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Update im Fall #8 Sonja

Shownotes

Diese Folge ist schon vor Monaten in der Podimo App veröffentlicht worden. In der Podimo App findet ihr schon jetzt 60 kostenlose Folgen, die ihr ganz ohne Anmeldung oder Abo hören könnt – Einfach nur die App öffnen und ‘12 Leben’ finden: https://podimo.de/12leben

Zusätzlich zu den 60 kostenlosen Folgen findet ihr dort auch die neueste Staffel im Premium-Bereich. _ München, 10. April 1995: Die 19-jährige Sonja Engelbrecht verschwindet, nachdem sie sie das Haus ihrer Eltern verlässt. Sonja wird nie zurückkehren.

Lange kann die Polizei keine Ermittlungserfolge verbuchen. Bis zum Sommer 2020: Ein Waldarbeiter findet einen menschlichen Oberschenkelknochen. Dieser kann Sonja Engelbrecht zugeordnet werden.

Für diese Folge haben wir mit Sonjas Mutter, Ingrid Engelbrecht, gesprochen. Die Fachärztin für Psychiatrie & Psychotherapie, Ulrike Schmidt, gibt einen Einblick in die Psyche der Hinterbliebenen von Vermisstenfällen. Außerdem kommt Dr. Mark Benecke zu Wort. Er erzählt, was der Knochenfund bedeutet. Und der Pressesprecher der Münchner Polizei, Werner Kraus, gibt einen Einblick in die Polizeiermittlungen.

Am Ende der Folge blicken wir auf die neuen Ermittlungsansätze – und darauf, warum die Münchner Polizei den Fall gerade jetzt wieder in den Fokus rückt.

Wer etwas weiß zu Sonjas Verschwinden, kann sich beim Kommissariat 11 in München oder jeder anderen Polizeidienststelle melden. Unter der Telefonnummer: 089 / 2910 – 0.

Pressemitteilung und Fahndungsplakat unter “559. Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts – Vermissung der Sonja Engelbrecht aus dem Jahr 1995”: https://www.polizei.bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/083312/index.html

Links zu den verwendeten Nachrichtentönen: https://www.tvingolstadt.de/mediathek/video/30-jahre-vermisstenfall-sonja-engelbrecht/ https://www.ardmediathek.de/video/abendschau-der-sueden/cold-case-sonja-engelbrecht-neuer-fahndungsaufruf-der-polizei/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDE3MjA1QTAvc2VjdGlvbi9mNjNkZmVlYy1jNTBlLTRmOTctYWNkMC1iYzNiY2Q3OTdmZmY

Triggerwarnung: Diese Folge behandelt explizite Schilderungen von körperlicher Gewalt und Suizid. Bei Gewalterfahrungen findet ihr anonym und kostenfrei Unterstützung unter folgenden Nummern:

Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”: 08000 116 016 (rund um die Uhr) Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (rund um die Uhr) Opfer-Telefon vom Weißen Ring: 116 006 (7-22h Uhr)

Mehr Infos bekommt Ihr auf der Homepage der Online Datenbank für Betroffene von Straftaten: www.odabs.org

Habt ihr Feedback? Dann könnt ihr uns eine E-Mail schreiben: 12leben.podimo@gmail.com

"12 Leben – Verbrechen an Frauen" ist ein Podcast von Podimo. Hosts: Helen Schulte, Massimo Maio und Clara Engelien Recherche und Redaktion: Helen Schulte, Madeleine Petry, Kiana Lensch Schnitt und Sound: Frieder Maurer & Luca Sartori (hipitch), Madeleine Petry, Mats Leubner, Luca Kaduk, Pascal Mokrosch und Alexander von Bargen Ausführende Produzentin: Madeleine Petry

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Transkript anzeigen

00:00:00: Diese Folge enthält Schilderungen von Gewalt und Suizid.

00:00:03: Wenn ihr selbst betroffen seid oder wenn ihr jemanden kennt, findet ihr Unterstützung beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter ... oder bei der Telefonseelsorge.

00:00:14: Die Nummer findet ihr in den Shownotes.

00:00:23: Willkommen zu Zwölf Leben.

00:00:25: Ich bin Helen.

00:00:26: Hi, ich bin Massimo.

00:00:27: Eigentlich sind wir gerade in der Sommerpause bis zum achtzehnten August, da startet dann die sechste Staffel, aber wir haben etwas Besonderes vorbereitet.

00:00:36: Heute und noch einmal in zwei Wochen hört ihr einen Fall, den wir bei Zwölfleben schon mal erzielt haben, aber es ist jeweils ein Fall, bei dem sich seit unserer ersten Recherche etwas verändert hat.

00:00:48: Und genau das wollen wir jetzt mit euch teilen.

00:00:50: Diesmal gibt es ein Update im Fall der getöteten Sonja Engelbrecht, den wir in Folge acht der ersten Staffel erzählt haben.

00:00:58: Wer hat Sonja getötet und warum konnte der Fall über Jahrzehnte nicht aufgeklärt werden?

00:01:04: Diese Fragen stellen wir uns noch einmal, weil der Fall nicht abgeschlossen ist und weil Sonja nicht vergessen ist.

00:01:11: Am Ende der Folge blicken wir auf die neuen Ermittlungsansätze.

00:01:14: Und darauf, warum die Münchner Polizei den Fall gerade jetzt wieder in den Fokus rückt.

00:01:26: Wenn wir uns vorstellen, dass die Menschen, die wir am meisten lieben, jetzt auf einmal verschwunden sind,

00:01:32: dann wäre

00:01:33: das Letzte, was wir tun würden, in der Regel zu sagen, ne, die sind eh tot, die tauchen eh nicht mehr auf, mit denen schließe ich jetzt ab.

00:01:41: Man weiß es ja nicht.

00:01:42: Und diese Ungewissheit, die ermöglicht es einem auch nicht abzuschließen.

00:01:53: München, zehnte April, nineteenhundertfünfundundneunzig, es ist ein Montag.

00:01:58: Sonja Engelbrecht ist vor einer Woche neunzehn Jahre alt geworden.

00:02:02: Seitdem war sie viel feiern mit ihren Freundinnen im Lokalhexe, dann im Tilt.

00:02:07: Sie waren tanzen, haben die Nacht zum Tag gemacht, danach beieinander geschlafen.

00:02:12: Jetzt ist Sonja ziemlich müde.

00:02:14: Die letzten Tage hat sie nicht so viel Schlaf bekommen.

00:02:16: Und der Himmel hängt voller Wolken, teilweise regnet es, dann schneit es, typisches Aprilwetter.

00:02:23: Sonja will heute eigentlich nicht mehr raus.

00:02:25: Aber dann ruft ihr Freund Thomas an, bittet sie ihn zu treffen.

00:02:28: Sie ist unentschlossen, klingelt bei ihren Freundinnen durch, will, dass jemand mitkommt, aber niemand möchte.

00:02:35: Sonja ist zwiegespalten, aber gibt sich dann doch einen Ruck.

00:02:38: So müde sie auch ist, sie entscheidet sich, Thomas zu treffen.

00:02:44: Gegen Abend verlässt sie das Haus ihrer Eltern.

00:02:47: Sonja wird nie zurückkehren.

00:02:49: Sie verschwindet in dieser Nacht, mitten in München.

00:02:57: Mittwoch, zwölfter April, two days, nachdem Sonja zuletzt gesehen worden ist.

00:03:03: Die Ermittlung der Münchner Polizei beginnen.

00:03:05: Es finden Befragungen ihrer Familie und von ihren Freundinnen statt und es wird nach ihr gesucht an den Orten, wo sie zuletzt gewesen sein soll.

00:03:13: Eine der Personen, die von Anfang an befragt wird, ist Thomas.

00:03:16: Der ist vermutlich der Mensch aus Sonjas Bekanntenkreis, der sie zuletzt gesehen hat.

00:03:21: Die Geschichte, die Thomas den Beamtinnen in den Tagen nach Sonjas Verschwinden erzählt, ist folgende.

00:03:27: Sonja und er treffen sich im Lokalfollmond.

00:03:30: Gemeinsam mit zwei weiteren Freunden, Stefan und Markus, sitzen sie zusammen, trinken was.

00:03:35: Später gehen sie alle gemeinsam in Stefans Wohnung.

00:03:37: Die liegt in der Münchner Max-Vorstadt.

00:03:40: Dann brechen Thomas und Sonja dort gegen zwei Uhr morgens auf, um sich auf den Heimweg zu machen.

00:03:45: Sie laufen zusammen, die ungefähr zwanzig Minuten Fußweg zum Stiegelmeierplatz.

00:03:50: Hier fährt die Nacht tram, end zwanzig.

00:03:52: Mit der würden eigentlich beide nach Hause kommen, aber Sonja sagt, dass sie heute nicht mehr mit der Bahn fahren will.

00:03:58: Stattdessen leit sie sich von Thomas eine Telefonkarte aus.

00:04:01: Sie plant, von der nächsten Telefonzelle aus ihre Schwester anzurufen, damit die sie mit dem Auto abholt.

00:04:07: Thomas verabschiedet sich also von Sonja und steigt in die Tram ein.

00:04:12: Das soll der letzte Moment sein, in dem Sonja von jemandem gesehen worden

00:04:15: ist.

00:04:16: Thomas bericht über diese Nacht des zehnten April, ist das Fundament für die Ermittlungen der kommenden Tage, Wochen und Monate.

00:04:25: Aber seine Geschichte wirft auch Fragen auf.

00:04:28: Sonjas Schwester gibt in ihrer Befragung nämlich an, dass sie in dieser Nacht gar keinen Anruf von Sonja erhalten hat.

00:04:34: Und auch darüber hinaus gibt es so einige Unstimmigkeiten, das äußern Sonjas Eltern auch gegenüber der Presse und der Polizei.

00:04:41: Und es entstehen in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten mehrere Spekulationen, was Sonja in dieser Nacht zugestoßen sein könnte.

00:04:48: Es fallen Wörter wie Suizid, Serienmörder oder auch Menschenhandel.

00:04:52: Fakt ist auf jeden Fall, sechsundzwanzig Jahre lang gibt es keinen weiterführenden Hinweis auf Sonja Engelbrecht.

00:05:07: Bis zum Sommer zwanzig.

00:05:10: Da streift ein Waldarbeiter durch seinen Einsatzbereich in der Gemeindekipfenberg, hundert Kilometer nördlich von München.

00:05:17: Neben Laub und Moos sieht er auf dem Waldboden noch was anderes.

00:05:21: Wie sich später herausstellt, liegt vor ihm ein menschlicher Oberschenkelknochen.

00:05:27: Nach einem Jahr wird dieser Knochen der Vermissten Sonja Engelbrecht zugeordnet.

00:05:31: Dieser Fund bestätigt die Münchner Mordkommission in ihrer Annahme, dass Sonja einem Gewaltdelikt zum Opfer gefallen sein muss.

00:05:39: Was ihr genau zugestoßen ist, ist aber bis heute unklar.

00:05:45: Diese Folge dreht sich um Sonja Engelbrecht.

00:05:47: Ihr Leben ist eines von zwölf, um die es in diesem Podcast geht.

00:06:19: Wir schauen uns heute den Cold Case Sonja Engelbrecht genauer an.

00:06:23: Also Cold Case, ein unaufgeklärter Fall.

00:06:26: Die damals neunzehnjährige Sonja ist eine der bekanntesten von der Zeit über achttausend Vermissten in Deutschland.

00:06:32: Dabei liegt ihr verschwinden, wie anfangs erwähnt, schon soweit zurück.

00:06:35: Es werden wohl täglich laut dem BKA zweihundert bis dreihundert neue Vermisstenverhandlungen erfasst in Deutschland, wobei ungefähr auch genauso viele jeden Tag auch wieder gelöscht werden, weil die Vermissten wieder auftauchen.

00:06:47: Die Erfolgsquote bei der Aufklärung von Vermisstenfällen ist im Schnitt auch eigentlich ziemlich hoch.

00:06:51: Achtzig Prozent der Vermissten werden innerhalb eines Monats wohl wieder gefunden, aber manche eben

00:06:56: nicht.

00:06:57: Wir haben uns gefragt, was denn dahinter steckt hinter diesen unaufgeklärten Vermisstenfällen?

00:07:01: Warum sind diese Menschen einfach verschwunden?

00:07:04: Und haben diese Frage auch an Benjamin Jendro weitergegeben?

00:07:07: Vielleicht erinnert ihr euch noch an ihn aus anderen Folgen.

00:07:10: Er ist der Gewerkschaftssprecher der Berliner Polizei.

00:07:13: Wir haben bei weiblichen Teenagern oft den Fall, dass man jemand Äteres kennengelernt hat.

00:07:19: Und jetzt möchte ich mal zu Hause ausreißen.

00:07:20: So, möchte ein eigenes Leben beginnen.

00:07:23: Man hat viele Vermisstenfälle, wo man die Leute dann irgendwo in den Bahnhofsfurt in der einzelnen Großstädte wiederfindet, wo die einfach auf der Straße leben wollten, wo die einfach was Neues ausprobiert haben.

00:07:33: Es gibt natürlich Vermisstenfälle, die dann auch tödlich enden und man gibt eine Reihe von Vermisstenfällen, die dann eben im Suizid enden.

00:07:41: Wir haben auch immer mal wieder Leute, die aus dem betreuten Boden beispielsweise verschwinden, die dann am Abend wieder da sind.

00:07:45: Manchmal hat man auch einfach wirklich so ein Fall, dass sich eine Person auch mal eine Auszeit genommen hat.

00:07:53: Sonja ist nicht mehr zurückgekehrt.

00:07:55: Statistisch gesehen gehört sie zu den drei Prozent der vermissten Fälle in Deutschland, die länger als ein Jahr ungeklärt bleiben.

00:08:01: Sonjas Fall ist mittlerweile sogar siebenundzwanzig Jahre lang ungeklärt.

00:08:05: Das heißt, sie ist so lange verschwunden, wie ich lebe, in dem Jahr, in dem Sonja verschwunden ist, bin ich nämlich übrigens geboren.

00:08:12: Das ist unfassbar lange, wenn ich mal überlege, was ich in dieser Zeit alles erlebt habe.

00:08:16: Kindergarten, Schule, Studium, Jobs, Beziehung, diese siebenundzwanzig Jahre, das ist mein ganzes Leben.

00:08:22: Das klingt bei dir nach einem recht normalen, hoffentlich auch schönen Leben.

00:08:25: bei Sonjas Familie ist es natürlich anders.

00:08:27: Die lebt schon seit siebenundzwanzig Jahren mit dem Verlust und mit unglaublich vielen Fragen.

00:08:32: Sonjas Mutter sagt, dass sie ihre Tochter eigentlich in diesen siebenundzwanzig Jahren täglich vermisst.

00:08:37: Wir haben für diese Folge mit ihr telefoniert und Ingrid Engelbrecht hat uns ihre Sicht auf die Ereignisse und die Polizeiemmittlung geschildert.

00:08:45: Ihre Perspektive... werden wir also deswegen hier immer wieder aufgreifen.

00:08:48: Sie wollte allerdings kein aufgezeichnetes Interview führen, deswegen werdet ihr sie selbst nicht hören.

00:08:53: Was das für Auswirkungen haben kann, in geliebten Menschen so lange zu vermissen, also allgemein für Betroffene, das haben wir auch mit der Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie besprochen, mit Ulrike Schmidt.

00:09:05: Sie hat uns erzählt, dass so ein Einschnitt eine Familie über ganze Generationen prägen kann und dass auch Leid über Generationen weitergegeben werden kann.

00:09:14: Sie werden wir hören in dieser Folge und ihr werdet in dieser Folge auch Marc Benek gehören, der ist einer der bekanntesten Kriminalbiologen in Deutschland und mit ihm haben wir über den Fund von diesem Oberschenkelknochen von Sonja gesprochen.

00:09:25: Und der Pressesprecher der Münchner Polizei hat uns einen Einblick in die bisherigen Ermittlungen gegeben und einen Ausblick, wie es weitergehen soll.

00:09:32: Das aber alles erst später, erst mal wollen wir über diese Zeit damals sprechen, und auch über Sonja, als sie noch da war, bevor sie eben in dieser Nacht zum elften April, aber es verschwunden

00:09:44: ist.

00:09:51: Sonja ist zum Zeitpunkt ihres Verschwindensjahr frisch, neunzehn Jahre alt.

00:09:55: Ihr Geburtstag liegt erst eine knappe Woche zurück.

00:09:58: Sie geht zu der Zeit auf die Fachoberschule für Wirtschaft.

00:10:01: Allerdings waren da gerade Osterferien.

00:10:03: ihr bestimmt ganz gut gepasst hat, weil sie so natürlich mehr Zeit hatte, ihren Geburtstag ausgelassen zu feiern, ohne irgendwelche Pflichten zu denken.

00:10:10: Passt total zu ihrem Alter.

00:10:12: Junge Frau, die ihr Leben genießt, die gerne Zeit mit ihren Freundinnen verbringt.

00:10:17: Und wir wissen, dank der Polizeibefragung auch, sie hat nicht nur ihr Leben genossen, sondern die Familie hat sie immer auch als zuverlässige Tochter und Schülerin beschrieben, die zwar einen großen Freundeskreis hatte, aber die auch schüchtern war, zumindest fremden gegenüber.

00:10:30: Bis zu dem Zeitpunkt, wo Sonja verschwindet, lebt sie noch in ihrem Elternhaus, zusammen mit ihrem sechzigjährigen Vater Harry, der zwanzigjährigen Mutter Ingrid, ihrer älteren Schwester Sylvia, die damals zwanzig ist, und Sylvia's kleiner dreijähriger Tochter, also Sonjas Nichte.

00:10:45: Mit ihrer großen Schwester Silvia teilt sich Sonja auch ein Auto damals, aber noch nicht lange.

00:10:51: Sie hatte nämlich erst vier Monate vorher ihren Führerschein bekommen.

00:10:54: Bis dahin war sie also viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

00:10:57: Außerdem konnte sie auch jederzeit bei ihren Eltern anrufen, um sich abholen zu lassen zu jeder Tages- und jeder Nachtzeit.

00:11:03: Den Eltern war es nämlich, lieber aus dem Schlaf geklingelt zu werden, als dass sich Sonja mitten in der Nacht alleine auf den Weg durch die Stadtenhause machte.

00:11:11: Bevor wir über die Nacht sprechen, in der Sonja verschwunden ist, gibt es da aber noch eine Sache, die vorher passiert ist und die im Nachhinein irgendwie unheimlich wirkt.

00:11:19: Wochen vor ihrem Verschwinden hat Sonja wohl komische Knackgeräusche in der Telefonleitung bemerkt.

00:11:24: Das hat sie dann auch ihrer Mutter gesagt und auch, dass sie da das Gefühl hat, dass das Telefon vielleicht abgehört wird.

00:11:30: Ihre Mutter Ingrid hatte damals aber eine andere Erklärung für dieses Knacken in der Telefonleitung.

00:11:34: Sie dachte, dass das an dem Hasen liegt, den sie damals als Haustier hatten, der gerne an dem Telefonkabel geknabbert hat.

00:11:40: Und wie so sollte auch eine kleine Familie in München in den Neunzigern abgehört werden, kommt einem ja schon eher unwahrscheinlich vor.

00:11:46: Das stimmt natürlich, aber als Sonja dann eben verschwindet, wird auch die Mutter misstrauischer, was dieses Knacken in der Leitung angeht.

00:11:53: Und dann meint sie auch festzustellen, dieses Knacken in der Leitung, das taucht immer dann auf, wenn sie über Sonja spricht, über ihr Verschwinden, über die Suche nach ihr.

00:12:01: Und dann fängt sie auch an, daran zu glauben, ihr Telefon wird womöglich abgehört.

00:12:06: Die Polizei bestätigt ihr das aber nicht, das bleibt eine Vermutung.

00:12:12: Aber mal von ganz Anfang an.

00:12:14: Wie laufen die Ermittlungen der Polizei denn genau ab?

00:12:17: Also für Sonjas Familie gilt sie ja als vermisst ab dem elften April, so dem Tag, nachdem Sonja sich mit Thomas getroffen hatte.

00:12:24: Für die Polizei beginnt der Fall Sonja Engelbrecht erst einen Tag später, am zwölften April.

00:12:29: Sonjas Mutter Ingrid schläft schlecht in der Nacht vom Zehnten auf den elften April.

00:12:34: Sie horcht immer wieder, ob sie hört, wie Sonja nach Hause kommt, aber sie hört nichts.

00:12:39: Und als sie am nächsten Morgen aufsteht, weiß sie, Sonja ist nicht nach Hause gekommen.

00:12:43: Die Tür zum Kinderzimmer steht noch offen.

00:12:45: Normalerweise schließt Sonja natürlich ihre Tür immer, wenn sie abends nach Hause kommt.

00:12:49: Ingrid findet es komisch, dass ihre Tochter noch nicht da ist, weil sie normalerweise spätestens um drei Uhr morgens nach Hause kommt.

00:12:56: Und falls sie bei einer Freundin übernachtet, sagt sie eigentlich immer Bescheid.

00:12:59: Aber so richtig beunruhigt ist sie jetzt noch nicht wirklich.

00:13:03: Sie geht zu zwei Arztterminen, ist also bis vierzehn Uhr außer Haus.

00:13:07: Als sie nach Hause kommt und sieht, dass Sonja immer noch nicht zurück ist, da wird sie dann doch aktiv.

00:13:12: Sie schaut in ihrem Zimmer nach, ob irgendwas fehlt.

00:13:15: Aber Sonjas Erspates, Kleider, Taschen, alles da.

00:13:19: Bis auf ihren Ausweis und Führerschein, den sie eh immer bei sich hat.

00:13:23: Nicht mal eine Handtasche hat Sonja dabei, hat alles wohl einfach in ihre Jackentasche getan.

00:13:28: Ingrid ruft Sonjas Freundinnen an und auch Thomas, von dem sie ja weiß, dass er den Abend mit ihr verbracht hat.

00:13:33: Wir haben übrigens die Namen von Sonjas Freundinnen, über die wir hier sprechen, geändert.

00:13:37: Thomas erzählt der Mutter, er ist mit Sonja zusammen zum Stiegelmeierplatz gelaufen und da hat Sonja sich dann dazu entschieden, ihre Schwester anzurufen, damit die sie mit dem Auto abholt.

00:13:47: Die Mutter fragt dann auch bei der Schwester Silvia nach.

00:13:50: Die hat aber in der Nacht wohl keinen Anruf von Sonja

00:13:52: bekommen.

00:13:53: Um viertel nach fünf Nachmittags ruft Ingrid dann bei der Polizei an, um zu erfahren, ob es in der letzten Nacht eine Meldung von einem Unfall mit einer jungen Frau gegeben habe.

00:14:02: Ihre Vermutung ist, dass Sonja in einen Unfall verwickelt worden sein könnte und im Krankenhaus liegt.

00:14:07: Aber die Polizei teilt ihr mit, Sonja liegt nicht im Krankenhaus, noch ist irgendeine andere Meldung eingegangen, die auf ihre Tochter schließen lassen könnte.

00:14:15: Das ist auf der einen Seite ja vielleicht beruhigend, wenn man weiß, Sonja liegt nirgends verletzt im Krankenhaus, aber die Mutter Ingrid und ihr Mann Harry, die machen sich natürlich trotzdem Sorgen und fragen sich, wo ist Sonja?

00:14:26: Und deshalb entscheiden sie, noch am gleichen Abend gegen zwanzig Uhr zur Polizei zu gehen und eine Vermisstenanzeige aufzugeben.

00:14:33: Sie haben auch ein Foto von Sonja dabei.

00:14:35: Von Seiten der Polizei geschieht aber erst mal nichts.

00:14:37: Die Beamtinnen sagen denen, dass eine Vermisstenanzeige nicht aufgenommen werden kann, weil Sonja ja volljährig ist und daher selbst über ihren Aufenthaltsort bestimmen kann.

00:14:46: Ingrid und Harry bestehen aber darauf, diese Anzeige zu stellen, weil sie wissen, Sonja ist nur mit fünf D-Mark damals aus dem Haus gegangen, alles andere ist in ihrem Zimmer und damit kommt man nicht weit.

00:14:57: Und sie können sich auch einfach nicht vorstellen, dass Sonja freiwillig so lange weg bleibt, ohne sich zu melden.

00:15:02: Die Beamtinnen sagen aber wohl den Eltern, als sie das Foto sehen von Sonja, dass ihre Tochter sicher mit ihrem Aussehen auch ohne Geld ganz gut vergnügen könne.

00:15:12: Und dann merken Ingrid und Harry, die Polizei scheint ihre Sorge hier nicht so richtig ernst zu nehmen.

00:15:17: Das muss echt auch unfassbar frustrierend gewesen sein für Sonjas Eltern.

00:15:20: Sie wissen nicht, wo ihre Tochter ist.

00:15:22: Und die Polizistinnen bringen dann auch erst mal noch so ein blöden Spruch.

00:15:26: Also, wenn das so war, furchtbar.

00:15:28: Beweis gibt's hier aber natürlich nicht, weil in den Protokollen der Polizei, da taucht dieser Kommentar nicht auf.

00:15:35: Stand am ersten Abend des Verschwindens ist jedenfalls.

00:15:38: nach Sonja wird nicht gesucht.

00:15:40: Am nächsten Tag ändert sich das aber.

00:15:43: Sonjas Eltern gehen wieder auf die Polizeistation und beharren darauf, dass sie jetzt eine Vermisstenanzeige aufgeben wollen.

00:15:49: Und die Polizeieinspektion schaltet daraufhin tatsächlich das zuständige Kommissariat ein.

00:15:54: Am zwölften April nineteenhundertfünfundneunzig läuft also der Vermisstenfall Sonja Engelbrecht offiziell an.

00:16:00: Ingrid und Harry haben also einen ersten wichtigen Schritt geschafft, aber die Polizei glaubt eigentlich immer noch nicht daran, dass Sonja unfreiwillig verschwunden ist.

00:16:09: Die geht davon aus, dass sich da eine einfache Erklärung finden wird.

00:16:12: Sie haben die These Sonja ist mit Thomas und seiner Familie verreist.

00:16:17: Der ist nämlich tatsächlich über Ostern mit seiner Familie nach Jugoslawien gefahren.

00:16:21: Die Polizei wartet also die Rückkehr ab.

00:16:24: Heute würde man anders mit der Situation umgehen, hat uns Werner Krauss erzählt.

00:16:28: Krauss ist Pressesprecher der Polizei München.

00:16:30: Das Einfachste ist natürlich, wenn man so einen Fall hat, dass man das natürlich überprüft und dass man da Kontakt aufnimmt.

00:16:36: Was natürlich Mitte der neunzige Jahre noch nicht so einfach war wie heute, wo natürlich jeder Mensch nach Möglichkeit im Urlaub ein Handy, ein Smartphone und sonstiges dabei hat und eigentlich auch im Ausland immer erreichbar ist, ist natürlich damals Mitte der neunzige Jahre noch nicht so verbreitet gewesen, wie es heute ist.

00:16:53: Die Theorie, Sonja ist mit Thomas in den Urlaub gefahren, läuft also knapp eine Woche weiter, ohne dass sie von irgendwem überprüft werden kann.

00:17:01: In München wird natürlich auch Ostern gefeiert, die Polizeistelle ist dementsprechend sperrlich besetzt, wirklich aktiv, wird also nicht nach Sonja gefahren.

00:17:10: Und da muss ich auf jeden Fall auch in unseren Fall aus der ersten Folge denken an Sophia Lösch, die Trämperin.

00:17:15: Nach ihr wurde er auch nicht sofort gefahren.

00:17:17: Und da hätte man durch schnellere Ermittlungen aber tatsächlich ihren Tod vielleicht verhindern können.

00:17:22: Ähnlich wie bei Sophia Löschche wird auch in diesem Fall das Umfeld der Vermissten vor der Polizei aktiv.

00:17:28: Ingrid und Harry klingeln immer wieder bei Sonjas Freundinnen und Bekannten durch, wollen wissen, ob irgendjemand was davon gehört hat, dass Sonja geplant hatte zu verreisen.

00:17:37: Aber niemand weiß was.

00:17:39: Dann fahren sie mit ihren Rädern durch ganz München, machen Fotos von den Lokalen, in denen Sonja sonst immer war.

00:17:45: Darunter sind auch Fotos von der Bar Vollmond.

00:17:47: Sie machen auch Aufnahmen vor den Wohnungen von Sonjas Freundinnen.

00:17:51: Sie hoffen darauf, auf den Fotos irgendwelche Hinweise auf Sonja zu finden.

00:17:55: Und dann, nach Ostern, eine Woche nach Sonjas verschwinden, zerbricht diese erste Theorie der Polizei.

00:18:00: Denn Thomas kehrt mit seiner Familie zurück nach München, aber ohne Sonja.

00:18:05: Und damit ist natürlich wertvolle Zeit verstrichen.

00:18:07: Aber die aktive Ermittlungsarbeit startet damit endlich.

00:18:11: Und es geht damit los natürlich, dass man hier das ganze Umfeld abklopft, dass man einfach versucht diesen Abend, an dem sie verschwunden ist, so gut es geht zu rekonstruieren.

00:18:23: Wo war sie?

00:18:24: Mit wem war sie zusammen?

00:18:26: Was ist der Ablauf des Abends gewesen?

00:18:28: Was ist alles passiert?

00:18:30: Ein ganzes Team aus vermissten Fahnder-Innen und Mordermittler-Innen befragen Thomas natürlich, aber auch noch knapp achtzig Leute zusätzlich, Verwandte, Freundinnen, Mitschüler-Innen und Lehrkräfte von Sonja.

00:18:42: Thomas erzählt folgende Geschichte.

00:18:45: Er ruft Sonja am Montagabend gegen halb acht an und verabredet sich mit ihr für Viertel nach Neun am Münchner Hauptbahnhof.

00:18:51: Danach fahren sie mit der Bahn die ca.

00:18:53: fünf Minuten zum Josefsplatz und gehen zu Fuß zur Bar Vollmond.

00:18:57: Hier treffen sie also so gegen zwanzig vor zehn ein.

00:19:00: Zirka eine halbe Stunde später kommen dann auch die beiden Freunde von denen zur Bar, der vierzehnjährige Markus und der fünfzehnjährige Stefan.

00:19:08: Weil die Bar schon gegen ein Uhr schließt, brechen sie dann um so zero vierzig zur Wohnung von Stefan auf, um hier noch weiter was zu trinken.

00:19:15: Wann sie genau in dessen Wohnung in der Schellingstraße eintreffen, kann Thomas Rückblick nicht mehr genau sagen.

00:19:21: Nur, dass er und Sonja so um kurz nach zwei wieder aufbrechen und auf den Weg zum Stiegelmeier Platz machen, der so zwanzig Minuten dauert.

00:19:28: Und Thomas gibt an, dass Sonja auf dem Weg pinkeln muss und dafür in ein Gebüsch geht.

00:19:33: und danach soll sie zu Thomas gesagt haben, dass sie sich beobachtet fühlt.

00:19:36: Er hat aber wohl nicht weiter nachgefragt.

00:19:38: Falls Sonja das tatsächlich gesagt hat, muss es ja auch nicht unbedingt mit ihrem Verschwinden zu tun haben.

00:19:43: Das kennt ja jeder Mann.

00:19:44: Muss mal, geht irgendwo im Dunkeln in die Büsche und hat dann so ein komisches Gefühl, beobachtet zu werden.

00:19:49: Oder ich kenne das auf jeden Fall.

00:19:51: Klar, trotzdem heucht man natürlich rückblickend auch, weil wir heute wissen, Sonja wird in dieser Nacht verschwinden.

00:19:56: Da könnte das passen.

00:19:57: Wurde sie vielleicht tatsächlich beobachtet?

00:19:59: Es gibt auf jeden Fall keine Beweise für Thomas Geschichte.

00:20:02: Auch nicht dafür, dass Sonja zu ihm gesagt haben soll, dass sie nicht mit ihm in die Tram einsteigen möchte.

00:20:07: Thomas sagt der Polizei, dass er am Stiegelmeierplatz alleine in die Tram eingestiegen sei.

00:20:12: Das soll um zwei Uhr achtundzwanzig gewesen sein.

00:20:14: Als er eingestiegen ist, will er gesehen haben, wie Sonja in der Telefonzelle stand.

00:20:19: Davor soll sie ihm gesagt haben, dass sie ihre Schwester Sylvia anrufen möchte, damit diese sie mit dem Auto abholt.

00:20:24: Das ist also angeblich der Moment, wo sie zuletzt gesehen wurde.

00:20:27: Sonja, wie sie um halb drei Uhr morgens am Stiegelmeierplatz alleine in der Telefonzelle steht.

00:20:33: Thomas wird von der Polizei mehrfach befragt, aber der Ablauf dieses Abends bleibt in seinen Erzählungen immer derselbe.

00:20:39: Was trinken im Vollmond, Stefans Wohnung, der letzte Blick zu Sonja aus der Tram, wie sie in der Telefonzelle steht.

00:20:45: Thomas' Geschichte zu überprüfen war eigentlich gar nicht so schwer, angefangen bei der Bar Vollmond.

00:20:50: Die Kähnerin, die an dem Abend gearbeitet hat, die wird auch tatsächlich befragt, allerdings wohl erst im März, nineteen Sechsenneunzig, also knapp ein Jahr nach Sonjas verschwinden.

00:21:00: Normalerweise

00:21:00: ... ist mein Stand, dass eigentlich Fixer relativ schnell alles Mögliche drumherum ermittelt worden ist.

00:21:07: Und ich denke, dass vielleicht diese Information, dass bei diesem einen Lokal sie gewesen ist, dass die scheinbar dann erst recht spät bei den Ermittlungsbehörden angekommen ist.

00:21:15: Als sonst wäre mit Sicherheit auch schon früher dort ein Kontakt oder eine Ermittlung passiert.

00:21:19: Sonjas Mutter aber bezweifelt das.

00:21:21: Wir haben ja mit ihr gesprochen für diese Folge und sie meint, dass Sonja sich in der Nacht in dieser Bar aufgehalten haben soll.

00:21:27: Das war eigentlich früh bekannt.

00:21:28: Sie findet, man hätte die Kellnerin viel früher dazu befragen müssen.

00:21:31: Dadurch, dass es erst ein Jahr später passiert ist und die Kellnerin sich nicht mehr so wirklich an den Abend erinnern konnte, kann also nicht mit absoluter Sicherheit davon ausgegangen werden, dass Sonja an diesem Abend überhaupt in der Bar war.

00:21:42: Nur die Aussagen von Thomas, Markus und Stefan lassen darauf schließen.

00:21:46: Weil die aber die letzten Personen waren, die Sonja gesehen haben soll, muss die Polizei deren Aussagen natürlich mit einem entsprechenden kritischen Blick aufnehmen.

00:21:55: In den Befragungen von den drei Freunden muss die Polizei daher auch von Anfang an davon ausgehen, dass sie zu der Gruppe derer gehören könnten, denen Sonja entweder von ihrem geplanten Verschwinden erzählt hat oder dass sie zu den verdächtigen Zählen, die mit Sonjas Verschwinden zu tun haben.

00:22:10: Die möglichen Personen aus dem Umfeld sind damals auch alle angegangen worden von der Polizei, angegangen dem sind das man geschaut hat.

00:22:20: Wo war der zu an dem Abend?

00:22:22: Wo hat er sich aufgehalten?

00:22:23: Und hier wurden überall Alibis festgestellt bzw.

00:22:29: hat es sich ergeben von den Ermittlungen her, dass hier kein Tatverdacht hängen geblieben ist.

00:22:34: Über die genauen Alibis von Thomas, Stefan und Markus ist in den Medien nichts bekannt und auch der Pressesprecher der Polizei München, Werner Krauss, der kann uns aus ermittlungstechnischen Gründen keine Auskünfte geben.

00:22:45: Aber wir wissen, dass keiner von ihnen je von der Polizei als Verdächtiger gehandelt worden ist.

00:22:50: Für Sonjas Mutter ist das kurz nach Sonjas Verschwinden unverständlich, vor allem als sie erfährt, was eine Freundin von Sonja bei der Polizei ausgesagt hat.

00:22:58: Die Freundin, wir nennen sie Claudia, gibt auf der Polizeistelle nämlich an, dass sie in der Nacht von Sonjas Verschwinden einen seltsamen Anruf bekommen

00:23:06: hat.

00:23:07: Und von diesem Anruf erzählt sie auch Sonjas Mutter.

00:23:12: Um zwei Uhr morgens in der Nacht in der Sonja verschwindet, klingelt bei Claudia zu Hause das Telefon.

00:23:18: Ihre Eltern sind nicht da, aber eine Freundin ist bei ihr.

00:23:22: Davon, dass nur die beiden in dieser Nacht in dem Haus sind, wissen wohl einige im Freundeskreis.

00:23:27: Weil es mitten in der Nacht ist, kommt Claudia der Zeitpunkt des Anrufs schon komisch vor.

00:23:31: Dieser Eindruck verstärkt sich, als sich auf Claudias Begrüßung die andere Person in der Leitung nicht vorstellt, sondern mit verstellter Stimme absurde Dinge von sich gibt und ihr droht.

00:23:42: Was genau die Person in der Leitung sagt, das kann man heute nicht mehr rekonstruieren.

00:23:46: Aber man weiß, dass Claudia sowohl der Polizei als auch Sonjas Mutter gegenüber die Vermutung äußert, dass der Anrufer Thomas war.

00:23:54: Thomas streitet das aber wohl ab.

00:23:56: Parallel laufen aber noch andere Vernehmungen.

00:23:59: Die Soko Sonja läuft ab Mitte April, also kurz nach Sonjas Verschwinden auf Hochtouren.

00:24:05: Die Beamtinnen sammeln alle möglichen Informationen über Sonja, über ihre Vorlieben, ihre Abneigung, Menschen, die ja nahestehen und auch über Menschen, die ja böse gesinnt sein könnten.

00:24:14: Sonjas Bekannte werden auch auf Vorstrafen überprüft, vor allem auf Verbindungen zur Rauschgiftszene.

00:24:20: Gefunden wird dazu allerdings nichts.

00:24:22: Obwohl die Ermittler in ziemlich schnell über vierhundert Seiten Vernehmungsprotokolle sammeln, wichtige Hinweise darauf, wo sich Sonja aufhalten könnte, finden sie nicht.

00:24:30: Interessant ist für die Ermittlenden aber, dass einige von Sonjas Bekannten angeben, dass sie wohl ab und zu per Anhalter gefahren sein soll.

00:24:38: Bleibt natürlich trotzdem die Frage, warum sollte Sonja per Anhalter gefahren sein, wenn sie genauso gut mit der Tram hätte nach Hause fahren können, in die auch Thomas eingestiegen ist.

00:24:46: Und warum hat sie angeblich behauptet, ihre Schwester anzurufen, damit die sie abholt, wenn bei der Schwester aber nie ein Anruf eingegangen ist?

00:24:54: Für Sonjas Familie steht fest, dass irgendwas an Thomas Geschichte nicht stimmen kann.

00:24:59: Für die Polizei rückt auf der anderen Seite aber die Familie immer mehr in den Fokus.

00:25:03: Glaubt man Thomas Geschichte der Tatnacht, könnte man davon ausgehen, dass Sonja zu Hause angekommen ist.

00:25:09: Dann behauptet die Familie am kommenden Abend, dass sie verschwunden sei.

00:25:13: Drei Wochen nach Sonjas Verschwinden übernimmt also die Mordkommission den Fall.

00:25:17: Und die Theorie der Polizei ist jetzt tatsächlich, Sonja ist in der Wohnung ihrer Eltern zu Tode gekommen.

00:25:23: Und jetzt versucht die Familie so zu tun, als wäre sie davon gelaufen und von einem auf den anderen Tag einfach verschwunden.

00:25:30: Die Polizei bekommt einen Durchsuchungsbeschluss für das Haus von Sonjas Eltern.

00:25:34: Durchsucht werden die Wohnungen der Keller und der Dachboden.

00:25:38: Vermutlich sind die Beamten auf der Suche nach einem Leichnamen.

00:25:41: Aber sie finden nichts.

00:25:42: Kein Hinweis darauf, dass Sonjas Eltern irgendwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter oder ihrem potenziellen Tod zu tun haben könnten.

00:25:48: Läuft also auch ins Leere.

00:25:50: Aus Sicht der Polizei sind also weder Thomas noch Sonjas Eltern verdächtig, mit Sonjas Verschwinden zu tun zu haben.

00:25:56: Alle bisherigen Theorien wurden entkräftet.

00:25:58: Für den Fall, dass Sonja noch lebt, hängt ab Frühjahr fünfundneunzig an jeder deutschen Grenze ein Foto von ihr.

00:26:04: Interpol wird eingeschaltet, also die internationale kriminalpolizeiliche Organisation.

00:26:09: Das Foto von Sonja liegt ab diesem Zeitpunkt auch in allen Streifenwagen der Münchner Polizei.

00:26:14: Zwischen April und Mai mehren sich dann langsam auch die Medienberichte über den vermisten Fall Sonja Engelbrecht.

00:26:21: So titelt beispielsweise die Münchner Boulevard-Zeitung TZ am fünfundzwanzigsten Mai, Schülerin, neunzehn, vermisst.

00:26:31: Sonja ist ein Meter siebzig groß und wiegt etwa fünfzig Kilogramm.

00:26:36: Sie hat ein schlankes schmales Gesicht und lange blonder Haare.

00:26:39: Ihre Augen sind blau-grau.

00:26:42: Sonja trägt eine Silberkette mit Amulett und eine Nasenring.

00:26:45: Sie ist bekleidet mit einer schwarzen Lederhose, einer schwarzen Lederjacke, schwarzen Pullover und hohen schwarzen Schnürstiefeln.

00:26:53: Alle denkbaren Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort sollen gemeldet werden.

00:26:57: Es gibt sogar eine Belohnung von fünftausend D-Mark für wichtige Informationen zu Sonja.

00:27:01: Aber die entscheidenden Hinweise, die bleiben weiterhin aus, so geht es ein Jahr lang.

00:27:13: Dann kommt der Mai-Ninzeinhundertsechsundneunzig.

00:27:16: Sonjas Verschwinden ist jetzt über ein Jahr her.

00:27:19: Ingrid Engelbrecht gibt an, dass die Polizei ihr und ihrem Ehemann Harry gegenüber folgende Aussage macht.

00:27:25: Thomas hätte gestanden, den Anruf bei Claudia getätigt zu haben, und zwar von der Wohnung seines Freundes Stefan aus.

00:27:32: Für die Polizei steht das aber in keiner direkten Verbindung mit Sonjas verschwinden.

00:27:36: Sie schließen Thomas weiterhin als Täter aus.

00:27:38: Für Sonjas Eltern ist das unverständlich.

00:27:40: Für sie ist klar, dass Thomas irgendwas mit Sonjas Verschwinden zu tun haben muss.

00:27:44: Warum sonst sollte er nachts bei Claudia anrufen und ihr drohen?

00:27:48: Warum sonst gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Sonja mit Thomas zum Stiegelmeierplatz gelaufen ist, nicht mit in die Tram gestiegen ist, sondern einen Anruf getätigt hat, für den es keinerlei Beweis gibt.

00:27:58: Trotzdem, nachdem Thomas mehrfach von der Soko Sonja befragt worden ist, gibt es nach Ansicht der Beamtinnen keinerlei Hinweise darauf, dass Thomas, Stefan oder Markus irgendwas mit Sonjas Verschwinden

00:28:09: zu tun haben.

00:28:10: Für Ingrid und Harry ist das natürlich unfassbar frustrierend.

00:28:14: Sie verstehen so vieles von der Geschichte nicht, die die Person erzählt, die ja immerhin ihre Tochter zuletzt gesehen haben soll.

00:28:20: Sie nehmen deshalb auch immer wieder Kontakt zu Thomas auf.

00:28:23: Der soll sich aber davon belästigt gefühlt haben.

00:28:26: Deswegen untersagt es die Polizei, Ingrid und Harry ihn weiterhin zu kontaktieren.

00:28:31: Für die beiden ist das abstrus.

00:28:33: Wenn jemanden Interesse daran haben sollte, ihn bei der Suche nach Sonja zu helfen, dann doch Thomas.

00:28:40: Die offenen Fragen bleiben auf jeden Fall.

00:28:43: Und obwohl die Polizei immer weiter ermittelt und hier und da auch Hinweisen nachgeht, wichtige Erkenntnisse dazu, ob Sonja noch lebt und was zu ihrem Verschwinden geführt haben kann, die gibt es einfach nicht.

00:28:53: In diesen Jahren taucht der Fall Sonja Engelbrecht auch immer wieder in den Medien auf, aber ohne Erfolg.

00:29:00: Sonjas Eltern glauben aber weiterhin daran, dass ihre Tochter noch lebt.

00:29:04: Sie bitten die Polizei auch immer wieder darum, jedem neuen Hinweis nachzugehen.

00:29:16: Sonjas Fall wird bei Aktenzeichen XY ungelöst behandelt, in der Spezialfolge zu Vermissten fehlen.

00:29:22: Da werden noch mal alle wichtigen Fakten und Orte genannt, die für Sonjas Verschwinden relevant sein könnten, und dann wird um neue Hinweise gebeten.

00:29:30: Diese Sendung beim ZDF, die erreicht immerhin bis zu fünf Millionen Zuschauerinnen pro Folge.

00:29:35: Ingrid und Harry Engelbrecht hoffen dadurch jetzt also endlich neue Erkenntnisse zu bekommen, hoffen, dass irgendjemand sich meldet, der was gesehen oder gehört hat, dass ihnen weiterhelfen könnte.

00:29:45: Und das passiert tatsächlich auch, zwar nicht bei der Polizei, dafür aber bei den Engelbrechts persönlich.

00:29:52: Ein Mann meldet sich bei ihnen und behauptet zu wissen, wo Sonja sich auffällt.

00:29:56: Für die Information fordert er aber acht tausend Euro.

00:29:59: Die Ingrid und Harry ihm dann auch zahlen.

00:30:02: Die Informationen bekommen sie aber nie.

00:30:04: Dann meldet sich noch jemand.

00:30:06: Auch diese Person möchte für die Information Geld.

00:30:09: Sonjas Eltern zahlen wieder insgesamt sechzehntausend Euro.

00:30:13: Zwei Mal werden die Menschen, die zu diesem Zeitpunkt seit siebzehn Jahren nach ihrer Tochter suchen, um Geld betrogen.

00:30:22: Das hält Ingrid und Harry, aber alles nicht auf.

00:30:26: Ein Jahr später, im Jahr zwei Tausend dreizehn, suchen sie wieder die Öffentlichkeit.

00:30:29: Da wird Ingrid Engelbrecht zu der ARD-Talkshow Menschen bei Maischberger eingeladen.

00:30:34: Sie erzählt von Sonja, erzählt von ihrem Verschwinden und davon, dass sie fest daran glaubt, ihre Tochter Sonja, die jetzt sieben, dreißig Jahre alt wäre, die lebt noch.

00:30:42: Dieser Auffassung ist die Polizei schon lange nicht mehr.

00:30:45: Die Szenarien, zu denen die Beamten in den Jahren nach Sonjas verschwinden ermitteln, schließen eigentlich immer mit ein, dass Sonja tot sein muss.

00:30:53: Es gibt Theorien über einen Serienmörder, dem Sonja zum Opfer gefallen sein könnte oder dass sie ein Opfer von Menschenhandel geworden ist.

00:31:01: Durch die Medien geht auch, dass Sonjas Verschwinden parallel zu anderen vermissten Fällen in München aufweist.

00:31:07: Und auch ein Suizid wird nicht gänzlich ausgeschlossen.

00:31:10: Sonjas Familie glaubt aber nicht an Suizid von Sonja.

00:31:13: Dazu gibt es nach Auffassung von Ingrid auch keinen Hinweis.

00:31:16: Sie glaubt, wenn sich ihre Tochter das Leben genommen hätte, hätte man doch den Körper irgendwo finden müssen.

00:31:22: Ingrid und Harry glauben stattdessen eher an die Menschenhandelstheorie.

00:31:25: Sie gehen davon aus, Thomas hat Sonja verkauft und solange ihr lebloser Körper nicht gefunden wird, kann sie ja irgendwann wieder auftauchen, sich vielleicht befreien von denen, die sie gefangen halten.

00:31:36: Solange Sonja nicht gefunden wird, ist sie für die Familie lebendig.

00:31:41: Es ist sehr schwer abzuwägen, was schrecklicher ist, jahrelang zu hoffen und nicht zu wissen oder eben schon genau zu wissen, dass jemand tot ist.

00:31:55: Ulrike Schmidt beschreibt hier diese schwierige Frage.

00:31:58: Ist es besser, jahrelang zu hoffen, dass die vermisste Tochter wieder auftaucht?

00:32:02: Oder ist es besser, die Gewissheit zu haben, dass die vermisste Person nicht mehr lebt?

00:32:06: Ulrike Schmidt ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und hat vor Jahren die Traumaambulanz an der Universität Göttingen gegründet.

00:32:14: Sie kennt das aus ihrer Arbeitspraxis, dass hinterbliebene so ein Gefühl einer Lehrstelle haben, für die sie nach Antworten suchen.

00:32:21: Dann gibt es ja auch diese Situation.

00:32:24: von Menschen, die wiedergefunden werden.

00:32:26: Die liest man ja auch.

00:32:27: Und solche Berichte, ja, die nähern natürlich die Hoffnung.

00:32:33: Und so war das auch bei Sonjas Mutter lange Zeit.

00:32:35: Als sie bei Menschen bei Maischberger zu Gast war, erzählt sie zum Beispiel, dass sie das Buch von Natascha Kampusch gelesen hat.

00:32:43: Die Österreicherin, die als zehnjähriges Kind verschwunden ist und die dann acht Jahre später wieder auftaucht.

00:32:49: Sie war entführt worden und war gefangen gehalten worden und hat dann nach ihrer Flucht ihre Autobiografie geschrieben.

00:32:56: Ingrid Engelbrecht erzählt, dass sie das Buch, nachdem sie es gelesen hat, in die Hinterste Ecke ihres Bücherregals verbannt hat.

00:33:03: Als besonders schlimm ist ihr in Erinnerung geblieben, wie Natascha Kampusch in dem Buch die unglaubige Reaktion der Menschen beschreibt, als sie sich befreit hatte und ihnen gesagt hat, hey, ich bin die Natascha Kampusch, die als Kind verschwunden ist.

00:33:15: Das muss ein besonders wundem Punkt bei Sonjas Mutter getroffen haben.

00:33:19: Sie hält es zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall noch für möglich, dass sie ihre Tochter irgendwann wieder in den Arm halten

00:33:24: kann.

00:33:24: Im genauen Wort laut sagt sie, eine Mutter hofft immer, dass das Kind zurückkommt.

00:33:29: Und für mich ist sie nicht tot.

00:33:31: Also jemand, den man liebt, gibt man nicht auf.

00:33:34: Denn das ist der größte Trost, sich zu überlegen, mein Gott, der oder die lebt noch.

00:33:41: Irgendwann sehen wir uns wieder.

00:33:42: Man tröstet sich durch diese Hoffnung.

00:33:45: Und man weiß ja auch nicht, ob sie berechtigt ist.

00:33:49: Und diese Hoffnung, die kann so stark sein, dass sie leider auch dazu führen kann, dass man den falschen Leuten vertraut.

00:33:55: Und das erzählt Sonjas Mutter auch ganz offen und ehrlich.

00:33:58: Zwei Mal haben ja die Eltern Geld an Betrüger gezahlt.

00:34:01: Und sie haben auch einen Privatdetektiv eingeschaltet.

00:34:04: Alles ohne Erfolg.

00:34:05: Das gibt es bei so vermissen Fällen tatsächlich immer wieder.

00:34:08: Leute, die versuchen, aus der Verzweiflung und Hoffnung irgendwie Kapital zu schlagen.

00:34:12: Es gab ja auch den Fall, der mit fünfzehn Jahren verschwundenen Rebecca Reusch, die seit zwei tausend neunzehn vermisst wird.

00:34:18: Da muss einen selbst ernannten Seher, also so ein Wahrsager, die Polizei so sehr genervt haben, dass sie sich per Mail an ihn gewendet haben.

00:34:26: Und in der Mail schreiben sie, Zitat, jetzt noch einmal, die Berliner Polizei geht keinen Hinweisen von Sehern, Geisterkontaktlern, Kartenlegern, Pendelschwingern, Kaffeesatzlesern, Warträumern, Wünschelroutengängern, Remoteviewern, Astralwarnnehmern, Computerfrequenzauslesern und so weiter nach.

00:34:57: Das war jetzt also, als Sonjas Mutter bei Maischberger im Fernsehen war.

00:35:01: Da war sie siebzig Jahre alt und es wird auch erst mal ihr letzter öffentlicher Auftritt gewesen sein.

00:35:06: Eigentlich wollte sie schon ein Jahr vorher ihre öffentlichen Auftritte beenden nach der Aktenzeichen XY-Ungelöst-Sendung, die ja so viele Leute erreicht hat und trotzdem keine neuen Hinweise mit sich gebracht hat.

00:35:17: Die Mutter von Sonja erzählt, dass sie Sonja vermisst, aber im Alltag nur wenig Raum für ihre Trauer ist und dass sie ihre Kraft aus der Familie schöpft.

00:35:25: Sie habe mittlerweile vier Enkelkind dafür, die sie funktionieren müssen.

00:35:29: Wir haben ja mit ihr gesprochen für diese Folge, also neun Jahre nach ihrem letzten TV-Interview.

00:35:34: Und sie hat uns am Telefon gesagt, dass sie bis heute keine professionelle Hilfe in Anspruch genommen hat.

00:35:39: Und sie hat uns auch gesagt, dass besonders ihre andere Tochter Sylvia bis heute leidet unter dem Verschwinden von Sonja und auch Ingrid's älteste Enkeltochter, die damals drei Jahre alt war, als Sonja ihre Tante verschwunden ist, die hat auch immer noch mit diesem Einschnitt in das Familienleben zu kämpfen.

00:35:55: Das wollten wir besser verstehen und haben mit Ulrike Schmidt über Familientraumata gesprochen.

00:36:00: Es ist nämlich so, dass Traumata über Generationen weitergegeben werden können.

00:36:05: Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie erklärt das so.

00:36:08: Was wir nicht vererben, sind Erinnerungen oder Bilder.

00:36:11: Das muss man ganz klar sagen.

00:36:13: Wenn unser Europa jetzt in Krieg war und nie mit uns darüber gesprochen hat und wir das nicht wissen, dann können wir seine Bilder nicht.

00:36:21: kennen

00:36:22: und können

00:36:22: die nicht durchleben.

00:36:24: Was man aber vererben kann, sind bestimmte Stoffwechselveränderungen.

00:36:29: Wir hatten vorhin festgestellt, dass der Körper während eines Traumers sich ändert, dass der Herzschlag rast, dass der Geist sich fokussiert, dass die Muskeln sich anspannen.

00:36:40: Und wenn man das häufiger erlebt, dann kann es dazu führen, das hat man am Tiermodell gesehen, an Mäusen und Ratten zum Beispiel, dass diese Veränderungen oder die Bereitschaft, dass der Herzschlag bei Stress schnell steigt oder dass die Muskeln sich schnell anspannen, dass auf biologischer Ebene bestimmte Anpassungsmechanismen sich

00:37:03: vererben.

00:37:04: Diese Art der Vererbung passiert aber natürlich nur dann, wenn die Geburt nach dem traumatischen Vorfall stattfindet.

00:37:10: Also im Fall von der ältesten Nichte von Sonja ist das nicht die Erklärung, warum sie bis heute unter diesem Vorfall leidet.

00:37:16: Sie war zum Zeitpunkt von Sonjas Verschwinden schon auf der Welt und hat das Leid der eigenen Mutter also sozusagen nicht biologisch vererbt bekommen.

00:37:24: Dann gibt es noch eine zweite Form der Vererbung, die im biologischen Sinne keine Vererbung ist, sondern ein Lernen am Modell.

00:37:31: Wenn wir jetzt sehen, wenn wir bei dem Fall bleiben, den Sie beschrieben haben, die Nichte und die Schwester hören immer wieder von den Eltern.

00:37:40: Mein Gott, wo ist jetzt eigentlich die verschwundene Schwester?

00:37:44: Wir haben überall Fotos von ihr.

00:37:46: Wir haben Erinnerungen von ihr und wir wissen nicht, wo sie ist.

00:37:49: Und dann erlebt man gerade Kinder, dann die Trauer der Betroffenen, Erwachsenen, die Angst.

00:37:56: Die Verzweiflung und das Ganze ja nicht nur in einem oder zwei Tagen, sondern das Ganze über Monate, vielleicht über Jahre, die Schlafstörung.

00:38:05: Und dann lernt man das Modell.

00:38:07: Dann übernimmt man das Verhalten, man übernimmt.

00:38:10: Das muss nicht unbedingt sein.

00:38:11: Es geht aber dem meisten so ein Teil des Trauerverhaltens.

00:38:15: Und das kann dann eben auch in Angststörungen, Münden und so weiter.

00:38:25: Man kann sich vorstellen, dass dieses Vermissen vor allem zu bestimmten Anlässen immer wieder hochkommt, wie zum Beispiel an Sonjas Geburtstag am vierten April, was ja auch noch der Zeitraum ist, zu dem sie verschwunden ist.

00:38:36: Oder an anderen bedeutenden Festen, an denen die Familie zusammenkommt.

00:38:39: Seit siebenzehn Jahren fehlt Sonja in der Familie.

00:38:43: Im Wohnzimmer steht seit ihrem verschwindenen großes Foto von ihr.

00:38:46: Und seit sechs Jahren fehlt auch noch eine weitere Person in der Familie.

00:38:50: Harry Engelbrecht, Sonjas Vater.

00:38:52: Er ist z.T.

00:38:53: gestorben.

00:38:54: Die letzten einundzwanzig Jahre seines Lebens hat er sich gefragt, was mit seiner Tochter passiert ist und ob sie noch lebt.

00:39:01: Sonjas Vater hat schon kurz nach dem Verschwinden von Sonja betont, wie sehr ihn das belastet, nicht zu wissen, wie es um seine Tochter steht.

00:39:08: Er hat in einem Zeitungsinterview gesagt, wenn man wüsste, dass das Ende da ist, wäre wenigstens die Ungewissheit weg.

00:39:15: Wenn man jetzt weiß, jemand ist tot, dann wirkt das im ersten Moment, ist das natürlich traumatisch, erschütternd, lebensverändernd.

00:39:24: unaussprechlich.

00:39:26: Aber

00:39:27: es wird einem ermöglicht, nach einer gewissen Zeit damit abzuschließen.

00:39:30: Man kann dann immer noch traurig sein.

00:39:32: Man vermisst immer noch jemanden.

00:39:34: Das Leben hat sich immer noch verändert.

00:39:37: Aber das Gehirn weiß, derjenige kommt nicht wieder.

00:39:41: Seit Ende letzten Jahres glaubt auch Ingrid nicht mehr daran, dass Sonja wiederkehren wird, seit es den ersten Ermittlungserfolg gibt, nach sechsundzwanzig Jahren.

00:39:50: Werner Kraus, Pressesprecher der Münchner Polizei, hat uns erzählt, wie Sonjas Mutter davon erfahren hat.

00:39:56: Was wir natürlich getan haben, als jetzt eben dieser Oberschenkelknochen aufgetaucht worden ist und quasi der Sonne Engelbrecht zugeordnet werden konnte, bevor wir hier an die Medien, an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben wir natürlich erst die Mutter kontaktiert.

00:40:09: Wir hatten hier in unserem Podcast ja auch schon Fälle, wo solche wichtigen Entscheidungen und Erkenntnisse nicht persönlich an die Betroffenen weitergeleitet wurden, sondern nur an die Medien.

00:40:18: Das ist hier wohl zum Glück anders gelaufen.

00:40:20: In der Gefühlswelt von Ingrid Engelbrecht muss das einen ziemlichen Umschwung ausgelöst haben.

00:40:25: Das war ja der erste konkrete Beweis, dass Sonja nicht mehr lebt.

00:40:29: Sie hat uns erzählt, in den Jahren seit ihrem Auftritt bei Maischberger hat sie nach und nach den Gedanken zugelassen, dass Sonja vielleicht nicht mehr lebt.

00:40:37: Die Hoffnung hatte sie trotzdem nie vollkommen verlassen.

00:40:40: Wenn das so eine lange Zeit ist, dann wäre

00:40:44: es

00:40:45: in der Retrospective, also im Rückblick für die Betroffenen deutlich einfacher gewesen, wenn sie gewusst hätten, diejenige ist verstorben.

00:40:54: Dann hätten sie damit schon, ich sage, nicht abschließen können, weil der Mensch ja in der Bedeutung für einen erhalten bleibt.

00:41:02: Aber hätten sie die Trauer schon ... zum Teil bewältigt und diese Trauer fängt er jetzt erst

00:41:09: an.

00:41:09: Für Ingrid Engelbrecht ist es immer noch sehr schwer, diese neue Erkenntnis so richtig zu verinnerlichen und zu trauern.

00:41:19: Ihr fällt es manchmal schwer, diesen einzelnen gefundenen Knochen gedanklich wirklich ihrer Tochter Sonja zuzuordnen.

00:41:25: Sie wundert sich über die Fundumstände.

00:41:27: Und was natürlich auch noch fehlt, das ist die ganze Geschichte dazwischen nach Sonjas verschwinden vor dem Fund des Knochens.

00:41:32: Was ist damit ihr passiert?

00:41:34: Warum ist sie heute tot?

00:41:35: Wer ist sie für verantwortlich?

00:41:37: Und warum findet man nur diesen einen Knochen?

00:41:40: All diese Fragen lassen Ingrid nicht los.

00:41:42: so wenig wie die Polizei.

00:41:44: Der Knochen, der gefunden wurde, der lag quasi auf dem Boden einfach so da, also hört sich jetzt komisch an.

00:41:52: Er war nicht so ein Stück in der Erde oder war verträgt oder so, sondern war eben relativ sauber und lag quasi auf dem Laub drauf.

00:42:00: Theoretisch kann es auch sein, dass ihn hier jemand abgelegt hat.

00:42:04: Theoretisch kann sein, dass ein Tier das war, das irgendwo von woanders mitgeschleift hat und abgelegt hat.

00:42:10: Theoretisch hat aber vielleicht auch jemand den mal irgendwo gefunden, mitgenommen und dann irgendwo dann doch wieder gedacht, oh Gott, was habe ich da eigentlich und hat ihn dann wieder woanders zurückgelegt beispielsweise.

00:42:23: Nachdem dieser Knochen knapp ein Jahr nach dem Fund Sonja zugeordnet werden konnte, wurden nochmal aufwendige Suchmaßnahmen in diesem Waldgebiet bei Kipfenberg angesetzt, hundert Kilometer nördlich von München.

00:42:35: Dabei waren Ende November, an drei Tagen bis zu hundertvierzig Polizeibeamtinnen im Einsatz, zusammen mit Leichensuchhunden.

00:42:43: Aber es wurden da keine weiteren tatrelevanten Gegenstände gefunden, was ziemlich ungewöhnlich ist.

00:42:49: Das hat uns auch Marc Beneke verraten, der ist Kriminalbiologe und beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit wissenschaftlicher Forensik, also der Untersuchung von kriminalistischen Handlungen.

00:42:59: Es gibt immer wieder Täterinnen und Täter, die die Leichen zerstückeln.

00:43:03: und dann beispielsweise in ein Gewässer werfen und dann halt dabei sehr ungeschickt vorgehen und das zum Beispiel an so ein flaches Ufer werfen.

00:43:10: und wenn dann das Wasser so ein bisschen sinkt, dann haben sich eigentlich alle Leichenteile in einem relativ kleinen Umkreis da verfangen, irgendwie im Gebüsch oder im Schlamm.

00:43:19: Es gibt aber auch Fälle, wo die Leichenteile mit Absicht sehr stark verstreut werden, zum Beispiel durch Täterinnen oder Täter, die mit einer Leiche im Kofferraum oder leichen Teilen im Kofferraum rumfahren und das dann so verstreuen.

00:43:31: Es ist aber so, dass die meisten Täter und Täterinnen schon sehr viel Angst haben oder sehr viel Druck verspüren, sagen wir mal.

00:43:38: Und eigentlich eher nicht so ist darauf anlegen, rumzufahren und rumzuwandern, weil sie halt auch immer Angst haben dabei erwischt zu werden.

00:43:47: Deswegen ist es so, dass wenn du in der Umgebung von Leichenteilen oder Knochen oder sowas suchst, findest du erfahrungsgemäß sehr häufig dann auch weitere Teile der toten Person.

00:43:59: Vielleicht hätte die Polizei ja was gefunden, wenn die DNA-Analyse schneller ein Ergebnis geliefert hätte.

00:44:05: Immerhin ist über ein Jahr vergangen, bis man wusste, dass es sich um Sonja Engelbrecht's Oberschenkelknochen handelt.

00:44:11: Auch dazu hat uns Marc Behnike ein paar Einblicke in den Verlauf von solchen Ermittlungen gegeben.

00:44:15: Er geht nämlich nicht davon aus, dass sich die Zuständigen im Labor irgendwie nicht genügend bemüht hätten oder so.

00:44:21: Ganz im Gegenteil wahrscheinlich waren sie eh schon überlastet.

00:44:24: Und so kann das sein, dass ich das endlos anstaut, weil zum Beispiel ein alter Fall ist für die Presse vielleicht sehr interessant.

00:44:31: Aber

00:44:31: wenn du persönlich jetzt gerade ein Sexualdelikt erlebt hast, ist für dich persönlich der alte Fall wahrscheinlich sehr uninteressant.

00:44:37: Und du sagst dir, ich möchte aber bitte das jetzt sofort in meinem Fall, wo ich ja noch lebe, was passieren soll.

00:44:43: Und so ist das halt immer eine Entscheidung, die dazu führt, dass manche Sachen einfach länger dauern.

00:44:47: Das liegt aber nicht an der DNA-Analyse, sondern das liegt am Personalmangel.

00:44:51: Das heißt, der einzige Ermittlungserfolg, von dem wir wissen, ist, dass dieser gefundene Oberschenkelknochen Sonja Engelbrecht zugeordnet werden konnte.

00:44:59: Genau.

00:45:00: Natürlich hofft man, dass einem so ein Knochenfund noch mehr verraten kann, als nur die Identität der Person.

00:45:06: Dazu haben wir den Kriminalbiologen Marc Benike noch mal befragt.

00:45:09: Es ist schwierig anhand eines Knochens, der länger im Freien lag, rauszukriegen.

00:45:15: Was genau da ... passiert ist, wenn du noch eine Wunde hast, die du eben noch erkennen kannst als Wunde, da kannst du schauen, zum Beispiel, ob Entzündungsvorgänge stattgefunden haben.

00:45:25: Das heißt, dann hat die Person noch gelebt, weil du kannst nur eine Entzündung kriegen an eine Wunde, wenn du noch lebst.

00:45:30: Während, wenn ein Schnitt an einer Leiche gemacht wird, kann sich dann nichts mehr entzünden, weil du halt tot bist und dadurch dein Körper nicht mehr auf den Schnitt antworten kann.

00:45:38: Das ist übrigens gar nicht so unüblich, dass immer mal wieder Menschenknochen gefunden werden.

00:45:43: Allein Mark Benecke bekommt wohl fast täglich Fotos von Leuten, die in ihrem Hinterhof oder irgendwo im Wald beim Pilz sammeln oder so einen komischen Knochen finden.

00:45:51: Bei den Einsendungen sind aber auch oft Tierknochen dabei.

00:45:54: Und selbst wenn Menschenknochen als solcher identifiziert wird, heißt das noch nicht, dass automatisch Ermittlungen aufgenommen werden, um herauszufinden, zu wem er gehört.

00:46:03: Wenn die sehr alt sind, dann besteht weder von einer Versicherung, noch von den Angehörigen, noch aus kriegs- historischer Sicht Großinteresse daran, jetzt genau diesen Knochen zu untersuchen, weil wir haben keinen weiteren Zusammenhang.

00:46:15: Also klassischerweise zieht man die Grenze so bei siebzig Jahren.

00:46:18: Und wenn man sagt, der Knochen ist mehr als siebzig Jahre

00:46:21: alt,

00:46:22: ganz grob geschätzt, dann interessiert das jetzt rechtlich und sozial und kulturell und wirtschaftlich niemand mehr.

00:46:32: Der Fund von Sonjas Oberschenkel Knochen, der hat aber interessiert.

00:46:35: Immerhin ist die Münchner Polizei schon nach Indizien.

00:46:40: Und Sonjas Familie ist natürlich auf der Suche nach Antworten.

00:46:44: Was damals in dieser Nacht vom Zehnten auf den Elften April,

00:46:49: dass er die traurige Gewissheit bringt, dass Sonja leider nicht mehr lebt.

00:46:53: Aus diesem Grund würde Ingrid Engelbrecht diesen Knochen gerne bestatten lassen.

00:46:58: um ihrer Tochter eine Ruhestätte zu geben und einen Abschluss zu finden.

00:47:02: Aber der Knochen gilt noch als Beweistück und kann der Familie deswegen nicht überlassen werden.

00:47:07: Vor ein paar Jahren hat die Polizei Ingrid vorgeschlagen, sich mit einer anderen Frau auszutauschen, die ihren Sohn verloren hat, um ihre Trauer zu verarbeiten und zu teilen.

00:47:17: Aber Ingrid hat diese Austausch eher frustriert.

00:47:19: Sie kann sich nicht mit der Trauer von anderen identifizieren, weil andere mit so einer ähnlichen Erfahrung die haben ja meistens ein paar Antworten mehr.

00:47:28: Die wissen zumindest, was passiert ist.

00:47:30: Sie weiß das nicht.

00:47:31: Ein Traubegleiter hat ja vor kurzem vorgeschlagen, in der Zeremonie Sonjas Milchzähne zu vergraben.

00:47:37: Was Ingrid aber auch nicht stimmig erscheint, weil Sonjas Körper ist immer noch da draußen irgendwo und daran ändert sich auch nichts, wenn sie ein Teil von ihrer Kindheit verkräbt.

00:47:46: Damit die offenen Fragen vielleicht irgendwann doch noch geklärt werden können, versucht es die Münchner Polizei aktuell tatsächlich nochmal mit einem finanziellen Anreiz für Zeuginnen.

00:47:57: Es ist ja damals schon eine Belohnung ausgesprochen worden, als die Ermittlungen damals das erste Mal liefen.

00:48:03: Damals waren es fünftausend D-Mark.

00:48:05: Jetzt heute gehen wir nochmal mit Zehntausend Euro einfach an die Öffentlichkeit, weil wir einfach denken, das ist eine Summe, wo vielleicht jemand, der vielleicht doch etwas zu dem Fall weiß, ist vielleicht für sich irgendwo als Anreiz nimmt zu sagen, okay, ich weiß was ich sagen kann und jetzt gehe ich doch dann zur Polizei und sage, was ich dazu weiß.

00:48:27: Ob diese Maßnahme erfolgreich sein wird, das hängt natürlich davon ab, ob es diese eine Person überhaupt gibt.

00:48:33: Es muss ja jemanden geben, der was weiß und der für den irgendwo der Ausfluss ist zu sagen, okay, jetzt gehe ich mit meinem Wissen raus.

00:48:41: Ob es diesen jemanden gibt, der was weiß, wissen wir leider auch

00:48:44: nicht.

00:48:53: Sonjas Mutter Ingrid zweifelt daran, dass auf diesem Weg die Hinweise auftauchen, auf die sie seit siebenundzwanzig Jahren wartet.

00:49:00: Sie hat uns am Telefon erzählt, dass sie im Hinblick auf den Fortschritt der Ermittlungen dasselbe Gefühl hat wie vor siebenundzwanzig Jahren.

00:49:08: Manchmal kommt es ihr so vor, als wäre die Zeit stehen geblieben, als würde Sonja jeden Moment nach Hause kommen.

00:49:14: Abzuschließen, das geht für sie nicht.

00:49:17: Sie hat ja dieselben Fragen wie damals.

00:49:19: Was ist mit Sonja passiert?

00:49:21: Wer ist dafür verantwortlich, dass sie die letzten siebenundzwanzig Jahre nicht mit Sonja verbringen durfte?

00:49:26: Dafür, dass sie heute nicht mehr lebt.

00:49:29: Was ihr fehlt, ist ein Prozess gegen den Täter oder die Täterin.

00:49:33: Und Aufklärung darüber, Was genau vor siebenundzwanzig Jahren passiert ist.

00:49:51: Jetzt springen wir zurück ins heute, zum aktuellen Stand der Ermittlungen.

00:49:55: Denn Sonjas Fall ist noch immer nicht aufgeklärt.

00:49:58: Im April zwei tausendfünfundzwanzig hat sich Sonjas Verschwinden zum dreißigsten Mal gejährt.

00:50:04: Drei Jahrzehnte sind es inzwischen ohne Antworten.

00:50:07: Und jetzt nutzt die Münchner Polizei den Jahrestag, um neue Aufmerksamkeit auf diesen Fall zu lenken.

00:50:13: Schon im März, hier hat die Münchner Mordkommission Achtzig Männer aus Kipfenberg zum Freiwilligen den A-Test gebeten.

00:50:22: Der Grund?

00:50:23: An Sonjas sterblichen Überresten wurden Spuren gefunden, die nicht von ihr stammen.

00:50:27: Die Ermittlerinnen wenden sich an Menschen, die in den Wäldern rund um Eichstedt unterwegs waren.

00:50:35: Die Hoffnung?

00:50:36: Ein Treffer?

00:50:37: Ein Name?

00:50:38: Eine Erklärung?

00:50:39: Doch auch dieser Abgleich bleibt erfolglos.

00:50:42: Jetzt, seit Frühjahr, zweitausendfünfundzwanzig, setzt die Polizei auf Sichtbarkeit, mit einer Plakataktion in der Region.

00:50:49: Neben Sonjas Foto zeigt das Plakat den Fundort und eine auffällige Decke, schwarz-blau mit einem Pflanzenmuster.

00:50:56: Darauf die Abbildung eines sich umarmenden Paares.

00:51:00: Gefunden wurde sie in einer Felspalte, etwa zweihundert Meter vom ersten Knochenfund entfernt, zusammen mit weiteren Skelettteilen.

00:51:08: Armin Ritterswürden, Chef von der Münchner Mordkommission, sagt dazu gegenüber Ingolstadt TV am zehnten April, zwei Tausendfünfundzwanzig.

00:51:16: Also die Decke ist sicher kein Unikat, es ist eher Massenware, aber sie hat ein sehr außergewöhnliches eingängiges Motiv und wir hoffen uns, dass eben diese Decke in Erinnerung geblieben ist, also das Motiv der Decke in Erinnerung geblieben ist und deshalb erwarten wir uns viel von dieser Decke.

00:51:36: Neben der Decke findet die Polizei auch Mösecke und Planen bei Sonjas sterblichen Überresten.

00:51:41: Spuren, die darauf hindeuten könnten, dass der Täter, nineteenundneinzig, beruflich oder privat gebaut oder renoviert hat.

00:51:48: Der Ablageort der Leiche liegt tief im Wald, fernab von Wanderwegen.

00:51:52: Die Ermittlerinnen glauben deshalb nicht an einen Zufall.

00:51:55: Gesucht werden Menschen, die in den neunziger Jahren regelmäßig in der Region Eichstätt unterwegs waren, auch wenn sie heute ganz woanders leben.

00:52:03: Seit dem Fund der weiteren Skelett-Teile, das Jahr, hat die Polizei über achthundert Spuren verfolgt, fünfhundert zwölf Hinweise geprüft und Dutzende DNA-Proben genommen.

00:52:14: Von den achtzig Männern mit möglichem Ortsbezug, die zum DNA-Test eingeladen wurden, sind einige nicht erschienen.

00:52:21: Sie sollen nun erneut angeschrieben werden.

00:52:24: Noch immer ist eine Belohnung von zehntausend Euro ausgesetzt, für Hinweise, die zur Aufklärung führen.

00:52:30: Die Mordkommission appelliert.

00:52:31: Auch wenn dreißig Jahre vergangen sind, es ist nie zu spät, sich zu melden.

00:52:35: Jeder Hinweis kann entscheidend sein, wie der Chef der Mordkommission gegenüber BR-Vierundzwanzig am zehnten April, zwei Tausendfünfundzwanzig, noch einmal betont.

00:52:44: Mir ist es wichtig zu sagen, dass hier bitte keine Scheu vor der Polizei herrschen soll, dass auch nicht unbedingt einen Ortsbezug nach Kipfenberg hergestellt.

00:52:53: werden muss.

00:52:55: Wenn das anders ist, rund um Kürfenberg in Bayern oder auch sonst in Deutschland, bitte scheuen Sie sich nicht, sich bei uns zu melden.

00:53:02: Wer etwas weiß, zur Decke, zum Fundort oder zu Sonjas verschwinden, kann sich beim Kommissariat elf in München oder jeder anderen Polizeidienststelle melden.

00:53:13: Unter der Telefonnummer.

00:53:20: Falls ihr Feedback habt oder Anmerkung oder vielleicht selbst eine Geschichte habt, die ihr mit uns teilen möchtet, könnt ihr uns jederzeit eine Mail schreiben an zwölfleben.podimo.gmail.com.

00:53:31: Die Mail findet ihr auch in der Folgendeschreibung.

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