#61 Gertraud: Im Goldenen Handschuh
Shownotes
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Hamburg, Dezember 1970: Gertraud Bräuer lebt auf St. Pauli – ohne festen Wohnsitz, alkoholkrank, ohne Sicherheit. Nach einem Abend in der Kneipe “Zum Goldenen Handschuh” begegnet sie einem Mann, den viele auf dem Kiez nur “Fiete” nennen. Wenig später ist sie tot.
Diese Folge erzählt von Gertraud – einem der vier Opfer des Serienmörders Fritz Honka. Und von einem Leben, das geprägt war von Gewalt, Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Während der Täter vielfach porträtiert wurde – in Zeitungen, Filmen, Podcasts – blieb Gertrauds Geschichte lange im Schatten. Dabei erzählt sie viel über das Frauenbild der 60er und 70er Jahre in Deutschland, in dem Armut stigmatisiert und manche weibliche Lebensrealitäten entwertet wurden.
Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener ordnet den Fall gesellschaftlich und medial ein und erklärt, warum es so schwer ist, die Stimmen der Opfer hörbar zu machen. Und warum es um mehr geht als nur um einen einzelnen Mordfall: um Sprache, Macht und Erinnerung.
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Links zu den verwendeten Nachrichtentönen:
story.ndr.de/fritz-honka/index.html
ndr.de/fernsehen/Honka-wegen-Mordes-und-Totschlags-verurteilt,nordschau110.html
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Triggerwarnung:
Diese Folge behandelt explizite Schilderungen von sexualisierter und körperlicher Gewalt. Bei Gewalterfahrungen findet ihr anonym und kostenfrei Unterstützung unter folgenden Nummern:
Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”: 08000 116 016 (rund um die Uhr)
Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (rund um die Uhr)
Opfer-Telefon vom Weißen Ring: 116 006 (7-22 Uhr)
Mehr Infos bekommt Ihr auf der Homepage der Online Datenbank für Betroffene von Straftaten: www.odabs.org
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Habt ihr Feedback oder wollt, dass wir einen Fall erzählen, der mehr Aufmerksamkeit verdient? Dann könnt ihr uns eine E-Mail schreiben: 12leben.podimo@gmail.com
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"12 Leben – Verbrechen an Frauen" ist ein Podcast von Podimo.
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Transkript anzeigen
00:00:04: Und es wird ja auch im Fall von Gertrond Breuer gesagt.
00:00:08: Sie hat versucht, dreimal in ihrem Leben auszubrechen aus dieser Situation und wird noch viel tiefer reingezungen.
00:00:18: Das ist denke ich ein ganz gutes Beispiel dafür wie Gesellschaft denkt über diese Frau.
00:00:24: Sie müssen sich selbst versuchen herauszuziehen, herauszukommen aus der Situation.
00:00:35: Diese Folge enthält Schilderungen von sexualisierter und körperlicher Gewalt.
00:00:39: Wenn ihr selbst von Gewalt betroffen seid oder jemanden kennt, findet die Unterstützung beim Hilfetelefon.
00:00:45: Gewalt gegen Frauen unter ...
00:00:51: Zweiter November, oneinzehntundandseinundsiebzig Hamburg-Altona Ein trüber Dienstag Der Kaufmann Klaus Engel betritt das Gelände einer alten KFZ Werkstatt Die an eine stillgelegte Schokoladenfabrik grenzt.
00:01:04: der Hof ist voller Gerümpel Rostige Dosen, verrottete Kartons altes Holz.
00:01:10: Engel räumt auf.
00:01:11: er will das Grundstück übernehmen.
00:01:12: Er wirft brennbares in ein Feuer dass er zuvor gemacht hat dazwischen ein leeres Weinfass.
00:01:18: Als er die Kartons die vor dem Fass liegen zur Seite hebt sieht er etwas das nicht dort hingehört
00:01:26: Ein menschlicher Schädel und eine menschliche Hand eingewickelt im Plastik In Zeitungspapier.
00:01:33: Es ist vierzehn Uhr als Engl die Polizei
00:01:35: ruft.
00:01:37: Als die Polizei kommt, findet sie zusätzlich einen abgetrennten Kopf.
00:01:42: Einen Arm ein Bein verpackt versteckt halb im Erdreich.
00:01:47: Die Teile sind stark verweste.
00:01:48: die Polizei beginnt zu ermitteln und Sie findet heraus.
00:01:52: der rechte kleine Finger der Toten ist in der Kartei der Polizei gespeichert.
00:01:56: er gehört Gerdraud Breuer einer Frau die einerseits wegen Diebstahls erkennungsdienstlich erfasst ist Und andererseits hat die Kripo im ganzen Bundesgebiet nach ihr gefahndet, weil sie Zeugin in einem Tötungsdelikt war.
00:02:10: Und so steht neun paar Tage nach dem Fund die Identität der Toten fest – Gertraud Breuer, geboren in großen Hain bei Dresden.
00:02:20: Als sie getötet wurde, war sie Anfang vierzig.
00:02:23: Als der Kaufmann Klaus Engel sie gefunden hat muss sie schon rund dreihundertzwanzig Tage tot gewesen sein.
00:02:29: Dreihundert zwanzig Tagen, in denen niemand nach ihr gesucht hat in denen niemand sie vermisst hat.
00:02:36: Und jetzt liegt sie da, in einem Hinterhof zwischen Bauschutt und Laub.
00:02:42: Diese Folge dreht sich um Gertraut.
00:02:44: Ihr Leben ist eines von zwölf, um die es in dieser Staffel geht.
00:02:54: Zwölf
00:02:54: leben, verbrechen an Frauen.
00:03:14: Hi ich bin Helen.
00:03:15: Hi Ich bin Massimo.
00:03:17: Willkommen zu einer neuen Folge Zwölfleben und zu einer neun Staffel der inzwischen sechsten Staffel.
00:03:22: so viele Leben, so viele Geschichten haben wir schon erzählt Und wir freuen uns, dass ihr uns schon so lange begleitet oder vielleicht ja auch gerade erst angefangen habt.
00:03:31: Auch in dieser Staffel geht es wieder um Frauen, deren Leben durch Gewalt verändert oder beendet wurden.
00:03:37: Wenn ihr selbst eine Geschichte habt die ihr teilen wollt oder wenn ihr Feedback habt oder Kritik oder Lob oder einfach nur eure Gedanken beim Hören mit uns teilen wollt – Wir freuen uns immer, wenn ihr uns schreibt!
00:03:48: Heute geht das um einen Fall von dem schon viele einmal gehört haben.
00:03:52: Alle kennen den Namen des Mörders Aber fast niemand kennt die Namen seiner Opfer.
00:03:57: Ihr Leben wird selten erzählt und wenn doch, dann oft nur im Schatten des
00:04:01: Täters.".
00:04:02: Seine Geschichte wurde tausendfach erzählt – sie wurde inszeniert und diskutiert mal brutal, mal bemidleitenswert.
00:04:09: Es ist die Geschichte über einen Mann der getötet hat und dabei selbst zum Opfer stilisiert wurde.
00:04:14: Gertraut kennt viele nur als eines seine Opfer!
00:04:18: In dieser Folge geht es aber um ihr Leben und darum was das heißt, wenn ein Mensch verschwindet… Erst aus der Welt, dann aus der Erinnerung.
00:04:27: Die Geschichte von Gertraud zu erzählen ist nicht leicht.
00:04:30: Es gibt kaum Quellen und die, die es gibt sagen oft mehr über den Täter aus als über sie.
00:04:35: Aber unser Anspruch ist es die Geschichten der Betroffenen zu erzähln Nicht die des Täters in immer neuen Varianten.
00:04:42: Und trotzdem stehen wir vor einem Dilemma Was wenn fast alles was überliefert ist sich um ihn dreht Wenn ihre Geschichte als die Person, der das Leben genommen hat nur in Fußnoten vorkommt oder am Rand von Polizei berichten.
00:04:56: Dann bleibt uns nur genau hinzusehen zwischen den Zeilen zu lesen und die Bruchstücke zusammenzusetzen, die von ihr geblieben
00:05:03: sind.".
00:05:04: Darüber haben wir auch mit Susanne Regener gesprochen.
00:05:07: sie ist Kulturwissenschaftlerin und Medienhistorikerin und war viele Jahre Professorin an der Universität Siegen
00:05:14: beschäftige mich seit ungefähr vier Jahrzehnten mit Verbrechensgeschichten, mit den Menschenbildern die in totalen Institutionen konstruiert werden.
00:05:27: Also das heißt bei der Polizei im Gefängnis, in der Psychiatrie und mit so genannten Außenseitern der
00:05:34: Gesellschaft.".
00:05:47: Gertraut Elisabeth Breuer wird am dreißigsten Oktober, in Großenhain, Sachsen.
00:05:55: Sie hat einen ein Jahr älteren Bruder.
00:05:57: Die Eltern lassen sich früh scheiden, daß Gertraut gerade erst vier Jahre alt.
00:06:02: Ihre Mutter heiratet erneut – ein Stiefvater kommt hinzu, doch auch diese Ehe endet in einer Scheidung.
00:06:20: Vermutlich hat sie das erlebt, was viele Menschen damals mitgemacht haben.
00:06:23: Sirenengeheul, Fliegeralarm, Todesangst, Hunger, Zuckerrüben und Kohlenklauen hamstern den Tod von Verwandten und Bekannten aufwachsen zwischen Trümmern.
00:06:35: Vielleicht hat auch Gertraut erlebt,was so viele Mädchen und Frauen nach dem Krieg erleben mussten gerade in Sachsen wo sie her kommt.
00:06:42: Als sowjetische Truppen in den letzten Kriegsmonaten Richtung Osten vorrückten kam es vermehrt zu sexualisierter Gewalt Übergriffe, die kaum jemand dokumentierte.
00:06:51: Überdie kaum jemand sprach.
00:06:54: Als der Krieg endet ist Gertraud sechzehn Jahre alt.
00:06:57: Sie verlässt die sowjetische Besatzungszone vermutlich in der Hoffnung auf ein besseres Leben.
00:07:03: Vier Jahre später zieht Gerdraud nach Hamburg.
00:07:05: Ihr Erscheinungsbild – groß, schlank, blond, modebewusst.
00:07:10: Sie lernt den Beruf der Friseurin und nennt sich nur noch Susi.
00:07:13: Sie liebt die Farbe rot und trägt später öfter einen auffälligen rote Hosenanzug mit weißen Schuhen.
00:07:48: In den folgenden Jahren zieht Gertraud durchs Land.
00:07:51: Sie wohnt in München, Hagen, Dortmund – nie lange an einem Ort.
00:07:55: Sie lebt mittellos und ohne feste Unterkunft.
00:07:59: Außer wenigen Kleidungsstücken besitzt sie nichts.
00:08:01: Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit Sexarbeit, oft wohl aus Mangel an Alternativen.
00:08:07: Wir verwenden hier den Begriff Sexarbeit weil er anders als das Wort Prostitution weniger stigmatisierend ist.
00:08:14: Gertraut lebte in prekären Verhältnissen bei Alkoholkranken und ohne festen Wohnsitz.
00:08:20: Ob ihre Entscheidung wirklich freiwillig war, lässt sich schwer sagen.
00:08:24: Aber Sexarbeit beschreibt ihre Realität respektvoller ohne sie auf einem Klischee zu reduzieren.
00:08:30: Denn genau solche Zuschreibungen haben Gertrauts Leben immer wieder begleitet und oft auch
00:08:35: überschattet.".
00:08:36: Wiederholt wird Gertrout von der Polizei aufgegriffen weil sie keinen Ausweis vorzeigen kann – so versucht sie zu verbergen dass sie keinen festen Wohnsitz hat!
00:08:45: In Polizeiprotokollen taucht sie auf als wortlaut Frisöse später als Gelegenheitsprostituierte.
00:08:52: In dieser Zeit wird sie immer wieder verurteilt und muss mindestens zweimal für mehrere Monate ins Gefängnis wegen Diebstahls, Unterschlagungen oder Betrugs.
00:09:02: ein Gericht anzieht ihr das Wahlrecht auf Lebenszeit.
00:09:05: heute ist es kaum vorstellbar.
00:09:07: zu der damaligen zeit reichten aber einen paar kleine Delikte um eine frau politisch zum Schweigen zu bringen.
00:09:14: Mitte der nineteen hundertfünfziger jahre kehrt geertraut nach hamburg zurück.
00:09:18: In einem Lokal im Hamburger Hafengebiet lernen sie eine Frau kennen.
00:09:21: Die beiden freunden sich an, diese Frau bringt Gerdraut bei ihrem Onkel unter auf einem alten Wohnschiff im Hafen.
00:09:28: Wenig später kauft dieser Onkel ein Behälfsheim also eine Notunterkunft ebenfalls im Hafengebit.
00:09:34: dort ziehen beide hin.
00:09:35: Für einen Moment wirkt es so als würde Gerd rauts Leben ruhiger werden.
00:09:39: Sie findet Arbeit in einer Tee-Abpackerei in einem Spüttel und sie lernt Wladislav kennen Ein stiller, freundlicher Mann, der von den Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden war.
00:09:53: Nach dem Krieg bleibt er in Hamburg – aus politischen Gründen kann er nicht zurück nach Polen.
00:10:14: Doch plötzlich verkauft Gertraud das Haus, ganz Uni ihren Verlobten einzuwahlen.
00:10:20: Sie verlässt Hamburg Richtung Rheinland
00:10:22: –
00:10:22: kurz darauf wird sie erneut verhaftet.
00:10:35: Mitte nineteenhundertsechzig also im darauffolgenden Jahr kehrt Gerdraud erneute nach Hamburg zurück.
00:10:41: Sie ist alkoholkrank verdient weiterhin Geld mit Sexarbeit und übernachtet in wechselnden Lokalen auf St.
00:10:47: Pauli oder sie kommt bei Männern unter die ihm wohnheim leben gegen Sex.
00:10:52: Ihr blondes Haar trägt sie jetzt kurz, drei Zentimeter – nicht mehr.
00:10:56: Darüber trägt Gertraut eine schwarze später eine blonde Perücke.
00:11:01: Unter dem linken Auge hat sie inzwischen eine Narbe vermutlich von einem Autounfall.
00:11:06: Mit trauriger Selbstironie unterschreibt sie einmal eine Postkarte an Bekannte mit Euer Drunkenbold Susi.
00:11:21: Immer wieder ist sie in Haft, immer wieder wird sie entlassen.
00:11:25: Sie hat keinen festen
00:11:26: Wohnsitz.".
00:11:27: Im Sommer neunzehntundhundertsechzig trifft Gertraut eine alte Bekannte wieder – Crystal, kennt sie seit fünfzehn Jahren.
00:11:35: Später wird Crystal bei der Polizei über den Zustand von Gerdraut sagen, Zitat «Sie war abgerissen, zerzaust, hatte ein blaues Auge und keine Bleibe».
00:11:45: So viel ich weiß, hatte sie nie eine feste Bleibe.
00:11:48: Gerdreut ginge anschaffen.
00:11:49: Manchmal arbeitete sie aber auch etwas Ordentliches, wie Christlis nett.
00:12:03: Aber dann lernt Gertraud den Sieben Jahre jüngeren Burkhard kennen und zieht zu ihm.
00:12:09: Ihr Neues Zuhause ist die Parzelle onehundertneunundneinzig im Kleingartenverein Groot-Osterfeld am Rand von Hamburg zwischen Gerten, Lauben, improvisierten Häusern.
00:12:19: Damals herrscht Wohnungsnot.
00:12:21: Viele Menschen leben hier, weil sie keine andere Bleibe finden.
00:12:24: Aber für Gertraut ist es mehr als nur ein Dach über dem Kopf.
00:12:28: Es scheint, als könnte Gerdrauts Leben eine Wendung nehmen.
00:12:31: Sie hat einen festen Partner – die beiden verloben sich sogar!
00:12:34: Sie hat auch einen Wohnsitz und wahrscheinlich hat sie Hoffnung.
00:12:38: Hoffnung darauf, dass nun alles anders werden wird… Dass es endlich gut werden
00:12:42: wird.".
00:12:43: Aber das dauert nicht lange an ….
00:12:50: Ende des Jahres wird sie entlassen und sie kehrt zur Burkhart in die Parzelle zurück.
00:12:55: Doch dann, Anfang des nächsten Jahres, neunzehntsiebzig eskaliert ein Streit.
00:13:01: Burkhard und sein Nachbar Winfried S geraten aneinander.
00:13:04: Wieso genau sich die beiden streiten ist nicht bekannt?
00:13:07: Was wir wissen – Winfried Es greift Burkhat an!
00:13:11: Er nimmt die Lehne eines Sessels und schlägt damit auf Burkhards Kopf immer wieder….
00:13:24: Am nächsten Morgen liegt Burkhardt tot im Garten seines Nachbarn Winfried
00:13:28: S. Gertraud hat das alles gesehen und sie sagt bei der Polizei aus, doch Gerdraud wirkt eingeschüchtert unnervös.
00:13:37: die Beamten haben Mühe sie zu befragen.
00:13:40: immer wieder weicht sie aus zögert widerspricht sich.
00:13:43: es wirkt als habe jemand versucht sie zum Schweigen zu bringen.
00:13:46: vielleicht Winfried s?
00:13:48: einer der Ermittler ist überzeugt.
00:13:50: gertraut sagt nicht alles.
00:13:52: Kurz darauf verschwindet Gerd Raut.
00:13:54: Als die Kriminalpolizei sie als Zeugin laden will, erscheint sie nicht zu dem angegebenen Termin – sie ist untergetaucht und niemand weiß wo sie ist.
00:14:03: Im Juni-Nosnatz-Siebzig wird Winfried S wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht gestellt jedoch freigesprochen.
00:14:11: Vermutlich hat er seine Schläge als Notwehr dargestellt… Die einzige Zeugen unauffindbar!
00:14:16: Die Akten sind heute, fünffünfzig Jahre später
00:14:19: vernichtet.".
00:14:20: Was bleibt, sind wage Hinweise auf Gertrauts Verbleib.
00:14:24: Spuren in Kneipen und Wohnheimen – Männer bei denen sie für eine Nacht unterkommt oder ein paar Tage.
00:14:30: Sie bietet Sex an… Für den Haushalt verschwindet irgendwann wortlos.
00:14:34: Manchmal nimmt sie Geld mit … Oder ein Kleidungsstück.
00:14:46: Vielleicht vor der Vergangenheit.
00:14:50: Und vielleicht vor sich
00:14:51: selbst.".
00:15:00: Nach dem Fund der Leichenteile von Gerd Raut im November, hierher geredet Winfried S. erneut ins Visier der Kriminalpolizei.
00:15:08: Der Verdacht, er könnte Gerd-Raut getötet haben um sich – Zitat – ihre als Zeugen zu entledigen.
00:15:15: Und tatsächlich spricht vieles dafür!
00:15:18: Winfried Es arbeitet als Vörtner in einem Männerwohnheim.
00:15:21: Am Tag, als der Leichenfund in der Zeitung steht, meldet er sich krank und kommt anschließend nie wieder zur Arbeit.
00:15:28: Die Polizei observiert ihn – schon vormittags um kurz nach zehn sitzt er am Kiosk und trinkt Alkohol.
00:15:34: In der U-Bahn schreit er herum, beschimpft Frauen droht Jugendlichen Schläge an.
00:15:38: Die Kriminalpolizei verhört Winfried Es.
00:15:42: Er bestreitet etwas mit dem Mord an Gertraut zu tun zu haben.
00:15:45: Er erzählt, er habe sie durch Burkhard kennengelernt Und sie habe in der Nacht nach dessen Tod bei ihm geschlafen.
00:15:51: Was genau damals passiert ist, bleibt unklar.
00:15:54: Winfried S. behauptet weiter, Gertraut habe freiwillig mit ihm geschaffen.
00:15:59: Danach habe er sie nur noch ein oder zweimal gesehen, sagt
00:16:02: er.".
00:16:03: Wie glaubwürdig ist das was Winfried Es erzählt?
00:16:06: Gerdraut sieht wie er ihren Verlobten erschlägt und schläft danach mit ihm.
00:16:10: Freiwillig oder aus Angst hat Winfried es sich womöglich vergewaltigt... War es das, was der Kriminalbeamte meinte?
00:16:17: Als er später sagte, er sei überzeugt.
00:16:19: Gertraut habe nicht alles gesagt!
00:16:29: Die Polizei fragt nicht weiter.
00:16:31: Stattdessen durchsuchen sie Winfried S. Parzelle.
00:16:34: Im Ofen finden Sie Knochenteile.
00:16:37: Daneben eine blutige Arxt.
00:16:39: Die Mordkommission vernimmt die Schwester von Burkhardt.
00:16:42: Sie erzählt ihr Vater, der auch im Kleingartenverein lebt, habe Gerdraut noch einmal gesehen nach dem Tod ihres Bruders.
00:16:48: Sie sei zu ihm geflüchtet vor Winfried-S.
00:16:51: Der habe dann mit einem Rasenmäher ein Fenster in der Unterkunft ihres Vaters eingeschlagen.
00:16:56: Und Gertraut habe gesagt, er will uns wohl auch noch totmachen!
00:16:59: Dann verschwindet sie – sagt noch sie wolle zur Polizei.
00:17:03: Danach sieht sie niemand mehr im
00:17:05: Kleingarten.".
00:17:06: Die Mord-Kommission ermittelt weiter, rekonstruiert Wege und befragt Zeuginnen.
00:17:11: Doch Gerdraut bleibt verschwunden.
00:17:13: Nur ihre Spur taucht wieder auf.
00:17:15: Auf St.
00:17:16: Pauli.
00:17:16: Mit blau schwarzer Perücke.
00:17:19: In Männerwohnheim.
00:17:21: in fremden Wohnungen.
00:17:23: Eine Zeugen sagt, sie wurde von Stube zu Stube, von Bett zur Bett
00:17:27: gereicht.".
00:17:28: Aber bald schon gibt es keinen Tatverdächtigen mehr – das Verfahren gegen Winfried S wird eingestellt!
00:17:34: Die Knochen in der Parzelle von Winfried-S stammen von Tieren — Das Blut von einem Hund.
00:17:39: Die Polizei setzt eine Belohnung aus für sachdienliche Hinweise im Mordfall Gertraud.
00:17:44: Plakate werden aufgehängt vergeblich.
00:17:47: Keine neuen Erkenntnisse steht im Abschlussbericht.
00:17:50: Der Fall wird im Frühjahr twondenzehntseinundertzehn-siebzig zu den Akten gelegt.
00:18:10: Wir springen zurück, Dezember neunzehntenzebzig knapp ein Jahr bevor ihre Leichenteile gefunden werden.
00:18:17: Die Zweiundvierzigjährige Gertraut lernt in der Kneipe zum goldenen Handschuh eine Frau kennen.
00:18:23: Der goldene Handschuhe ist eine Kneipe auf Sankt Pauli am Hamburger Berg – dicht am Kiez und doch an anderer Kosmos!
00:18:30: Abgewetzte Tische, schummriges Licht, der Geruch von Schweiß, Rauch und Altenbier.
00:18:36: Phantakorn gibt es hier schon am Morgen.
00:18:38: Gespräche sind lallend, laut oder beides.
00:18:42: Viele hier haben kein Zuhause mehr – kein Ziel!
00:18:44: Nur das Glas vor sich.
00:18:46: Ein Ort den die Polizei als Sammelbecken notorischer Trinker und asozialer Elemente beschreibt.
00:18:52: Für manche ist es der letzte Ort an dem sie sich willkommen
00:18:55: fühlen.".
00:18:56: Die Frau spricht Gertraut an — freundlich bestimmt.
00:19:00: Sie sagt, sie kenne jemanden einen Wachmann in einer Nierwohnung Einer, der oft Frauen zu sich einlädt.
00:19:07: Seit einigen Wochen lebt die Frau selbst bei diesem Mann.
00:19:11: Die beiden führen keine klassische Liebesbeziehung, sondern haben eher ein pragmatisches Arrangement.
00:19:17: Er bietet ihr einen Dach über dem Kopf und Alkohol – dafür erwartet er Gesellschaft und Sex.
00:19:23: Ob Gertraut von dieser Vereinbarung wusste?
00:19:25: Lässt sich nicht mit Sicherheit sagen!
00:19:34: Aber sie ist müde.
00:19:35: Was ist kalt?
00:19:36: Vielleicht verspricht sie sich ein Bett für die Nacht, vielleicht auch ein paar Stunden Ruhe – also geht's sie mit!
00:19:42: Der Mann von dem die Rede isst, ist in der Kneipe bekannt.
00:19:45: Die meisten nennen ihn einfach Fiete.
00:19:47: Fiete ist Stammgast.
00:19:49: Er lebt in der Zeißstraße seventy- vier im Stadtteil Ottenson, zweieinhalb Kilometer entfernt von der Kneippe und es ist nicht das erste Mal dass ihm Frauen nach Hause gebracht werden… In der Hoffnung, dass sie mit ihm schlafen.
00:20:02: Kertraut geht mit.
00:20:03: Die drei trinken gemeinsam Alkohol.
00:20:06: Doch als Fiete, die beiden Frauen zum gemeinsamen Sex mit ihm drängen will, lehnt Gertraut ab – sie will nicht!
00:20:12: Fiete wird ungehalten doch er lässt von ihr ab.
00:20:15: Kurz darauf stieft die andere Frau betrunken ein.
00:20:18: Fiete versuchte es erneut bei Gerdraut.
00:20:20: diese sagt wieder nein.
00:20:23: Doch dieses Nein dieser Ablehnung akzeptiert Fiete nicht.
00:20:27: stattdessen reagiert er aggressiv, wird wütend und verliert die Kontrolle.
00:20:33: In seinem Zorn und unter dem Einfluss von Alkohol vergewaltigt er Gertraut.
00:20:37: Gerttaut wehrt sich, verzweifelt.
00:20:40: Vielleicht schreit sie?
00:20:42: Vielleicht schlägt sie um sich?
00:20:43: Fiete wird wütend – und außer sich vor Wut greift er nach einer Gardine!
00:20:47: Und er drosselt
00:20:48: Gerttraut damit.
00:20:50: Gerdraut, die gerade erst ihren Verloben verloren hatte… Die versucht hatte weiterzumachen …und irgendwie Hals zu finden….Gertraud ist
00:20:58: tot.".
00:21:00: Danach zerstückelt Fiete, Gertrauts Körper und wickelt die Teile in Plastik und dann in Zeitung.
00:21:06: Ob die andere Frau nach der Tat auch noch in der Wohnung bleibt ist nicht explizit dokumentiert.
00:21:11: Ein Teil von Gerdrauts Leichenteilen bringt er in einen Hinterhof in Altona, dort wo sie später von dem Kaufmann Klaus Engel gefunden werden.
00:21:19: Den Rest versteckt er in seiner Wohnung – in bestehenden oder selbst geschaffenen Hohlräumen in den Wänden.
00:21:26: Als der Verwesungsgeruch nicht mehr zu überdecken ist, legt er Klo-Steine aus.
00:21:31: Und als die Nachbarn sich über den Geruch beschweren, behauptete er sei die griechische Familie, die in dem Haus lebt und immer mit so vielen Gewürzen kochen
00:21:38: würde.".
00:21:39: Das Gertraut an diesem Abend im Dezember neunzehntnachsiebzig verschwindet fällt niemandem auf.
00:21:45: Niemand vermisst sie.
00:21:59: Am siebzehnten Juli nineteenhundertfünfundsiebsig berichtet Die Tagesschau.
00:22:04: In diesem Wohnhaus im Hamburger Stadtteil Altona wurden heute durch Zufall vier Leichen gefunden.
00:22:09: Feuerwehrleute, die einen Zimmerbrand löschten entdeckten zwei verstimmelte Frauen-Leichen in Plastiksecken.
00:22:14: Sie waren in einer Rumpelkammer und auf dem Dachboden versteckt worden.
00:22:18: Bei den Aufräumungsarbeiten stießt die Mordkommissionen auf eine weitere weibliche Leiche.
00:22:22: Die Vierte – das Geschlecht ist noch unbekannt – lag hinter der Küche.
00:22:25: Die Polizei vermutet wegen der Zerstückelung dieser Leichen sexual verbrechen.
00:22:29: Einige Stunden zuvor, am siebzehnten Juli nineteenhundertfünfundsiebzig wird die Feuerwehr zu einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Ottensen gerufen.
00:22:37: Es ist das Haus, in dem Gertraut getötet wurde.
00:22:40: Den Einsatzkräften fällt sofort der unangenehme Geruch auf.
00:22:44: Gerd Manker damals Feuerwehrmann beschreibt ihn als eine Mischung aus Verwesungen und brennendem Fleisch.
00:22:51: Der Geruch scheint aus der Wohnung direkt unter den Dach
00:22:53: zu kommen.
00:22:54: In einem noch glimmenden Aschehaufen finden die Einsatzkräfte einen geschmolzenen Plastiksack.
00:23:00: Es ist einer der Säcke, in denen sich die Leichenteile von Gertraut
00:23:03: befinden.".
00:23:04: Die Feuerwehr stößt in einem Verschlag auf weitere Leichenteile und ruft die Polizei.
00:23:09: Als sie Kriminalpolizei anrückt, hebeln die Beamten in den Dielen auf, reißen Bretter von den Wänden, tasten sich durch das Dachgeschoss.
00:23:17: Am Ende finden Sie Körperteile – von vier Frauen!
00:23:20: Verweest, momifiziert, versteckt in Nischen... Hinterwänden auf dem Dachboden.
00:23:26: Noch während die Ermittler in der Wohnung sind, kommt ein Mann nach Hause von Beruf Nachtwächter, neun und dreißig Jahre alt.
00:23:33: er steigt die enge Treppe nach oben In seine Wohnung und trifft dort auf die Einsatzkräfte.
00:23:39: viele im Viertel kennen den Mann erst Stammgast im goldenen Handschuh Ein Ort an dem er fast jeden Abend sitzt trinkend und suchend.
00:23:48: Dort trifft er Frauen Die nichts mehr haben Und niemanden und nimmt sie mit nach Hause.
00:23:53: Sein Name Fritz Honka oder wie sie ihn auf St.
00:23:57: Pauli nennen, Fiete.
00:24:14: Gertraud Breuer Anna Beuschel Frieda Robleck Ruth Schult Das sind die Namen der vier Frauen, die der Serienmörder Fritz Honker zwischen Ende und Anfang in seiner Wohnung in Hamburg-Ottensen getötet hat weil sie nicht das wollten was er wollte.
00:24:33: Gerdraud, Anna, Frieder und Ruth Sie hatten vieles gemeinsam.
00:24:37: Sie lebten am Rand der Gesellschaft, verdienten Geld mit Sexarbeit.
00:24:41: Zwei von ihnen Frida und Anna erhielten bereits in der NS-Zeit den diskriminierenden Stempel asozial.
00:24:48: Dafür wurden sie inhaftiert und ins Konzentrationslager
00:24:50: deportiert.".
00:24:52: Frauen wie Gerdraut, Anna, Frida & Ruth hinterlassen keine Tagebücher – keine Memoen!
00:24:59: Sie hatten häufig nicht einmal eine feste Unterkunft und besaßen nur was sie bei sich drogen.
00:25:04: Und genauso wenig Spuren hinterließen sie ihn den Ermittlungen….
00:25:07: Die Polizei interessierte sich kaum für ihre Biografien, nur für ihre Vorstrafen.
00:25:11: Für ihr Gewerbe, für Ihr Trinkverhalten.
00:25:14: In den Akten wurden sie stattdessen als asoziale Elemente beschrieben – ein Begriff aus dem Sprachgebrauch des NS-Regimes.
00:25:22: Scheinbar ungebrochen übernommen und es wurde noch mehr Formulierung benutzt die unterschwellig den Opfern einer Mitschuld an ihrem Tod
00:25:31: gaben.
00:25:32: Die mediale Berichterstattung ist von Verständnis für den Täter gekennzeichnet.
00:25:39: Er habe es ja auch nicht leicht gehabt, so liest man das damals und so wird es auch vor Gericht gesagt.
00:25:44: Immer wieder wird der Blick auf den Teter gelenkt und das löst bei den Leserinnen Faszinationen für ihn aus – gepaart mit Abscheu gegenüber den
00:25:52: Opfern.".
00:26:04: Um besser zu verstehen, warum sich der Blick von Öffentlichkeit und Justiz so sehr auf den Täter richtet.
00:26:09: Und so wenig auf die betroffenen Frauen wie Gerd Raut haben wir mit Susanne Regener gesprochen.
00:26:14: Sie ist Kulturwissenschaftlerin und hat sich lange mit Medien, Gewalt und Erinnerung beschäftigt.
00:26:19: Viele Erzählungen über Verbrechen beginnen mit der Suche nach einem Täter – und enden auch dort!
00:26:25: Täterzentrierungen sind kein Zufall sondern hat eine lange Geschichte.
00:26:29: Auch die Wissenschaft spielt dabei eine Rolle.
00:26:32: Ganz besonders beteiligt ist die Kriminologie in diesem Fall, die schon um nineteenhundert oder sagen wir sogar schon Ende des neunzehn Jahrhunderts.
00:26:41: Daran geht den Verbrecher zu beschreiben und da schon findet gerade in der Kriminologie eine starke Täterzentrierung statt.
00:26:50: Und diese Form wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Verbrechen und kriminellen hat eben auch unser Menschenbild geprägt.
00:27:02: Wenn über Honka berichtet wurde, dann oft mit einem schaurigen Unterton der Mann mit dem schielenden Blick das Monster aus dem goldenen Handschuh so die Überschriften.
00:27:12: Dass wir ihm meistens den Namen des Täters kennen, hat etwas damit zu tun dass das monströse Sohnvordergrund steht also die monströsen Handlungen Die Faszination des Bösen wird ausgespielt um auch die Differenz zu sich selbst herauszustellen, also diese Grenze zu ziehen zwischen diesem Täter und sich selbst.
00:27:36: Ich habe ja die ganzen Presse mit Teilung von dem Honka-Fall vorliegen und es ist in der Tat richtig das eben halt in der Regel über den Täter berichtet wird und auch über sein Verhalten während der Gerichtsverhandlung Kuriositäten, die sich da abspielen und dass nur ganz selten die Frauen, die Opfer hier einbezogen werden.
00:28:02: Das hat etwas tatsächlich damit zu tun, dass es diese Täterzentrierung gibt und das wir uns eher mit diesen Monströsen beschäftigen als mit den
00:28:11: Opfern.".
00:28:12: Was öffentlich erinnert wird hängt davon ab, worüber überhaupt gesprochen wurde – und wie!
00:28:18: Gerade in den Siebzigerjahren dominierten Boulevardblätter wie die Bild mit ihren drastischen Schlagzeilen das öffentliche Bild von Tätern, wie Honka.
00:28:25: Denn alles was wir wissen, wissen wir über die Medien.
00:28:29: Also es ist immer alle schon vorfabriziert, was wir lesen und zu sehen bekommen usw.. Wir können ja nicht das psychologisch in irgendeiner Form erklären, sondern wir haben einen Befund.
00:28:45: Und der Befund lautet hier in der Bildzeitung und in den anderen Zeitungen wird dass Böse von Honka wird deine Person sozusagen von allen Seiten beleuchtet.
00:28:57: Das ist unser Material, was wir haben.
00:29:02: Die Begriffe mit denen die Opfer beschrieben wurden verraten viel.
00:29:06: Trinkerin, Milieu-Frauen.
00:29:09: Das waren keine neutralen Bezeichnungen sondern Urteile, sprachliche Abwertung, Schufdestanz und auch Schuldzuweisung – und damit
00:29:17: Gleichgültigkeit.".
00:29:21: die Opfer eben wenig beachtet werden.
00:29:33: Beziehungsweise, das ist in dem Honka Fall ja sehr extrem, dass von einem sogenannten Milieu gesprochen wird.
00:29:41: Das heißt auch hier eine soziale Abgrenzung kommt, eine Differenzierung und eine Abwertung.
00:29:48: Das heisst dieses Milieu, Anführungsstrichen auf Sankt Pauli in dieser Zeit um neunzehnhundertsebzig wird als etwas sehr Negatives beschrieben, indem sich monströse Szenen abspielen.
00:30:08: Die dann ja auch in diesem Film der Goldene Handschuhe von Fatih Arkin noch mal aufgegriffen wird und dann nochmal wieder übertrieben
00:30:17: wird.".
00:30:18: Die Frauen die Honka tötete lebten am Rand der Gesellschaft ohne festen Wohnsitz, ohne sozialen Rückhalt.
00:30:25: Ihre Lebenswege waren geprägt von Armut, Alkoholismus und der Realität, dass Gelegenheitsjobs oder Sexarbeit oft die einzigen Mittel waren um als Frau in dieser Gesellschaft irgendwie zu überleben.
00:30:37: Ihre Geschichten passten nicht in das Bild von bürgerlicher Ordnung also wurden sie oft gar nicht erst erzählt.
00:30:44: Anna Beuschel lernt Honka hier im goldenen Handschuh kennen.
00:30:49: Wie Gerd Raut ist die alkoholkrank ohne festen Wohnsitz, ohne Sicherheit.
00:30:53: Honka nimmt sie mit in seine Wohnung und tötet sie.
00:30:57: Später sagt er abwertend, Sie habe beim Sex Zitat wie ein Brett dargelegen.
00:31:03: Frieda Robleck genannt Rita ist siebenundfünfzig Jahre alt als Honka sie umbringt.
00:31:08: Sie hatte das Konzentrationslage überlebt und hatte sich schon während des Nationalsozialismus prostituieren müssen um zu überleben.
00:31:15: nach dem Krieg findet sie keinen anderen Weg bleibt im Milieu bleibt arm Im Dezember.
00:31:21: hier begegnet sie dann Honka.
00:31:24: Er beschuldigt sie, ihn bestohlen zu haben und tötet sie.
00:31:28: Ruth Schult ist Zweiundfünfzig – auch sie kommt aus dem Umfeld des goldenen Handschußes.
00:31:33: Sie ist das letzte bekannte Opfer.
00:31:35: Ruth zieht zeitweise bei Honka ein.
00:31:38: Kurz darauf tötete er sie und zerstückelt ihren Leichnam auf besonders brutale Weise.
00:31:44: Trotz aller Schwierigkeiten versuchten die Frauen Zeitlebens ihre Würde zu bewahren.
00:31:49: Sie wechselten häufig den Wohnsitz, um Kontrollen zu entgehen.
00:31:52: Bemühten sich, sich schön anzuziehen – nicht nur, um auf Kunden zu wirken, sondern auch, um sich selbst ein Stück Selbstachtung zu bewahren.
00:32:00: Einige versuchten über eine Heirat in ein bürgerliches Leben zu finden — was ihnen jedoch selten gelang.
00:32:06: Die Frauen standen exemplarisch für die Unsichtbaren und Vergessenen der
00:32:10: Gesellschaft.".
00:32:12: Das ist ganz gutes Beispiel dafür wie Gesellschaft denkt über diese Frauen!
00:32:18: Also sie müssen sich selbst versuchen herauszuziehen, herauszukommen aus dieser Situation und schaffen es nicht.
00:32:27: Und dann werden Sie ihm halt ermordet.
00:32:29: Also Frauen, Mädchen nähert euch nicht dieser Grenze, näherte euch nicht diesen Milieu um sozusagen da nicht hinein zu geraten.
00:32:40: In diesen Quellen können wir sozusagen nochmal schauen worüber wird gesprochen?
00:32:46: Was wird als Nicht normal und auch böse, abartig und so weiter dargestellt.
00:32:55: Was sagt diese Szenarie?
00:32:57: Diese Schilderung – was sagt die eigentlich aus über das Normale?
00:33:01: Denn darum geht es letztendlich, dass wir uns immer versuchen, abzugrenzen.
00:33:05: Also wir gehören nicht zu dieser Szene und schauen sozusagen von außen drauf um ganz klar zu sagen Es gibt soziale Unterschiede.
00:33:15: Mit Quellen meint Regener hier vor allem zeitgenössische Medienberichte, Polizeiprotokolle und Gerichtsakten.
00:33:22: Dokumente also die zeigen wie über die Frauen damals gesprochen wurde.
00:33:27: Diese vermeintliche Trennung zwischen dem normalen und dem abartigen zeigt wie sehr gesellschaftliche Vorstellungen darüber was richtig und was falsch ist das Bild von Gewalt beeinflussen.
00:33:38: Es geht nicht nur um den Täter sondern auch darum wer als schützenswert gilt und wer nicht Wer Geschichten bekommt und wer nur als Randfigur auftaucht.
00:33:47: Frauen wie Gertraut wurden nicht nur übersehen, sondern aktiv abgewertet.
00:33:52: Ihre Lebensrealität passte nicht in das bürgerliche Ideal – also wurden sie ausgeklammert.
00:33:57: Die Doppelmoral ist offensichtlich.
00:33:59: Männer zeigten für Sex, Frauen wurden dafür verurteilt.
00:34:03: Der öffentliche Diskurs fokussierte sich auf den angeblichen moralischen Verfall der Frauen….
00:34:08: …nicht auf die Gewalt, die ihnen gegenüber ausgeübt
00:34:10: wurde.".
00:34:12: Männer sind diejenigen, die Gewalt ausüben.
00:34:14: Die Macht ausübe und die Prostitution wird trotzdem als eine ganz normale Situation in unserer Gesellschaft angesehen.
00:34:26: Und das ist ja das Verrückte an dieser Sache, dass man versucht hier die Frauen zu diskriminieren und sie auszubeuten auf diese Art und Weise Und gleichzeitig aber diese Doppelmoralen unserer Gesellschaft immer noch existiert.
00:34:40: Das macht sich genau in der Sprache, gerade auch vor Gericht ja, macht sich das sehr deutlich dass hier Prostitution eigentlich nicht in dieser Gesellschaft gehören sollte.
00:34:53: Aber die dies verursachen, das sind ja Männer und das sind die Ehel-Männer Ich sag mal, die, die normalen bürgerlichen Verhältnissen leben.
00:35:15: Vier Frauen von Nachtwächter
00:35:17: geköpft
00:35:17: und zerhackt.
00:35:20: Der Massenmörder lebte zwischen Pubmund Pornus Volta Kammar des Altenarm-Mörders
00:35:30: Im Sommer, der Fall Fritz Honka Hamburg erschüttert und die gesamte Bundesrepublik.
00:35:42: Die Medien stürzen sich auf die grausamen Details der Verbrechen, die in einer Nachrichtenarmzeit dem sogenannten Sommerloch besonders viel Aufmerksamkeit erhalten.
00:35:52: Der mediale Umgang mit dem Fall Honka zeigt wie spektakuläre Verbrechnen in Zeiten ruhiger Nachrichtenlage besonders hervorgehoben werden und dabei oft die Perspektive der Betroffenen vernachlässigt wird.
00:36:04: Mitte der neunzehntasiebziger Jahre erscheinen in der Presse Fotos von Leichenteilen Listen von Sexspielzeug, Zeichnungen von Tatorten.
00:36:13: Die Täterwohnung wird zur Folterkammer.
00:36:16: Es ist das Bild eines moralischen Verfalls den man sich selbst nicht zuschreiben will.
00:36:21: Was zieht uns an Berichten über Verbrechen so sehr an?
00:36:24: Es ist ein Mechanismus der die Gesellschaft dazu bringt dort hinzuschauen wo es weh tut.
00:36:30: Eine Gesellschaft die fasziniert ist vom Schaden aber nicht unbedingt vor Menschen der ihn erlitten hat.
00:36:35: So beschreibt es auch Susanne Regener.
00:36:37: Die Frage ist, was spielt sich hier eigentlich ab?
00:36:40: Wenn wir über True Crime sprechen.
00:36:42: Mark Selzer, ein amerikanischer Literaturwissenschaftler hatte sich da vor vielen Jahren schon damit beschäftigt und hat das Wound Culture genannt.
00:36:51: also ich nenne das Kultivierung der Wunde oder Kultur der Wunder die Faszination in unserer Gesellschaft für beschädigte Körper in jeder Form.
00:37:02: Beschreibt eben auch Marc Selzer als Medien gemacht, das ist etwas was wir alle kennen von einem Unfall auf der Autobahn dass viele Leute stehen bleiben und sich diese Wunde diesen Unfall anschauen wollen.
00:37:20: Das wird in den Medien gerade auch jetzt im Fall von Fritz Honka nochmal ganz besonders ausgestellt.
00:37:29: True Crime wirkt auf viele so fesselnd, weil es existenzielle Themen berührt.
00:37:33: Angst Tod Moral.
00:37:36: Es erlaubt einen Blick in das vermeintlich Abgründige aus sicherer Distanz.
00:37:40: Man kann sich gruseln vergleichen abgrenzen und man such nach Erklärung für das Böse Für das Unkontrollierbare.
00:37:48: Diese Mischungen aus Schock Neugier Und dem Wunsch Nach Kontrolle Sie macht true crime so anziehend.
00:37:54: Was Regener dabei besonders auffällt sind Wiederholungen.
00:37:57: Wiederholung spielt eine zentrale Rolle, nicht nur beim Serienmord sondern auch beim Zuhören.
00:38:04: Serienkiller wie Honka wiederholen ihre Taten – oft mit ritualisierter Präzision und auch Konsumentinnen von True Crime hören immer wieder ähnliche Geschichten.
00:38:14: Wiederholungen schafft Orientierung.
00:38:16: Unser Paradoxes klingt manchmal ein Gefühl von Kontrolle und Glück.
00:38:21: Und je spektakulärer Einfall erzählt wird, desto größer wird das Interesse.
00:38:26: Aber wo die Tat zur Sensation wird, da wird oft auch der Täter zur Figur.
00:38:31: Manchmal sogar zur
00:38:32: Ikune.".
00:38:33: Also die Skandalisierung führt immer zur Glorifizierung.
00:38:37: Die Skandalisierung ist ja auch in diesem Fall, also gerade im Honka-Fall ganz bedeutsam, denke ich.
00:38:45: Der Fall von Fritz Honka wurde viele Male erzählt – ob in dem Buch der Goldene Handschuhe von Heinz Strunk, dem gleichnamigen Film von Fatih Akkin oder eben auch in True Crime Podcasts.
00:38:55: True Crime verspricht Realität, echte Fälle, wahre Geschichten.
00:39:00: Aber wie diese Geschichten erzählt werden ist immer auch eine Entscheidung.
00:39:04: Welche Quellen werden genutzt?
00:39:05: Wessen Perspektive steht im Vordergrund und wer wird gehört und wer nicht?
00:39:11: Gerade im True-Crime-Genre verschwimmen oft die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion, zwischen journalistischer Recherche und dramaturgischer Zuspitzung – es geht um Spannung, nicht immer um Genauigkeit!
00:39:23: Und die Frage ist... Wie verantwortungsvoll wird erzählt?
00:39:27: Es ist nämlich wirklich schwierig, weil mittlerweile all diese True Crime Geschichten unsere Wahrnehmung so stark beeinflussen und verändert haben.
00:39:36: Das stelle ich in vielen Podcasts fest, dass sich gar nicht mehr die Mühe gemacht wird nach anderen Quellen zu suchen oder seriöse Quellen zur Hinterfragen also auch Wissenschaftlerinnen zu befragen, die sich damit beschäftigt haben.
00:39:54: Für Susanne Regener steht neben der Darstellung auch die Rezeption im Fokus.
00:39:58: Sie fragt sich, ob True Crime-Geschichten tatsächlich patriarchale Gewaltverhältnisse hinterfragen oder ob sie sie im Gegenteil eher bestätigen?
00:40:07: Oder inszenieren, dass Männer dominieren und Frauen leiden?
00:40:11: Zentral ist für sie dabei diese Überlegung – was nehmen Hörerinnen und insbesondere Frauen aus diesen Geschichten mit?
00:40:19: Dafür stellt die Kulturwissenschaftlerin zwei Möglichkeiten nebeneinander Den voyeuristischen Konsum.
00:40:25: Hier geht es um Neugier, Nervenkitzel und das passive Mitfühlen.
00:40:29: Es wird spannend erzählt man leidet kurz mit aber stellt die zugrunde liegenden Machtverhältnisse nicht wirklich in Frage.
00:40:35: Das ist die Gefahr vieler kommerzieller True Crime Formate.
00:40:38: Sie reproduzieren Gewalt ohne sie zu dekonstruieren.
00:40:43: Regener wirft noch einen anderen Gedanken auf speziell für ein weibliches Publikum dass kritische erkennen von Machtstrukturen.
00:40:50: Vielleicht konsumieren Frauen solche Geschichten nicht nur aus Thrill, sondern weil sie in ihnen eine Wahrheit erkennen.
00:40:57: Die systematische Gewalt gegen Frauen – die wiederkehrenden Muster männlicher Dominanz, die Strukturen, die solche Verbrechen überhaupt
00:41:05: ermöglichen.".
00:41:06: In dem Sinne kann der Konsum auch eine Form der Bestätigung sein?
00:41:10: Eine traurige aber echte Erkenntnis und vielleicht im besten Fall kann das auch einem Puls zur Solidarität zum Protest, zur Aufklärung sein….
00:41:28: Es ist nicht nur die Sprache der Medien oder der Polizei, die Distanz schafft.
00:41:32: Auch das Frauenbild der damaligen Zeit spielt eine
00:41:34: Rolle.".
00:41:35: Wenn man heute auf die neunzehntsiebziger Jahre zurückblickt, dann sieht man beides – Aufbruch und Abwertung!
00:41:41: Das ist ein Jahrzehnte in dem Frauen immer wieder ihre Stimme erheben.
00:41:45: In Hamburg gründen Aktivistinnen das erste autonome Frauenhaus.
00:41:49: Sie reißen Wände ein, streichen Zimmer, schaffen Schutzräume selbst verwaltet solidarisch laut.
00:41:56: Aber dieser Aufbruch erreicht längst nicht alle.
00:41:59: Das neue Frauenbild, emanzipiert selbstbewusst kämpferisch bleibt vor allem ein Bild der Mittelschicht.
00:42:05: Akademikerinnen, Studenten und Journalistinnen, sie organisieren Demos und schreiben Flugblätter – und sie sprechen dabei selten über Frauen wie Gertraut.
00:42:18: Sie hatte die Kneipen auf Sankt Pauli und eine Gesellschaft, die auch Frauen wie sie herab sah.
00:42:26: Weil sie trank – weil sie wechselnde Männer hatte!
00:42:29: Weil sie Gelegenheitsex gegen Geld nicht ausschloss.
00:42:33: Für viele war sie keine richtige Frau... ...und ganz sicher kein richtiges
00:42:37: Opfer.".
00:42:38: Das Frauenbild der Siebzigerjahre war ein Kampfplatz….
00:42:41: …aber nur für die, die noch eine Stimme hatten.
00:42:44: Gertraut hatte keine mehr — und sie bekamen auch keine.
00:42:47: Nicht in der Zeitung, nicht im Gerichtssaal, nicht einmal in der Erinnerung.
00:42:51: Lange blieb sie namenlos.
00:42:53: Eine unter vielen, die statistisch verschwinden zwischen Milieu, Trinkerin und
00:42:58: Prostituierter.".
00:42:59: Was
00:43:00: bleibt ist ein trauriger Kontrast.
00:43:02: Während sich in Hamburg Feministinnen für Schutzräume stark machen, ist Gertrout allein in einer Situation aus der sie nie wieder lebend rauskommt.
00:43:11: Aber auch dieser Teil ihrer Geschichte muss erzählt werden – denn er zeigt auch wer mitgemeint war und wer nicht!
00:43:33: Ein Jahr, nachdem die Leichenteile in seiner Wohnung gefunden wurden, erhebt die Staatsanwaltschaft Hamburg Anklage gegen Fritz Honka.
00:43:41: Vier Frauen soll er getötet haben – aus einem Grund der in den Akten Nüchtern so klingt, weil sie nicht zum Geschlechtsverkehr mit ihm bereit waren und da ihren Widerstand brechen wollte.
00:43:51: Kurz nach seiner Festnahme im Juli-Ninzentfünfundsiebzig hatte Honka ein umfassendes Geständnis abgelegt, indem er die Tötung von vier Frauen einräumt.
00:44:02: Der Prozess beginnt im November vor der großen Strafkammer XXI des Landgerichts Hamburg.
00:44:07: Der Mann, der vier Frauen ermordet haben soll, schweigt zunächst.
00:44:11: Dann sagt er entgegen seines Geständnisses, er könne sich an nichts erinnern.
00:44:15: Zwar gesteht er die Leichen, zerstückelt und versteckt zu haben – aber die Morde selbst?
00:44:20: Daran habe er keine
00:44:21: Erinnerung.".
00:44:23: Sein Verteidiger ist einer der bekanntesten Strafanwälte Deutschlands Rolf Bossi.
00:44:28: Er will erreichen, dass Honka für unzurechnungsfähig erklärt wird.
00:44:32: Wegen Alkoholkonsum, wegen einer Kindheit im Heim, wegen seelischer Abartigkeit – so nennt es das Gutachten!
00:44:40: So will Bossi die Verantwortung seines Mandanten für die Taten relativieren und ihn als vermindert schuldfähig einstufen
00:44:46: lassen.".
00:44:47: Am zwanzigsten Dezember, nineteenhundertsechsundsiebzig fällt das Urteil.
00:44:51: Die Nordchau berichtet damals Ein Hamburger Schwurgericht hat am Vormittag den zweinverzicherigen Wachmann Fritz Honka wegen Mordes in einem und Totschlag sind drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren verurteilt, und eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik angeordnet.
00:45:08: Honka wurde zugebelicht im Zustand vermindeter Zurechnungsfähigkeit gehandelt zu haben.
00:45:17: Der Richter erkennt bei Honka einer Zitat, schwere seelische Abartigkeit mit Krankheitswert und eine verminderte Schuldfähigkeit an.
00:45:32: Wegen seiner psychischen Verfassung und weil er betrunken
00:45:34: war.".
00:45:35: Auch während des Prozesses liegt der Fokus in den Medien auf dem Täter.
00:45:39: Seine Wohnung wird ziziert, seine Gewohnheiten, sein Blick – die Frauen, die er getötet hat bleiben Randfiguren.
00:45:46: Man spricht über sie aber nicht mit Respekt!
00:45:49: Die Sprache ist die gleiche wie in den Jahren davor….
00:45:51: Milieu Trinkerin prostituierte, als ging es nicht um vier Menschen sondern um vier Schicksale die von Anfang an verloren waren.
00:46:00: Über Gertraud schreibt der Staatsanwalt, insbesondere nach dem Tod ihres Verlobten Anfang neunzehntsiebzig suchte sie sich häufig wechselnde Männerbekanntschaften.
00:46:10: Es klingt wie ein Vorwurf – nicht wie eine Beschreibung einer Frau, die überlebt
00:46:14: hat
00:46:15: bis sie nicht mehr konnte und ihr ausgeliefert sein von Honka ausgenutzt wurde.
00:46:20: Nach dem Urteil wird Fritz Honka in die psychiatrische Klinik Ochsenzoll eingewiesen.
00:46:50: und den Opfern oft nicht einmal ein Namen
00:46:53: lässt.
00:47:10: Als die Leichenteile von Gertraud, neunzehntundseipzig gefunden werden, debt ihre Mutter in der DDR – sie stirbt, neunsinnhundertsechsundachtzig.
00:47:19: Gerdraud's Bruder lebt noch länger bis neunzenhundertsiebenundneunzig.
00:47:22: Öffentlich geäußert hat sich keiner von beiden je.
00:47:26: Der Hof in Hamburg-Altona auf dem man die Leuchenteile gefunden hat sieht heute anders aus.
00:47:32: Die Kfz-Werkstatt ist verschwunden, statt rostiger Tonnen und Wellblech ein roter Klinkerbau mit Lofts.
00:47:38: Design, Glas, Stahl, unten ein Architekturbüro, daneben eine Modemarke.
00:47:44: Hinter dem Haus rollen Züge vorbei.
00:47:47: Gegenüber stehen ein paar
00:47:48: Bauwagen.".
00:47:49: An Gerd Raut erinnert hier nichts
00:47:52: Sieh'n.
00:47:52: die anderen Frauen – Anna Beuschel, Frieda Roplik, Ruth Schult waren zeitlebens den männlichen Blick ausgesetzt und einer bürgerlichen Moral, die sie abwertete.
00:48:03: Als verwahrlost, asozial, unsauber.
00:48:06: Während ihr Mörder ein Mann der ihren Körpern die Brüste abschnittt in die Geschlechtstalle herauschnitt', denn aner Wohnung lebte, in der der Gestank verweste Leichen durch die Dielen zog, der ab als jemand galt, der laut den Ermittlungsakten angeblich Wert auf Ordnung und Sauberkeit legte.
00:48:22: Anna Beuschels Ehemann meldete Sie als vermisst – vier Wochen nachdem sie verschwunden war.
00:48:28: Gerdraut, Frieda Vermisste niemand.
00:48:43: Fast fünf Jahrzehnte nach den grausamen Morden durch Fritz Honka rückt ein Gedenkstein im Garten der Frauen auf dem Hamburger Friedhof Uhlstorff, die Opfer erstmals in den Mittelpunkt des öffentlichen Gedenken.
00:48:56: Am achtzehnten Mai, twenty-fünfundzwanzig wurde die Skulptur feierlich enthüllt.
00:49:01: Sie trägt die Namen und Porträts von Gertraud Breuer, Anna Beuschel, Frieda Robleck Vier Frauen, deren Leben und Geschichten lange im Schatten der medialen Faszination für den Täter standen.
00:49:21: Die
00:49:36: Historikerin Frauke Steinhäuser hat die Biografien der vier Frauen recherchiert und in der Broschüre getötet, weil sie Frauen waren dokumentiert.
00:49:45: Sie betont dass die Frauen trotz prekärer Lebensumstände versuchten ihre Würde zu bewahren etwa durch sorgfältige Kleidung oder den Wunsch nach einem bürgerlichen Leben.
00:49:56: Der Gedenkstein im Garten der Frauen ist nicht nur ein Ort des Erinnerns sondern auch ein Zeichen gegen das Vergessen ermahnt die Geschichten der Opfer nicht hinter der Sensationslust an Täterbiografien verschwinden zu lassen.
00:50:09: Und er fordert eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen, die solche Verbrechen begünstigen.
00:50:18: Es sind viele Jahre vergangen seit Gertraut ermordet wurde aber ihr Name steht jetzt auf einem Gedenkstein und vielleicht beginnt Erinnerung genau damit – Mit einem Namen, der bleibt!
00:50:30: Und es liegt dann uns sie nicht wieder verschwenden zu
00:50:32: lassen.
00:50:51: Das ist drei Uhr in der Nacht.
00:50:53: Die sechsundzwanzigjährige Inge ist gerade von einer Feier nach Hause gekommen und macht sich bettfertig, als es an der Tür klingelt.
00:51:01: Es muss ihr Verlobter sein, der keinen Schlüssel dabei hat.
00:51:04: Inge öffnet die Tür – und lässt Sohn ohne's zu wissen ihren Mörder in die Wohnung.
00:51:10: Ihre Geschichte erzählen wir in zwei Wochen hier bei Zwölfleben.
00:51:16: Falls ihr Feedback oder Anmerkungen oder vielleicht selbst eine Geschichte habt, die ihr mit uns teilen möchtet, schreibt uns jederzeit gerne eine Mail an zwölfleben.podimo-atgmail.com.
00:51:28: Diese Mailadresse findet ihr auch in der Folgenbeschreibung.
00:51:37: Zwölf Leben – Verbrechen an Frauen
00:51:39: ist ein Podcast
00:51:40: von Podimo.
00:51:42: Wir sind Helen Schulter
00:51:43: und Massimo Majo Autorin dieser Folge Kiana Lensch Schnitt & Sound Frieda Maurer und Luca Satori Ausführende Produzentin Madeline Petri.
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