedingungen arbeiten.
00:46:12: Laut Annika Schönhoff landen viele der Mädchen und Frauen nicht in offiziellen Bordellen, in denen zum Beispiel teilweise auf Hygiene oder Wohlergehen der Postituierten geachtet wird, sondern sie landen auf dem Straßenstrich.
00:46:25: Und da stehen die dann teilweise irgendwie zwölf, fünfzehn, sechzehn, achtzehn Stunden am Tag und müssen eben in diesen Soll eintreiben.
00:46:33: Das sieht ganz unterschiedlich aus.
00:46:36: Aber natürlich ist da ja sehr viel Zwang dabei.
00:46:41: Sehr wenig Selbstbestimmung.
00:46:43: Also oft ist es eben so, wie gesagt, dass sie das ganze Geld an den Loverboy abgeben und dann eine Art Taschengeld kriegen, dass sie sich am Tag was zu essen kaufen können oder so.
00:46:52: Laut dem Bundeslagebild Menschenhandel der Bundeskriminalpolizei sind in Deutschland im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr.
00:47:11: Das hört sich erst mal nach relativ wenigen Fällen an, aber bei Menschenhandel generell und im Speziellen bei der sexuellen Ausbeutung mit Hilfe der Loverbäumasche ist die Dunkelziffer sehr hoch.
00:47:23: Aus diesem Grund ist es laut Annika Schönhoff auch schwer, die deutschen Zahlen mit den anderer Länder, wie zum Beispiel den Niederlanden oder europaweiten Menschenhandel, zu vergleichen.
00:47:33: Laut Annika Schönhoff ist Menschenhandel besonders in Form der Loverbäumasche schwer nachzuweisen.
00:47:39: Die Betroffenen geben das verdiente Geld oft scheinbar freiwillig ab, ohne sichtbare Gewalt.
00:47:45: Vor Gericht fehlen dadurch klare Beweise.
00:47:48: Viele Täter können nur für andere Delikte verurteilt werden und tauchen in der Statistik nicht als Loverboys auf.
00:47:55: Zudem haben viele Betroffene Angst Anzeige zu erstatten, selbst wenn sie sich aus der vermeintlichen Beziehung befreien konnten.
00:48:03: Oder?
00:48:04: Die Mädchen lieben ihn immer noch und können eben immer noch nicht darüber hinbekommen, was letztendlich oder das alles eine Lüge ist.
00:48:10: Und sie wollen ihn dann immer noch schützen.
00:48:12: Und natürlich hat das ganz, ganz viel auch mit Charme zu tun, weil, ja, letztendlich der Loverboy auch immer wieder gesagt hat, hey, das war deine eigene Entscheidung.
00:48:20: Laut Annika Schönhoff und auch der polizeilichen Kriminalprävention des Bundes und der Länder sind die Täter fast ausschließlich Männer, die sich zumeist junge Frauen und Mädchen als Opfer aussuchen.
00:48:32: Wissen von, also anekdotisch von Fällen, wo Jungs auch von Loverboys, also aber dann auch männlichen Tätern in die Prostitution gebracht werden und ein einzigen Fall, den wir kennen, wo eine Frau einen Mann in die Prostitution gebracht hat.
00:48:45: Also deswegen kann man mit ziemlich hoher Gewissheit sagen, Täter sind Männer.
00:48:49: Die Täter sind auf offener Straße unterwegs und sprechen Mädchen und Frauen jeden Alters in jeder denkbaren Situation an.
00:48:57: Manchmal gibt es laut Annika Schönhoff auch Mittelsleute, die Freundschaften zu den potenziellen Opfern aufbauen und sie so den Tätern zuführen.
00:49:06: Während Merel den Täter auch durch eine Freundin kennengelernt hat, spielen heute die sozialen Medien eine wichtige Rolle bei der Ansprache der Opfer.
00:49:14: Vor allem, wenn junge Mädchen betroffen sind, ist oft auch Cyber-Grooming ein Thema.
00:49:19: Was genau Cyber-Grooming ist, könnt ihr in Folge fifty-fünfzig, Milena, im Netz hören.
00:49:26: Zwar könne laut Annika Schönhoff jede Frau, unabhängig von Alter, sozialer Stellung und Herkunft, Opfer eines Loverboys werden, die Täter suchen sich laut ihr allerdings oft junge Mädchen aus.
00:49:38: Denn Mädchen im Teenager-Alter, sowie bei Mirel, haben oft noch keine Beziehungserfahrung und wissen nicht, was eine gute und gesunde Beziehung ausmacht.
00:49:47: Erfahrungen und Vorstellungen davon, wie eine gesunde Beziehung aussieht, werden bei vielen Mädchen und auch erwachsenen Frauen von stereotypischen Beziehungen, die in Filmen und auf Social Media gezeigt werden, geprägt, in denen Männer, Frauen mit großen Gesten ihre Liebe beweisen oder Grenzen überschreiten.
00:50:04: Diese stereotypen Abbildungen einer Beziehung können zu einer unrealistischen Erwartung an Beziehungen beitragen.
00:50:11: Außerdem wird Mädchen in unserer Gesellschaft schon im Kindesalter oft beigebracht, ihre Grenzen überschreiten zu lassen.
00:50:18: Zum Beispiel, wenn sie angehalten werden, immer nett zu lächeln, egal wie es ihnen geht, oder erwachsene Männer aus dem Familienkreis zur Umarm, auch wenn sie es nicht möchten.
00:50:28: Manchmal kommt es auch vor, dass körperliche oder sexuelle Übergriffe in der Schule von MitschülerInnen ausgehen und Mädchen sich wehren und dann anstelle der TäterInnen dafür bestraft werden.
00:50:38: So lernen Mädchen, dass es für sie negative Konsequenzen haben kann, sich zu wehren.
00:50:44: Also das ist ja immer noch auch ein System, dass.
00:50:46: das begünstigt einfach, dass die jungen Mädchen an so ein Loverboy geraten und sich dann eben auch von ihm sagen lassen, wie das Leben läuft letztendlich oder wie eine Beziehung läuft.
00:50:56: Oft arbeiten Loverboys dann auch mit Pornografie, dass sie die Mädchen damit instruieren.
00:51:00: Und ich meine, das, was sie ihnen da zeigen, ist natürlich auch kein normaler Sex, sondern irgendwas Abbeartiges, womit sie die Mädchen dann darauf vorbereiten, was sie in der Prostitution dann machen müssen.
00:51:09: letztendlich.
00:51:11: Mit dem Verein Blick fällt Menschenhandel e.V.
00:51:13: versucht Annika Schönhoff, Mädchen und jungen Frauen beizubringen, ihre Grenzen ernst zu nehmen und sich auch aktiv zur Wehr zu setzen.
00:51:21: Für die Prävention gehen die Mitarbeiter ihnen nicht nur an Schulen und arbeiten dort mit Schüler innen.
00:51:26: Sie geben auch in der Justiz und bei der Polizei Fortbildungen und Workshops zum Thema Loverboys.
00:51:33: Ein zentrales Instrument des deutschen Rechtssystems zur Prävention, unter anderem gegen die sogenannte Loverboy-Masche, ist das Prostituierten-Schutzgesetz, das seit Jahrzehnten in Kraft ist.
00:51:44: In Deutschland ist der Kauf von sexuellen Handlungen nicht strafbar und auch Prostitutionen ist in Deutschland erlaubt.
00:51:51: Das Gesetz soll die Arbeitsumstände von Menschen verbessern, die in der Prostitution tätig sind und sie laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vor Zitat Menschenhandel, Ausbeutung und Zwang schützen.
00:52:05: Das Gesetz gibt zum Beispiel vor, dass für prostituierte und Prostitutionsgewerbe, also Bordelle, eine Anmeldepflicht besteht.
00:52:13: Prostituierte müssen die Anmeldung offiziell selbst vornehmen.
00:52:17: So soll sichergestellt werden, dass die Prostitution auf Freiwilligkeit basiert.
00:52:22: Es ist Realitätsfern und also gerade auch für die Frauen, die es ja auch gibt, die das tatsächlich freiwillig und selbstbestimmt machen, die muss ich aber auch sagen, eher den kleinsten Teil ausmachen.
00:52:33: Gerade für die ist das auch nervig und stressig.
00:52:36: Und für die Frauen, die in der Zwangslage sind, ist es entweder so, dass sie das nicht machen.
00:52:41: weil sie es nicht wissen zum Beispiel, weil sie eben nicht Deutsch sind, die deutsche Sprache nicht beherrschen und so weiter.
00:52:46: Oder die Frauen werden davon den Zuhältern hingebracht und melden sich an.
00:52:51: Oder er quasi meldet sie an in Anführungszeichen.
00:52:52: Laut dem Statistischen Bundesamt gab es
00:52:53: im Jahr im Jahr
00:52:54: im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im
00:52:56: Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im.
00:53:11: Laut Annika Schönhoff muss aber damit gerechnet werden, dass die wirkliche Zahl an tatsächlich als Prostituierte tätigen Personen deutlich höher ausfällt.
00:53:19: Wir nutzen hier bewusst den Begriff Prostituierte und nicht Sexarbeiter in, denn in dieser Folge geht es überwiegend nicht um Personen, die den Job freiwillig machen, sondern um Prostitutionen aus Zwang.
00:53:32: Neben der Anmeldung schreibt das Prostituierten-Schutzgesetz zum Beispiel auch eine Kondompflicht und die Möglichkeit für gesundheitliche Beratung vor.
00:53:40: Doch was eigentlich dem Schutz dienen soll, sorgt seit seiner Einführung auch für Kritik.
00:53:45: Nicht nur bei Annika Schönhoff, auch der Berufsverband Erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V.
00:53:51: sagt, dass das Prostituierten Schutzgesetz sein Ziel, den Schutz von Prostituierten, verfehle und fordert unter anderem die Abschaffung des Gesetzes.
00:54:01: In der Politik wird z.B.
00:54:02: von Seiten der CDU immer wieder die Einführung eines Sexkaufverbotes gefordert.
00:54:08: Ziel dieses Ansatzes ist es nicht, die Prostitution selbst zu kriminalisieren, sondern den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe zu stellen.
00:54:17: Auf diese Weise sollen potenzielle Kundinnen abgeschreckt und dadurch auch Zuhälterei sowie sexuelle Ausbeutung, etwa durch die sogenannte Loverbäumasche, für Täter weniger lukrativ gemacht werden.
00:54:29: Diese Herangehensweise wird auch das Nordische Modell genannt, weil in Späten einen Sexkaufverbot eingeführt wurde und später auch Norwegen nachzog.
00:54:40: Verschiedene Studien und Berichte untersuchen seitdem die Wirksamkeit eines Sexkaufverbotes.
00:54:46: Im Jahr zwei Tausend neunzehn hat der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages im Fachbereich Gesundheit, Familie, Senioren, Frauen und Jugend verschiedene Studien und Metastudien zusammengefasst, die sich mit der Wirksamkeit des nordischen Modells beschäftigen.
00:55:02: Eine offizielle Evaluation des Gesetzes aus Schweden zeigt, dass die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen seit der Einführung gesunken sei und damit auch der Menschenhandel.
00:55:12: Allerdings stellt der wissenschaftliche Dienst des Bundestages die wissenschaftliche Sorgfalt des Berichts infrage.
00:55:18: Eine ähnliche Evaluation aus Norwegen kam zwar zu dem Schluss, dass die Nachfrage von Sexkauf gesunken sei, konnte aber keine Auswirkungen auf Gewalt und Drohungen gegenüber postituierten Feststellen.
00:55:30: Kritikerinnen des nordischen Modells befürchten, dass Sexarbeiterinnen die freiwillig ihren Job ausüben und die es auch weiterhin tun wollen, durch ein Sex-Kauf-Verbot noch mehr, als sie es ohnehin schon sind, stigmatisiert werden und sich die Arbeitsbedingungen im Berufsfeld der sexuellen Dienstleistung massiv verschlechtern könnten.
00:55:49: Der Berufsverband Erotische und sexuelle Dienstleistung e.V.
00:55:53: lehnt ein solches Verbot unter anderem deshalb ab.
00:55:56: Laut Ihnen sei das Ziel nicht der Schutz der Prostituierten und SexarbeiterInnen, sondern die Abschaffung der sichtbaren Prostitution.
00:56:02: Durch ein Sexkaufverbot würde die Prostitution sich nicht nur in den kriminellen Untergrund verlagern, sondern auch Auswirkungen auf die Sicherheit der Prostituierten haben, da auch Unterstützung z.B.
00:56:14: durch sichere Räume wie Bordelle und Arbeitsapartements wegfallen würden.
00:56:19: Im Gegensatz dazu setzt sich das bündnisnordisches Modell für ein Sexkaufverbot ein.
00:56:25: Das Bündnis fordert, dass die deutsche Regierung Prostitution als eine Form der geschlechterspezifischen Gewalt anerkennt.
00:56:32: Durch die Einführung des Sexkaufverbotes erhoffen sie sich nicht nur den Rückgang der Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen, sondern auf lange Sicht auch die Zerschlagung der kriminellen Strukturen, die in der Prostitution zum Beispiel durch die Loverboy-Masche vorhanden sind.
00:56:47: Dafür sei nicht nur das Sex-Kauf-Verbot, sondern auch Schutz und Unterstützung der Prostituierten beim Ausstieg sowie Prävention und Aufklärung nötig.
00:56:56: Ein offizieller Bericht dazu, welche Auswirkungen das Prostituierten-Schutz-Gesetz in Deutschland wirklich auf den Alltag der Prostituierten und auf Zwangspostitution hat, soll laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Juni.
00:57:13: Zum Zeitpunkt der Aufnahme dieser Episode liegt dieser Bericht noch nicht
00:57:24: vor.
00:57:34: der Großteil der Frauen, die das eben auch aus einer Zwangslage herausmachen, wie auch immer diese Zwangslage aussieht, die werden die erleben da einfach ja Unterdrückung von Männern.
00:57:44: Und wir sehen eben beim Sex-Kau-Verbot, dass es da umgekehrt wird, dass Frauen mehr Macht bekommen und dass die Männer, diejenigen sind, die in die Verantwortung genommen werden.
00:57:57: Aber auch sie weiß um die Debatte rund um vor- und Nachteile des nordischen Modells.
00:58:01: Annika Schönhoff wünscht sich deswegen ein deutsches Modell, das wirklich die Schutz, die Schutz brauchen.
00:58:08: Der wichtigste Bestandteil für Annika Schönhoff im deutschen Modell wäre Prävention.
00:58:13: Und das ist eine ganz, ganz, ganz wichtige Sache, dass wir auch den Mädchen auch in der Schule oder auch den Jugendlichen generell, die Jungs brauchen es auch, selbst bewusst sein.
00:58:22: vermitteln oder selbst wert vermitteln letztendlich und sagen hey ihr seid wertvoll und nababoy kommt und spricht euren wert ab damit er sowas machen kann damit er euch ich sagen wir unter wert verkaufen kann.
00:58:44: mit merels zweitem abend im schaufenster und dem fluchtversuch bei dem ihr niemand hilft endet das buch dass sie jahre nach dieser erfahrung geschrieben hat.
00:58:54: aber ihre geschichte endet nicht.
00:58:56: im gespräch mit uns erzählt sie was anschließend passiert ist.
00:59:00: Mirel muss drei Monate als Zwangsprostituierte arbeiten.
00:59:04: Bis heute fällt es Mirel schwer, über diese Zeit zu sprechen.
00:59:07: Die ersten Abende versucht sie, kein Freie anzunehmen und so auch kein Geld für Mike P. zu liefern.
00:59:15: Wahrscheinlich erhofft sie sich, dass Mike P. einsieht, dass er als Prostituierte einzusetzen nicht lukrativ ist.
00:59:21: Stattdessen wird Mike P. sauer.
00:59:22: Man lässt seine Wut an Mirel aus und droht immer wieder, ihrer Mutter etwas anzutun, falls sie nicht tut, was man ihr sagt.
00:59:33: Und dann legst du einen Schalter um.
00:59:35: Du denkst entweder an die Sicherheit deiner Mutter oder du hast keine Kraft mehr, weil du so hungrig bist.
00:59:40: Du bist einfach leer.
00:59:43: In dieser Zeit glaubt Mirel, dass es keine Alternative zum Leben mit Mike P. für sie gibt.
00:59:52: Weil er mir alles genommen hatte, was mir Sicherheit gab, das Vertrauen zu meinen Eltern, er hat mich abhängig von sich gemacht.
00:59:59: Mir gesagt, er würde sich besser um mich kümmern.
01:00:02: Später wurde er gewalttätig.
01:00:04: Und dann diese Drohungen, nichts zu essen, nichts zu trinken und meine Mutter umzubringen.
01:00:14: Was für Merrell als eine Beziehung angefangen hat, in der sie Freundschaft, Aufmerksamkeit und Liebe bekommt, hat sich durch Drohungen, Gewalt und Manipulation zu einem Albtraum entwickelt.
01:00:25: Und obwohl Merrell nichts lieber möchte als zu fliehen, glaubt sie, keine andere Wahl zu haben und sich für den zwölf Jahre älteren Mike P. prostituieren zu müssen.
01:00:35: Wir erinnern uns aber, die Polizei steht in Kontakt mit Merrells Mutter.
01:00:39: Und endlich kommt es zu einer drastischen Handlung durch die Polizei.
01:00:43: Polizistinnen stürmen die Wohnung von Mike P.
01:00:49: Der Moment, als die Polizei kam, war mit viel Gewalt verbunden.
01:00:53: Man rechnet nicht damit.
01:00:54: Dann kommen sie durch die Vordertür, durch die Hintertür.
01:00:57: Das Haus ist umzingelt, die rennen die Treppe hoch.
01:00:59: Alles geht so schnell.
01:01:01: Bevor man sich versieht, sind sie da, packen und nehmen einen mit.
01:01:04: Das ist so ein gewalttätiges, überwältigendes Gefühl, das ich auch nicht beschreiben kann.
01:01:14: Mirrell wird zurück ins Internat gebracht.
01:01:17: Die Polizei und ihre Mutter hoffen, dass Mike P. dort nicht nachher suchen wird.
01:01:21: Warum sie das Internat nicht schon zuvor als sicheren Ort für Mirrell eingestuft haben und warum sie Mirrell nicht schon früher aus Mike P.s Wohnung geholt haben, können wir nicht sagen oder nachvollziehen.
01:01:40: mindestens in einer missbräuchlichen Beziehung mit einem erwachsenen Mann befunden hat und lange Zeit nichts getan haben.
01:01:48: Jetzt soll das Internat für Meryl ein sicherer Ort sein.
01:02:01: Nachts im Bett kamen alle Erinnerungen wieder hoch oder ich sah Mike P. vor mir.
01:02:06: Ich hatte keine Hilfe und es gab einen Gruppenleiter, der das ausnutzte und ich wurde wieder sexuell missbraucht.
01:02:12: Ich dachte, dass er mich sieht und ich wollte gesehen und gemocht werden.
01:02:17: Und dann beginnt der Kampf, der Jahre dauert, um sich von Mike P. zu befreien.
01:02:22: Denn er bleibt immer ein Teil deines Lebens durch das, was er getan hat.
01:02:35: Aber Merrell schafft es, sich ein neues Leben aufzubauen.
01:02:38: Als sie alt genug ist, zieht sie in eine Stadt, in der sie niemand kennt, niemand von ihrer Geschichte weiß.
01:02:43: Sie geht in Therapie, um das, was sie angetan wurde, und das daraus resultierende Trauma zu verarbeiten.
01:02:50: Und sie lernt einen Mann kennen, mit dem sie schließlich einige Zeit später zwei Kinder bekommt.
01:02:56: Um endgültig abschließen zu können, beschließt Merrell, ihre Geschichte aufzuschreiben.
01:03:03: Ich habe sieben Jahre gebraucht, um dieses Buch zu schreiben.
01:03:07: Und als ich Mike P. beschrieb, spürte ich wieder das Kribbeln im Bauch und auch die Traurigkeit.
01:03:12: Ich habe alles noch einmal erlebt.
01:03:16: Das Buch wird von einem niederländischen Verlag gekauft und veröffentlicht.
01:03:19: Auch in Deutschland kommt es-.
01:03:21: In den Jahren nach der Buchveröffentlichung bekommt Merell immer mehr Anfragen von Betroffenen, die sie nach Hilfe fragen.
01:03:29: Also gründet Merel neun Jahre, nachdem sie ihr Buch geschrieben hat, die Merel von Groningen-Stiftung.
01:03:34: Die Betroffene der Loverboy-Masche dabei unterstützt, sich endgültig von den Tätern zu lösen.
01:03:39: Denn Merel weiß, mit einer Flucht ist es nicht getan.
01:03:43: Dass es nicht erg ist, dass man noch gute Gefühle für den Loverboy hat.
01:03:48: Wir erklären Ihnen, dass es nicht schlimm ist, wenn man noch gute Gefühle für den Loverboy hat, dass man traurig ist.
01:03:54: ihn vermisst oder immer noch abhängig von ihm ist.
01:03:57: Wir wissen, dass es sich einfach anfühlt, zurückzugehen, weil man weiß, wie es dort funktioniert.
01:04:04: Wenn Merel gefragt wird, was sie sich im Umgang mit Menschen handelt und der Loverbäumasche wünscht, kommt ihr vor allem eines in den Sinn.
01:04:22: Den Opfern wird zu oft die Schuld gegeben, dass es ihr eigene Schuld ist.
01:04:27: Den Tätern und Kunden wird sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
01:04:30: Ich denke wirklich, dass man anfangen muss, sich mit den Tätern zu befassen.
01:04:35: Verurteile die Opfer nicht, denn du kennst nicht die Geschichte dahinter.
01:04:39: Und es ist nicht die Schuld des Opfers, sondern die des Täters.
01:05:03: Nora hat ihren Partner angezeigt, weil er ihr mit dem Tod gedroht hat.
01:05:07: Ein Gericht verhängt ein Kontaktverbot.
01:05:10: Trotzdem stehen sie sich Wochen später am Flughafen gegenüber, vor dem selben Flug.
01:05:15: Nora bittet um Schutz, doch am Ende ist es sie, die nicht mehr pflegen darf.
01:05:21: Was in diesem Moment passiert und was Nora bis dahin erlebt hat, erzählen wir euch in zwei Wochen bei Zwölfleben.
01:05:30: Habt ihr Feedback?
01:05:31: Dann schickt uns gerne eine Mail an zwölfleben.podimoatgmail.com oder lasst einen Kommentar unter dieser Folge da.
01:05:47: Zwölf Leben, Verbrechen an Frauen, ist ein Podcast von Podimo.
01:05:52: Wir sind Helen Schulte.
01:05:53: Und Massimo Majo.
01:05:55: Autorin dieser Folge, Katharina Frebel.
01:05:58: Schnitt und Sound, Frieda Maurer und Luca Satori.
01:06:02: Ausführende Produzentin, Madeline Petri.
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